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Barbara Rebmann

Anlässlich ihrer regelmässigen Familientreffen fanden sich im Bauernhausmuseum mehrere Nachkommen der Muttenzer Spänhauer-Familie aus Amerika ein. Für sie war es ein Erlebnis zu sehen, wie ihre Vorfahren in Muttenz gelebt hatten. Gemäss ihrer Aussage waren diese 1742 wegen fehlender Verdienstmöglichkeiten und einer in der Region länger andauernden Hungerperiode ausgewandert, ebenso wie Mitglieder anderer Muttenzer Familien.

Obwohl das Bauernhaus bei der Renovation auf die Zeit um 1900 zurückgebaut worden ist und die Einrichtung somit rund 150 Jahre jünger ist, gibt es keinen allzu grossen Unterschied zu der Zeit als die grosse Auswanderung aus Muttenz stattfand. So schnell wie in unseren letzten gut fünfzig Jahren hatte sich die Lebensweise der Menschen im 18. und 19. Jahrhundert nicht verändert.

Alles war damals noch Handarbeit und für Klein- und Kleinstbauernfamilien war es mehr als nur mühselig. Die meisten Frauen gebaren bis zu einem Dutzend, oft sogar mehr Kinder. Die Kindersterblichkeit war allerdings sehr hoch, so dass längst nicht alle überlebten und das Erwachsenenalter erreichten. Wer es schaffte, musste immer und überall bei der Arbeit im Haus, im Wald und auf dem Feld mithelfen oder gar in den Muttenzer Steinbrüchen arbeiten, was auch wieder viele Gefahren für Leib und Leben barg. Auch gab es weder eine medizinische Versorgung, noch üppige Freizeit oder gar Ferien, wie wir es heute kennen.

Für die Frauen war die Hausarbeit anstrengend: kein Staubsauger, keine automatischen Küchengeräte, keine Waschmaschine und kein Elektroherd oder gar Kühl- und Gefrierschrank. Auch gab es keine Einkaufszentren mit unserer heute üblichen Auswahl an Lebensmitteln. Die Hausfrau und ihre Töchter waren den ganzen Tag mit der Gartenarbeit und der Beschaffung sowie der Zubereitung der Mahlzeiten oder dem Haltbarmachen von Lebensmitteln für den Winter beschäftigt. Aufbewahrt wurde alles im kühlen Steinkeller.

Das fliessende Wasser fehlte im Haus, dafür gab es den Brunnen in der Strasse. Wer sich waschen oder gar baden wollte, musste kesselweise das Wasser draussen am Dorfbrunnen holen und in der Küche auf der offenen Feuerstelle erst einmal aufkochen. Kein Wunder badete man allerhöchstens einmal pro Woche vor dem sonntäglichen Kirchgang oder oft gar noch weniger. Heute auch kaum vorstellbar sass dann meistens die ganze Familie der Reihe nach im gleichen Holzbottich oder in der gleichen Sitzbadewanne und nutzte das gleiche Badewasser. Dieses wurde nur mit wenig heissem Wasser nachgefüllt und verschmutzte wohl immer mehr. Aus heutiger Sicht eine unappetitliche und unhygienische Sache, damals aber ganz normal. Das bestätigten auch unsere älteren Gäste, die es als Kinder selber noch so erlebt hatten.

Das elektrische Licht war noch nicht erfunden. Im Haus waren Kerzen oder russende Öl- und Talglichter Standard. Also ging man nach eintretender Dunkelheit schlafen, denn auch Fernseher oder Radio zur Abendunterhaltung waren noch nicht erfunden.

Nicht nach heutigem Geschmack war auch das Plumpsklo, das in der Regel ein kleiner Holzverschlag ausserhalb des Hauses und wenig angenehm war. Im Winter war es zwar gut durchlüftet, dafür eiskalt und im Sommer tummelten sich Horden von Fliegen und es stank. Als einzige etwas komfortablere Alternative hatte man den «Nachthaafe» oder einen sogenannten Leibstuhl, einen hölzernen Sessel mit einem Loch in der Sitzfläche und darunter einem Kessel. So musste man nachts wenigstens nicht in den finsteren Garten hinaus. Die im Haus eingebaute Toilette mit Wasserspülung hat sich ja erst nach dem 2. Weltkrieg verbreitet, nachdem flächendeckend auch entsprechende Frischwasser- und Kanalisationsleitungen gebaut worden waren.

Die vielen Eindrücke aus dem heute fast unvorstellbar einfachen Leben ihrer ausgewanderten Urahnen waren für die an modernen Komfort gewohnten, jüngeren Leute eine eindrückliche Zeitreise. Einzelne der älteren Gäste erinnerten sich, das eine oder andere Einrichtungsstück bei den eigenen Grosseltern noch gesehen zu haben. So gab es anlässlich dieser Führung einige lustige Geschichten zu erzählen, die uns bestätigten, dass die aus Muttenz mitgereisten Geräte und Einrichtungsideen auch im fernen Amerika ihren Dienst taten.

Reservieren Sie sich schon mal den Samstag, 24. August für das 40 Jahr-Jubiläum des Bauernhausmuseums. Weitere Details dazu folgen im nächsten Amtsanzeiger.

Das Bauernhausmuseum ist am Sonntag, 31. Mai von 10 – 17 Uhr geöffnet und eine «Bachede» von frischem Buurebrot und Zöpfen steht dann bereit. Auch die «Bäsebeiz zum Tschuppeldäni» bewirtet gerne ihre Gäste.

Das Ortsmuseum ist am Sonntag, 31. Mai von 14 - 17 Uhr geöffnet. Gezeigt werden neben der geschichtlichen Entwicklung von Muttenz, die neue Sonderausstellung zur Siedlungsgenossenschaft Freidorf und das Modell des ältesten Baselbieter Gebäudes an der Burggasse 8. Es stehen auch Kopien historischer Tischspiele für Jung und Alt bereit und natürlich die Vitrine zum Rätselraten.

 

Die Spänhauers und die Spainhours vor dem Bauernhausmuseum