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Was passierte alles während des Krieges in Muttenz?
Zu Beginn des Krieges war die Luftschutzkompagnie Muttenz ausbildungstechnisch und organisatorisch für entsprechende Aufgaben wohlvorbereitet. Alle Angehörigen der Truppe nahmen zudem mit Genugtuung davon Kenntnis, dass der Bundesrat am 29. Dezember 1939 auch sie nun der Eidg. Militärversicherung unterstellte. Am 1. Februar 1940 wurde eine Regelung für eine Lohnausfallentschädigung bei Militär- und Luftschutzdienst getroffen. Erstmals mussten die Arbeitgeber 4% von jeder Gehalts- oder Lohnsumme abliefern, während auf der anderen Seite den Arbeitnehmern 2% vom Bruttolohn abgezogen werden mussten (Paritätische Lösung). Auf Grund dieser neuen Bestimmungen war für den Wehrmann glücklicherweise besser gesorgt als im Ersten Weltkrieg.

Im Frühjahr 1940 erfolgten weitere wichtige Entscheidungen des Bundesrates: Abgabe von Sandsäcken an die Zivilbevölkerung, eine Aktion zum Bau einfacher Schutzräume, die Unterstellung der Luftschutzorganisationen unter das Militärstrafrecht, sofortige Erstellung von Alarmzentralen und Kommandoposten in Muttenz, Bewaffnung der ABV-Dienste und der Luftschutzpolizei. Ab Mai 1940 mussten Alarmzentralen und Kommandoposten bei einer Mobilmachung bewacht werden; ferner wurde eine enge Zusammenarbeit mit den bewaffneten Ortswehren (Nikl. Schaub-Meyer war während des Krieges ihr Kommandant) verfügt. Im Juni 1940 musste in Muttenz ein Chlorkalklager (zur Verhinderung von Seuchen) angelegt werden. Während der ganzen Kriegsdauer waren die aktiven militärischen Einheiten ablösungsweise im auswärtigen Dienst, während die Luftschutzangehörigen ihre Aufgaben in der eigenen Gemeinde erfüllen mussten. Ihr Einsatz war deshalb etwas unproblematischer und doch machte es vielen Mühe, fast jede Woche.zum Ablösungsdienst in der Alarmzentrale und zur Verdunkelungskontrolle zu erscheinen. Bei Fliegeralarm (was in der Regel nachts erfolgte) musste immer die ganze Kompagnie antreten. Das Kader wurde recht viel beansprucht, waren doch von der Luftschutzkompagnie Muttenz ständig Angehörige in eidg. Kursen zur Weiterausbildung abwesend.

Luftschutzgruppe Flugzeugüberwachung 1943
Foto: Museen Muttenz

Nachdem am 11. Dezember 1941 Deutschland mit Italien den Vereinigten Staaten den Krieg erklärten, wurde auch die Lage in Europa ungemütlicher. Deshalb war im Jahre 1942 eine grossangelegte Mobilmachungsübung durchzuspielen, Im Jahre 1942 empfand man den schon drei Jahre dauernden Krieg als bedrückend, weil trotz der entscheidenden Schlacht vor und nachher in Stalingrad immer noch kein Ende in Sicht war. Bei uns wurde die Lebensmittel-Rationierung verschärft, ein Energiemangel begann sich zudem anzubahnen. Erstmals verfügte der Bundesrat den langfristigen Bau von Kraftwerken in unseren Bergen (Entscheid Juli 1942). Im Oktober 1942 musste vor der Brandgefahr durch ausländische Störballons gewarnt werden und im gleichen Monat trat nahezu epidemisch eine Art Dysenterie bei der Truppe und in der Zivilbevölkerung auf. Ein blaues Zirkular aus Bern empfahl zur Zurückdämmung dieser unangenehmen Krankheit: «Immer Händewaschen vor den Mahlzeiten und nach Benützung der Latrinen, energische Fliegenbekämpfung!»
Im November 1942 musste neuerdings auf Störballons aufmerksam gemacht werden. die aber diesmal mit Brand-Phosphor (selbstentzündend) bestückt sind. In einem Zirkular der Abteilung für Luftschutz in Bern werden die durch den heftigen Luftkrieg bekannten Kriegserfahrungen mit Brandbomben bekanntgegeben. Tatsächlich verschärfte sich im September 1943 der Luftkrieg und zwang die Luftschutzorganisation von Muttenz Blutspender (laut Aufruf möglichst mit Blutgruppe 0) zu suchen, die bei einem plötzlichen Bedarf bei einem allfälligen Bombenabwurf auf unser Gebiet nötig gewesen wären.

Luftschutzbüchlein 1944
Foto: Museen Muttenz

Im April 1944 kam der Krieg immer näher an unsere Grenzen, was aus einer Meldung an das Kommando hervor- geht, wonach in Muttenz bei sofortigem Bedarf «250 Not-Krankenzimmer» zur Verfügung stehen müssen. Im Juni 1944 gibt ein Zirkular aus Bern Aufschluss über «den Ernst der Versorgungslage». Im September 1944 sind wieder beide Kriegsparteien an unserer Grenze, worauf die Verdunkelung sofort aufgehoben wurde, um unser neutrales Gebiet nachts besonders sichtbar zu machen. Im November 1944 finden die ersten grösseren Flüchtlingsübertritte in die Schweiz statt. Ein Zirkular vom 25. November 1944 der Abteilung für Luftschutz regelt die Flüchtlingsfragen, wobei mit grösseren Kontingenten gerechnet wurde. Vom örtlichen Luftschutz wurde Mithilfe verlangt. «Massgebend muss aber bleiben, dass der Luftschutz seine Aufgaben bei Bombardierungsschäden durchführen kann», schreibt Bern.

Am 24. September 1944 meldet das Luftschutzkommando Muttenz nach Bern: «Gefundener Registrierballon aus Deutschland. Ich nehme Bezug...» Am gleichen Tag geht folgenden Meldung an die Abteilung für Luftschutz nach Bern: «Beobachtungen im Grenz gebiet. Gemäss Ihrer Weisung sind...» Übrigens meldet Bern einige Tage später, dass Hans Brüderlin in der Burggasse 10, die übliche Belohnung von 5 Franken überwiesen worden sei.

Am 4. März 1945 wurde Basel (vermutlich versehentlich) aus der Luft bombardiert und mehrere Gebäude in Bahnhofnähe erlitten starke Beschädigungen. Es soll auch in Muttenz Schaden entstanden sein. Eine Meldung vom 11. März 1945 an die Abteilung für Luftschutz in Bern ergibt Folgendes: «Wie ich erst nachträglich vernommen habe, ist.
Glücklicherweise passierte gegen das Kriegsende in Muttenz nichts mehr von Bedeutung und es konnte mit grossem Aufatmen von der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht vom 7./9. Mai 1945 Kenntnis genommen werden.

Mit der Entlassungs-Inspektion vom 21. Juni 1945 wurde die Luftschutzkompagnie von ihren Aufgaben entlastet und in der Folge übertrug das Eidg. Militärdepartement den Luftschutz der Armee. Wenige Angehörige der bisherigen «blauen» Luftschutztruppen wurden umgeschult und mussten in feldgrauer Uniform in normalen Wiederholungskursen ihren normalen Dienst in den folgenden Friedenszeiten absolvieren. Allen Aktiven der Luftschutztruppen wurden vom Vorsteher des Eidg. Militärdepartements, Bundesrat Kobelt, der Dank in Gestalt einer Urkunde abgestattet.