von Barbara Rebmann

Bei den Inventarisierungsarbeiten im Bauernhausmuseum wurden von unserem Assistenten Beat Zimmermann nach dem Wohntrakt nun auch der Schopf und der Keller rekatalogisiert. Geplant war, alle tragbaren Objekte ins Licht hervorzuholen, zu fotografieren und zu vermessen und in der Datenbank korrekt zu erfassen. In der intensiven „Regenzeit“ Ende Mai und Anfang Juni, während der sich täglich ausgiebige Gewitter und grosse Hitze abwechselten, stieg die allgemein herrschende Luftfeuchtigkeit extrem an. Im kühlen Gewölbekeller des Bauernhauses kondensierte in der Folge die warme Feuchtigkeit auf den dicken, in den Untergrund eingetieften Mauern. Dies zeigte sich in nassglänzenden Mauersteinen und einzelnen Rinnsalen, die gar die Wand herunterliefen. Diese Nässe machten sich verschiedene Nacktschnecken für den Abstieg in den Keller zunutze, verfolgt von 12 und 15 cm grossen Tigerschnecken, sogenannten Tigerschnegeln (lateinisch limax maximus). Die zur Museumseröffnung vor rund 35 Jahren neueingepassten Fenster in den Oberlichtern hatten nämlich über die Jahrzehnte am Übergang zur Bruchsteinmauer Risse und kleine Lücken im Mörtel bekommen. Die Löcher passen zwar als Eingang für Schnecken, jedoch sind sie nicht gross genug, um auch noch als Lüftung zu funktionieren. Da auch die Mitglieder der Arbeitsgruppe Museen (AGM) jeweils nach dem Museumssonntag ordentlich die Kellertüre zuzogen, entwickelte sich ein spürbar feuchtes und daher zunehmend ungesundes Klima im unbelüfteten Keller.

In historischen Zeiten und weit über die Mitte des 20. Jahrhunderts hingegen war der ganze Oekonomietrakt jedes Bauernhauses ziemlich zugig. Damit konnte verhindert werden, dass die Feuchtigkeit wie jetzt „hängenblieb“ und sich mit der Zeit gesundheitsschädigender, schwarzer Schimmel entwickelte. Anlässlich der Renovierungsarbeiten 1983 waren alle traditionellerweise vorhandenen Lattenwände, Lüftungsschlitze und –fenster verschlossen worden. Damit sollte verhindert werden, dass Ungeziefer aller Art und Grösse im Bauernhaus ein- und ausgehen kann. Ungewollt brachte man damit auch die natürliche Lüftung des Gebäudes aus dem Gleichgewicht.

Beim Umräumen der „Hurd“ (hölzernes Lagergestell) und diverser im Keller aufgestellter Korbflaschen stellte unser Assistent Beat Zimmermann dann mit Schrecken fest, dass sehr viele der dort stehenden Holz- und Korbobjekte vom Boden her rettungslos verschimmelt oder gar schon verfault waren. Einige der Korbflaschen zerfielen beim Hochheben in kleinteilige, faulig-pelzige Häufchen und nur das Glas überlebte. Schliesslich mussten drei hölzerne 200 Liter-Weinfässer mit der Konsistenz eines fauligen Badeschwammes, vier verschieden grosse Korbflaschen und diverse hölzerne Geräte und Becken entsorgt werden. Nun macht es sich bereits bezahlt, dass unsere Depots gut bestückt sind und bis auf die Fässer jedes der entsorgten Objekte problemlos durch ein identisches Stück ersetzt werden kann.

Nachdem als Sofortmassnahme die Oberlichter im Keller ringsherum geöffnet worden waren und auch das historische Kellertor offen blieb, gab es innert 24 Stunden eine spürbare Besserung. Die Mauern trockneten wenigstens oberflächlich soweit ab, dass es den Schnecken nicht mehr behagte. AGM-„Bau-Chef“ Schaggi Gysin kümmert sich inzwischen mit den zuständigen Leuten in der Muttenzer Bauverwaltung darum, dass die drei Oberlichter im Keller umgeändert werden. Sie sollen ganzjährig die Luftzirkulation gewährleisten, aber weder Regen noch Ungeziefer hereinlassen. Die AGM selber muss die im Keller ausgestellten Objekte reduzieren und sie neu mit genügend Distanz zum feuchten Boden, zu Wänden und den anderen Objekten platzieren, so dass alles ringsherum gut belüftet ist. Dann können Museumsgäste und AGM wieder getrost im Keller verweilen, ohne dass mit plötzlich auftretendem Husten oder schlimmeren asthmatischen Anfällen gerechnet werden muss.

Am kommenden ersten Sonntag der Sommerferien, am 1. Juli von 11 bis 17 Uhr findet nun die „Stuubede“ noch vor dem Bauernhausmuseum statt. Im Juli ist in den Muttenzer Museen Sommerpause.

Wir öffnen beide Museen wieder am Sonntag, 26. August. Dann gibt es von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr die Gelegenheit, unser Bauernhausmuseum mit der „Bäsebeiz zum Tschuppeldäni“ und dem Brotstand zu besuchen. Im Ortsmuseum ist die Dorfgeschichte und die Karl Jauslin-Ausstellung ist von 14-17 Uhr zu sehen.

 

Fotos - Links: Improvisierter Arbeitsplatz mit Fotostudio im Bauernhausschopf / Mitte: Von oben gesehen scheint noch alles in Ordnung… / Rechts: Der 15 cm lange Tigerschnegel wurde nicht in die Museumssammlung integriert
Links: Improvisierter Arbeitsplatz mit Fotostudio im Bauernhausschopf / Mitte: Von oben gesehen scheint noch alles in Ordnung… / Rechts: Der 15 cm lange Tigerschnegel wurde nicht in die Museumssammlung integriert