Man schreibt das Jahr 1941, als ein kleiner Italiener namens Gaetano Reale in eine noch relativ kleine Familie hinein geboren wird. Dies ändert sich aber im Laufe der Jahre, als noch weitere acht Geschwister dazu kommen. Er lebt in einem kleinen Dorf in Kalabrien (Süditalien), wo er bereits in sehr jungen Jahren anfängt auf dem Feld zu arbeiten, um den Eltern zu helfen.

Im Gespräch zwischen Gaetano und seiner Enkeltochter Ariana ist klar zu erkennen, wie gut sie sich verstehen und kennen. Dank des bereits vorhandenen Vorwissens von Ariana kann sie ihrem Grossvater, der auf unsere Fragen eher knapp antwortet, um nichts falsch zu machen, im richtigen Moment einhaken, und so die Geschichten aus ihm herauskitzeln. Sehr lange ist dies allerdings nicht nötig, denn als Gaetano langsam in Fahrt kommt, prasseln die lebendigen Geschichten nur so aus ihm heraus.

 

Gaetanos ältere Schwester ist in die Schweiz nach Muttenz emigriert. Dahin zieht es 1959 auch den jungen Gaetano und zwei weitere Geschwister. Bald schon arbeitet der erst 17-jährige Italiener in der Bäckerei Bischoff in Muttenz Dorf. Die drei Geschwister arbeiten nicht nur bei der Familie Bischoff, sie wohnen auch dort. Gaetano erinnert sich gerne an die unglaublich nette und gastfreundliche Familie, bei der er sich von Anfang an sehr wohl fühlt. Er arbeitet nicht nur für sich. Gaetano schickt das ganze verdiente Geld seinen Eltern, die in Italien noch für sieben weitere Geschwister zu sorgen haben. Mit jedem Monat, in dem er arbeitet, verdient er mehr und kann auch mehr schicken. Er behält nichts für sich.

Die freundliche Gastfamilie und ein äusserst soziales Umfeld helfen, dass er sich sehr wohl fühlt und sich gut integrieren kann. Auch wenn er natürlich seine Familie und sein Leben in Italien vermisst und auch seine Leidenschaft als Landwirt aufgeben muss, fühlt er sich von Tag zu Tag mehr zu Hause in der Schweiz.

Dadurch, dass Gaetano Reale allein in die Schweiz kommt, kann er schnell die deutsche Sprache erlernen, da er sich ja sonst nicht verständigen kann und Italienisch für seine Gastfamilie völlig fremd ist. Heute ist er so weit, dass er sich hier vollkommen zu Hause fühlt, weil fast alle seine Verwandten mit der Zeit in seine Nähe gezogen sind. Die Familie hat sich somit auch in seiner Nähe erweitert. Gaetano fühlt sich so wohl, dass er auch gerne hier in Muttenz begraben werden möchte.

„Heimat bedeutet für mich Zugehörigkeit, also dass man nicht aus der Reihe fällt“, sagt er. Seine Heimat ist zwar Italien, aber die Schweiz ist für ihn gleichwertig, denn er fühlt sich hier auch zu Hause, weil er hier alles hat und sich wohl fühlt. Auch wenn es für ihn sehr angenehm ist hier zu leben, vermisst er seine Heimat Italien. In den Momenten, in denen er etwas von früher sieht, z.B. in den Ferien in seinem alten Zuhause, freut er sich zwar, aber es macht ihn auch traurig, da es sehr schöne Momente sind, an die er sich erinnert.

 

Während vieler Jahre harter Arbeit integriert er sich immer besser in der Schweiz. Bis er dreissig ist, lebt und arbeitet er ohne Frau an seiner Seite. Doch dann, bei einem harmlosen Spaziergang mit einem Freund in Liestal, lernen sich Gaetano und Caterina kennen und es dauert bloss acht Monate, bis sie sich das Ja-Wort geben.

Im Grossen und Ganzen ist er froh über den Wechsel in die Schweiz und stolz über die Arbeit, die er hier geleistet hat. Er hat seine Arbeit immer mit viel Freude gemacht. Sei es die Zeit in der Bäckerei, die zwanzig Jahre als Lastwagenfahrer oder auch die zwanzig Jahre als Buschauffeur. Bedauerlicherweise muss er mit 62 Jahren wegen eines Hirnschlags in Frühpension gehen. Gaetano Reale hat es nie bereut, dass er nach Muttenz ausgewandert ist.

Ariana und David