von Barbara Rebmann

Sie, liebe Leserinnen und Leser, wissen schon, dass sich nur ein sehr kleiner Teil der Arbeit der Arbeitsgruppe Museen Muttenz (AGM) in der Öffentlichkeit resp. in den Museen abspielt. Dieses Jahr war es noch viel weniger als üblich, denn das Ortsmuseum blieb das ganze Jahr geschlossen. Obwohl ab Oktober der neue Lift fahrbereit war, können erst nach Abschluss aller Bauarbeiten die Fahnen wieder aufgehängt, die Feinreinigung der Vitrinen und Ausstellungsräume begonnen und die neuen Ausstellungselemente montiert werden. Damit alles zur Eröffnung am letzten Januar-Sonntag bereit ist, steht der AGM nach den Festtagen noch ein ziemlicher Berg an Arbeit bevor.

Das Bauernhausmuseum war an fünf Sonntagen für das Publikum geöffnet und zeigt einige neue Ausstellungselemente. Höchst erfreulich waren hier die Besuche einiger Schulklassen. Die allerletzte „Stuubede“ im August, war ein voller Erfolg und deshalb fiel der Abschied sowohl der AGM als auch dem Publikum noch viel schwerer. Trotz vieler aufmunternder Kommentare blieb die AGM bei ihrer Entscheidung, denn die körperliche Belastung solcher Grossveranstaltungen zerrt an den Kräften der Museumsleute.

Was die üblicherweise verborgenen Museumsarbeiten im Detail bedeuten, davon konnten sich Anfang Jahr einige Gemeinderäte und ein paar Tage später die Mitglieder des Fördervereins Museen Muttenz ein Bild machen. Leider schrumpfte auch die bei dieser umfangreichen Depotarbeit aktiv mitarbeitende AGM-Gruppe immer mehr zusammen. Deshalb waren wir froh, auch dieses Jahr wieder auf unseren bewährten Museumsassistenten Beat Zimmermann zurückgreifen zu können. In gewohnt schneller und trotzdem exakter Weise inventarisierte und dokumentierte er über 400 neue Objekte im Bauernhaus und in beiden Depots. Dank seiner Mitarbeit sind trotz unregelmässig stattfindender AGM-Arbeitsnachmittage in beiden Depots Fortschritte gut erkennbar. So haben wir im Depot Geispel bereits den zweiten Raum mit inventarisierten Objekten gefüllt. Unter Mithilfe von Mitgliedern des Fördervereins konnten fünf rostige Pflüge instand gestellt und später ins Bauernhausmuseum gebracht werden. Dort haben sie auf der Heubühne einen neuen Standplatz gefunden und im Depot gibt es wieder ein paar Quadratmeter freien Stellplatz. Sobald es wärmer ist, wird dieser wieder mit anderen Objekten gefüllt werden, denn laufend kommen weitere Grossobjekte dazu, welche im Eingangsbereich auf ihre Aufarbeitung und die definitive Platzierung warten.

Parallel zur Objektinventarisierung musste das Museumsarchiv beider Muttenzer Museen von den Gründungsjahren bis in die Neuzeit durchgekämmt werden - eine Sisyphusarbeit. In allen Büro- und Museumsräumen kamen immer neue Ordner mit alten Papieren zum Vorschein, welche integriert werden mussten. Alle inzwischen verstorbenen Mitglieder der früheren Museumskommission hatten ihre eigene private Aktenablage dem Museum überlassen. Dies bedeutete, dass fast alles mehrfach vorhanden war. So wurde ab Mitte Sommer sortiert, zusammengelegt, ausgeschieden und neu geordnet. Diese Archivarbeiten werden im neuen Jahr fortgesetzt.

Als Jahresabschluss wurde am 6. Dezember das Adventsfenster im Bauernhausmuseum eröffnet. Das Thema „historischer Santichlaus“ hat uns alle wider Erwarten stark gestresst, war doch bis wenige Tage vor der Öffnung die versprochene „Chlause-Chutte“ nicht auffindbar. Passende Alternativen waren nirgends aufzutreiben, denn das heutige Bild des „Santichlaus“ und die Verarbeitung seiner Kleidung entspricht ganz und gar nicht dem traditionellen Vorbild des finsteren Gesellen aus unserer Region. Doch liess sich in letzter Minute alles zur Zufriedenheit lösen.

Jetzt wünscht die AGM allen, die den Museen zugetan sind, frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Wir hoffen Sie alle am Sonntag, 26. Januar zur Wiedereröffnung des rollstuhlgängigen Ortsmuseums begrüssen zu dürfen. Damit alle Gäste den Lift ausprobieren können, öffnen wir die Türe bereits um 10 Uhr und bieten durchgehend bis um 17 Uhr u.a. Führungen durch die Karl Jauslin-Sammlung mit Kurator Peter Habicht an. In der Wartezeit offerieren wir Ihnen gerne einen kleinen Umtrunk.

 

Museen Muttenz

 

von Barbara Rebmann

Wie schon seit Jahren öffnet am 6. Dezember um 18 Uhr das Bauernhausmuseum sein Adventsfenster. Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren.

In diesem Jahr hat sich die Arbeitsgruppe Museen (AGM) entschieden eine historische „Santichlaus“-Szene auszustellen, die von jüngeren Leuten vermutlich ziemlich kontrovers diskutiert werden wird. Die Szene wird zeigen, was die Grosseltern noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts in ähnlicher Art selber erlebt haben. Unser traditioneller „Santichlaus“ war nämlich ein eher grimmiger Geselle, der zu Fuss mit einem Esel aus dem Schwarzwald kam. Er las aus einem dicken Buch die Fehltritte des ganzen Jahres vor, kommentierte, ermahnte oder schimpfte. An Stelle von Geschenken verteilte er einheimische Äpfel, Birnen, Baum- und Haselnüsse an brave Kinder. Konnten sie noch ein „Värsli“ aufsagen, gab es oft noch „Änisbrötli“ oder kleine Lebkuchen dazu. Wo nötig brachte er eine „Rute“ zur Züchtigung mit oder steckte ungezogene Kinder gar in seinen Sack. Diesen lud er sich dann im schlimmsten Fall auf den Rücken und nahm ihn ein Stück des Weges mit. Darum sorgten die Buben am Nikolaustag vor und trugen ein Messer in der Hosentasche, um sich notfalls den Weg aus dem Sack freischneiden zu können. Eigentlich wusste niemand, was da im finsteren Schwarzwald in der Hütte des „Santichlaus“ zu erwarten wäre, aber ausprobieren wollte es auch niemand.

Hintergrund unseres grimmigen schwarzen „Santichlaus“ war, dass es nach der Reformationszeit für Protestanten nicht denkbar war, die Gestalt des gütigen katholischen Bischofs Niklaus von Myra aus dem 4. Jahrhundert zu übernehmen. Als furchteinflössende und somit erzieherisch wirkende Begleitung hatte der den finsteren „Schmutzli“, auch „Knecht Ruprecht“ genannt, an seiner Seite. Dieser war aus der Mythologie entstanden und stellte das Böse dar, das dem Guten dienen muss. In historischen Zeiten, als die Menschen in Dörfern entweder reformiert oder katholisch waren, entwickelten sich zwei unterschiedliche Nikolaus-Gestalten. Zum einen der gütige „Santichlaus“ im langen roten Mantel, mit Mythra und Bischofsstab, der in den vorwiegend katholischen Gemeinden unterwegs war. In den reformierten Gemeinden entwickelte sich aus dem „Schmutzli“ allmählich eine Abwandlung zum reformierten grimmigen „Santichlaus“, der mit schwarzem Kapuzenmantel gekleidet daher kam.

Damals gab es noch keine psychologisch geschulten Nikoläuse zu mieten und Tränen und Angst waren am Nikolaus-Tag eine willkommene Wirkung und ganz im Sinne der Erziehungsberechtigten. Konnten sich Eltern unter den Nachbarn und Verwandten keinen „Santichlaus“ organisieren, so war am Abend des 6. Dezember manchmal ein Riesengepolter im Hausgang zu hören. Auch dieses verbreitete natürlich schon Angst und Schrecken und lähmte die Kinder vorübergehend. Wenn sie sich dann doch hinaus wagten, stand da oft ein Nikolaussack mit den traditionellen und im Winter noch verfügbaren Früchten und Nüssen und der obligaten „Rute“. Meistens war auch ein Begleitbrief dabei, in dem die „Sünden“ des vergangenen Jahres aufgelistet waren und dazu der Wunsch nach Besserung. Für kurze Zeit hatten jeweils die Tage um den 6. Dezember durch angsteinflössende und kaum widerlegbare Gerüchte um die finstere Gestalt eine beruhigende Wirkung auf das Wesen aller Lausbuben und –mädchen. Diese löste sich jedoch nach kurzer Zeit wieder auf, denn bis zum nächsten Nikolausbesuch ging es wieder ein ganzes Jahr und man war ja diesmal noch glimpflich davongekommen.

Die Erziehungsmethoden und auch der „Santichlaus“ haben sich inzwischen stark verändert. Dazu brachten Familien aus anderen Kulturkreisen ihre gütigen Weihnachtsmänner mit in Form von Père Noël, Father Christmas, Papa Natale und wie sie alle heissen. Sie alle sind rot gekleidet, entweder mit langem Mantel oder Jacke und Hose mit weissem Pelzrand und einem schwarzen Gürtel. Sie erschienen mit Geschenken erst zu Weihnachten, während in unserer Region das „Chrischt-Chindli“ oder das „Wiehnachts-Chindli“ die Geschenke überbrachte. Auch dieses war eine sagenumwobene Gestalt, die zumeist nur im oberen Baselbiet als „Wysse Ängel“ persönlich zu Besuch kam. Hier in Muttenz gelang es kaum je dieses Wesen zu sehen, da es meistens mit feinem Glockenklang grad aus dem Fenster geflattert war, wenn man endlich die Weihnachtsstube hatte öffnen dürfen.

Wer nun bis nach Weihnachten das Adventsfenster im Bauernhausmuseum besucht, der kann dort den traditionellen „Muttezer Santichlaus“ in der schwarzen Kutte sehen, so wie er früher hier zu den Kindern kam und ihnen, wo nötig, ihre „Sünden“ aus seinem dicken Buch vorlas.

Das Adventsfenster wird am 6. Dezember um 18 Uhr geöffnet und wir laden Sie herzlich dazu ein. Könnte sein, dass da ein "Santichlaus" in der Nähe sein wird. Lernen Sie daher zur Sicherheit schon mal ein „Värsli“ auswendig und nehmen Sie ein Taschenmesser mit, man weiss ja nie...

Am 6. Januar 2020 wird das Fenster dann wieder geschlossen, denn das Bauernhausmuseum hat Winterpause.

Bildlegende:
Foto links: 2006 sass der „Santichlaus“ auf der „Chouscht“ in der Bauernhausstube.
Foto rechts: 2010 war der „Santichlaus“ zum letzten Mal persönlich im Bauernhausmuseum.

Santichlaus im Bauernhausmuseum und auf dem Dorfplatz
 

von Barbara Rebmann

Am 18. August ging die 20. „Stuubede“ vor dem Bauernhausmuseum über die Bühne. Auch dieses Mal hatte das von Schaggi Gysin zusammengestellte Programm Einheimische sowie Gäste und Musizierende aus der ganzen Region ins Oberdorf gelockt. Nicht ganz so traditionell wie bisher waren dieses Mal auch jazzige Klänge verschiedenster Art zu hören, daneben virtuos-jazzige und traditionelle Alphornklänge, Schwyzerörgeliformationen mit talerschwingenden und singenden Solisten und vieles mehr. Auch die Muttenzer Trachtengruppe durfte noch einmal mit ihren Tänzen den Verkehr im Oberdorf aufhalten. Die Stimmung war toll und der Wettergott meinte es sehr gut, was den Abschied für alle noch etwas trauriger machte. An dieser Stelle möchte sich die Arbeitsgruppe Museen (AGM) bei allen treuen Gästen, Mitwirkenden, Lieferanten, Nachbarn und sonstigen guten Geistern herzlich für die jahrelange Treue und Unterstützung aller Art bedanken.

Nach getaner Aufräumarbeit am späten Sonntagabend waren die AGM und die freiwilligen Helfer und Helferinnen zum einen zwar etwas wehmütig, zum anderen aber auch froh, dass die körperlich sehr anstrengenden Auf- und Abbauarbeiten zum letzten Mal hatten erledigt werden müssen. Würde die „Stuubede“ nur aus dem sonntäglichen Programmteil von 11 bis 17 Uhr bestehen, wäre es keine Frage, dass die AGM weitermachen würde. Jedoch müsste lange im Voraus jemand mit entsprechenden Kontakten an Schaggi Gysins Stelle das Programm organisieren sowie die Infrastruktur, Getränke und Lebensmittel bestellen und am Freitag deren Anlieferung vor Ort überwachen. Auch nicht zu vergessen ist zuvor das ganztägige „Teiggen“ und Backen des frischen „Holzoofebrotes“ als Honorar für die Musizierenden und der „Wääie“ für das Buffet. Am Samstag und Montag wären starke Männer für den Auf- und Abbau sowie das Einlagern der schweren Bühnenelemente gesucht. Am Sonntag bräuchte es am frühen Morgen helfende Hände zum Aufbau der Festbankgarnituren sowie der gesamten Buffet-Infrastruktur und am Abend für den Rückbau und das Bereitstellen. Während des „Stuubede“-Programms müssten tagsüber fitte „Läufer/innen“ das im Schopf zubereitete Essen durch den langen und unebenen Scheunengang zum Buffet tragen, das eingesammelte gebrauchte Geschirr hinein- und das saubere nach dem Abwasch wieder hinaustransportieren. Denn schon seit Jahren ist bei den Museen Mehrweggeschirr im Einsatz, was aber zusätzliches Personal für den Abwasch erfordert. Dazwischen wären noch laufend Bratwürste in der Pfanne zu brutzeln, Würstli zu sieden – die „Stuubede“ ist kein Grill-Event - und Brot, Käse oder Speck für die Essensplättli zu schneiden.

Peter Seiler und Ruedi Bürgin heben die schweren Bühnenelemente auf die Heubühne.

Sollten sich alle diese Personalwünsche erfüllen, könnte es durchaus sein, dass in absehbarer Zeit vor dem Bauernhausmuseum wieder eine ähnliche Veranstaltung stattfinden könnte - die AGM ist offen für entsprechende Vorschläge. Jedenfalls wurden am Montag die schweren Bühnenelemente für eine spätere Verwendung noch einmal auf dem Heuboden eingelagert und nicht entsorgt.

Das Bauernhausmuseum ist nun wieder am Sonntag, 27. September von 10-12 und 14-17 Uhr geöffnet. Unser Back- und Wirteteam wird dann auch die feinen Brote und Zöpfe verkaufen und Sie gerne in der „Bäsebeiz zum Tschuppeldäni“ bewirten.

Im Ortsmuseum sind die Bauarbeiten zwar bis zum 20. September abgeschlossen, jedoch bleibt sowohl am offiziellen Einweihungsabend als auch am Museumssonntag vom 27. September die Museumsetage noch geschlossen. Zuerst müssen die grossen historischen Vereinsfahnen im Treppenbereich wieder platziert und dazu neue Infotafeln hergestellt und montiert, sowie auch die Wartenbergvitrinen wieder eingerichtet werden. Da es sich dabei um heikle, über hundert bis mehrere tausend Jahre alte Objekte handelt, ist hier eine ruhige Hand, Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Auch sollen im neuen Eingangsbereich zusätzliche noch zu entwickelnde historische Themen gezeigt werden. Dazu müssen wir aber erst das definitive Museumsfoyer mit Lift und Treppe sowie die Grundbeleuchtung sehen. Erst danach können wir Vitrinen anpassen oder gar neu bauen und die gezielte Objektbeleuchtung definitiv einrichten.

Wir bitten Sie, liebe Museumsgäste, deshalb noch um etwas Geduld. Am 27. Oktober wird dann das Ortsmuseum wieder geöffnet und für alle zugänglich sein.

Notieren Sie sich doch auch schon das Datum für unseren Herbstarbeitstag im Bauernhausmuseum am Samstag, 12. Oktober.

Stuubede Team
Der «harte Kern» der «Stuubede» verabschiedet sich.

 

 

von Barbara Rebmann

Am 12. Oktober fand der alljährliche Arbeitstag im Bauernhausmuseum statt. Wie alle Jahre vorher fabrizierte Willi Balmer, unterstützt von Ruedi Mory, wunderbar süssen Apfel- und Traubenmost. An einem Nebentisch wurden, ebenfalls wie jedes Jahr, das Sauerkraut und die Sauren Rüben vorbereitet, welche der Arbeitsgruppe Museen und ihren treuen Helfern und Helferinnen dann nach mehrmonatiger Reifung im März serviert werden. Auch wieder mit von der Partie war Joggi Zumbrunn mit seinen „Rahmdääfeli“ und natürlich die Bauernhausküche mit Lotti Gysin und Franz Näf, die einmal mehr frische „Wääie“ und „Holzofebrot“ vorbereitet hatten. Die gluschtigen süssen und pikanten „Versuecherli“ fanden natürlich grossen Anklang bei Gross und Klein.

Diesmal hatte Schaggi Gysin als „Spezial-Handwerker“ einen Käser aus Fehren eingeladen. Glücklicherweise war es ein wunderschöner Herbsttag mit stabilen Temperaturen, so stand dem „Cheese“ nichts im Weg. Denn ohne diese wichtige „Zutat“ hätte die Milch kaum auf die erforderliche Temperatur von 38 Grad geheizt werden können, um mit einer speziellen Bakterienmischung den Gerinnungsprozess zu starten. Diese „geheime“ Bakterienmischung ändert je nach Käsesorte und Herstellungsverfahren, wie wir vom Fachmann erfahren haben.

Etwa 20 Liter Schaf- und Kuhmilch wurden traditionell auf dem offenen Feuer verarbeitet, wie man es heute höchstens noch in Alpkäsereien sehen kann. Das braucht ein gutes Auge und viel Erfahrung, um im richtigen Moment das Feuer herunterbrennen zu lassen oder Holz nachzulegen, damit die Milch nicht zum Kochen kommt oder später beim Gerinnungsprozess nicht zu sehr abkühlt. Anfangs „zerschnitt“ er mit der sogenannten „Harfe“ die stockende Käsemasse und rührte danach mit dem „Besen“ die körnig werdende Masse laufend um. Um vier Uhr holte der Käser die jetzt etwa 46 Grad warme, Hüttenkäse-artige Masse mit einem Tuch aus dem „Chessi“. Danach presste er sie in einer runden Form aus und beschwerte das Ganze mit Hilfe eines grossen Steins, damit möglichst viel Flüssigkeit austreten konnte. Für alle Zuschauenden gab es zwischendurch immer wieder kleine „Versuecherli“, natürlich am Schluss auch von der übrigbleibenden Molke.

Nach der Heimfahrt stand dem Käser dann noch die weitere Pflege des Käses im Keller bevor: Zuerst wird er für 2 Tage in Salzwasser eingelegt und danach muss der anfangs noch weiche Käselaib immer wieder gewendet und geölt werden. In etwa 7 Monaten hat er den Reifegrad, die Würzigkeit und die Konsistenz erreicht, um ihn essen zu können. Natürlich hofft die Arbeitsgruppe, dann auch ein Stück vom „eigenen“ Bauernhaus-Käse zum Degustieren zu bekommen.

Nun ist die Bauernhaussaison fast zu Ende und am Sonntag, 27. Oktober, am gleichen Wochenende wie die Umstellung zur Winterzeit, ist das Bauernhausmuseum mit seinem Brotstand ein letztes Mal bis kommendes Frühjahr geöffnet. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Das Ortsmuseum kann leider nicht wie geplant am letzten Oktobersonntag geöffnet werden. Zum Einweihungsfest für das Schulhaus Breite und die neuen Räume im 1. OG des Feuerwehrgebäudes hatte es nicht auch noch für die Fertigstellung der Museumsräume gereicht. So verzögerte sich der Planungsbeginn für die Arbeitsgruppe Museen (AGM) noch einmal um gute 3 Wochen. Erst jetzt, nach dem Arbeitstag, kann sich die AGM mit voller Kraft mit der Neueinrichtung des Museumsfoyers befassen und vor Ort Bespielungsideen diskutieren. Wir arbeiten bei der Gestaltung noch immer analog und können nicht mit Hilfe von digitalen Programmen unsere Ideen visualisieren. So braucht es halt etwas mehr Zeit, wenn neue Vorschläge eingearbeitet oder bestehende Gestaltungsideen überarbeitet und angepasst werden müssen. Danach müssen sich noch alle AGM-Mitglieder einigen, ob allfällige Vitrinen oder andere Stellagen selber gebaut werden, oder doch Offerten eingeholt und die Ausführung in Auftrag gegeben werden soll.

Aus diesem Grund hat sich die AGM entschieden, das Ortsmuseum erst Ende Januar 2020 wieder zu öffnen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

 

Käseherstellung

Käseherstellung

von Barbara Rebmann

Kurze Sommerpause in den Museumsdepots

Kurz vor der grossen Sommerhitze beendete unser Museumsassistent Beat Zimmermann seine Inventarisierungsarbeit im Bauernhausmuseum und zog danach um ins Depot Geispel. Dort galt es an die hundert Feierabendziegel zu inventarisieren, welche uns als ganze Sammlung geschenkt worden waren. Diese speziellen Ziegel waren ungefähr ab dem 11. Jahrhundert von den Arbeitern in den Ziegeleien jeweils als letztes Stück des Tages hübsch mit Sprüchen oder Symbolen verziert worden. Der älteste datierte Feierabendziegel entstand in Deutschland nachweislich um 1300. In den frühen Ziegelmanufakturen verbreitete sich der Brauch speziell im 15. und 16. Jahrhundert, als in Städten und grösseren Ortschaften aus Brandschutzgründen die Ziegeldächer angeordnet wurden. Obwohl diese Objekte recht handlich sind, war es für die Dokumentation doch ziemlich zeitaufwändig, die Ziegel so im Licht zu platzieren, dass die Ornamente und Schriftzüge gut erkennbar fotografiert werden konnten.

Etwas einfacher ging es mit dem Feuerherd, der Ofenplatte und den Zimmeröfen weiter, welche aus dem 1928 gebauten und jetzt abgebrochenen Haus Obrechtstrasse 17 stammen. Dank des Entgegenkommens der Bauherrschaft konnten die Objekte bei Baubeginn mit Hilfe eines Baggers aus den oberen Etagen gehoben und danach ins Depot gefahren werden. Im Depot Geispel waren dann wieder Palettrolli und Handstapler gefragt, um damit die Schwergewichte herum zu fahren und zum Fotografieren gut im Licht zu platzieren. Ruedi Bürgin und Beat Zimmermann sind inzwischen ein gut eingespieltes Team, so dass die Dokumentation wie am Schnürchen lief.

In der Hitzeperiode Ende Juni Anfang Juli freuten wir uns auf die Depotarbeit im 21° kühlen Depot Donnerbaum. Jedoch wurden zu der Zeit alle Schulhausböden neu versiegelt, so dass der Zugang nicht möglich war und sich die Arbeitsgruppe Museen Hitzeferien verschrieb.

Mitte Juli trafen sich dann die Mitglieder des Fördervereins Museen für einen Arbeitseinsatz im Depot Geispel. Sie kümmerten sich um die rostigen Pflüge, welche nach der Instandstellung auf der Heubühne des Bauernhausmuseums ausgestellt werden sollten. Es wurde entrostet, gebürstet und gepinselt, bis alles als vorzeigbar und gut konserviert eingestuft war. Ein herzlicher Dank geht an alle Beteiligten.

Einige Tage später wurden dann diese Pflüge ins Bauernhausmuseum gefahren, wo sie ihren endgültigen Standplatz auf der Heubühne einnehmen konnten. Mit Hilfe von verschiedenen Seilzügen wurde zuerst die hölzerne Röndle (Windfege zum Trennen von Korn und Spreu) eine Etage höher ins Dach gehoben, wo mittels stabilen Brettern eine neue Ausstellungsebene geschaffen worden war. Anschliessend folgten die fünf Pflüge, welche sich zu den bereits auf der Heubühne vorhandenen gesellten.

Wer nun im August das Bauernhausmuseum wieder einmal besucht, sollte den Blick nicht nur auf Augenhöhe schweifen lassen, denn nun sind an den Wänden und auf höheren Ebenen im offenen Dach neue Ausstellungsräume mit spannenden Objekten entstanden.

Das Bauernhausmuseum und der Brotstand sind wieder geöffnet am Sonntag, 25. August, während das Ortsmuseum wegen des Umbaus noch einmal einen Monat Pause hat.

 Feierabendziegel

Feierabendziegel