Barbara Rebmann

Im letzten Adventsfenster im Bauernhausmuseum stand in der Fensterecke ein moderner Ordner mit der Bezeichnung «Wundertruckli». Obwohl er optisch nicht zu den übrigen historischen Objekten gepasst hat, ist er sehr wertvoll für die Museumsarbeit. Darin sind nämlich unzählige Geschichten abgeheftet, in welchen der kürzlich verstorbene Autor viel Interessantes und Amüsantes aus allen Lebensbereichen seiner Kinder- und Jugendzeit zu erzählen wusste. Als Kostprobe aus ähnlichen Kindheitserinnerungen kam im Februar-Beitrag der Museen eine «Reportage» aus den 1930er Jahren über die damalige Dorffasnacht in Muttenz und ein Monat später dann ein Erlebnisbericht über den Osterhasen aus der gleichen Zeit. Beides waren Ausschnitte aus Geschichten und Alltagsschilderungen aus der Zeit vor und um den 2. Weltkrieg.

Verschiedene Lebensgeschichten sind bereits als Muttenzer Schrift erschienen, erhältlich sind sie im Online-Shop auf der Gemeindewebseite oder im Ortsmuseum. Aber fast noch wichtiger als diese Lebensgeschichten von «Promis» wie Pfarrer oder Industrielle, sind für die Museumsarbeit Erinnerungen «gewöhnlicher» Menschen, die hier im Dorf aufgewachsen sind und deren Familien das tägliche Funktionieren der Gesellschaft gewährleisteten, also systemrelevant waren. Dazu gehörten beispielsweise «Wöschfraue, Gletterine, Strossewüscher, Verchäuferine, Metzger, Bäcker, Taglöhner, Buurelüt» und viele mehr - ihre Geschichten interessieren uns speziell. Egal zu welchem Thema, egal von welcher Person oder aus welchem Lebensabschnitt solche Geschichten stammen, sie helfen uns das soziale Leben in vergangenen Zeiten zu verstehen.

Ganz im Gegensatz zu heute, wo alles sofort in den sozialen Medien präsentiert und anschliessend quasi aus der ganzen Welt kommentiert oder «gelikt» wird, wurde das Alltägliche früher kaum niedergeschrieben, ja nicht einmal weitererzählt. Niemand hatte damals das Gefühl, die eigenen alltäglichen Taten interessierten die ganze Welt. Oft passierten natürlich auch Geschehnisse, die den Leuten eher etwas peinlich waren und so etwas trug man damals möglichst nicht an die Öffentlichkeit. Dies ebenfalls im Gegensatz zu heute, wo man mit missglückten Aktionen immer noch in den 100 peinlichsten Videoclips am Fernsehen glänzen kann.

Nicht nur die Lebensweise der Jugendlichen und Erwachsenen, sondern auch das Leben und die Freizeit der Schulkinder hat sich extrem verändert. Früher war der Schulweg ein einziger Abenteuerspielplatz und man konnte ohne Handyüberwachung ganze Nachmittage im Wald oder in anderen Wohnquartieren unterwegs sein. Es machte sich keine Mutter grosse Sorgen, denn der Hunger trieb alle zum Essen wieder heim. Zerrissene Kleider, aufgeschürfte Knie und Ellbogen oder bei besonders Wagemutigen gar ein Loch im Kopf, waren fast etwas Alltägliches - auch wenn dann die Folgen daheim nicht sehr erfreulich waren. Meistens gab es zu den körperlichen Schmerzen nämlich noch zusätzlich eine Strafpredigt oder gar eine härtere Strafe. Man konnte damit leben und wusste genau, dass man ja eigentlich selber daran schuld war. Wer nämlich irgendwo raufkletterte nahm in Kauf, da dann auch runterfallen zu können und ziemlich hart zu landen. Ein weiterer Gegensatz zu heute wo die Schuld dann immer bei denen gesucht wird, die den Spielplatz zu wenig abgesichert haben.

Bestimmt gibt es überall noch so Erinnerungen, die uns die damalige Lebensweise und die Reaktionen von Erziehungsberechtigten aufzeigen. Denn nicht nur die Lebensart hat sich in den letzten Jahrzehnten extrem verändert, nein auch die allgemeine Einstellung zum Leben, zur Arbeit und zu den Mitmenschen. Um diese vergangene Lebensweise nicht nur mit Objekten für die Nachwelt illustrieren zu können, wünscht sich die Arbeitsgruppe Museen, dass uns weitere solche Erinnerungen überlassen werden. Speziell von der Mädchen- und Frauenseite haben wir noch nicht viele Geschichten bekommen. Darum liebe Urgrosseltern und Grosseltern, schreibt eure Jugenderinnerungen auf oder lasst eure Kinder und Enkel eine Video- oder Tonaufnahme machen und schickt diese den Museen zu (museen@muttenz.bl.ch). Wir sind gespannt!

Beide Museen sind am Sonntag, 27. Juni wieder geöffnet. Das Bauernhausmuseum mit «Bäsebeiz» und Brotverkauf ab 10 Uhr und das Ortsmuseum ab 14 Uhr. In den Sommerferien wird das Bauernhausmuseum mit allem «Drum und Dran» am 25. Juli ebenfalls öffnen, das Ortsmuseum hingegen bleibt geschlossen. Bitte beachten Sie jeweils die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln.
 

Erinnerungen an die Katastrophenereignis am Wartenberg im April 1952
Erinnerungen an die Katastrophenereignis am Wartenberg im April 1952

Barbara Rebmann

Im letzten Museumsbericht war blumig beschrieben worden, dass die drei Vitrinen zur Kirche St. Arbogast und dem Beinhaus zum Museumssonntag im April fertig sein würden. Doch leider entsprach das nicht der Wahrheit, wie einige Museumsgäste feststellen mussten. Der Text für den Muttenzer Anzeiger hatte bereits 2 Wochen vor dem Erscheinungsdatum abgegeben werden müssen und da schien noch alles im grünen Bereich zu sein. Aber etwas später hatten unsere Ausstellungsgestalter auf der Zielgeraden ziemliches Pech. Corona-bedingt waren der Druck der Text- und Bildtafeln als Folge von Lieferschwierigkeiten gestoppt worden. Nun sollte es aber zum Museumssonntag am 30. Mai wirklich klappen.

Im Bauernhausmuseum hingegen lief alles wie geplant. Schon am Samstag zeigte eine weisse Rauchsäule aus dem Bauernhauskamin an, dass der «Holzoofe» zum ersten Mal eingefeuert wurde. Die frischgebackenen Brote und Zöpfe verschwanden am Sonntag innert kurzer Zeit, auch wenn wegen Corona nicht die übliche Möglichkeit der Auswahl bestand. Einige Leute lieben eher die dunkleren Brote, andere suchen heller gebackene. Diesmal nun wurden wegen der Hygienevorschriften die Brote in der Stube abgepackt und konnten nicht aus einem grossen Korb ausgesucht werden. Aber nach der langen Wartezeit haben sie sicher allen trotzdem geschmeckt. Auch die «Bäsebeiz» durfte zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren wieder Gäste bewirten, die Lockerungen waren genau zum richtigen Zeitpunkt erfolgt. Allerdings waren die langen Tische mit maximal vier Personen besetzt und nicht so eng, wie man das üblicherweise von den Museumssonntagen her kennt. Die weit auseinanderplatzierten Tische breiteten sich aus bis zu den Nachbarn links und rechts. Das hat aber der guten Stimmung nicht geschadet, denn alle waren froh überhaupt wieder auswärts einkehren zu können.

Am 30. Mai öffnen wieder beide Museen, das Ortsmuseum von 14-17 Uhr und das Bauernhausmuseum von 10-12 und 14-17 Uhr. Es gelten in beiden Museen und der «Bäsebeiz zum Tschuppel-Däni» nachwievor die gängigen Hygieneregeln. Achten Sie doch auf die weisse Rauchfahne aus dem Bauernhauskamin. Etwas später wird dann auch der Duft des frischgebackenen Brotes durchs Oberdorf ziehen. Der Verkauf des Brotes findet wie gewohnt vor dem Gebäude statt und wir bitten alle, sich beim Warten und Einkehren an die gängigen Abstandsregeln und die Maskenpflicht zu halten.

Rauchender Kamin der kündet vom Einfeuern des «Holzoofe», BAG-konforme Bestuhlung der «Bäsebeiz zum Tschuppel-Däni», Farbprobe in der Vitrine des Ortsmuseums
 

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oben links:      Der kündet vom Einfeuern des «Holzoofe»
oben rechts:   BAG-konforme Bestuhlung der «Bäsebeiz zum Tschuppel-Däni»
unten:             Farbprobe in der Vitrine des Ortsmuseums

Der Füürsunndig
Das, woni jetz verzell, isch öbbe in der Zyt vo 1930 bis 1939 basiert. Mir Buebe us em ganze Dorf si mitenand go Holz sammle fürs Fasnachts-Füür. Bimene Buur si mer amme go ne grosse Leiterwaage vertlehne, wo mir aber sälber hei müese ummezieh. An jedem Mittwuch-Nomidaag si mer, "Wälle, Wälle für die alti Fasnachtsschälle" schreiend, im ganze Dorf ummezoge. Do und dört hets e Wälle, e düüre Wienachtsbaum oder eifach zämmebundes Gschtüüd us em Garte gää. Wenn denn der Waage voll gsi isch, si mer zum Mätteli bim alte Füürwehrmagazin go ablade. Die Sammlerei isch öbbe drei Wuche lang eso gange und nodisno isch e grosse Huffe Holz uf em Mätteli uffgschtaplet worde.

Am Aeschemittwuch hei mer is gegesittig mit aabrennte Korkzäpfe Schnöiz und Bärt gmoolt. Worum het eigentlich kein me gwüsst, es isch halt eso Bruuch gsi. Zwüsche yne het denn jede no si Bächfackle müese bsorge. Im Lädeli vos Wälterlis hets die Fackle gee, e halbi für fuffzig Santym und die ganzi für e Franke. Denn het nur der Schutz für d Händ gfeelt, denn die Fackle hei soumeessig dropft und das heissi Bäch het rächti Verbrennige an de Händ gee. Die Kartondäller si mer amme bim Reutter- und spöter bim Rieder-Beck go bättle. Deheim het me denn mit ere Scheer zmitts drin e Loch usgschnitte und d Fackle duure gschteckt und fertig isch das Buebedröimli gsi. D Meitli hei am Facklezuug nüt z sääge gha, denn mir Buebe hei jo ellei s Holz fürs Füür gsammlet gha.

Am Samschdig vor em Füür-Sunntig het denn d Gmein mit de Schtrossewüscher das Holz uf e Wartebärg gfuget und vor der mittlere Ruine uufbiige. Ganz früener isch s Füür underhalb vo der mittlere Ruine in der Risi aazündet worde. D Risi isch ursprünglich e Schteibruch gsi, wo vermuetlich d Burgebouer s Boumaterial gholt hei.

Andlich isch es denn Sunndig-Zoobe worde und warm aaglegt simmer uff e Wartebärg marschiert. Bim Ydunkle het denn ein vo der Gmein us ere Channe Benzin oder Rohöl rings um e Holzhuffe gschüttet und aazündet. Wenns so richtig brennt het, het jede si Fackle am Füür in Brand gsetzt. Der Brunnmeischter Müller het "Vorwärts Marsch" kommandiert und langsam het sich e langi Füürschlange in Beweegig gsetzt. Immer wiider hei mer miese brüele: «Ziggi-Zaggi, Ziggi-Zaggi, Hoihoihoi!»

Bi der Chirche unde si denn d Meitli mit de Ladärnli barat gsi und zämme - mit der Muttezer Muusig vorewägg - isch der Zug s Dorf durab. Mir Buebe häi bald käi Doon me usebrocht vo däm Ziggi-Zaggi-Schreie. Rächt mied und verfroore simmer heim und denn isch gribled und gfäggt worde, denn dä Ruess vo de Fackle het im Gsicht und in de Naaselöchli gchläbt. Müed und heiser isch me denn ins Bett gschtiige, mit eme letschte Blick zum Füür uf em Wartebärg - schön isch es gsi.

D Fasnacht im Dorf
Wär het chönne isch am Meendig- und am Mittwuch-Nomidaag in d Stadt go Fasnacht luege. Mir hei derfür am Zyschdig im Dorf als Chluuri Fasnacht gmacht. D Mueter het is vo der Grossmueter alti Chleider, Hüet und Schäl spändiert. Bim Fischer-Coiffeur hei mir dörfe e Wachslarve go chauffe und ab isch es gange uff d Gass. Eigedlich si mer numme s Dorf uff- und abgseggled und hei d Meitli verschüücht und verruckt gmacht. E baar Grösseri vom Durnverein si mit eme alte Chinderwaage im Dorf umme gschtürchled, wobii si öbbe e Frölein in Chaare gsetzt hei und mittere s Dorf durab gsegglet si. Die Fraue hei denn amme lut kreit und tobt, bis si wider frei gsi si. Es si scho au e chli Söiniggel gsi, denn si hei mit ufbloosene Söiblootere drygschlage oder mit nasse Lümpe d Lüt aagschprützt, wo dure gloffe si.

Z Oobe isch denn amme vo Goschdümierte in jeder Beiz intrigiert worde und e mänge het miese Hoor loo. Das heisst, me het em alli sini Verfählige vom Johr vorghalte, ohni dass er eim hinter der Larve kennt het.

Am Samschdig isch im Bääre und im Räbschtock Cheruus-Ball gsi. D Schütteler, der Männerchor und der Durnverein hei die Bäll organisiert. Für die beschte Schnuuri und die originellschte Goschdüm hetts Brys gee. Denn isch natürlig gschwooft und gsoffe worde bis am früene Sunndig-Morge. Die letschte hei amme die krüzt wo in d Chirche si. Und scho het me sich wider uf die nöchschti Fasnacht gfröit!

* Die Broschüre s'Läbe z'Muttez in de Johr 1930-1945 verzellt vom Peter Räbmaa ist im Online Shop auf der Gemeindewebseite erhältlich.

Solche Fasnachtserinnerungen aus Muttenz sind leider sonst kaum dokumentiert und auch Reste von «Chluuris» sind bisher keine aufgetaucht. Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser noch Gschichten oder besser noch Fotos von früheren Aktivitäten im Dorf? Die Arbeitsgruppe Museen würde sich sehr darüber freuen.
Barbara Rebmann

 

 

Bilder Fasnacht um 1930 herum
Bildlegende:
oben links:       Selbstgenähte Kostüme für einen Maskenball ca. 1922.
oben rechts:    Zwei Chluuri um 1935, rechts der Autor mit seinem grösseren Bruder.
unten:              Der Turnverein verkleidet als «Räuber und Zigeuner» 1926.

 

 
 
 
 
 

Text und Illustrationen Myrtha Blumer-Ramstein (*1928)

In myner Wält hei im Früehlig der Oschterhas und im Winter der Niggi-Näggi die glychi Uffgoob gha und beidi hän über ihri arbetsrychi Zyt in der «Risi» unterhalb vo der mittlere Ruine gwohnt. Rund um d Oschtere oder gege Ändi Johr um e Niggi-Näggi-Tag hani der Datteri gha, wenn öpper pfyffe het. I ha das gar nid gschetzt, denn ich ha vor däm Ungwüsse schuurig Respäggt gha und dene beide nid so rächt traut.

Vo eusem Chuchifänschter us hämmer an Wartebärg gseh. Kei Huus het d Sicht verdeggt. D «Risi», e fascht baumfreii Fels- und Gröllhalde, isch d Kulisse worde vo myne Tagtröim, Wenn nomene näblige Morge d Sunne in dä steinig Abhang gschynne het, so hets so breitzogeni Näbelschleier gee. Do hani mir vorgstellt das syg Rauch, villicht vom Bache oder vom Wasser obtue für d Oschtereier. Und wo Rauch isch hets au Lüt, oder in mym Fall ebe dä mit de lange Ohre. D Jumpfer Emma, eusi Hushalthilf, het mi in d Märliwält ygweit und mini Fantasie in Schwung brocht. Hets es gee, ass i nit e sone Bravs gsi bi, hett si d Brülle ufgsetzt, wichtig zum Wartebärg gluegt und gsait: «Meini numme oder isch der Oschterhas scho an der Arbed?». Und ich, e weneli verdutzt, bi ans Fänschter und ha zur «Risi» güxlet und bi wider s liebschti Chind gsi.

So hets es gee, die rächti Oschtere isch vor der Tür gstande. Am Tag vorane, nodäm mir Chinder eusi Pflichtärbetli wie s Gschirr abtröchne, d Stube abstaube, ums Hus wüsche, d Schue putze, d Gartewägli jätte usw. gmacht hänn, si mr d Näschtli für der Oschterhas go baue. Hinter Räbechnörz und Stei hai mr ane paar Ort mit Häggeli Grüebli grabe. Die hai mir mit Moos usbettet und e Bluemechränzli mit Matteblüemli und Hemmliglunggi em Rand no gleit. Bis z Obe si im Garte die schönschte Oschternäschtli parat gsi.

Am Oschtersunntig, bevor mer uf d Eiersuechi sy, hämmer no müese in der Laube uf dr Startpfiff vom Oschterhas warte. Ich wär jo niie druf cho, ass my Vatter e sone gwaltige Pfiff chönnt useloh. Denn sy mr ans Sueche gange. Ich natürlig wiene Düse in Richtig vo mym Näschtli in de Räbe. Do loss i e Schrei ab und zäpf zrugg zum Huus. «Dr Oschterhas» rüef i voll Schregge, «i gang nümm go sueche, i haus nümm in d Räbe». Vor lutter Uffregig fang i schregglig afo hüüle und bring no schluchzend füre «dr Oschterhas, dr richtig hoggt in mym Näschtli». Myni Lüt läufe zämme, wei mi tröschte und mr bystoh. S hilft alles nüt, i by nümm z bewege nur ei Schritt de Räbe zue zmache. Nomene Wyli bringt mr dr gross Brueder d Bschärig und ich gseh unter Träne, ass es e Filzoschterhas isch, wo d Ohre gstellt het. E rächt e grosse, währschafte mit Hose, Chitteli und eme Hemli in fröhlige Farbe und mit eme gflochtene Huttli am Buggel. Mäng Johr het mi denn dä Filzhas dur d Chinderzyt begleitet.

Als ebbe vierjährigs Maiteli hani im Oschternäschtli e Sandchesseli samt Schüfeli und Förmli gfunde. Die Sache hei mir rächt vil bedütet. Nodäm i in der Sandchischte gspilt ha, hani müesse ufruume und unter em Wasserhahne das Gfätterlizüüg uswäsche, denn tröchne lo und im Schöpfli versorge. Die Grosse hai öbbenemol no der Sämf drzue gee: «Nit ass dr Oschterhas gseht, ass de kei Ornig hesch und das Züüg wider mitnimmt.»

Denn hets schlächt Wätter gee und chuum isch d Sunne cho, hets mi wider an d Sandchischte zoge. Doch niene find i myni Sandgschirrli. I bi truurig und gib d Suecherei uf. Hani die Grosse drno gfrogt, so hai si d Achsle glüpft. E paar Wuche druf isch my Geburtstag vor der Türe gstande. Nach em sälber usgläsene Feschtässe het mir d Muetter no e Äxtra-Gschänggli in d Hand druggt. Voller Erwartig hani s Papier glöst und drygüggelet und waseliwas chunnt zum Vorschyn? Mi vermissts Sandchesseli samt Drum und Dra und vil schöner und glänziger als das vom Oschterfescht. «Das Chesseli het der Oschterhas gfunde, will des nit versorgt gha hesch, er hets sogar no müesse putze» isch mer z Ohre cho. I bi überglügglig gsi, ass dr Oschterhas mir das nonemol gschänggt het und vo sällem Tag a hani ihm kei Glägeheit me gee, mir mini Spilsache ewäg zneh.
 

Die beiden Hefte von Myrtha Blumer-Ramstein, «Erinnerige us der Chinderzyt 1931-1940» und «Erinnerige us der Chinder- und Jugendzyt 1932-1950» sind im Ortsmuseum erhältlich.

 

Das Ortsmuseum öffnet seine Türe wieder am Sonntag, 28. März von 14-17 Uhr. Bitte benutzen Sie den Zugangslift und beachten Sie die aktuell geltenden Hygiene- und Abstandsregeln des BAG.

Osterhase und Kleinkind am spielen
 

 

Für die Museen hatte der grosse Lockdown im Frühjahr durchaus positive Seiten gehabt: Halb Muttenz hatte Zeit Keller und Estriche zu durchforsten und sich von Erbstücken zu trennen. So fanden unzählige historisch wertvolle Objekte den Weg ins Museumsdepot. Ein kleiner Querschnitt durch die Objektvielfalt war sogar im Adventsfenster des Bauernhausmuseums zu sehen. Allen Donatorinnen und Donatoren danken wir nochmal ganz herzlich.

Die Arbeitsgruppe Museen (AGM) hatte sich zu Jahresbeginn mit der Depotarbeit sehr zurückgehalten, dies zu Gunsten der Reinigungsarbeiten für die Neueröffnung des nun liftgängigen Ortsmuseums. Ab März wurde sie dann Corona-bedingt ganz eingestellt. So konnte mit den von der AGM nicht beanspruchten Projektstunden für die Sammlungsarbeit, das Projekt unseres Assistenten Beat Zimmermann um 50 Stunden aufgestockt werden.

Nur mit sporadischer Unterstützung der Schreibenden arbeitete er sich im Depot Donnerbaum ganz alleine durch die immer neu eintreffenden Schachteln mit Objektkonvoluten. Gute 100 Stunden war er damit beschäftigt rund 400 Neueingänge zu inventarisieren, zu dokumentieren und jedes einzelne Objekt mit der zugeteilten Inventarnummer zu beschriften. Arbeiten wie das Verschlagworten (Einbinden der vordefinierten Suchwörter), das Recherchieren der Datierung und Ausformulieren der Verwendungszwecke oder die Bildbearbeitung und Implementierung der Fotos in die Datenbank konnte er jeweils im Homeoffice erledigen. Beim Versorgen der Objekte in die Verschiebeschränke haperte es dann ziemlich, waren doch die meisten Tablare bereits voll belegt. Zusätzlich zu diesen Neuzugängen hatte das Ausräumen der beiden Sammlungsfenster und drei bestehender Vitrinen im Ortsmuseum nämlich 70 inventarisierte Sammlungsobjekte zurück ins Depot Donnerbaum gebracht. Deren ursprüngliche Standorte waren aber nach zwei Jahren Absenz schon durch Neuzugänge belegt. Um möglichst wenig Änderungsarbeiten bei den Standortangaben auszulösen, wurden die Zwischenräume der vollbelegten Tablare in der Verschiebeschrankanlage minimiert, deren Bezeichnungen und die Objekte mitverschoben. Neue Regalbretter wurden dann hinten angehängt und alle bisherigen und kommenden Neuzugänge sollten vorerst wieder Platz finden.

Nach der Verarbeitung der «Corona-Objekte» widmete Beat Zimmermann im Herbst weitere rund 100 Stunden der Bildersammlung. Viele Bilder waren beim Bezug des Depots Mitte der 1990er Jahre erst einmal in die Gitterrahmen des Gemäldedepots im Kulturgüterschutz-Raum gehängt worden. Sie warteten seither gemeinsam mit allerlei Neuzugängen auf ihre Aufarbeitung. Nun wurden sämtliche zwischengelagerten «Bilder» in allen Depoträumen zusammengesucht und jene an den Gitterwänden abgehängt. Im benachbarten Raum der Zivilschutzanlage konnten sie auf den Bettgestellen systematisch nach Themen ausgelegt werden. Ziel war es, die bisherige historisch gewachsene Mischung von gemalten Ortsansichten, gerahmten Fotografien, Portraits, Ehrenmeldungen, Diplomen u.v.m. zu sortieren, um sie dann in den Gitterrahmen nach Motiven resp. Themen neu zu hängen. Dadurch wird es leichter die Übersicht auch ohne Blick in die Datenbank zu behalten. Jedes Bild wurde natürlich für die Datenbank zuerst auch fotografiert. Die Spiegelungen und Schattenwürfe der Deckenlampen stellten für unseren Assistenten eine grosse Herausforderung dar, welche er auch ohne zusätzliche Fotolampen souverän löste. In den Karl Jauslin-Gittern des Gemäldedepots wurden die Lücken aufgefüllt, die der Abtransport der acht grossformatigen Bilder im Juni hinterlassen hatte. Es standen noch genug Jauslin-Bilder an die Wände gelehnt, die nun objektschonender aufgehängt werden konnten.

Im Depot Geispel gab es im Sommer nur ein paar wenige Arbeitsnachmittage, um grossformatige Neuzugänge bis zur späteren Dokumentation platzsparend einstellen zu können. Dabei wurde beispielsweise bei den gewichtigen Dezimalwaagen eine Bestandesaufnahme gemacht. Insgesamt wurden 17 Waagen aus den Regalen und den Tiefen noch nicht bearbeiteter Konvolute zusammengetragen. Das Reinigen, Vermessen und Fotografieren der Objekte fand hier wie gewohnt im Freien statt.

Wie eben geschildert, hat Corona bisher für die Museumssammlungen durchaus positive Aspekte gehabt. Die Verschiebeschränke haben sich weiter gefüllt und auch ein Teil des noch nicht dokumentierten Alt-Inventars konnte inzwischen nach neuesten Kriterien aufgearbeitet werden. Mit entsprechenden Schutzkonzepten und gegenseitiger Aufmerksamkeit ging es in den Depots zügig vorwärts. Was uns das neue Museumsjahr nun bringt, wird sich zeigen.

 

Muttenz in Bildern, fertig inventarisiert und im Gemäldedepot neu gehängt
Muttenz in Bildern, fertig inventarisiert und im Gemäldedepot neu gehängt