Für die Museen hatte der grosse Lockdown im Frühjahr durchaus positive Seiten gehabt: Halb Muttenz hatte Zeit Keller und Estriche zu durchforsten und sich von Erbstücken zu trennen. So fanden unzählige historisch wertvolle Objekte den Weg ins Museumsdepot. Ein kleiner Querschnitt durch die Objektvielfalt war sogar im Adventsfenster des Bauernhausmuseums zu sehen. Allen Donatorinnen und Donatoren danken wir nochmal ganz herzlich.

Die Arbeitsgruppe Museen (AGM) hatte sich zu Jahresbeginn mit der Depotarbeit sehr zurückgehalten, dies zu Gunsten der Reinigungsarbeiten für die Neueröffnung des nun liftgängigen Ortsmuseums. Ab März wurde sie dann Corona-bedingt ganz eingestellt. So konnte mit den von der AGM nicht beanspruchten Projektstunden für die Sammlungsarbeit, das Projekt unseres Assistenten Beat Zimmermann um 50 Stunden aufgestockt werden.

Nur mit sporadischer Unterstützung der Schreibenden arbeitete er sich im Depot Donnerbaum ganz alleine durch die immer neu eintreffenden Schachteln mit Objektkonvoluten. Gute 100 Stunden war er damit beschäftigt rund 400 Neueingänge zu inventarisieren, zu dokumentieren und jedes einzelne Objekt mit der zugeteilten Inventarnummer zu beschriften. Arbeiten wie das Verschlagworten (Einbinden der vordefinierten Suchwörter), das Recherchieren der Datierung und Ausformulieren der Verwendungszwecke oder die Bildbearbeitung und Implementierung der Fotos in die Datenbank konnte er jeweils im Homeoffice erledigen. Beim Versorgen der Objekte in die Verschiebeschränke haperte es dann ziemlich, waren doch die meisten Tablare bereits voll belegt. Zusätzlich zu diesen Neuzugängen hatte das Ausräumen der beiden Sammlungsfenster und drei bestehender Vitrinen im Ortsmuseum nämlich 70 inventarisierte Sammlungsobjekte zurück ins Depot Donnerbaum gebracht. Deren ursprüngliche Standorte waren aber nach zwei Jahren Absenz schon durch Neuzugänge belegt. Um möglichst wenig Änderungsarbeiten bei den Standortangaben auszulösen, wurden die Zwischenräume der vollbelegten Tablare in der Verschiebeschrankanlage minimiert, deren Bezeichnungen und die Objekte mitverschoben. Neue Regalbretter wurden dann hinten angehängt und alle bisherigen und kommenden Neuzugänge sollten vorerst wieder Platz finden.

Nach der Verarbeitung der «Corona-Objekte» widmete Beat Zimmermann im Herbst weitere rund 100 Stunden der Bildersammlung. Viele Bilder waren beim Bezug des Depots Mitte der 1990er Jahre erst einmal in die Gitterrahmen des Gemäldedepots im Kulturgüterschutz-Raum gehängt worden. Sie warteten seither gemeinsam mit allerlei Neuzugängen auf ihre Aufarbeitung. Nun wurden sämtliche zwischengelagerten «Bilder» in allen Depoträumen zusammengesucht und jene an den Gitterwänden abgehängt. Im benachbarten Raum der Zivilschutzanlage konnten sie auf den Bettgestellen systematisch nach Themen ausgelegt werden. Ziel war es, die bisherige historisch gewachsene Mischung von gemalten Ortsansichten, gerahmten Fotografien, Portraits, Ehrenmeldungen, Diplomen u.v.m. zu sortieren, um sie dann in den Gitterrahmen nach Motiven resp. Themen neu zu hängen. Dadurch wird es leichter die Übersicht auch ohne Blick in die Datenbank zu behalten. Jedes Bild wurde natürlich für die Datenbank zuerst auch fotografiert. Die Spiegelungen und Schattenwürfe der Deckenlampen stellten für unseren Assistenten eine grosse Herausforderung dar, welche er auch ohne zusätzliche Fotolampen souverän löste. In den Karl Jauslin-Gittern des Gemäldedepots wurden die Lücken aufgefüllt, die der Abtransport der acht grossformatigen Bilder im Juni hinterlassen hatte. Es standen noch genug Jauslin-Bilder an die Wände gelehnt, die nun objektschonender aufgehängt werden konnten.

Im Depot Geispel gab es im Sommer nur ein paar wenige Arbeitsnachmittage, um grossformatige Neuzugänge bis zur späteren Dokumentation platzsparend einstellen zu können. Dabei wurde beispielsweise bei den gewichtigen Dezimalwaagen eine Bestandesaufnahme gemacht. Insgesamt wurden 17 Waagen aus den Regalen und den Tiefen noch nicht bearbeiteter Konvolute zusammengetragen. Das Reinigen, Vermessen und Fotografieren der Objekte fand hier wie gewohnt im Freien statt.

Wie eben geschildert, hat Corona bisher für die Museumssammlungen durchaus positive Aspekte gehabt. Die Verschiebeschränke haben sich weiter gefüllt und auch ein Teil des noch nicht dokumentierten Alt-Inventars konnte inzwischen nach neuesten Kriterien aufgearbeitet werden. Mit entsprechenden Schutzkonzepten und gegenseitiger Aufmerksamkeit ging es in den Depots zügig vorwärts. Was uns das neue Museumsjahr nun bringt, wird sich zeigen.

 

Muttenz in Bildern, fertig inventarisiert und im Gemäldedepot neu gehängt
Muttenz in Bildern, fertig inventarisiert und im Gemäldedepot neu gehängt
 
 
 
 
 

Bereits zum zweiten Mal blieb das Ortsmuseum fast ein ganzes Jahr geschlossen. Doch diesmal war es nicht ein Umbau, auf dessen Ende man sich hätte freuen können, sondern durch ein fieses Virus mit einem ungewissen Ausgang. Ob diese Museumspause möglicherweise noch etwas länger andauert, wird sich zeigen.

Der Museumssonntag am 26. Januar war ein grosser Erfolg. An die hundert Gäste benutzten den neuen Lift in die Museumsetage und konnten mit der Arbeitsgruppe Museen (AGM) auf den geglückten Umbau anstossen. Auch der Museumssonntag Ende Februar brachte noch eine grosse Anzahl an Gästen. Die Umwandlung des Eingangsbereiches ist wirklich eine Bereicherung. Das ehemals finstere «Chämmerli» vor dem offenen Aufgang zum nicht unterdachten Estrich, welches aus staub- und klimatechnischen Gründen seit Jahren geschlossen bleiben musste, wurde zum übrigen Raum hin geöffnet. Dazu gab es zum neueingebauten Lift eine neue und der heutigen Norm entsprechende Notausgangstreppe als Ersatz für die überhöhten Treppenstufen von früher. Dazu kamen ein neuer Boden, weisse Wände und eine objektschonende LED-Beleuchtung. All dies gibt mehr helle Ausstellungsfläche, welche sich jetzt unserem Dorfnamen «Muttezer Chrucke» und dem «Banndag» widmet und deren Ursprung erzählt. Dank externer starker Männer sind auch alle historischen Vereinsfahnen wieder an der Wand neben dem Treppenaufgang platziert. Sie müssen zwingend im Ortsmuseum bleiben, denn einen klimatisch geeigneten Depotplatz mit genügend grossen Wandflächen zum Hängen der teils riesigen Bilderrahmen haben wir nirgends. Auch das Herauslösen der darin fixierten, z.T. brüchigen Seidenfahnen wäre keine Option.

Ab März blieb wegen Corona das Ortsmuseum dann geschlossen und auch alle Depotarbeiten wurden eingestellt. Zum einen aus Eigenschutz, weil das Aufsichtspersonal resp. die AGM bis auf ein Mitglied der Risikogruppe Ü65, ja sogar Ü70 angehört und zum anderen, weil die vom BAG vorgeschriebenen Abstände in den Ausstellungsräumen nicht eingehalten werden können. Zur Freude der AGM und künftiger Museumsgäste liess die Bauverwaltung in dieser ruhigen Zeit die brüchig gewordenen Lamellenvorhänge ersetzen und die Beleuchtung im Geschichtssaal erneuern. Nun sind alle Vitrinen und der ganze geschichtliche Abriss von der Steinzeit bis Ende 20. Jahrhundert wieder bestens mit LED ausgeleuchtet.

Im Bauernhausmuseum fiel der Frühlingsputztag aus, da anfangs Saison nicht klar war, wann das Museum dann tatsächlich geöffnet werden könnte. Am meisten traf die Schliessung alle, die sich auf das «Holzoofebrot» gefreut haben. Das Back- und Wirteteam durfte den ganzen Sommer über kein einziges Mal den Ofen einfeuern oder in der «Bäsebeiz» wirten. Nicht nur die strengen Corona-Regeln für Museen kamen im Bauernhausmuseum zur Anwendung. Die Abstandsregeln für Bäckereien gelten auch für die kleine Bauernhausküche mit dem «Holzoofe», diejenigen für Läden auch für den Brotstand und was in Restaurants vorgeschrieben ist, gilt auch für die «Bäsebeiz». Als dann gegen Ende des Sommers die Museumsöffnung theoretisch möglich gewesen wäre, war das Verhältnis des Putzaufwandes zum erlaubten Publikumseinlass für noch zwei Museumssonntage zu sehr im Ungleichgewicht. Nach intensiven und sehr emotionalen Diskussionen blieben schlussendlich beide Museen geschlossen.

Der Schliessung fiel dann im September leider auch die geplante Matinée von «Text und Tönen» auf der Schopfbühne des Bauernhausmuseums zum Opfer. Geplant war eine stimmungsvolle Lesung aus den Geschichten des Baselbieter Heimatdichters Jonas Breitenstein (1828-1877), untermalt mit historischer Volksmusik aus der Sammlung von Hanny Christen (1899-1976) durch Florian Gass und Rafael Moser. Die Veranstaltung wurde nach zeitnaher Anfrage beim Pandemieteam der Verwaltung leider abgesagt. Auch der beliebte Herbstarbeitstag musste ausfallen, denn gerade er lädt in der Regel ein, die Köpfe zusammenzustecken und sich die Arbeiten von ganz nahe anzuschauen oder gar selber Hand anzulegen. Dies alles hätte die Abstands- und Hygieneregeln erheblich verletzt. Um wenigstens das traditionelle «Suurchrutt-Ässe» für alle Mithelfenden zu sichern, hobelten Schaggi und Lotti Gysin zusammen mit Ruedi Bürgin die dazu nötige Portion Kraut und Rüben unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Als einzige «Veranstaltung» in diesem Jahr wurde am Sonntag, 6. Dezember das Adventsfenster geöffnet. Der traditionelle, üppige Bauernhaus-Apéro musste leider wegfallen.

Dieses Jahr ist ein Teil der speziellen «Corona-Geschenke» ausgestellt, welche während des Lockdowns in die Sammlungen eingegangen sind. Die Objekte stammen für einmal nicht nur aus einfachen oder bäuerlichen Haushalten, sondern mehrheitlich aus den wenigen Haushalten «gutbetuchter» Muttenzer Familien.

Wie jedes Jahr steht die «Zuschauertribüne» im Freien. Die Neugierigen sind gebeten selbst für das Einhalten der Abstandsregeln zu sorgen. Wie immer bleibt das Fenster bis zum Dreikönigstag geöffnet. Danach beginnt das neue Museumsjahr.

Bauernhausmuseum
Bauernhausmuseum
 
 
 
 
 

von Barbara Rebmann

Im Jahr 1902 bekam unser Muttenzer Historienmaler Karl Jauslin (1842–1904) von Oberst Heinrich Bircher, Arzt und Militärhistoriker aus Aarau, den Auftrag neun Bilder zur amerikanischen Militärgeschichte anzufertigen. Die Motive, alle im Format 200 cm x 150 cm, waren für sein «Kriegs- und Friedensmuseum» im Rahmen der Weltausstellung in St. Louis (USA) 1904 bestimmt. Sicher ist, dass Jauslin die Motive mit Anweisungen des Auftraggebers und möglicherweise auch dank Fotos sehr realitätsnah gestalten konnte, ohne je selber dort gewesen zu sein. Ob die Bilder an der Weltausstellung tatsächlich gezeigt worden sind ist aber unklar, denn es existieren keinerlei Belege für einen Hin- oder Rücktransport per Schiff.

Die neun Bilder gelangten später in den Besitz des Bundes, wo sie viele Jahre in einem Abstellraum des Bundeshauses standen. Um 1967 bot ein Hauswart, dem sie wohl immer etwas im Weg waren, die sperrigen Objekte dem damaligen Muttenzer Ständerat Werner Jauslin (1924-2015) an. Dieser willigte sofort ein die Bilder der Muttenzer Bevölkerung zugänglich zu machen. 1972 wurden also zur Neueröffnung des Ortsmuseums der damaligen Museumskommission Muttenz die neun Werke von Karl Jauslin als Leihgabe des Bundes offiziell übergeben.

Die Bilder wurden fast 20 Jahre im Ortsmuseum gezeigt. Nach mehrfacher Umgestaltung des Jauslin-Saales verlagerte man 1991 acht Bilder zuerst in ein Seitendepot des Ortsmuseums und dann Mitte der 1990er Jahre endgültig in das Gemäldedepot des Kulturgüterschutzraumes im Schulhaus Donnerbaum. Das einzige im Ortsmuseum verbliebene Bild war „Appomattox Court House“, welches die Verhandlungspartner am Ende des amerikanischen Sezessionskrieges 1865 zeigt.

20 Jahre in der Ausstellung und die insgesamt 120 Jahre Lagerung ohne Schutzglas haben zu starken Verunreinigungen der Oberflächen geführt. Die an sich schon düsteren Bilder sind immer finsterer geworden. Auch in den 25 Jahren im wechselnden Klima des Kulturgüterschutzraumes haben sie weiter stark gelitten. Der Karton, den Jauslin als Träger genutzt hatte, war durch die im Depot oft herrschende hohe Luftfeuchtigkeit wellig geworden und teilweise gerissen. Auf Grund einer detaillierten Zustandsanalyse von Jauslin-Kurator Peter Habicht hat nun die Besitzerin der Bilder, das Bundesamt für Kultur (BAK), die Leihverträge für alle neun Bilder gekündigt.

Am 30. Juni fuhr deshalb ein Kleintransporter mit zwei Sammlungstechnikern des BAK beim Schulhaus Donnerbaum vor. Unten im Kulturgüterschutzraum wurden die Riesenbilder ausgerahmt, fachmännisch mit Polsterung und Spezialfolie einzeln eingepackt, zusammen mit den sperrigen Holzrahmen durch den langen Schulhausgang zum Warenlift transportiert und draussen eingeladen. Dank der modernen Masse der Schulhaus-Türen und des Liftes ging alles wie am Schnürchen.

Im Ortsmuseum hingegen sträubte sich „Appomattox Court House“ resp. sein Holzrahmen gegen den Abtransport. Das 2014 in der neugestalteten Ausstellung schon rahmenlos aufgehängte Bild ging gut verpackt die Treppe hinunter und mit etwas Manövrieren durch die Notausgangstüre. Der insgesamt 230 x 180 cm grosse, sperrige Holzrahmen hingegen passte diagonal nur um Fingerbreite knapp durch den Türrahmen.

Nach 48 Jahren im Muttenzer Exil fuhren nun die neun Jauslin-Werke zurück nach Bern. Trotz der grossformatigen Lücke, die das fehlende Bild nun im Karl Jauslin-Saal hinterlässt, überwiegt bei Jauslin-Kurator Peter Habicht und bei der Arbeitsgruppe Museen schlussendlich die Erleichterung, dass wir die Verantwortung für diese Werke nicht mehr tragen müssen. Die erforderlichen klimatischen Bedingungen eines fachgerechten Bilder-Depots können wir nämlich weder im Ortsmuseum noch im Depot Donnerbaum gewährleisten.

Was sich Kurator Peter Habicht nun einfallen lässt, um die Lücke zu schliessen, werden wir Ihnen mitteilen, sobald sich etwas getan hat und das Ortsmuseum wieder geöffnet hat.

 

Umzug der Karl Jauslin Bilder
 
 
oben links: M. Schopferer bereitete die Oberflächen der Hochregale für die Spielsachen vor
oben rechts: E. Imrk montierte die historischen Puppen an die neuen Ständer
unten links: Ein Teil der Puppensammlung steht schon in Reih und Glied
unten rechts: Ein Teil des neuen Hochlagers für Spielsachen
 
 
 

Nachdem Ende Juni acht grosse Jauslin-Bilder vom Bundesamt für Kultur zurückgeholt worden sind, musste sich Peter Habicht einen Ersatz für das nun fehlende Bild im Karl Jauslin-Saal finden. Glücklicherweise war schon nach kurzen Überlegungen klar was sich da anbot. Im Gemäldedepot lagern noch weitere grossformatige Jauslin-Bilder über berühmte Schlachten der Weltgeschichte, darunter auch schweizerische Motive. Da sich das neue Bild eben auch als «Eyecatcher» eignen muss, fiel die Wahl auf den «Sturm auf die Bresche von Murten». Das Bild hat die gleichen Masse wie das entfernte und darauf sind unzählige Details zu sehen, die hoffentlich unsere jungen und älteren Gäste fesseln können. Das Motiv ist zwar äusserst kriegerisch und brutal, aber durch das dunkel getönte Papier und den aufsteigenden «Pulverdampf» wirken die nur mit Kohlestift und Deckweiss gezeichneten Details nicht auf Anhieb blutrünstig. Wir sind gespannt wie die ersten Publikumsreaktionen dann ausfallen werden.

Zunächst aber ging nun das Bild vom Gemäldedepot im Kulturgüterschutzraum erstmal zur «Kur». Weil auf der Sichtseite des Bilderrahmens edleres Holz verwendet worden war als auf der versteckten Rückseite, hatte sich der massive Holzrahmen weniger verzogen, als das billige Holz der Querverstrebungen auf der hinteren Seite. So hatte das Bild in den vergangenen Jahrzehnten irgendwann die als Stabilisierung angebrachten Querleisten verloren. Der Bildträger aus Karton hatte die Luftfeuchtigkeit wie ein Schwamm aufgesogen, sich stärker ausgedehnt als die bemalte Papieroberfläche und so entstanden überall Risse. Durch die leichte Verformung des Kartons waren dann auch die am Holzrahmen klebenden Bildränder eingerissen. Über 110 Jahre Lagerung ohne Schutzglas hatten bewirkt, dass das allgemein schon finstere Bild noch dunkler geworden war. Nun müssen nach einer eingehenden Analyse durch eine Restauratorin die ausgerissenen Stellen gefestigt und die Bildoberfläche moderat gereinigt werden. Zum Schluss kann das Bild stabilisiert, mit einem aus Platzgründen nur feinen Rahmen eingefasst und wieder in der Ausstellung im Ortsmuseum montiert werden.

Ebenfalls aktuell arbeitet Peter Habicht an den Elementen für drei neue Vitrinen rund um die Dorfkirche St. Arbogast. Hier kann er aus dem Vollen schöpfen, denn sein Führer durch die Kirche ist vor einem Jahr erschienen. Zeigen wollten wir u.a. die vollständige Wandmalerei mit dem «Jüngsten Gericht», welche heute durch die Orgel zum grössten Teil verdeckt ist. Ob uns das allerdings gelingt ist fraglich, denn auf Nachfrage bei den zuständigen Amtsstellen gibt es nirgends eine farbige Bildvorlage. Aber wir bleiben dran und suchen weiter. Inzwischen wurde schon mal der ehemalige Hahn vom Kirchturm aus dem Depot geholt und entstaubt. Eine weitere Vitrine wird dem Beinhaus gewidmet sein, dessen heute wohl als gruselig empfundene Funktion genauer erklärt wird. Wir hoffen auch damit das Interesse unserer Gäste wecken zu können.

Geplant ist die Wiedereröffnung des Ortsmuseums mit den neuen Ausstellungselementen eigentlich auf Ende Januar. Ob uns Corona wieder einen Strich durch die Planung macht, wird sich zeigen.

Besuchen Sie aber unbedingt unser Adventsfenster im Bauernhausmuseum. Es wird am 6. Dezember um 18 Uhr geöffnet und bleibt bis zum Dreikönigstag offen. Wir zeigen unsere «Corona-Highlights», also Objekte die dank des Lockdowns resp. des damit ausgelösten Räumungsfiebers in unsere Sammlungen eingegangen sind. Der Einblick ist wie immer durch eine Zuschauer-Treppe von aussen möglich. Auch da gilt natürlich: Halten Sie Abstand. Ein Eröffnungsapéro wird auf Grund der aktuellen Corona-Situation nicht angeboten.

Bildlegenden:
oben links: Myrtha Seiler und Ruedi Bürgin räumen die Vitrinen zur «Buebe- und Meitlihandi» aus.
oben rechts: Die bisherige Kirchen-Vitrine aus den Gründungsjahren wird erneuert.
unten links: Der alte Kirchturm-«Güggel» wird im Depot entstaubt.

Bilder aus dem Ortsmuseum
 

 

 
 
 
 
 

Gastbeitrag von Werner Ballmer, langjähriger freiwilliger Mitarbeiter des Dichter- und Stadtmuseums Liestal (DISTL)

Nehmen wir an, ein Museum schalte zur Anwerbung freiwilliger MitarbeiterInnen ein Inserat. Wie könnte es – als Beispiel – lauten?

WIR ERWARTEN:
Eigenständiges Handeln mit Sinn für die Folgen einzelner Entscheide; Vorstellungsvermögen; Verantwortungsbewusstsein selbst ohne eigentliche Verantwortung; strukturiertes Vorgehen; Durchhaltewillen (auch eine Serie von 1‘000 Objekten beginnt mit der Nr. 1); Bereitschaft zur Arbeit im Team oder zuhause im stillen Kämmerlein; keine Berührungsangst mit Schmutz; Dialog mit der und Anregungen an die Museumsleitung; ganz allgemein Sinn für die besonderen, auch die praktischen Bedürfnisse eines Museums (und der darin aufgehobenen Objekte); Kontaktfreude.

WIR BIETEN:
1. Entschädigung in der härtesten Währung der Welt: Anerkennung

2. Vertrauen

3. Technische Unterstützung

Unterziehen wir nun den WIR BIETEN-Teil einem ‚Stresstest‘.
Anerkennung: Es ist menschlich, sich zu freuen, wenn man spürt, dass die erbrachte Leistung wirklich geschätzt und anerkannt wird. Anerkennung ist, zumal für Freiwillige, tatsächlich die härteste Währung; gleichzeitig ist sie immer auch Motivation. (…) Ist Anerkennung das ganze «Lohnpaket»? Keineswegs. Freiwillige werden immateriell zusätzlich auf mannigfaltige Weise belohnt: Befriedigung über das Geleistete sowie Genugtuung darüber, etwas für die Allgemeinheit langfristig Sinnvolles zu tun, was sich diese (finanziell) sonst gar nicht leisten könnte und nicht zuletzt durch spannende, bereichernde Kontakte innerhalb des Museums oder mit DonatorInnen und KünstlerInnen.

Vertrauen: Eigentlich eine weitere Komponente der Entschädigung. Überaus motivierend ist nämlich auch zu spüren, dass einem die Museumsleitung 100%ig vertraut. In meinem Fall verkörpert das DISTL, heisst dessen Leitung, auch in dieser Hinsicht geradezu Modellcharakter. (…)

Technische Unterstützung: Auch in diesem Bereich wurde im «Inserat» nicht zu viel versprochen. Ohne KIM.bl (Museumsverbund und Kulturgüterdatenbank Baselland) geht’s nicht mehr, bin ich versucht zu sagen, insbesondere was die technisch-praktische Seite der Inventarisierung und die Weiterbildung betrifft. (…)

Liebe Leserinnen und Leser, der vollständige obenstehende Text ist im Jahresbericht des Museumsverbundes Baselland (KIM.bl) erschienen. Besser als Werner Ballmer können auch wir Mitglieder der Arbeitsgruppe Museen Muttenz (AGM) unsere Motivation nicht beschreiben. Vielleicht reift nach der Lektüre dieses Beitrages doch bei irgendwem der Entschluss, sich einmal Gedanken zur Freiwilligenarbeit in den Muttenzer Museen und Sammlungen zu machen. Wie schon öfters beschrieben, sind die anstehenden Aufgaben vielfältig und zumeist Gender-neutral. Sie gehen vom Handwerklichen, über schriftliche und fotografische Dokumentation für die Inventardatenbank bis hin zur Gestaltung und Ausarbeitung digitaler und analoger Ausstellungselemente. Hauptpunkt ist dabei der Durchhaltewillen, welcher auch mit AGM-internen, kleinen Aufmerksamkeiten belohnt wird.

Melden Sie sich doch zu einem Schnupperbesuch über die Mailadresse museen@muttenz.bl.ch oder direkt bei einem Ihnen bekannten Arbeitsgruppen-Mitglied. Wir würden uns über eine Anfrage sehr freuen.

Barbara Rebmann