von Barbara Rebmann

Wie das gesamte öffentliche Leben ist auch die Museumsarbeit durch den Corona-Virus zum Erliegen gekommen. Bereits ginge es mit Riesenschritten der Bauernhaussaison entgegen. Jedoch musste die geplante Bauernhaus-Putzete vorerst abgesagt werden und sicher fällt auch der Museumssonntag Ende April sowohl im Bauernhausmuseum, als auch im Ortsmuseum aus. Ob es dann Ende Mai klappt, werden wir sehen.

Im Depot Donnerbaum hatte der Frühjahrsputz schon im Februar angefangen, denn der Themenkreis Kinderwelt musste wegen akutem Platzmangel neu geordnet werden. Also wurden die Oberflächen der vor gut 25 Jahren aufgestellten Regale mit Staubsauger und feuchtem Bodenlappen gereinigt. Es hatte sich so Einiges an Schmutz und Staub dort oben angesammelt. Um die im vergangenen Winter hereingekommenen grossformatigen Kinderspielsachen und -möbel, darunter ein edles Puppenbett mit Intarsienverzierung, ein Kinder-Küchenbuffet, ein Mehrzweck-Kinderstuhl, ein Laufgitter und rund zehn historische Puppen versorgen zu können, war eine Umschichtung nötig. Die Neuzugänge sollten nun ganz oben auf den Schubladenregalen versorgt werden, zusammen mit den anderen schon länger vorhandenen, sperrigen Objekten wie „Chöiferli-Laden“, Puppenstuben und -bettchen, „Gigampfi-Rössli“, Leiterwagen usw. Dies gab uns den dringend nötigen, freien Platz in der Verschiebeschrank-Anlage. Um auch diesen Stauraum maximal ausnützen zu können, mussten für die anderen flachen Objekte wie z.B. Brett- und Kartenspiele oder für die Miniaturmöbel und das -geschirr der Puppenstuben zusätzliche Tablare angefertigt und zwischen die bereits vollbeladenen Regale in den beiden Verschiebewagen eingesetzt werden. Sobald die gemeinsamen Arbeitsnachmittage wieder freigegeben werden, können dann alle Objekte einzeln abgestaubt, systematisch nach Grösse und Thema geordnet und schlussendlich endlich mit den neuen Standortangaben und den ergänzten Fotos in der Datenbank eingetragen werden.

Auch für die vielen historischen Puppen, die bisher liegend gelagert waren, konnte eine neue und platzsparende Aufbewahrungsart entwickelt werden. So stehen sie nun an extra angefertigten Ständern aufrecht und ebenfalls nach Grösse sortiert in den Regalen. Dies kommt vorallem den kunstvollen und teilweise mit Echthaar gestalteten Frisuren und den oft mit üppigen Rüschen verzierten Kleidern zugute. Doch auch hier sind wir mitten in der Arbeit gestoppt worden.

Trotz allem gibt es auch genügend Museumsarbeit im Home-Office. Da waren beispielsweise die Vorarbeiten für den Druck des Jahresberichtes zu erledigen und der Text Korrektur zu Lesen oder Wünsche nach historischem Bildmaterial oder Texten aus dem Schriftenarchiv zu erfüllen. Aktuell werden auch die Klöppel-Arbeiten an den neuen Vorhängen für die Bauernhausstube beendet und es müssen für die Verschiebewagen im Depot Donnerbaum noch zehn Abdeckvorhänge genäht werden. Erst wenn uns Corona wieder im Depot arbeiten lässt, können wir auch beim Thema Kinderwelt ein gut geordnetes und vor Staub geschütztes Schaulager vorbereiten.

Frühlingsputz Puppenausstellung
oben links: M. Schopferer bereitete die Oberflächen der Hochregale für die Spielsachen vor
oben rechts: E. Imrk montierte die historischen Puppen an die neuen Ständer
unten links: Ein Teil der Puppensammlung steht schon in Reih und Glied
unten rechts: Ein Teil des neuen Hochlagers für Spielsachen

von Barbara Rebmann

Am zweiten Juni-Dienstag traf sich die Arbeitsgruppe Museen (AGM) wieder einmal zu einer Arbeitssitzung. Es war schon ungewohnt, die grossen Distanzen zwischen den Teilnehmenden mitzuerleben. Trotz allem konnte diese seltsame Situation den sachlichen Diskussionen nichts anhaben. Hauptthema war, wie könnte es anders sein, die Wiedereröffnung der Museen. Wie gern hätten „Bäsebeiz“-Wirt Schaggi Gysin und Museumsbäcker Franz Näf schon Ende Juni ihr Hobby wieder ausgelebt. Aber ein einsamer Brotstand macht vor einem noch geschlossenen Bauernhausmuseum wenig Sinn.

Die AGM diskutierte hin und her, auf welche Art das Bauernhaus geöffnet und trotzdem alle Vorgaben des BAG einzuhalten wären. Doch leider macht es die enge Bauweise des alten Gemäuers speziell im Wohntrakt unmöglich, die Besuchenden mit genügend Abstand aneinander vorbei zu führen. Auch ist es aus baulichen Gründen nicht möglich in einem historischen „Reihenhaus“ einen Rundgang zu definieren mit jeweils separatem Ein- und Ausgang, wie es der Verband Schweizerischer Museen vorschlägt. Immer wieder gibt es Kreuzungspunkte an den engsten Stellen. Wenn jetzt nebst den wenigen erlaubten Gästen mit einer Aufsichtsperson im Schlepptau, nun auch noch das Servicepersonal der „Bäsebeiz“ und die Backenden den gleichen Weg nutzen müssten, käme es laufend zu ungewollter Nähe und die 2 Meter-Distanz könnte kaum eingehalten werden. Also beschloss die AGM schweren Herzens das Bauernhausmuseum mit allen Aktivitäten rundherum noch geschlossen zu lassen.

Auch über die Öffnung des Ortsmuseums wurde heftig diskutiert. Aber da wäre es nur möglich pro Raum 1 Einzelperson, 1 Ehepaar oder 1 Familie durchzuschleusen. Die Ausstellung im Geschichtssaal ist beispielsweise so konzipiert, dass man um die Fotoständer herumgehen würde und somit ungewollt anderen Gästen zu nahe käme, die gerade eine Wandvitrine betrachten oder die Geschichtstafeln lesen. Auch im modernen Karl Jauslin-Saal gibt es wieder die engen Kreuzungsstellen und die schmalen Durchgänge, die in beiden Richtungen genutzt werden müssen.

Zusätzlich zu diesen Schwierigkeiten hätte die AGM auch zu wenig Personal. Der „Bäsebeiz-Wirt“ und der Bauernhausbäcker wären durch ihre speziellen Funktionen schon gebunden. Dann blieben nur noch sieben Personen, die die Säle im Ortsmuseum und die einzelnen Räume im Bauernhaus beaufsichtigen könnten und als Reinigungspersonal laufend berührte Oberflächen, Türfallen oder Liftknöpfe sofort sterilisieren müssten. Der Reiz des Bauernhausmuseums, wo alle Geräte ausprobiert werden können, wäre auch verloren. Die desinfizierenden Reinigungsmittel, mit denen nach jeder Berührung gereinigt werden soll, würden den historischen Objekten grossen Schaden zufügen.

Nach langen Diskussionen um allfällige Lösungen all dieser Punkte entschied sich die AGM das Ortsmuseum und das Bauernhausmuseum samt dazugehörender Aktivitäten noch bis nach den Sommerferien geschlossen zu lassen.

Dies bedeutet nun, dass die AGM, wie alle Betriebe der Gemeinde, zu Handen des Pandemie-Teams der Gemeindeverwaltung sogenannte Schutzkonzepte für den Museumsbereich schreiben muss. Diese halten fest wie die Öffnung der Museen unter den jetzigen Bedingungen zu bewerkstelligen wäre. Erst wenn diese Konzepte anschliessend durch den Gemeinderat bewilligt sind, könnten wir wieder Gäste in den Museen empfangen. Wir hoffen natürlich, dass sich die Corona-Lage bis im August weiter entspannt und die Museen ohne diesen riesigen logistischen Aufwand sicher geöffnet werden können.


Frischgebackenes Holzofenbrot
Diesen Anblick gibt es wohl erst im August wieder

von Barbara Rebmann

Sie, liebe Leserinnen und Leser, wissen schon, dass sich nur ein sehr kleiner Teil der Arbeit der Arbeitsgruppe Museen Muttenz (AGM) in der Öffentlichkeit resp. in den Museen abspielt. Dieses Jahr war es noch viel weniger als üblich, denn das Ortsmuseum blieb das ganze Jahr geschlossen. Obwohl ab Oktober der neue Lift fahrbereit war, können erst nach Abschluss aller Bauarbeiten die Fahnen wieder aufgehängt, die Feinreinigung der Vitrinen und Ausstellungsräume begonnen und die neuen Ausstellungselemente montiert werden. Damit alles zur Eröffnung am letzten Januar-Sonntag bereit ist, steht der AGM nach den Festtagen noch ein ziemlicher Berg an Arbeit bevor.

Das Bauernhausmuseum war an fünf Sonntagen für das Publikum geöffnet und zeigt einige neue Ausstellungselemente. Höchst erfreulich waren hier die Besuche einiger Schulklassen. Die allerletzte „Stuubede“ im August, war ein voller Erfolg und deshalb fiel der Abschied sowohl der AGM als auch dem Publikum noch viel schwerer. Trotz vieler aufmunternder Kommentare blieb die AGM bei ihrer Entscheidung, denn die körperliche Belastung solcher Grossveranstaltungen zerrt an den Kräften der Museumsleute.

Was die üblicherweise verborgenen Museumsarbeiten im Detail bedeuten, davon konnten sich Anfang Jahr einige Gemeinderäte und ein paar Tage später die Mitglieder des Fördervereins Museen Muttenz ein Bild machen. Leider schrumpfte auch die bei dieser umfangreichen Depotarbeit aktiv mitarbeitende AGM-Gruppe immer mehr zusammen. Deshalb waren wir froh, auch dieses Jahr wieder auf unseren bewährten Museumsassistenten Beat Zimmermann zurückgreifen zu können. In gewohnt schneller und trotzdem exakter Weise inventarisierte und dokumentierte er über 400 neue Objekte im Bauernhaus und in beiden Depots. Dank seiner Mitarbeit sind trotz unregelmässig stattfindender AGM-Arbeitsnachmittage in beiden Depots Fortschritte gut erkennbar. So haben wir im Depot Geispel bereits den zweiten Raum mit inventarisierten Objekten gefüllt. Unter Mithilfe von Mitgliedern des Fördervereins konnten fünf rostige Pflüge instand gestellt und später ins Bauernhausmuseum gebracht werden. Dort haben sie auf der Heubühne einen neuen Standplatz gefunden und im Depot gibt es wieder ein paar Quadratmeter freien Stellplatz. Sobald es wärmer ist, wird dieser wieder mit anderen Objekten gefüllt werden, denn laufend kommen weitere Grossobjekte dazu, welche im Eingangsbereich auf ihre Aufarbeitung und die definitive Platzierung warten.

Parallel zur Objektinventarisierung musste das Museumsarchiv beider Muttenzer Museen von den Gründungsjahren bis in die Neuzeit durchgekämmt werden - eine Sisyphusarbeit. In allen Büro- und Museumsräumen kamen immer neue Ordner mit alten Papieren zum Vorschein, welche integriert werden mussten. Alle inzwischen verstorbenen Mitglieder der früheren Museumskommission hatten ihre eigene private Aktenablage dem Museum überlassen. Dies bedeutete, dass fast alles mehrfach vorhanden war. So wurde ab Mitte Sommer sortiert, zusammengelegt, ausgeschieden und neu geordnet. Diese Archivarbeiten werden im neuen Jahr fortgesetzt.

Als Jahresabschluss wurde am 6. Dezember das Adventsfenster im Bauernhausmuseum eröffnet. Das Thema „historischer Santichlaus“ hat uns alle wider Erwarten stark gestresst, war doch bis wenige Tage vor der Öffnung die versprochene „Chlause-Chutte“ nicht auffindbar. Passende Alternativen waren nirgends aufzutreiben, denn das heutige Bild des „Santichlaus“ und die Verarbeitung seiner Kleidung entspricht ganz und gar nicht dem traditionellen Vorbild des finsteren Gesellen aus unserer Region. Doch liess sich in letzter Minute alles zur Zufriedenheit lösen.

Jetzt wünscht die AGM allen, die den Museen zugetan sind, frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Wir hoffen Sie alle am Sonntag, 26. Januar zur Wiedereröffnung des rollstuhlgängigen Ortsmuseums begrüssen zu dürfen. Damit alle Gäste den Lift ausprobieren können, öffnen wir die Türe bereits um 10 Uhr und bieten durchgehend bis um 17 Uhr u.a. Führungen durch die Karl Jauslin-Sammlung mit Kurator Peter Habicht an. In der Wartezeit offerieren wir Ihnen gerne einen kleinen Umtrunk.

 

Museen Muttenz

 

von Barbara Rebmann

Nach mehreren Besuchen im Bauernhausmuseum hatten noch zu Ende des letzten Jahres einige Schulklassen die erst rudimentär eingerichtete und verstaubte Ausstellung im Ortsmuseum besuchen dürfen. Die Kinder liessen sich aber dadurch nicht stören und lauschten gespannt den Geschichten von Ruedi Bürgin über die Entwicklung von Muttenz. Wir hoffen, dass sich im neuen Jahr weitere Schulklassen durch unsere beiden Museen und auch durch das historische Zentrum von Muttenz führen lassen. Entsprechende Arbeitsblätter für Lehrkräfte sind in Vorbereitung.

Bestimmt gibt es auch für erwachsene Einheimische noch spannende Anekdoten zu Muttenz und einigen verborgenen Weglein, die sich mit kompetenter Führung entdecken lassen. Auch ist das Ortsmuseum mit dem barrierefreien Zugang zum neuen Lift wieder interessant für Klassentreffen älterer Jahrgänge. Anfragen für Führungen nimmt unser Sekretariat gerne entgegen (Tel. 061 466 62 71 oder museen@muttenz.bl.ch).

In der Vergangenheit hat es sich immer wieder gezeigt, dass die Angaben zu Museumsveranstaltungen nicht bei den Interessierten angekommen sind. Dabei geht es um Aktuelles wie die Themen der Arbeitstage, Brotverkauf und Öffnungszeiten. Um grosse und kleine Museumsinteressierte künftig über spezielle Veranstaltungen direkter informieren zu können, wird die Arbeitsgruppe Museen probeweise einen digitalen Flyer-Versand einrichten. Um ihn zu abonnieren, senden Sie ein Mail mit dem Stichwort Anmeldung Museumsflyer an museen@muttenz.bl.ch. Ausser den Mail-Adressen werden keine weiteren Daten erfasst und der Versand kann mit einem entsprechenden Mail sofort wieder gestoppt werden. Wir hoffen auf diese Weise Interessierte besser und schneller informieren zu können.

Klassenführung Im Ortsmuseum
Gespanntes Schweigen während einer Klassenführung im damals noch geschlossenen Ortsmuseum

 

von Barbara Rebmann

Wie schon seit Jahren öffnet am 6. Dezember um 18 Uhr das Bauernhausmuseum sein Adventsfenster. Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren.

In diesem Jahr hat sich die Arbeitsgruppe Museen (AGM) entschieden eine historische „Santichlaus“-Szene auszustellen, die von jüngeren Leuten vermutlich ziemlich kontrovers diskutiert werden wird. Die Szene wird zeigen, was die Grosseltern noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts in ähnlicher Art selber erlebt haben. Unser traditioneller „Santichlaus“ war nämlich ein eher grimmiger Geselle, der zu Fuss mit einem Esel aus dem Schwarzwald kam. Er las aus einem dicken Buch die Fehltritte des ganzen Jahres vor, kommentierte, ermahnte oder schimpfte. An Stelle von Geschenken verteilte er einheimische Äpfel, Birnen, Baum- und Haselnüsse an brave Kinder. Konnten sie noch ein „Värsli“ aufsagen, gab es oft noch „Änisbrötli“ oder kleine Lebkuchen dazu. Wo nötig brachte er eine „Rute“ zur Züchtigung mit oder steckte ungezogene Kinder gar in seinen Sack. Diesen lud er sich dann im schlimmsten Fall auf den Rücken und nahm ihn ein Stück des Weges mit. Darum sorgten die Buben am Nikolaustag vor und trugen ein Messer in der Hosentasche, um sich notfalls den Weg aus dem Sack freischneiden zu können. Eigentlich wusste niemand, was da im finsteren Schwarzwald in der Hütte des „Santichlaus“ zu erwarten wäre, aber ausprobieren wollte es auch niemand.

Hintergrund unseres grimmigen schwarzen „Santichlaus“ war, dass es nach der Reformationszeit für Protestanten nicht denkbar war, die Gestalt des gütigen katholischen Bischofs Niklaus von Myra aus dem 4. Jahrhundert zu übernehmen. Als furchteinflössende und somit erzieherisch wirkende Begleitung hatte der den finsteren „Schmutzli“, auch „Knecht Ruprecht“ genannt, an seiner Seite. Dieser war aus der Mythologie entstanden und stellte das Böse dar, das dem Guten dienen muss. In historischen Zeiten, als die Menschen in Dörfern entweder reformiert oder katholisch waren, entwickelten sich zwei unterschiedliche Nikolaus-Gestalten. Zum einen der gütige „Santichlaus“ im langen roten Mantel, mit Mythra und Bischofsstab, der in den vorwiegend katholischen Gemeinden unterwegs war. In den reformierten Gemeinden entwickelte sich aus dem „Schmutzli“ allmählich eine Abwandlung zum reformierten grimmigen „Santichlaus“, der mit schwarzem Kapuzenmantel gekleidet daher kam.

Damals gab es noch keine psychologisch geschulten Nikoläuse zu mieten und Tränen und Angst waren am Nikolaus-Tag eine willkommene Wirkung und ganz im Sinne der Erziehungsberechtigten. Konnten sich Eltern unter den Nachbarn und Verwandten keinen „Santichlaus“ organisieren, so war am Abend des 6. Dezember manchmal ein Riesengepolter im Hausgang zu hören. Auch dieses verbreitete natürlich schon Angst und Schrecken und lähmte die Kinder vorübergehend. Wenn sie sich dann doch hinaus wagten, stand da oft ein Nikolaussack mit den traditionellen und im Winter noch verfügbaren Früchten und Nüssen und der obligaten „Rute“. Meistens war auch ein Begleitbrief dabei, in dem die „Sünden“ des vergangenen Jahres aufgelistet waren und dazu der Wunsch nach Besserung. Für kurze Zeit hatten jeweils die Tage um den 6. Dezember durch angsteinflössende und kaum widerlegbare Gerüchte um die finstere Gestalt eine beruhigende Wirkung auf das Wesen aller Lausbuben und –mädchen. Diese löste sich jedoch nach kurzer Zeit wieder auf, denn bis zum nächsten Nikolausbesuch ging es wieder ein ganzes Jahr und man war ja diesmal noch glimpflich davongekommen.

Die Erziehungsmethoden und auch der „Santichlaus“ haben sich inzwischen stark verändert. Dazu brachten Familien aus anderen Kulturkreisen ihre gütigen Weihnachtsmänner mit in Form von Père Noël, Father Christmas, Papa Natale und wie sie alle heissen. Sie alle sind rot gekleidet, entweder mit langem Mantel oder Jacke und Hose mit weissem Pelzrand und einem schwarzen Gürtel. Sie erschienen mit Geschenken erst zu Weihnachten, während in unserer Region das „Chrischt-Chindli“ oder das „Wiehnachts-Chindli“ die Geschenke überbrachte. Auch dieses war eine sagenumwobene Gestalt, die zumeist nur im oberen Baselbiet als „Wysse Ängel“ persönlich zu Besuch kam. Hier in Muttenz gelang es kaum je dieses Wesen zu sehen, da es meistens mit feinem Glockenklang grad aus dem Fenster geflattert war, wenn man endlich die Weihnachtsstube hatte öffnen dürfen.

Wer nun bis nach Weihnachten das Adventsfenster im Bauernhausmuseum besucht, der kann dort den traditionellen „Muttezer Santichlaus“ in der schwarzen Kutte sehen, so wie er früher hier zu den Kindern kam und ihnen, wo nötig, ihre „Sünden“ aus seinem dicken Buch vorlas.

Das Adventsfenster wird am 6. Dezember um 18 Uhr geöffnet und wir laden Sie herzlich dazu ein. Könnte sein, dass da ein "Santichlaus" in der Nähe sein wird. Lernen Sie daher zur Sicherheit schon mal ein „Värsli“ auswendig und nehmen Sie ein Taschenmesser mit, man weiss ja nie...

Am 6. Januar 2020 wird das Fenster dann wieder geschlossen, denn das Bauernhausmuseum hat Winterpause.

Bildlegende:
Foto links: 2006 sass der „Santichlaus“ auf der „Chouscht“ in der Bauernhausstube.
Foto rechts: 2010 war der „Santichlaus“ zum letzten Mal persönlich im Bauernhausmuseum.

Santichlaus im Bauernhausmuseum und auf dem Dorfplatz