Auch dieses Jahr schmückt die Arbeitsgruppe Museen ihr Weihnachtsfenster wieder mit sonst nicht zugänglichen Objekten aus dem Depot Donnerbaum. Eröffnet wird es am 16. Dezember um 18 Uhr. Schade ist nur, dass wir die diesjährige Ausstellung nicht mit den dazu gehörenden Düften ausstatten können. Das Thema heisst nämlich „Festtagsgebäck“. Genauer gesagt gilt die Ausstellung den diversen Hilfsmitteln, die zur Herstellung der Köstlichkeiten benutzt worden sind.

Einige Objekte, welche dieses Jahr ihren grossen Auftritt haben sollen, stammen aus der ehemaligen Bäckerei Thommen im Oberdorf 1, wo heute die Bürgergemeinde ihren Sitz hat. Alle anderen Back-Utensilien stammen aus privaten Muttenzer Küchen. Zu sehen sind beispielsweise verschiedene Holz-Model für Änisbrötli, ein spezielles Model-Wallholz, zudem Ausstechförmli, die über Jahrzehnte jedes Jahr wieder aufs Neue hervorgeholt wurden, um die von allen geliebten „Wiehnachtsgutzi“ herzustellen. Mit dem Backen des Festtagsgebäcks waren die Hausfrauen oft schon einige Wochen vor dem eigentlichen Fest beschäftigt. Selbstverständlich stellten sie den Teig selbst her - Fertigteige, wie sie heute angeboten werden, gab es damals noch nicht.

Typisch für die Weihnachtszeit sind beispielsweise die traditionellen „Änisbrötli oder Änischräbeli“, welche oft als essbarer Schmuck neben den roten Weihnachtsäpfeln an den Weihnachtsbaum gehängt wurden.

Eine weitere feine Winter-Spezialität waren die Briçelets oder die etwas dickeren Waffeln. Der Teig hierzu wurde in ebenfalls ausgestellten gusseisernen Platten gepresst und kurz ausgebacken. Die Eisen wurden direkt in den Herd eingepasst und vom offenen Feuer erhitzt. Diese Backart erforderte viel Fingerspitzengefühl und ein exaktes Timing, denn rasch waren die hauchdünnen Briçelets nicht mehr hell und delikat, sondern schwarz und ungeniessbar. Auch die luftigen „Rosechüechli“ oder die hauchdünnen „Fasnachtschüechli“ benötigen viel Fingerspitzengefühl. Sie wurden schwimmend im erhitzten Öl ausgebacken, genauso wie die etwas weniger zerbrechlichen „Schänkeli“. Doch war allgemein die Zubereitung mit erhitztem Öl an einem alten gusseisernen Herd mit offener Flamme nicht ungefährlich.

Das übrige Jahr hindurch gab es natürlich auch ab und zu einen Kuchen, z. B. den aus dem Elsass überlieferten Gugelhopf. Für diesen hatte jede Hausfrau ebenfalls ihr traditionelles Familienrezept, welches mit Rosinen, feingehackten Nüssen oder gar mit Zitronat- und Orangeatstückchen verfeinert wurde. Im Weihnachtsfenster werden dazu ganz unterschiedliche Gugelhopfformen ausgestellt.

Die Herstellung all der Festtagsgebäcke war jedes Jahr eine Herausforderung für die Hausfrau. Würden sie wieder so gut gelingen, wie es erwartet wurde und wie sie die Mutter oder Schwiegermutter fertigbrachten? Jedes Jahr wurde das Backtalent der Hausfrau erneut beurteilt: Hatten die Änisbrötli hohe und gleichmässige Füsschen oder waren sie eher schief geraten? Wie war die Bissfestigkeit der Schänkeli, Brunsli oder Zimtsterne? Musste man den Gugelhopf zuerst in Kaffee oder Tee eintunken oder konnte man ihn essen ohne zu ersticken? Aber auch wenn das Gebäck nicht in allen Punkten dem Ideal entsprach, es schmeckte einfach herrlich. Und nach den Feiertagen freute man sich insgeheim schon wieder auf das nächste traditionell zur Jahreszeit gehörende Gebäck. Denn im Unterschied zu heute waren diese verschiedenen Festtagsgebäcke nicht während Monaten im Laden zu kaufen. Jede Jahreszeit hatte ihre speziellen Sorten, auf die man sich schon vorher freuen konnte. Aber deren „Saison“ begann erst kurz vor dem eigentlichen Festdatum und war kurz danach bereits wieder beendet.

Bei diesem Thema sind nun die Museumsbäcker speziell gefordert, soll es doch wenigstens am Eröffnungsabend - am 16. Dezember ab 18 Uhr - entsprechend fein duften. Wir hoffen, dass wir Sie ein bisschen „gluschtig“ machen konnten und dass Sie einen kurzen Besuch bei unserem Weihnachtsfenster im Oberdorf 4 machen. Es bleibt wie immer bis zum Dreikönigstag geöffnet.

Model-Wallholz, Santiklaus Form, Waffeleisen
1. Mit diesem Model-Wallholz konnten in einer Umdrehung gleich 20 Änisbrötli auf einmal verziert werden. Sie mussten dann nur noch zugeschnitten werden. -- 2. In der ehemaligen Bäckerei Thommen wurden in dieser Form „Santichläuse“ aus Schokolade gegossen. -- 3. Mit diesem Eisen wurden die hauchdünnen Briçelets im offenen Herdfeuer gebacken.