Über die Arbeit, ein eigentliches Schriftenarchiv im Ortsmuseum aufzubauen, haben wir bereits einmal berichtet. In den Museumsschränken lagert immer noch ein grosser Bestand an „Schriftlichem“ verschiedenster Art und Herkunft. Auch in den Depoträumen tauchen immer wieder neue Mappen, Couverts oder Einzelblätter auf. Es scheint gar, dass der aufzuarbeitende Papierberg kaum kleiner wird. Nur die wachsende Anzahl der Hängemappen in den beiden Registraturschränken zeigt die immer weiterreichende Vielfalt der Themen.

Um all die Notizen und Dokumente thematisch sortieren zu können, müssen sie zuerst einmal – zumindest oberflächlich – gelesen werden. Das ist oft gar nicht so einfach. Vor allem dann nicht, wenn sie in der alten deutschen Schrift (auch Kurrent- oder Sütterlinschrift genannt) geschrieben sind. Zwar hat Hildegard Gantner die ganze Arbeitsgruppe Museen im Lesen dieser Schrift viele Stunden lang geschult, doch ist jede Handschrift wieder eine neue Herausforderung: Mal ist sie relativ sorgfältig und leserlich, mal krakelig und ungelenk, mal mit vielen Schnörkeln versehen – je nach Übung und Selbstbewusstsein der Schreibenden. Nun, dasselbe gilt ja auch für unsere heutige (lateinische) Schreibschrift.

Weitere Schwierigkeiten beim Entziffern alter Dokumente können eine abenteuerliche Schreibweise, ein fremd gewordenes Vokabular oder eine ungewohnte Ausdrucksweise bereiten. Da gibt es nur Eines: Man muss sich in die Texte – und damit in die vergangene Zeit – hineinlesen. Manchmal handelt es sich dabei um ein ganz persönliches Schreiben und manchmal um ein höchst offizielles aus einer längst verschwundenen Amtsstube. Genau das macht den Reiz dieser Arbeit aus, denn hinter jedem Schriftstück verbirgt sich eine neue, mal lustige und mal tragische Geschichte.

Neben all diesen schriftlichen Dokumenten bildet die sogenannte Andenken-Grafik eine besonders reizvolle Gruppe. Dazu gehören Taufzettel, Konfirmations- und Hochzeitsandenken. Diese Blätter sind zumeist in schönster Schrift geschrieben und mit einem Bild oder mit Ornamenten verziert. Auch Poesie-Alben aus früheren Zeiten sind oft amüsante Zeugnisse eines Freundschaftskultes, den es in dieser Ausprägung nicht mehr gibt.

Bücher oder Hefte, in denen die Einnahmen und Ausgaben eines Ladens oder einer Haushaltung eingetragen sind, lassen auch allgemeine Rückschlüsse auf die jeweilige Zeit zu. Schulhefte mit Aufsätzen oder Abschriften bezeugen ein Stück Schulgeschichte. In all diesen schriftlichen Dokumenten eröffnet sich eine längst vergangene Welt.

Nach unserem letzten Bericht über das Schriftenarchiv sind den Museen einige Aufzeichnungen zugeschickt worden. Es sind zumeist Erinnerungen an die Kinder- oder Jugendzeit zwischen den beiden Weltkriegen. Einige Geschichten sind zusätzlich mit Zeichnungen ausgeschmückt, andere durch Fotos ergänzt. Solche persönlichen Erlebnisberichte sind uns sehr willkommen. Aus ihnen können wir Vieles über die Denk- und Lebensweise früherer Zeiten erfahren, was sonst in keinem Geschichtsbuch steht. Sie ergänzen in gewissem Sinne das, was die Objekte unserer Sammlungen uns sagen können. Museumssammlungen ohne Geschichten zu den Objekten sind nämlich nur eine Ansammlung von altertümlichen Kuriositäten, welche man aus dem heutigen Wissen heraus zu interpretieren versucht.

Falls Sie also noch schriftliche Dokumente aus frühester Jugend oder gar noch ältere besitzen und dazu noch zusätzliche Informationen geben können, melden Sie sich doch bei uns. Vor allem: werfen Sie keine Schriftstücke fort, nur weil diese in der alten deutschen Schrift geschrieben sind. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Museen nehmen gerne noch weitere Dokumente in das Schriftenarchiv auf.

Taufzettel aus dem Jahre 1851, Taufzettel aus dem Jahr 1877
1. Ein Taufzettel aus dem Jahre 1851 mit den besten Segenswünschen für das Kind. --- 2. Glückwünsche zu einem Hochzeitsfeste von 1898, eingefasst mit einem Kranz aus einzeln aufgeklebten Blüten und Blättern. --- 3. Ein weiterer Taufzettel aus dem Jahr 1877, kunstvoll gefaltet und mit einzeln ausgeschnittenen Zacken verziert