Anlässlich der Neugestaltung des Ortsmuseums 1998 waren alle Anschauungsobjekte und Stellagen der früheren Ausstellung in den Depoträumen im Schulhaus Donnerbaum eingelagert worden. Die thematische Vielfalt der ehemaligen Ausstellung und die vielen Schenkungen der vergangenen Jahre führten zu einem Überfluss an Objekten. Die Depoträume waren vollgestopft mit Geräten, die weder systematisch inventarisiert, noch kritisch auf ihren Zustand hin untersucht worden waren. Vor etwa vier Jahren machte sich die Arbeitsgruppe Museen dann intensiv Gedanken über die Zukunft der Sammlungen und erarbeitete ein verbindliches Sammlungskonzept.

Die Thematik der Sammlungen soll die vielfältigen Aspekte von Gewerbe und bäuerlichem Leben im noch dörflichen Muttenz illustrieren. Die bisherigen Themenbereiche Geografie, Geologie und Naturkunde (Flora und Fauna) wurden aufgegeben. Die ältere Ortsgeschichte (Ur- und Frühgeschichte bis Mittelalter) wurde bis auf die Schauwand im Ortsmuseum ebenfalls aufgelöst. Alle Objekte wurden in die kantonalen Sammlungen in Liestal weitervermittelt, wo sie kompetent betreut und aufgearbeitet werden. Einige Regeln sollen nun eine weitere beliebige Anhäufung von Objekten verhindern.

Regel 1 legt die zeitliche Obergrenze der Sammlungen auf den fliessenden Übergang ins „Plastikzeitalter“ fest. Das sind die Jahre, in denen die traditionellen Gerätschaften nach und nach durch moderne elektrisch betriebene oder pflegeleichtere Produkte aus farbigem Kunststoff ersetzt wurden.

Regel 2 erlaubt nur noch das Entgegennehmen von Objekten mit direktem Bezug zu Muttenz. Zur Ausstaffierung des Bauernhausmuseums hatte man beispielsweise auch Geräte und Möbel aus dem städtischen Basel oder weiter entfernten ländlichen Regionen der Schweiz zusammengesucht, welche von der Zeitstellung und vom Verwendungszweck passten. Aber auch heute endet der geografische Rahmen nicht unmittelbar an der Gemeindegrenze.

Regel 3 erlaubt, dass angebotene Objekte auch zurückgewiesen werden. Damit soll vermieden werden, dass thematisch passende Gerätschaften vielfach vorhanden sind. Auch sollten Objekte in einem allzu ruinösen Zustand nicht mehr angenommen werden.

Regel 4 besagt, dass Objekte keinesfalls als Leihgaben angenommen werden dürfen - ausser zu zeitlich begrenzten Ausstellungszwecken. Damit soll verhindert werden, dass das Museum die Verantwortung für eine Leihgabe übernehmen muss, ohne dass es darüber selber verfügen darf. Unvorhersehbare spätere Rückgabe-Forderungen sollen durch Übergabe-Protokolle verhindert werden.

Regel 5 bestimmt, dass sich die Museen nicht verpflichten ein geschenktes Objekt auch auszustellen. Diesem Wunsch kann kaum ein Museum entsprechen, sind doch in der Regel nur etwa 10% der Sammlungsbestände ausgestellt. Im Depot verwahrte Objekte werden trotzdem sorgfältig erfasst, dokumentiert und stehen so für die Zukunft bereit.

Diese allgemein verbindlichen Regeln sollen uns nun zu einer kritischen und bedachten Sammlungstätigkeit verhelfen. Im Depot Donnerbaum wird es hoffentlich zu grösserer Übersichtlichkeit führen und die Ressourcen der Arbeitsgruppe sollen effizienter eingesetzt werden können. Die Regeln sollen aber niemanden davon abhalten, den Museen weitere Objekte anzubieten – denn auch bei uns gilt: Keine Regel ohne Ausnahme!

Die Sammlungsverantwortlichen der Arbeitsgruppe werden auch weiterhin dankbar Ihre Geschenke entgegen nehmen. Sollten sie doch einmal Objekte zurückweisen müssen, werden Sie nach der Lektüre dieses Artikels sicher Verständnis dafür haben.

zwei Musterexponate
links: Diese Stopfpräparate wurden erfolgreich weitervermittelt. Solche Präparate erfordern einen Pflegeaufwand, den sich die Museen Muttenz nicht leisten können.
rechts: Auch diese Vogelnester aus Muttenzer Wäldern konnten der kantonalen Sammlung übergeben werden.