Barbara Rebmann

Die Arbeitsgruppe Museen hat bisher den alljährlichen Einblick in die Sammlungen thematisch der festlichen Weihnachts- oder wenigstens der Winterszeit angepasst. In diesem Jahr haben wir uns dazu entschlossen, ein vom Kirchen- und Kalenderjahr unabhängiges Thema darzustellen. Es ist etwas, das bei Jung und Alt wohl ganz unterschiedliche Erinnerungen und Gefühle hervorrufen wird. Die Bauernhausstube verwandelt sich nämlich in eine Schulstube, so wie sie im noch ländlichen Muttenz ausgesehen haben könnte. In unseren Sammlungsdepots finden sich zahlreiche Schulutensilien aus der Zeit vom Anfang bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Diese sind nun in einem Schulzimmer vereinigt. Da sich die Möblierung und sonstige Ausrüstung der Schulen bis zum Beginn des „Plastikzeitalters“ über Jahrzehnte kaum veränderten, entspricht diese „Collage“ durchaus einer historischen Realität.

Die ausgestellten hölzernen Schulbänke und Pulte waren bis 1898 (also bis vor 1900) in Gebrauch. Darin musste man mit geradem Rücken sitzen, da man sonst von der schmalen Bank gerutscht wäre. Und das hätte damals sicher ein paar „Tatzen“ zur Folge gehabt. „Tatzen“ waren Hiebe, die der Lehrer mit einem Rohrstock gezielt auf die Hände sausen liess. Im schlimmsten Fall gab es auch noch einige Schläge auf den Hosenboden. Das war damals eine gängige Methode, um übermütige Schüler zu zügeln. Nach solch einer Strafe hatten sie vorübergehend kaum Lust zu irgendwelchen Kapriolen, und alle sassen wieder brav und still in ihren Bänken, wie wir es auf den Fotos sehen können.

Das Schreiben lernte man in früheren Zeiten mit harten Griffeln auf Schiefertafeln. Es war nicht einfach, die harten Griffel ohne unangenehmes lautes Kratzen über den Schieferstein zu führen und die Buchstaben oder Zahlen hinzumalen. Fehler konnten allerdings einfach mit einem nassen Finger oder Schwamm wieder weggeputzt und korrigiert werden. Die Tafelrahmen mussten regelmässig einmal pro Woche mit einer Bürste und Seife so lange sauber geschrubbt werden, bis der Holzrahmen weiss und fleckenlos war. Genauso wie auch die Hände, die am Montagmorgen jeweils kontrolliert wurden.

Erst in einer höheren Klasse lernten die Schülerinnen und Schüler das Schreiben mit Feder und Tinte. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mit zugespitzten Gänsefedern geschrieben. Die erste Stahlfeder, die man in einen Federhalter steckte, wurde 1748 erfunden, aber erst ab den 1850er-Jahren auch in den Schulen genutzt. Diese maschinell angefertigten Schreibfedern hatten eine viel höhere Lebensdauer als Gänsefedern, waren auch leichter zu handhaben. Bis in die 1960er-Jahre waren sie – neben dem Bleistift – das allgemeine Schreibgerät.

Man schrieb mit blauer Tinte, die der Lehrer aus einer grossen Flasche in die kleinen Tintenfässchen schüttete. Diese waren im Pult eingelassen, ganz oben in der Griffelleiste. Sie wurden mit einem Deckel verschlossen, damit die Tinte nicht austrocknete. Beim Schreiben passierte es oft, dass der Finger den Federhalter zu weit unten hielt, so dass man blaue Fingerspitzen mit nach Hause nahm. Schlimmer war es, wenn man ungewollt einen „Tollgge“ (Tintenfleck) ins Heft machte. Denn, hatte man zuviel Tinte an der Feder, lief diese auf das Papier herunter und bildete ein kleines Seelein. Um dieses aufzutrocknen, legte man schnell ein Löschblatt darauf, ein dickes, saugfähiges Papier.

Zum Putzen der Federn und der blauen Finger hatte man einen kleinen „Tinte-Lumpe“. Diese kleinen Putzlappen wurden von den Mädchen in der Handarbeitsstunde meist selber hergestellt. Dazu schnitt man Abschnitte aus alten Leintüchern gleich gross zu, legte sie aufeinander und nähte sie in der Mitte oder an einer Ecke dann mit einem Knopf zusammen, damit die einzelnen Stofflagen nicht auseinanderfielen. So hatte man mehrere Schichten mit sauberen Putzlappen zur Hand wenn mal ein kleines Unglück passierte, oder wenn man am Ende der Stunde die Feder trockenreiben musste.

Alle diese Schulutensilien, dazu Schulhefte und Lehrbücher aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts sind in unserem Weihnachtsfenster zu sehen. Das Fenster wird auch in diesem Jahr wieder am 6. Dezember um 18 Uhr geöffnet. Auch Schulmuffel sind an diesem Abend herzlich eingeladen. Ihre Erinnerungen an die Schulzeit können Sie, liebe Grosseltern, bei diesem Anlass oder auch später nicht nur Ihren Enkeln, sondern auch uns erzählen.



Museen Muttenz: Ortsmuseum // Bauernhausmuseum

Schulklassen um 1940
1. In der Freidorfschule gut zu erkennen, die Schiefertafeln vorne am Pult. --- 2. Auch um 1938 waren die alten Holzpulte noch in Gebrauch. --- 3. Das alte Muttenzer Schul- und Gemeindehaus, welches um 1940 abgerissen wurde.