Als das Ortsmuseum Muttenz in den frühen 1970er Jahren eingerichtet wurde, war man noch weit entfernt von der weltweiten Informationsflut und den Möglichkeiten, wie sie heute das Internet mit Google, Wikipedia usw. bietet. Wer sein Wissen damals erweitern wollte, musste vor allem viel lesen. Auch der Besuch von Vorträgen, Museen und Ausstellungen waren gefragte Möglichkeiten zur Weiterbildung. Kulturelle und wissenschaftliche Vereine und Zirkel, wie z. B. die Muttenzer „Gesellschaft für Natur- und Heimatkunde“, standen hoch im Kurs. Aus dieser Muttenzer Gesellschaft rekrutierten sich die Gründer des Ortsmuseums und die – damals ausschliesslich männlichen – Mitglieder der ersten Museumskommission. Wie zu der Zeit üblich verfolgten sie das Ziel, möglichst alle Themen und Wissensbereiche abzudecken. Da wurden Objekte zur Geografie, Geologie, Archäologie, Botanik, Zoologie, Wirtschaft, Wohnkultur usw. auf kleinem Raum neben- und ineinander ausgestellt. Konzipiert wurden die einzelnen Teilausstellungen jeweils von einem Kommissionsmitglied, das sich mit dem entsprechenden Thema vertraut gemacht hatte.

Selbstverständlich führten die Mitglieder der früheren Museumskommission alle anfallenden Arbeiten selbst aus. Sie sammelten, bereiteten Objekte auf, montierten sie je nach Notwendigkeit auf einen festen Sockel, tippten Texte für Beschriftungen und fertigten erläuternde Zeichnungen selber an. Ausstellungstafeln bestanden aus stabilem Karton, wurden beklebt und spätere Ergänzungen konnten problemlos mit einer Stecknadel oder einem Klebestreifen befestigt werden, ohne dass sich jemand daran störte. Vielseitiges handwerkliches Können war damals ebenso gefragt wie fachliche Kompetenz. Mit geschenkten alten Vitrinen und Bilderrahmen wurden die Ausstellungsräume selbst gestaltet und so hielten sich die Materialkosten in engen Grenzen. Sie wurden hauptsächlich von jenem Geld bestritten, das durch Führungen und Legate eingenommen worden war.

Da die Überfütterung mit pseudowissenschaftlichen Informationen aus Fernsehen und Presse damals nicht so eklatant war wie heute, war es für Lehrer attraktiver und auch einfacher, durch einen Museumsbesuch den aktuellen Unterrichtsstoff zu ergänzen. Zudem hatten zwei Mitglieder der Museumskommission einst als Lehrer gewirkt und wussten die jeweiligen Themen spannend und stufengerecht zu vermitteln.

Heute werden an die Gestaltung einer Ausstellung ganz andere Ansprüche gestellt. Raumgestaltung, Beleuchtung und Beschriftung sollten perfekt abgestimmt sein. Wissensstoff sollte durch technische Einrichtungen vermittelt werden, welche die Besucher zu „interaktivem Lernen“ auffordern. Flachbildschirme mit Touchscreen, iPods oder Videos werden in einer Ausstellung erwartet. Zum Lesen längerer Infotexte fehlt vor allem den Jugendlichen die Geduld und oft auch das Sprachverständnis. Doch derart gestaltete Museums- und Ausstellungsräume haben ihren Preis. Da müssen professionelle Gestalter ans Werk, von den Kosten für die wissenschaftliche Vorbereitung, Infrastruktur und allfällige Programmierungen ganz zu schweigen. Und nach gängiger Doktrin sollte eine Ausstellung nicht länger als zehn Jahre unverändert bleiben.

In diesem Spannungsfeld zwischen „Gestern-und-Heute“ befindet sich auch die Arbeitsgruppe Museen (AGM). Vor 20 Jahren wurde die Karl Jauslin-Ausstellung und vor 13 Jahren die ortsgeschichtliche Ausstellung zum letzten Mal neu eingerichtet. Die Ausstellung mit den historischen Fotos steht ebenfalls schon gute 5 Jahre – Neuauflagen wären hier wirklich an der Zeit. Aber die AGM kann in ihrem kostengünstigen „Milizsystem“ und mit dem üblichen Budget keine professionellen Ausstellungen selber erarbeiten und aufbauen. Sie ist voll damit ausgelastet die Sammlungen zu äufnen, zu bewahren und zu dokumentieren, das Publikum an den Museumssonntagen zu betreuen, nebenbei Führungen und Veranstaltungen durchzuführen und ihre Lokalitäten instandzuhalten. Es wären Summen im mehrfachen sechsstelligen Bereich nötig, damit entsprechende Fachkräfte zur Erarbeitung von fundierten Grundlagen und zur Gestaltung von Ausstellungen eingestellt werden könnten. Ob eine Gemeinde in der heutigen Zeit solche Gelder in ihr Ortsmuseum investieren kann, wage ich zu bezweifeln – aber träumen darf man schon…...

Barbara Rebmann

Links eine Tafel zur Waldfläche, daneben eine Vitrine über die Vogelwelt und ganz hinten der Wartenberg und seine archäologischen Funde.
1. Links eine Tafel zur Waldfläche, daneben eine Vitrine über die Vogelwelt und ganz hinten der Wartenberg und seine archäologischen Funde. --- 2. Auch in der anderen Blickrichtung waren die vielfältigen Themen dicht beieinander.