Barbara Rebmann

Hoffentlich sind auch Sie, liebe Leserin und lieber Leser, im vergangenen Dezember einmal zum Bauernhausmuseum spaziert und haben sich unser Adventsfenster angesehen. In der kleinen Stube des Bauernhauses wurden in angemessenem Ambiente Sammlungsobjekte zum Thema „Winterfreuden“ präsentiert.

Heute möchte ich Ihnen schildern, wie so ein Adventsfenster geplant, aufgebaut und schliesslich wieder abgeräumt wird.

Die wichtigste Frage lautet jedes Jahr: Welches Thema wollen wir darstellen? Da sich in unseren Sammlungen leider immer noch kaum Weihnachtsschmuck befindet, müssen wir ein Thema finden, das sonst "irgendwie" zur winterlichen Weihnachtszeit passt. Die Idee, was ausgestellt werden soll, entsteht per Zufall irgendwann im Laufe des Jahres. Meistens sind Neueingänge die Themengeber oder dieses Jahr war es das Umlagern verschiedener Ski- und Schlittenmodelle vom Estrich des Ortsmuseums ins Depot Donnerbaum.

Jeweils Ende Oktober muss das Thema definitiv bestimmt sein. Die Schreibende muss den Artikel, der mit einem „Blick hinter die Kulissen“ im Muttenzer Anzeiger auf das Adventsfenster hinweist, zuerst noch schreiben, mit illustrierenden Fotos ergänzen und bis spätestens Mitte November abliefern.

Dann gilt es, in Frage kommende Objekte zusammenzutragen. Meistens müssen sie in den vielen Schränken und Regalen gesucht werden, da sie noch nicht systematisch inventarisiert sind. Als nächstes werden sie auf ihren Zustand hin untersucht: Brauchen beispielsweise die Schuhe zuerst noch eine Behandlung durch unseren Lederspezialisten Franz Näf oder genügt es, sie nur abzustauben? Muss Joggi Zumbrunn die Kufen der „Schruubedämpferli“ zuerst entrosten oder gar einen Holzschlitten noch einer Wurmkur unterziehen? Hat Myrtha Seiler in der Textilsammlung noch etwas zum Thema Passendes? Ist das nötige Dekorationsmaterial irgendwo vorhanden? Sollen noch ergänzende Leihgaben aus dem Privatbesitz der AGM-Mitglieder erbeten werden?

Sind all diese Vorarbeiten getroffen, kann Schaggi Gysin damit beginnen, die Treppe vor dem Fenster aufstellen zu lassen und die Tische und weitere "Stellagen" für den Aufbau bereit zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt ergeht auch die traditionelle Gutzi-Bestellung an die Florianküche.

Etwa eine Woche vor der Fensteröffnung sind dann (fast) alle Ausstellungsobjekte, Dekorationsmaterialien, Beleuchtung, Timer sowie die Fensternummer im Bauernhausmuseum bereitgelegt. Nun geht es ans Aufbauen und Einrichten. Die Gestaltung des Raumes wird in der Regel nicht genau vorgeplant. Sie ergibt sich während der Arbeit. Dabei kommt es immer wieder vor, dass noch in letzter Minute das Eine oder Andere besorgt werden muss.

Die vorhandenen Abstellflächen und die Beleuchtungsmöglichkeiten geben den fixen Rahmen für das künftige Gesamtbild vor. In der historischen Holzdecke des Bauernhauses und an den neugeweisselten Stubenwänden können nicht einfach nach Bedarf jedes Jahr neue Haken angebracht werden. Auch die zusätzlich nötigen elektrischen Installationen sind den vorhandenen Gegebenheiten anzupassen und können nicht jedes Mal neu verlegt werden.

Das Aufbauen im engen Raum gleicht meistens einer zünftigen Turnstunde mit Geschicklichkeitsübungen. Nur stecken wir dann nicht im Turngewand, sondern wegen der im Haus herrschenden Kälte in dicker Winterkleidung. Muss dann zum Schluss noch etwas vorne am Fenster gerichtet werden, so ist eine artistische Meisterleistung gefragt, um zwischen und unter der Deko zurückzukriechen.

Der Abbau des Adventsfensters geht dann zügiger vonstatten, können wir uns doch von hinten vorarbeiten. Doch nimmt die Nachbereitung in den Depots viel Zeit in Anspruch. Die Objekte müssen wiederum auf ihren Zustand hin kontrolliert werden. Und all jene Objekte, die noch nicht in der Datenbank erfasst waren, müssen fotografiert und inventarisiert werden. Sie erhalten nun ihren definitiven Standort zugewiesen, so dass sie später sofort wieder greifbar sind.

Sie sehen, unsere Museumsarbeit erfordert nicht nur historische und museumstechnische Kenntnisse, sondern auch Einfallsreichtum und sportliche Fitness. Und über diese besondere Mischung verfügt das Adventsfenster-Team trotz seines inzwischen relativ hohen Durchschnittsalters.

Schaggi Gysin beim Zusägen der hohen Schneeberge. Die letzten Handgriffe vorne neben dem Fenster.und Joggi Zumbrunn muss diesmal unter den Aufbauten zurückkriechen.
J. Gysin sägt hohe Schneeberge zu --- Letzte Handgriffe vorne neben dem Fenster --- J. Zumbrunn zieht sich unter den Aufbauten zurück