Barbara Rebmann

Im letzten Dezember hat die Gemeindeversammlung einem Kredit zugestimmt, der es ermöglicht, das Lebenswerk des Muttenzer Malers und Illustrators Karl Jauslin (1842–1904) in ein neues Licht zu rücken. Die mittlerweile etwas in die Jahre gekommene Ausstellung im Ortsmuseum war 1991 von der Kuratorin der Sammlung Hildegard Gantner-Schlee zusammen mit einem Ausstellungsgestalter inszeniert worden. Inzwischen sind nicht nur die Halterungen der Deckenplatten altersschwach und die Wände dunkelweiss geworden, sondern es gibt für das damals topmoderne Lichtsystem keine Ersatzteile mehr.

Zur Zeit der letzten Neugestaltung war Jauslin in Muttenz noch eine bekannte Persönlichkeit. Seine "Bilder aus der Schweizergeschichte" aus dem Birkhäuser Verlag hatten viele noch im Geschichtsunterricht kennen gelernt. Diese 110 Bogen umfassende Bilderserie - von den Höhlenbewohnern bis zum Übertritt der Bourbaki-Armee auf Schweizerboden 1871 - hat das Geschichtsbild mehrerer Generationen mitgeprägt. Auch mythologische Motive waren eingestreut und das weitherum bekannte „Erdbeben zu Basel, 1356“. Die schweren Sammelmappen waren in vielen Schweizer Schulen und auch Haushalten vorhanden. Daran lässt sich ablesen, welche Bedeutung der Geschichte nach der Gründung des Bundesstaates 1848 zukam. Am beliebtesten waren bei der Jugend damals und heute die dramatischen Schlachtenbilder. Wie auch heute immer wieder beobachtet werden kann, können sich Kinder stundenlang in die einzelnen Bilder vertiefen, bieten diese doch unzählige spannende Details.

Schon 1991 war es schwierig, aus der Fülle des Vorhandenen eine repräsentative Auswahl für den einen Ausstellungsraum im Ortsmuseum zu treffen. Tischvitrinen und Stellwände mussten die beschränkte Hänge-Fläche erweitern. Zu Hilfe kam damals die Möglichkeit, auch den neu gestalteten Karl Jauslin-Saal in der Gemeindeverwaltung mit Original-Bildern bestücken zu können. Dort hängen nun u. a. die beiden grossformatigen Gemälde, welche einst den Saal des "Bären" schmückten.

Das Raumproblem wird auch bei der Neugestaltung eine Herausforderung sein. Uns wird aber die moderne Computertechnik zu Hilfe kommen. Mit digitalen Bilderrahmen und PC-Stationen kann heute auf kleinstem Raum eine grosse Anzahl von Motiven gezeigt werden. Allerdings ist die Wirkung einer kleinen digitalen Bildkopie kaum zu vergleichen mit einem grossformatigen Original.

Bevor es aber soweit ist, muss aus den über 5'500 bereits erfassten und gescannten Motiven eine Auswahl getroffen werden. Dies obliegt dem Historiker Peter Habicht, der seit gut 2½ Jahren das gesamte Lebenswerk Jauslins mit Hilfe unserer Museumsdatenbank inventarisiert. Dabei benennt er jedes einzelne Motiv, seien es Personen, Landschaften, historische oder literarische Sujets und weist thematische Suchwörter zu. Weiter beschreibt er die Maltechnik, misst die Bildgrösse, hält die Entstehungszeit und den Auftraggeber fest und datiert das dargestellte Motiv. Zusätzlich erfasst er andere Dokumente aus dem Nachlass Jauslins, die Auskunft über Honorare oder sonstige Lebens- und Schaffensumstände geben. Vorhandene Rechnungen und Quittungen für abgelieferte Bilder zeigen, dass Jauslin von seiner Arbeit nicht allzu üppig leben konnte.

Die Neugestaltung der Ausstellung wird Peter Habicht dazu nutzen, bisher wenig bekannte Seiten aus Jauslins Werk vorzustellen, so wie er es bereits vor 2 Jahren mit seiner kleinen Fasnachts-Ausstellung gemacht hat. Das bedeutet, dass er zusätzliche Recherchen anstellen muss, um zu den bisher fehlenden Informationen zu gelangen. Organisationsunterlagen, Fotos und Zeitungsberichte zu den historischen Festumzügen müssen beispielsweise in verschiedenen kantonalen Staatsarchiven eingesehen werden.

Seit Dezember ist nun der finanzielle Rahmen für das Projekt „Neuausstellung des Jauslin-Nachlasses“ also gesetzt und die Planungsarbeiten haben begonnen. Liebe Museumsgäste, schauen Sie sich noch einmal die jetzige Ausstellung an, bevor sie im Herbst 2013 demontiert wird.

Peter habicht sitzt vor dem Computer, Bilderdepot, Planschränken
1. Peter Habicht inventarisiert mitten in der Jauslin-Ausstellung --- 2. Im Bilderdepot warten noch viele Jauslinbilder auf ihren Auftritt --- 3. In den Planschränken ist alles bereit