Barbara Rebmann

Kurz vor Ostern fand die Vernissage der von Peter Rebmann verfassten Schrift "s'Läbe z Muttez in de Johr 1930–1945" als Nr. 9 der "Muttenzer Schriften" statt. Elf Jahre zuvor waren als Nr. 8 dieser Reihe die "Erinnerige us dr Chinderzyt (1931–1940)" von Myrtha Blumer-Ramstein erschienen. Wie die aktuellen Verkaufszahlen zeigen, stossen diese Schilderungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei Jung und Alt auf reges Interesse.

In beiden Heften werden keine spektakulären, weltbewegenden Ereignisse rapportiert, sondern Szenen aus dem alltäglichen Leben, so wie sie von Kindern und Jugendlichen wahrgenommen und in der Erinnerung gespeichert worden waren. Sowohl Myrtha Blumer als auch Peter Rebmann haben ihre Erinnerungen in der von ihnen gesprochenen Mundart niedergeschrieben. Auf diese Weise fühlten sich beide dem Geschilderten emotional unmittelbarer verbunden als wenn sie sich hätten in der Schriftsprache ausdrücken müssen.

Die Arbeitsgruppe Museen Muttenz, welche den Anstoss zu Peter Rebmanns Aufzeichnungen gegeben hat, ruft Sie, lieber Leserin und lieber Leser wieder einmal dazu auf, doch auch Ihre Erinnerungen schriftlich fest zu halten. Auch in dem einst kleinen Bauerndorf Muttenz gab es höchst unterschiedliche Lebenswelten, abgesehen davon, dass jeder Mensch seine Umwelt ganz individuell wahrnimmt und in Erinnerung behält.

Durch den ungeheuren Wandel, der sich in den letzten Jahrzehnten in allen Lebensbereichen vollzogen hat, ist heute den Kindern die Lebenswelt der Urgrosseltern ganz unbekannt. Andererseits haben auch heutige Grosseltern oft alle Mühe, sich in die Gedankens- und Gefühlswelt ihrer Enkel zu versetzen. Aufzeichnungen, wie die der genannten Autoren können da Brücken schlagen. Nur Sie können den folgenden Generationen schildern, wie die Umwelt zu Ihrer Zeit ausgesehen hat, was Sie erfreut oder traurig gemacht hat, welche Wünsche, Träume oder Ängste Sie gehabt haben, welches Ihre Pflichten und Vergnügungen waren.

Es ist völlig egal, ob Sie lieber schriftdeutsch schreiben wollen oder so "wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist". Überlegen Sie sich einige Themen, zu denen Sie etwas erzählen möchten z.B. Wohnen, Arbeitsaufteilung innerhalb der Familie, Einkaufen, Kleidung, Essen, Verwandtenbesuche, Feste des Jahres- und Lebenslaufes, Schule, Lehrzeit, Brautschau, Familiengründung etc. Diese Texte würden nur mit Ihrem Einverständnis heute schon publik gemacht. Ansonsten werden sie in vielen Jahrzehnten dann sogenannte Quellentexte sein, Augenzeugenberichte aus einer vergangenen Welt, welche zum besseren Verständnis dieser Zeit beitragen.

Wichtig zu wissen ist, dass es keine enggefassten Rechtschreiberegeln für den Dialekt gibt, die man einhalten müsste. Denn auch das offizielle Baselbieter Wörterbuch ist eher ein Nachschlagewerk für Aussprache und Bedeutung von Dialektwörtern und nicht absolut verbindlich für deren Rechtschreibung. Man kann also kaum Fehler in Mundarttexten machen. Und wenn Sie sich zurückerinnern, war der Dialekt früher viel variantenreicher und von Dorf zu Dorf differenzierter als heute, auch das gilt es festzuhalten.

Liebe Leserinnen und Leser, fassen Sie sich ein Herz, nehmen Sie einen Stift und einen Block, die angestaubte Schreibmaschine oder gar einen Laptop zur Hand und erzählen Sie, was Ihnen von früher in den Sinn kommt. Sicher haben Sie Ihren Enkeln und Urenkeln schon aus Ihren Kinder- und Jugendjahren erzählt. Jetzt sollte genau das nur noch zu Papier gebracht werden.

Brauchen Sie noch Ferienlektüre? „S Lääbe z Muttez“ von Peter Rebmann und die Neuauflage „Erinnerige an d Chinderzyt“ von Myrtha Blumer-Ramstein sind neben weiteren historischen Schilderungen aus Muttenz am letzten Junisonntag im Ortsmuseum erhältlich.


Badefreuden in den 1940er Jahren. Schultheater in den 1940er Jahren. Aufziehen der neuen Kirchenglocken.
1. Badefreuden in den 1940er Jahren. Wie haben Sie schwimmen gelernt? 2. Schultheater in den 1940er Jahren. Hatten Sie auch eine wichtige Rolle? 3. Wer half beim Aufziehen der neuen Kirchenglocken am 12. März 1949?