von Barbara Rebmann

An der letztjährigen Fasnacht feierte die Muttenzer „Guggemuusig Heuwänder“ ihr 60-jähriges Bestehen mit einer speziellen Jubiläumsplakette. Dies nahm die Arbeitsgruppe Museen (AGM) zum Anlass, in den Depots nach Objekten zum Thema "Muttenzer Dorffasnacht" zu suchen. Das Resultat war ziemlich enttäuschend. Es fanden sich nur einige Restbestände von unverkauften Plaketten der Jahrgänge 1955 und 1959-1962. Muttenzer Plaketten waren u.a. auch vom Keramik-Künstler Mario Mascarin (1901-1966) entworfen worden, der von 1946 bis zu seinem Tod in Muttenz lebte und arbeitete. Von den in den späteren Jahren gestanzten Blechplaketten fanden wir in grosser Zahl die Jahrgänge 1960, 1961 und 1962.
Die der Museumssammlung geschenkte Heuwänder-Plakette soll nun den Anfang bilden für eine systematische und hoffentlich bald lückenlose Dokumentation der inzwischen eingeschlafenen Tradition dorfeigener Fasnachtsplaketten. Einige Lücken wurden inzwischen schon gefüllt, denn in Laufenburg wurden die Formen für ganze Serien von Muttenzer Keramik-Plaketten gefunden.
Die AGM möchte nun alle Leserinnen und Leser bitten, in Schubladen, Fasnachts- oder Scharadekisten in Estrich und Keller nachzuschauen, ob irgendwo noch das eine oder andere Fasnachts-Requisit aus historischen Zeiten steckt. Willkommen wären alte Halb- oder Wachslarven. Auch suchen wir Fotos, die zeigen, wie man sich früher verkleidete, beispielsweise als "Chluuri" mit den abgelegten Kleidern und Hüten der Grossmutter. Oder besitzen Sie vielleicht ein Foto von einem Masken- oder „Cheeruus-Ball“ im Bären- oder im Rösslisaal? Eventuell haben irgendwo noch alte Aufzeichnungen von sogenannten Couplets oder dorfeigenen Schnitzelbänken überlebt, die an der „Beizenfasnacht“ vorgetragen wurden.
Auch in Muttenz hat sich die Fasnacht nach dem 2. Weltkrieg stark verändert. Kostümierte Gruppen, ohne oder nur mit halben Larven, wie sie heute in und um Basel herum geächtet sind, waren in früheren Zeiten durchaus üblich. Dies bestätigen unsere historischen Fotos. Im Gegensatz zu heute nahmen auch alle möglichen Musikgruppen und Kapellen an den Umzügen teil, so neben dem Musikverein etwa auch der Mandolinenclub oder ein Handharmonikaorchester.
In den 1950er Jahren entstanden dann viele der heute noch aktiven Guggenmusiken, darunter eben auch die „Heuwänder“. Damals musizierten sie allerdings noch mit alten verbeulten Instrumenten, Haushaltutensilien und sonstigen umfunktionierten Gerätschaften wie beispielsweise Giesskannen. Dabei ergaben sich die schrägen Misstöne von selbst, welche heute erst fleissig eingeübt werden müssen.
Aktive Fasnacht war früher weitgehend Männersache. Frauen beteiligten sich an den Fasnachtsbällen, waren Zuschauerinnen bei den Umzügen und wirkten im "rückwärtigen Bereich", wie etwa beim Nähen und Basteln der Kostüme oder bei der Verpflegung der müden Fasnächtler.
Aus Platzgründen können allerdings keine Requisiten der neueren Fasnacht in die Sammlung der Museen aufgenommen werden. Die jüngere Zeit ist vielerorts durch Fotos recht gut dokumentiert. Doch wäre es wünschenswert, wenn auch die Zeit vor dem 2. Weltkrieg mit Objekten oder Fotos dokumentiert werden könnte. Vielleicht können Sie, liebe Leserin und lieber Leser, etwas aus Ihrem Fundus zum Thema "Muttenzer Dorffasnacht" beisteuern?

Ortsmuseum
Bauernhausmuseum

Fasnacht Muttenz um 1930
1. Der Musikverein Muttenz am Pratteler Umzug 1930 --- 2. Der Turnverein spielte ohne Larven 1929 das Frauenstimmrecht aus und befürchtete eine „Weiberpolizei“ --- 3. Junge Muttenzer Fasnächtler in den 1930er Jahren