von Barbara Rebmann

Schon im Mai nahmen einige Mitarbeiterinnen aus dem Pflegezentrum Adullam in Basel Kontakt zum Sekretariat der Museen Muttenz auf. Sie hatten die Idee mit ihren Seniorinnen und Senioren eine ganze Projektwoche und einen Ausflug dem ländlichen Alltag von früher zu widmen. Mit einer gewissen Skepsis unsererseits wurden sie zu einer Vorbesichtigung in unser Bauernhausmuseum eingeladen, um selber einzuschätzen wie weit unser Bauernhaus tatsächlich mit Rollstuhl und Rollator begehbar ist. Nach dem Augenschein im Erdgeschoss kamen sie zum Schluss, dass mit genügend Begleitpersonal das Kopfsteinpflaster, der unebene Lehmboden und die wenigen hohen Schwellen zu Küche und Stube zu meistern seien.

Das Projekt entwickelte sich weiter und ein paar Tage später kamen zwei Damen in unser Depot Donnerbaum. Sie wollten sich geeignete Schauobjekte aussuchen, welche sie als Aufhänger für ihre Themenwoche gebrauchen könnten. Völlig überwältigt vom „riesigen Angebot“ unseres Depots mussten sie sich dann auf 20 Haushaltgegenstände und 8 Wäschestücke beschränken, welche vor und natürlich auch nach der Ausleihe durch uns auf ihren Zustand geprüft wurden.

Am 9. Juni war es dann soweit und der Ausflug ins historische Landleben von Muttenz startete. Der Adullam-Bus hielt vor dem Bauernhausmuseum und fünf Bewohner/innen und ebenso viele Begleitpersonen stiegen bei trübem und kaltem Wetter erwartungsvoll aus. Nachdem die Rollatoren und der Rollstuhl fahrbereit waren, begrüsste Ruedi Bürgin die Gruppe und führte sie durch das Erdgeschoss des Bauernhauses. In Küche und Stube gab es zwar durch die Enge der Räume einige Verkehrsprobleme, aber mit Lachen und Herumrangieren liess sich der Stau auflösen. So konnten sich alle Gäste die Ausstellungsstücke aus der Nähe anschauen, was sie sofort zum Erzählen anregte. Viele der Küchengeräte hatten sie noch selber benutzt oder sie bei Müttern und Grossmüttern in Gebrauch gesehen. Am meisten bestaunt wurden dann die im Rauchfang der Küche aufgehängten echten Würste, die dort vor Mäusen geschützt aufbewahrt werden. Bei der kleinen Znünipause zwischendurch gab es dann auch wieder Gelegenheit Fragen zu beantworten und Geschichten zu erzählen. Schliesslich hatten die Gäste mit ihrem hohen Alter doch vieles anders erlebt als es ihre bis zu sechzig Jahre jüngeren Begleitpersonen heute kennen. Zum Ende der Führung liessen es sich die Seniorinnen und der Senior nicht nehmen in einer Regenpause noch einen kleinen Spaziergang rund um die Kirche anzuschliessen, bevor es wieder mit dem Bus nach Basel ging.

Von Kontaktpersonen hörten wir dann später, dass sich in dieser Projektwoche viele ihrer sonst schweigsamen Bewohner und Bewohnerinnen plötzlich geöffnet und lebhaft aus ihrer Kinder- und Jugendzeit erzählt hatten. Darauf hatten eigentlich alle gehofft - trotzdem war das Personal überrascht wie intensiv diese Reaktionen dann tatsächlich waren.

Aus Sicht der Arbeitsgruppe Museen war dies ein gelungener Auftakt zu einem zukünftigen Angebot. Wir werden sicher für nächstes Jahr eine spezielle Seniorenführung in unser Führungsrepertoire aufnehmen, welche auch auf eventuelle körperliche Beeinträchtigungen der Gäste Rücksicht nimmt. Im etwas ruhigeren Winter können wir dann gemeinsam mit verschiedenen Aktivierungstherapeuten und –therapeutinnen eine Objektauswahl treffen und einen transportablen Koffer bestücken, mit dem Lebenserinnerungen auch in anderen Alters- und Pflegeheimen geweckt werden können. Wir hoffen mit diesem „Erinnerungskoffer“ dann auf mehr Interesse zu stossen als mit unserem schon länger brachliegenden Schulkoffer.

Nach der Sommerpause öffnen am Sonntag, 28. August wieder beide Museen. Im Bauernhausmuseum findet dann auch wieder ein Brotverkauf statt.




Bildlegende:
Links - Ruedi Bürgin begrüsst die Adullam-Gäste
Rechts - Mit etwas Unterstützung geht es über den holperigen Lehmboden
Unten - Da hängen ja richtige Würste im Rauchfang

Bilder zum Ausflug vom Pflegezentrum ins Bauernhausmuseum