von Barbara Rebmann

Am letzten Mai-Samstag versammelten sich sechs Frauen und drei Männer aus acht Baselbieter Museen im Schulhaus Donnerbaum. Der Museumsverbund Baselland hatte zum Kurs „Lagerung und Inventarisierung von historischen Textilien“ eingeladen. Die Arbeitsgruppe Museen (AGM) organisierte einen Schulungsraum und öffnete dazu ihr Depot. Der Kurs wurde von Madeleine Girard geleitet, welche seit vielen Jahren die kantonale Textilsammlung und u.a. auch die Aufarbeitung der riesigen HANRO-Sammlung in Liestal betreut. Bereits vor etwa 10 Jahren hatte sie sich unserer Textilien angenommen und uns beim Einrichten des Textil-Depots mit ihrem Fachwissen unterstützt. In zwei kleinen Projekten hatte sie damals auch die ersten 600 textilen Objekte für uns inventarisiert.

Natürlich gab es im Vorfeld des Kurses für die AGM wieder einen Expresseinsatz im Depot. Da wir eben erst den Ausstellungsinhalt von drei Vitrinen vom Ortsmuseum ins Depot gebracht hatten, stapelten sich einmal mehr Umzugsschachteln in allen Zwischenräumen. Schleunigst musste alles aus dem Raum mit dem Textilkompaktus umgelagert werden, damit die ganze Kursgruppe darin Platz hatte. Ebenfalls im Vorfeld war von Joggi Zumbrunn noch eine neue Version für die Staubabdeckung der Textilregale im Verschiebeschrank angebracht worden. Die ursprüngliche Ausführung mit den auf Mass genähten Leintüchern, welche mittels Klettbändern am Holzrahmen fixiert sind, hatte sich in der Praxis der letzten Jahre als nicht optimal erwiesen. Zu oft mussten neue Objekte in die Regale gelegt und dafür die Abdeckungen entfernt und wieder zugeklebt werden, was bei einer Schrankhöhe von fast 2½ Metern nicht ohne Leiter zu bewältigen ist. Jetzt wird also ein neues System mit Vorhangschienen getestet, bei welchem die Abdeckungen wie moderne Bahnenvorhänge vom Boden aus mit einem Haken hin und her geschoben werden können. Wir werden sehen, ob es sich besser bewährt. Jedenfalls waren die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer beeindruckt ob unserer geschenkten und fast professionellen Depoteinrichtung und auch ob des Einfallsreichtums beim Optimieren der Objektlager.

Zum Kursthema „schonende Lagerung von heiklen Textilien“ gehörte natürlich auch das richtige Polstermaterial, welches z.B. weiche Hüte, Taufhäubchen oder Stoffschleifen in Form halten soll. Fast ebenso wichtig sind die extrabreiten Kleiderbügel aus rohem Holz, welche das Ausbeulen von feinen oder auch schweren Stoffen verhindern. Dann war natürlich das richtige Aufbereiten, also Reinigen oder Waschen ein Thema. Weniger wichtig ist das Bügeln, denn Hitze schadet den feinen Stoffen und die Textilien sollen nicht fürs Depot sondern erst für eine Ausstellung so perfekt aufbereitet werden. Weiter wurde gezeigt, wie filigrane und brüchige Spitzen mit Hilfe einer Glasplatte unbeschadet geglättet werden können – ganz einfach, wenn man den Trick kennt.

Das Hauptthema war dann natürlich die Objekt-Ansprache. Wie heissen die verschiedenen Spitzentechniken? Woran erkennt man, ob sie von Hand oder einer Maschine hergestellt wurden? Wie unterscheidet man feines Leinen und Baumwolle oder Seide und Kunstseide? Wie sagt man den feinen Fältchen, welche beispielsweise einem „Gstältli“ (Damenbüste) die nötigen Rundungen geben und vieles mehr. Die noch vom früheren Handi-Unterricht geschulten Damen konnten hier Vergessenes auffrischen. Für die Männer hingegen war dies wohl eine ganz fremde Welt, jedoch schlugen sie sich tapfer.

Auch die von den Museumsleuten selber mitgebrachten Sammlungsobjekte warfen Fragen auf, die mit grossem Eifer analysiert wurden. Nicht alles gelang auf Anhieb, denn dazu reicht eine halbtägige Schulung nicht aus. Wir von der AGM hoffen nun, dass durch das neuerworbene Wissen unserer beiden Textilfrauen Myrtha Seiler und Erna Imark die Arbeiten im Textildepot leichter von der Hand gehen. Mittlerweile haben uns nämlich der Aufruf nach historischer Bettwäsche und das Hochwasser vom Pfingstsamstag noch einige „Wöschzeine“ und Taschen voll zusätzlicher Textilien ins Depot „gespült“. Wir danken allen Donatorinnen ganz herzlich.

Verpassen Sie nicht die volkstümliche Stuubede im Bauernhausmuseum am Sonntag, 3. Juli. Die Arbeitsgruppe Museen bewirtet Sie gerne im Oberdorf von 11 bis 17 Uhr bei einem abwechslungsreichen Musik- und Tanzprogramm. Brotverkauf findet am letzten Junisonntag statt, jedoch nicht an der Stuubede.

 

Bilder vom Textilkurs