von Barbara Rebmann

In den vergangenen Jahren kam es ab und zu vor, dass wir beim Bauernhausmuseum plötzlich einzelne oder ganze Gruppen von „Findlingen“ vor der Türe entdeckt haben. Gemeint sind damit Objekte, meistens gut erhaltene Gegenstände aus der Landwirtschaft oder Textilien, deren genaue Herkunft wir nicht kennen. Leider bringen uns diese an sich gut gemeinten Geschenke an die Museumssammlung in anonymer Form nicht viel. In der heutigen Zeit sind Museen nämlich verpflichtet, die genaue Herkunft jedes Objektes zu dokumentieren und dazu gehören nebst den Namen der ehemaligen Eigentümerinnen oder Eigentümer auch die Angaben, wann und in welcher Art es in die Sammlung eingegangen ist. Für die Donatorinnen oder Donatoren bedeutet das, sie müssen uns verbindlich angeben, dass sie das Objekt selber angefertigt, legal erworben, genutzt oder geerbt haben und es aus freiem Willen den Museen zur freien Verfügung übergeben. Alle diese Personendaten sind dann natürlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und bleiben vertraulich.

Ausgelöst haben diese verbindlichen Ethikregeln u.a. die vielen Diskussionen um antike Schätze, welche vor über hundert Jahren aus Hochkulturen der ganzen Welt ausgeführt worden sind. Damals war es nämlich üblich, dass Ausgräber antiker Stätten die gefundenen Objekte in ihr Heimatland mitnahmen, um sie dort den Museen oder Universitäten zu schenken, welche die Forschungen finanziert hatten. Die Herkunftsländer der verschleppten Objekte verloren so einen Teil ihrer Geschichte. Diskussionen um die bereits vor mehr als einem Jahrhundert ausgeführten Objekte und deren Rückgabe an die legalen ursprünglichen Besitzer resp. Länder dauern nun schon seit vielen Jahrzehnten an.

Doch es geht nicht nur um wissenschaftlich wertvolle Objekte. In den letzten Jahren ist auch die Diskussion um sogenannte Raubkunst aus dem 2. Weltkrieg entbrannt. Die Medien berichten ja laufend über neue Fälle. Deswegen werden heute ganze Kunstsammlungen in renommierten Museen minutiös untersucht, um die legale Herkunft der Bilder zu prüfen und sie eventuell den ursprünglichen Besitzern resp. deren Erben zurückgeben zu können.

Natürlich haben wir in den Muttenzer Sammlungen keine künstlerisch, finanziell oder wissenschaftlich so wertvollen Objekte und geraubt sind sie schon gar nicht. Aber trotzdem müssen auch wir, als Mitglied des schweizerischen Verbandes der Museen, uns an die offiziell geltenden Regeln halten und die Herkunft unserer Objekte genau dokumentieren. Geht man nun streng nach diesen Richtlinien bedeutet das, ein anonym abgestelltes Objekt müsste zurückgewiesen werden, aber an wen? Unsere Sammlungen sind nun mal kein Zwischenlager für herkunftslose Objekte und es droht irgendwann die Vernichtung. Das wäre aber wohl kaum im Sinne der jeweiligen Donatoren.

Zusätzlich ist es für unsere Muttenzer Sammlungen eben auch wichtig mit Bestimmtheit zu wissen, dass die Objekte im eigenen Dorf hergestellt oder genutzt worden sind. So sieht es nämlich das verbindliche Sammlungskonzept vor und nur so können wir das Leben im historischen Muttenz dokumentieren. Würden wir uneingeschränkt und quasi weltweit sammeln, wären unsere Depots schon längst geplatzt.
Aus den dargelegten Gründen möchten wir nun alle zukünftigen Donatorinnen und Donatoren bitten, jeweils den kurzen „Umweg“ über ein Mitglied der Arbeitsgruppe oder über das Sekretariat der Museen (Tel. 061 466 62 71) zu machen. So können wir alle objektrelevanten Herkunftsdaten erfassen. Natürlich dürfen immer noch beim Bauernhausmuseum Objekte auch ausserhalb der Öffnungszeiten direkt abgestellt werden, doch bitten wir um eine entsprechende Benachrichtigung. Damit hat alles dann seine Richtigkeit und das Objekt samt Herkunftsdaten darf in unsere Sammlung eingehen.

Nun noch eine grosse Bitte an Sie, liebe bisher anonym gebliebene Donatorinnen und Donatoren: Wenn Sie nachträglich noch eine technische Erläuterung, einen Herkunfts- oder einen Datierungshinweis für das eine oder andere früher abgestellte Objekt nachliefern könnten, wären wir Ihnen sehr dankbar. Dann würde dem legalen Verbleiben ihres Objektes in unseren Sammlungen nämlich nichts mehr im Wege stehen.


Einen besonders herzlichen Dank gebührt all den Donatorinnen, welche uns nach dem Aufruf im letzten Amtsanzeiger bereits historische Bettwäsche samt dazugehörenden Herkunftsdaten geschenkt haben. Es sind ein paar einzigartige Stücke dabei, welche wir gerne als Belegexemplare in unsere Sammlung integrieren werden.

Findlinge