von Barbara Rebmann

Immer wenn es Frühling ist rückt die Arbeitsgruppe Museen (AGM) im Bauernhausmuseum an, im Schlepptau Staubsauger, Putzlappen, Staubwedel und was man sonst zum Putzen braucht. So geschah es auch in diesem Jahr, doch mit einem Unterschied: erstmals waren drei Mitglieder des Fördervereins Museen Muttenz zur Unterstützung mit dabei. Wie auf den Fotos zu sehen ist, wurde gesaugt, gewedelt oder „gebeselt“ vom Weinkeller bis zum Estrich in die hintersten und obersten Ecken. Denn im Keller und Schopfbereich hatte sich doch einiges an dürren Blättern, Staub und natürlich Spinnweben angesammelt. Auch die Marder haben überall fleissig ihre Visitenkarten hinterlassen.

In der Schlafstube wurde die Bettwäsche gewechselt, resp. gewaschen und wieder frisch bezogen. Diesmal allerdings zeigte sich, dass die historischen Überzüge doch inzwischen sehr brüchig und ausgebleicht sind. Leider gibt es dafür keinen Ersatz in unseren Sammlungen. Die wenigen noch erhaltenen historischen Deckbett- und Kissenbezüge müssen wir als Belegexemplare bewahren. Wer würde sonst glauben, dass „Schlafen im Stroh“, farbige Bezüge und „Nordisch Schlafen“ keine Erfindung heutiger Generationen sind, sondern bereits um 1900 herum angesagt waren. Unsere Bauernhaus-Betten haben als Matratze nämlich nur einen Sack aus sehr grobem, handgewobenem Leinen der mit Stroh gefüllt ist. Die Luxusvariante dazu war dann, dass Stroh durch Rosshaar ersetzt wurde. Aber sowas konnte sich eine Kleinbauernfamilie mit vielen Kindern natürlich nicht leisten. Damit dieser Matratzenüberzug nicht zu sehr verdreckte, legte man an den „kritischen Stellen“ bei der Körpermitte ein zusätzliches Tuch darüber. Dieses konnte dann bei der ein- oder zweimaligen grossen Wäsche pro Jahr gewaschen werden. Der gefüllte Überzug verblieb bis zur nächsten Strohsaison im Bett und hat wohl mit der Zeit etwas vor sich hingemüffelt.

Das Waschen war damals eine grosse und kräftezehrende Angelegenheit und nahm mindestens einen ganzen Tag in Anspruch. Es brauchte viel Brennholz zum Erhitzen von Wassers und Einweichlauge und dazu viel Körpereinsatz der Waschfrauen und der ganzen Familie, die Wasser vom Brunnen und Brennholz herbringen musste. Daher sammelte man Wäsche über viele Monate, bis wieder so ein „Grosskampftag“ angesagt war. In diesem Sinn sind also auch wir im Bauernhaus durchaus in der damaligen Norm, wenn wir die Bettwäsche nur einmal zu Beginn der halbjährigen Bauernhaussaison waschen. Wer sich weiter über das Waschen um 1900 herum kundig machen will, kann das im frischgeputzten Bauernhausmuseum tun. Dort sind die nötigen Utensilien ausgestellt.

Aber zurück zu unserer Museumsbettwäsche. Vielleicht gibt es noch irgendwo Resten von alter farbiger Bettwäsche, die wir in unsere Sammlung übernehmen könnten. Gefragt sind dabei weder Kölschstoffe noch die weissen Bezüge, die mit Monogramm und Stickereien verziert sind, sondern eben die bäuerlich farbigen. Diese waren oft auch aus verschiedenen Stoffresten zusammengenäht – heute würde man sagen Patchwork- oder Wendebettwäsche - und hatten auch keine Normmasse. Die Füllung des Deckbettes konnte beliebig durch Hühner- und Entenfedern ergänzt werden und die Grösse wurde der Zahl der jeweiligen Schläferinnen und Schläfer angepasst. Schliefen mehrere Kinder z.B. Kopf an Fuss im gleichen Bett, brauchte es eine etwas breitere Decke, damit alle darunter Platz hatten.

Also liebe Leserinnen, falls sie irgendwo Stoffe (auch grössere Resten) in ähnlichen Mustern wie hier abgebildet sehen oder besitzen, bitte geben Sie uns Bescheid. Wir möchten nämlich Kopien nähen, die dann weitere 25 Jahre im Bauernhaus-Schlafzimmer überleben. Wir bedanken uns schon jetzt für Ihre Mithilfe.

Am Sonntag, 24. April ist Saisoneröffnung im Bauernhausmuseum und es duftet wieder nach frischem Zopf und knusprigem Bauernbrot aus dem Holzofen. Bitte nehmen Sie etwas mehr „Münz“ mit, der Preis musste leider nach 30 Jahren der Teuerung angepasst werden.

Frühling im Bauernhaus