von Barbara Rebmann

Unser vergangenes Sammlungsjahr war ausgefüllt mit wöchentlichem Rekatalogisieren von Altbeständen, Inventarisieren von Neuzugängen, Waschen, Reinigen, Aufbereiten, Umbauen, Einlagern, Umlagern usw. In unserer Datenbank sah das Resultat unserer Bestände Ende 2016 dann folgendermassen aus:

  • 5062 Karl Jauslin-Objekte sind erfasst
  • 2915 historische Fotos sind digitalisiert und erfasst
  • 3190 kulturhistorische Objekte sind erfasst.
  • 531 der 3190 Objekte wurden neu inventarisiert oder aus Altbeständen fotografiert und rekatalogisiert
  • 1648 der 3190 Objekte aus provisorisch erfassten Altinventaren sind noch nicht rekatalogisiert resp. aufgefunden


Noch immer sind die Eingangsregale und Freiflächen im Depot Donnerbaum übervoll mit nichterfassten Objekten aus mehr als 60 Jahren des Sammelns. Mit dem Zusammentragen von historischen Zeugen hatte man nämlich bereits begonnen lange bevor das Ortsmuseum 1972 und das Bauernhausmuseum 1984 überhaupt eingerichtet werden konnten. Weil den damals Sammelnden alles noch präsent war, hatte man beim Einlagern das Dokumentieren stark vernachlässigt .Später wurde dann das Gewicht auf das Ausstellen gelegt und die Lagerbestände wuchsen. Wer hatte sich damals auch vorstellen können, wie rasant sich alle Lebensbereiche gegen Ende des 20. Jahrhunderts plötzlich veränderten und wieviel Wissen dabei verloren ging.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, unsere Berichte regelmässig verfolgt haben, werden Sie sicher verstehen, dass wir bei angebotenen Objekten inzwischen etwas „wählerisch“ geworden sind. Dank unserer Inventardatenbank wissen wir heute auf Knopfdruck bei welchen der erfassten Objekte bereits genügend guterhaltene Schaustücke mit allen ihren Varianten vorhanden sind. Heute müssen wir uns nämlich einschränken, denn weder Ausstellungsflächen noch Depotplatz können vergrössert werden. Wenn wir also etwas nicht annehmen wollen, geschieht das aus einem wohlüberlegten Grund.

Wie jedes grosse Museum hatten wir zwar schon 2007/8 ein Sammlungskonzept erarbeitet. Dieses entsprach den damaligen ziemlich oberflächlichen Kenntnissen der vorhandenen, aber noch nicht inventarisierten Objekte. Nach vieljähriger Inventar-Arbeit wurde dieses Konzept nun 2016 überarbeitet und einige Themen mussten enger gesteckt und andere ganz gestrichen werden. So hüten wir beispielsweise Themensammlungen die den Museen vor vielen Jahrzehnten geschenkt worden waren, die wir heute nicht mehr annehmen würden. Beispielsweise sind das umfangreiche Sammlungen von Souvenirartikeln wie etwa Trachtenpuppen aus der ganzen Welt, Kaffeelöffel mit Städtewappen und ähnliches mehr. Solche Sammlungen dokumentieren leider in keiner Art und Weise unser Hauptthema die Geschichte von Muttenz. Doch nicht nur aus Platzgründen müssen wir uns heute einschränken. Die kleine Arbeitsgruppe Museen (AGM) schafft es nicht neben Ausstellungen, Veranstaltungen und dem Inventarisieren alle Objekte im Blick zu behalten und wo nötig regelmässig instand zu stellen. Uns fehlt nämlich immer noch ein aktiv mitarbeitendes, digital und handwerklich begabtes, an historischen Zeiten interessiertes und über genügend Freizeit verfügendes Neu-Mitglied.

Das Bewirtschaften einer Museumssammlung erfordert heute ziemlich viel vorgängige Denkarbeit. Denn was einmal im Museumsinventar registriert ist, darf nach den Ethik-Richtlinien des Internationalen und des Schweizerischen Museumsverbandes nicht mehr so einfach entsorgt werden. Dies müsste korrekterweise vom gesetzlichen Eigentümer der Objekte einzeln beschlossen und so legalisiert werden. Dies wäre in unserem Fall der gesetzliche Vorstand der Einwohnergemeinde Muttenz, der die Museen gehören. Die AGM ist deshalb bestrebt heute gar keine Objekte mehr anzunehmen die thematisch ausserhalb des Sammlungskonzeptes liegen. Was hingegen bereits in unseren Depots liegt, aber nicht zum Thema passt und noch nicht registriert ist, versuchen wir nun an geeignete Sammlungen weiterzugeben.

Wir hoffen natürlich, dass Sie liebe Muttenzerinnen und Muttenzer der Museumssammlung trotzdem auch weiterhin die Treue halten und uns das eine oder andere bei uns noch fehlende Objekt gerne überlassen.

Die Sonderausstellung zur Muttenzer Hebamme Margrit Rahm und der Hebammen-Ausbildung in früheren Zeiten ist am letzten Sonntagnachmittag jeden Monats von 14 – 17 Uhr im Ortsmuseum zu sehen.

Bildlegende:
oben links: In der Textilsammlung wartet viel Arbeit
oben rechts: Auch diese Objekte warten schon lange
unten links: Kaum sind Arbeitstisch und Regale frei, wird wieder gefüllt

Textilien, Sammelstücke