von Barbara Rebmann

Kurze Sommerpause in den Museumsdepots

Kurz vor der grossen Sommerhitze beendete unser Museumsassistent Beat Zimmermann seine Inventarisierungsarbeit im Bauernhausmuseum und zog danach um ins Depot Geispel. Dort galt es an die hundert Feierabendziegel zu inventarisieren, welche uns als ganze Sammlung geschenkt worden waren. Diese speziellen Ziegel waren ungefähr ab dem 11. Jahrhundert von den Arbeitern in den Ziegeleien jeweils als letztes Stück des Tages hübsch mit Sprüchen oder Symbolen verziert worden. Der älteste datierte Feierabendziegel entstand in Deutschland nachweislich um 1300. In den frühen Ziegelmanufakturen verbreitete sich der Brauch speziell im 15. und 16. Jahrhundert, als in Städten und grösseren Ortschaften aus Brandschutzgründen die Ziegeldächer angeordnet wurden. Obwohl diese Objekte recht handlich sind, war es für die Dokumentation doch ziemlich zeitaufwändig, die Ziegel so im Licht zu platzieren, dass die Ornamente und Schriftzüge gut erkennbar fotografiert werden konnten.

Etwas einfacher ging es mit dem Feuerherd, der Ofenplatte und den Zimmeröfen weiter, welche aus dem 1928 gebauten und jetzt abgebrochenen Haus Obrechtstrasse 17 stammen. Dank des Entgegenkommens der Bauherrschaft konnten die Objekte bei Baubeginn mit Hilfe eines Baggers aus den oberen Etagen gehoben und danach ins Depot gefahren werden. Im Depot Geispel waren dann wieder Palettrolli und Handstapler gefragt, um damit die Schwergewichte herum zu fahren und zum Fotografieren gut im Licht zu platzieren. Ruedi Bürgin und Beat Zimmermann sind inzwischen ein gut eingespieltes Team, so dass die Dokumentation wie am Schnürchen lief.

In der Hitzeperiode Ende Juni Anfang Juli freuten wir uns auf die Depotarbeit im 21° kühlen Depot Donnerbaum. Jedoch wurden zu der Zeit alle Schulhausböden neu versiegelt, so dass der Zugang nicht möglich war und sich die Arbeitsgruppe Museen Hitzeferien verschrieb.

Mitte Juli trafen sich dann die Mitglieder des Fördervereins Museen für einen Arbeitseinsatz im Depot Geispel. Sie kümmerten sich um die rostigen Pflüge, welche nach der Instandstellung auf der Heubühne des Bauernhausmuseums ausgestellt werden sollten. Es wurde entrostet, gebürstet und gepinselt, bis alles als vorzeigbar und gut konserviert eingestuft war. Ein herzlicher Dank geht an alle Beteiligten.

Einige Tage später wurden dann diese Pflüge ins Bauernhausmuseum gefahren, wo sie ihren endgültigen Standplatz auf der Heubühne einnehmen konnten. Mit Hilfe von verschiedenen Seilzügen wurde zuerst die hölzerne Röndle (Windfege zum Trennen von Korn und Spreu) eine Etage höher ins Dach gehoben, wo mittels stabilen Brettern eine neue Ausstellungsebene geschaffen worden war. Anschliessend folgten die fünf Pflüge, welche sich zu den bereits auf der Heubühne vorhandenen gesellten.

Wer nun im August das Bauernhausmuseum wieder einmal besucht, sollte den Blick nicht nur auf Augenhöhe schweifen lassen, denn nun sind an den Wänden und auf höheren Ebenen im offenen Dach neue Ausstellungsräume mit spannenden Objekten entstanden.

Das Bauernhausmuseum und der Brotstand sind wieder geöffnet am Sonntag, 25. August, während das Ortsmuseum wegen des Umbaus noch einmal einen Monat Pause hat.

 Feierabendziegel

Feierabendziegel