von Barbara Rebmann

Wie schon seit Jahren öffnet am 6. Dezember um 18 Uhr das Bauernhausmuseum sein Adventsfenster. Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren.

In diesem Jahr hat sich die Arbeitsgruppe Museen (AGM) entschieden eine historische „Santichlaus“-Szene auszustellen, die von jüngeren Leuten vermutlich ziemlich kontrovers diskutiert werden wird. Die Szene wird zeigen, was die Grosseltern noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts in ähnlicher Art selber erlebt haben. Unser traditioneller „Santichlaus“ war nämlich ein eher grimmiger Geselle, der zu Fuss mit einem Esel aus dem Schwarzwald kam. Er las aus einem dicken Buch die Fehltritte des ganzen Jahres vor, kommentierte, ermahnte oder schimpfte. An Stelle von Geschenken verteilte er einheimische Äpfel, Birnen, Baum- und Haselnüsse an brave Kinder. Konnten sie noch ein „Värsli“ aufsagen, gab es oft noch „Änisbrötli“ oder kleine Lebkuchen dazu. Wo nötig brachte er eine „Rute“ zur Züchtigung mit oder steckte ungezogene Kinder gar in seinen Sack. Diesen lud er sich dann im schlimmsten Fall auf den Rücken und nahm ihn ein Stück des Weges mit. Darum sorgten die Buben am Nikolaustag vor und trugen ein Messer in der Hosentasche, um sich notfalls den Weg aus dem Sack freischneiden zu können. Eigentlich wusste niemand, was da im finsteren Schwarzwald in der Hütte des „Santichlaus“ zu erwarten wäre, aber ausprobieren wollte es auch niemand.

Hintergrund unseres grimmigen schwarzen „Santichlaus“ war, dass es nach der Reformationszeit für Protestanten nicht denkbar war, die Gestalt des gütigen katholischen Bischofs Niklaus von Myra aus dem 4. Jahrhundert zu übernehmen. Als furchteinflössende und somit erzieherisch wirkende Begleitung hatte der den finsteren „Schmutzli“, auch „Knecht Ruprecht“ genannt, an seiner Seite. Dieser war aus der Mythologie entstanden und stellte das Böse dar, das dem Guten dienen muss. In historischen Zeiten, als die Menschen in Dörfern entweder reformiert oder katholisch waren, entwickelten sich zwei unterschiedliche Nikolaus-Gestalten. Zum einen der gütige „Santichlaus“ im langen roten Mantel, mit Mythra und Bischofsstab, der in den vorwiegend katholischen Gemeinden unterwegs war. In den reformierten Gemeinden entwickelte sich aus dem „Schmutzli“ allmählich eine Abwandlung zum reformierten grimmigen „Santichlaus“, der mit schwarzem Kapuzenmantel gekleidet daher kam.

Damals gab es noch keine psychologisch geschulten Nikoläuse zu mieten und Tränen und Angst waren am Nikolaus-Tag eine willkommene Wirkung und ganz im Sinne der Erziehungsberechtigten. Konnten sich Eltern unter den Nachbarn und Verwandten keinen „Santichlaus“ organisieren, so war am Abend des 6. Dezember manchmal ein Riesengepolter im Hausgang zu hören. Auch dieses verbreitete natürlich schon Angst und Schrecken und lähmte die Kinder vorübergehend. Wenn sie sich dann doch hinaus wagten, stand da oft ein Nikolaussack mit den traditionellen und im Winter noch verfügbaren Früchten und Nüssen und der obligaten „Rute“. Meistens war auch ein Begleitbrief dabei, in dem die „Sünden“ des vergangenen Jahres aufgelistet waren und dazu der Wunsch nach Besserung. Für kurze Zeit hatten jeweils die Tage um den 6. Dezember durch angsteinflössende und kaum widerlegbare Gerüchte um die finstere Gestalt eine beruhigende Wirkung auf das Wesen aller Lausbuben und –mädchen. Diese löste sich jedoch nach kurzer Zeit wieder auf, denn bis zum nächsten Nikolausbesuch ging es wieder ein ganzes Jahr und man war ja diesmal noch glimpflich davongekommen.

Die Erziehungsmethoden und auch der „Santichlaus“ haben sich inzwischen stark verändert. Dazu brachten Familien aus anderen Kulturkreisen ihre gütigen Weihnachtsmänner mit in Form von Père Noël, Father Christmas, Papa Natale und wie sie alle heissen. Sie alle sind rot gekleidet, entweder mit langem Mantel oder Jacke und Hose mit weissem Pelzrand und einem schwarzen Gürtel. Sie erschienen mit Geschenken erst zu Weihnachten, während in unserer Region das „Chrischt-Chindli“ oder das „Wiehnachts-Chindli“ die Geschenke überbrachte. Auch dieses war eine sagenumwobene Gestalt, die zumeist nur im oberen Baselbiet als „Wysse Ängel“ persönlich zu Besuch kam. Hier in Muttenz gelang es kaum je dieses Wesen zu sehen, da es meistens mit feinem Glockenklang grad aus dem Fenster geflattert war, wenn man endlich die Weihnachtsstube hatte öffnen dürfen.

Wer nun bis nach Weihnachten das Adventsfenster im Bauernhausmuseum besucht, der kann dort den traditionellen „Muttezer Santichlaus“ in der schwarzen Kutte sehen, so wie er früher hier zu den Kindern kam und ihnen, wo nötig, ihre „Sünden“ aus seinem dicken Buch vorlas.

Das Adventsfenster wird am 6. Dezember um 18 Uhr geöffnet und wir laden Sie herzlich dazu ein. Könnte sein, dass da ein "Santichlaus" in der Nähe sein wird. Lernen Sie daher zur Sicherheit schon mal ein „Värsli“ auswendig und nehmen Sie ein Taschenmesser mit, man weiss ja nie...

Am 6. Januar 2020 wird das Fenster dann wieder geschlossen, denn das Bauernhausmuseum hat Winterpause.

Bildlegende:
Foto links: 2006 sass der „Santichlaus“ auf der „Chouscht“ in der Bauernhausstube.
Foto rechts: 2010 war der „Santichlaus“ zum letzten Mal persönlich im Bauernhausmuseum.

Santichlaus im Bauernhausmuseum und auf dem Dorfplatz