Barbara Rebmann

Im Mai und Juni wurde im Depot Geispel wöchentlich gearbeitet, um die erste Inventarisierungswoche unseres Museumsassistenten vorzubereiten. Über mehrere Jahre waren nun laufend die «handlicheren» Objekte und die aktuellen Neuzugänge Stück um Stück inventarisiert worden. Nun war mit acht vollen Paletten mit doppelter Rahmenhöhe und einem guten Dutzend einzeln palettierter Schwergewichte ohne Inventarnummer langsam ein Ende in Sicht.

Unser Plan war alle Objekte quasi in einer Reihe bereitzustellen, so dass wie am Fliessband dokumentiert werden könnte. Ein Schwergewicht nach dem anderen sollte aus dem Depot herausgefahren, gereinigt, wo nötig instand gestellt und foto-fein gemacht werden. Um aber an diese einzelnen Grossobjekte heranzukommen, musste zuerst alles aus dem Weg resp. aus dem Depot geschoben werden, was da kreuz und quer dazwischen und obendrauf stand. Myrtha Seiler begann an der Sonne schon mal mit dem Waschen der handlicheren Objekte, während Ruedi Bürgin und Barbara Rebmann nach dem System des Zauberwürfels Palett um Palett kreuz und quer und dann nach draussen manövrierten. Einzelne mysteriöse Einzelteile fügten sich mit anderen plötzlich wieder zu einem Ganzen zusammen und überall dazwischen fanden sich schon lange vermisste, bereits inventarisierte Objekte aus der früheren analogen Inventarisierung. Bis zum Beginn der Intensivwoche wurde dann alles wieder ins Depot zurückgefahren, aber diesmal übersichtlich und mit Manövrierplatz dazwischen.

Beim Einzug ins Depot Geispel 2014 hatte die Arbeitsgruppe Museen unzählige geschenkte Regale, Tablare und Tischelemente in der Überzeugung mitgenommen, sie einmal als Lagerregale nutzen zu können. Inzwischen hat es sich aber gezeigt, dass durch die im Depot permanent herrschende hohe Luftfeuchtigkeit von deutlich über 65%, je nach Wetter über 70% und nach zwei kürzlich erfolgten Wassereinbrüchen sogar um 85% alle Spanplatten aufgequollen und somit unbrauchbar geworden waren. Gleichzeitig gab es auch viele hölzerne Gerätschaften, welche bereits bei der Übernahme vor mehr als zwei Jahrzehnten durch Holzwürmer porös gewesen waren und nur zusammenhielten, solange sie nicht bewegt wurden. Da inzwischen bekannt ist, was in der Sammlung bereits vorhanden ist, wurde aussortiert und der Vorplatz füllte sich immer mehr mit Ausschussmaterial. Schlussendlich blieb nichts anderes übrig, als eine grosse Mulde zu bestellen und diese «Ruinen» abzuführen.

Ende Juni übernahm dann Beat Zimmermann die Datenerfassung und das Fotografieren, während die beiden bereits trainierten «Zügelleute» wieder schleppten, hoben und herumwuchteten. Als sich die Reihen der nichtinventarisierten Grossobjekte langsam lichteten, kam das mit Sicherheit älteste Objekt unserer Sammlung zum Vorschein. Ein unförmiger, massiver Eichenklotz wurde auf seinem Palett ans Licht geschoben und draussen zum ersten Mal seit Jahrzehnten umgedreht. Er entpuppte sich als Glockenjoch mit der eingeschnitzten Jahreszahl 1637. Das bewegliche Joch ermöglichte das Schwenken der Glocke und stammt wohl aus der Umbauphase in der der Glockenturm der Kirche St. Arbogast um ein Geschoss erhöht worden war.

Unser vor dem Depot arbeitender Museumsassistent hatte die ganze Schlechtwetterwoche über jeweils aufmerksam die Gewitterbildung verfolgt und wenn nötig alle Objekte, Kamera und Laptop schnell ins Trockene gefahren. Nun war im Eingangsraum nämlich genügend Platz, um mit dem Palettrolli manövrieren zu können. Dies entpuppte sich als grosses Glück, denn bei einem heftigen Gewitter mit Starkregen drang durch ein verstopftes Lüftungsrohr auf der Rückseite des Depots Wasser ein. Beat Zimmermann reagierte sofort und brachte die dort gelagerten und bereits durchnässten Holzobjekte und -paletten aus der Gefahrenzone. Die Luftfeuchtigkeit im Deoit hatte in kurzer Zeit ungesunde 85% erreicht.

Leider gab es noch weitere Starkregen, so dass regelmässig die zwei Räume mit den Lüftungsrohren beobachtet werden mussten. Ende Juli drang dann noch einmal heftig Wasser durch das noch nicht freigespülte Rohr ein. Bei einem zufälligen Kontrollgang standen die mit ledernen «Chummet» und Sättel belegten Holzpaletten bereits 2 cm im Wasser und hatten viel Wasser aufgesogen. Mit drei Entfeuchtern konnte danach langsam die Luftfeuchtigkeit wieder gesenkt werden. Ebenfalls Sorgen bereitete uns der stark bemooste Vorplatz, denn die Schwelle zum Depot ragt nur gerade 3 cm über den Boden. Eine Überflutung des Vorplatzes hätte verheerende Folgen für das ganze Depot und die eingelagerten Sammlungsobjekte. Wir hoffen, dass der Abwassersammler die Wassermengen auch weiterhin schlucken kann.

Die beiden Muttenzer Museen sind wieder geöffnet am Sonntag, 26. September. Das Ortsmuseum von 14-17 Uhr und das Bauernhausmuseum mit «Bäsebeiz» und frisch gebackenem «Buurebrot» von 10-12 und 14-17 Uhr. Bitte beachten Sie die aktuell geltenden Coronaregeln.

Myrtha Seiler reinigt die fürs Inventar vorgesehenen Kleinobjekte von Schmutz und Spinnweben
Myrtha Seiler reinigt die fürs Inventar vorgesehenen Kleinobjekte von Schmutz und Spinnweben