Barbara Rebmann

Inventarisierung im Depot Geispel abgeschlossen

Im letzten Muttenzer Museumsbericht aus dem Depot Geispel haben wir unser ältestes Sammlungsobjekt vorgestellt, ein eichenes Glockenjoch aus dem Jahr 1637. Doch eigentlich fand sich auch ein noch älteres Objekt, das aber nach geltendem Recht dem Kanton gehört. Es ist eine römische Türschwelle aus rotem Degerfelder Sandstein. Der Arbeitsgruppe Museen war es beim Einzug ins Depot Geispel nicht bewusst, woher dieses grosse Sandsteinstück stammte. Recherchen im alten analogen Museumsinventar und im Fundstellenarchiv der Archäologie Baselland ergaben dann, dass es sich eindeutig um die Türschwelle des römischen Wachturmes in der Hard handelte. Dieser war um ca. 370 nach Christus im Zuge der Grenzbefestigung entlang des Rheines gebaut worden. Bezeugt wird die Herkunft durch historische Beobachtungen und Zeichnungen von den ersten Ausgrabungen um 1751 und auch durch spätere von 1891 und 1921. Auch die 1975 entstandenen Dokumentationen der Ausgrabung zeigen die Sandsteinschwelle noch an ihrem Standort beim Eingang in den Wachtturm. Wie sie anschliessend bei den Restaurierungsarbeiten den Weg ins damals provisorische Muttenzer Museumsdepot in der sogenannten «Blueme AG» gefunden hat, ist nicht ganz schlüssig. Für die Fachwelt galt die Schwelle seither als verschollen. Im Zuge der Inventarisierung der letzten Grossobjekte kam auch die Türschwelle nun wieder zum Vorschein und wurde im Juli von der Archäologie Baselland abgeholt. Jetzt wird sie dort zusammen mit anderen römischen Originalfunden aus dem Wachtturm eingelagert.

Anfang August fand dann eine letzte intensive Geispelwoche statt, bei der die noch verbliebenen Objekte im ganzen Depot weiter inventarisiert wurden. Beat Zimmermann hat in insgesamt 12 Arbeitstagen im Depot Geispel rund 400 grosse und kleine Objekte inventarisiert und perfekt dokumentiert. Nun können wir mit Stolz sagen, dass die vorhandenen 770 Objekte in diesem Depot seit dem 12. August alle inventarisiert sind. Auch sind dazwischen gelagerte defekte, unvollständige oder unbrauchbare «Ruinen» entsorgt worden.

Ein in Einzelteilen eingelagerter wunderschöner Zimmerofen wurde zwischendurch vom Hafner Peter Güdel zusammengesetzt und stabilisiert. Jetzt ist er ein wunderbares Schauobjekt, nebst all den anderen historischen Ofentypen der Sammlung.

In einem weiteren Arbeitsgang mit Unterstützung einiger Mitglieder des Fördervereins Museen Muttenz wurden dann unzählige rostige Metallobjekte entrostet und imprägniert. Dadurch soll die im Depot oft herrschende hohe Luftfeuchtigkeit sie nicht noch weiter rosten lassen. Auch müssen später noch alle feuchtigkeitsanfälligen Lederwaren wie «Chummet» und Sättel ins trockene Depot Donnerbaum umgelagert werden, sobald dort genügend Stellplatz frei ist.

Allerdings heisst das noch nicht, dass die Geispel-Arbeiten nun ganz beendet sind. Jetzt braucht es vor allem viel Denkarbeit, um alle drei Räume in ein übersichtliches und begehbares Schaulager umzuwandeln. Die jetzt provisorisch und dicht an dicht stehenden Objekte müssen noch ein letztes Mal umgelagert werden, damit wir «thematische Inseln» einrichten können. Es macht für die Zukunft wenig Sinn, wenn einzelne Waschbretter zwischen Trotten und Dezimalwaagen, «Kanoneöfeli» mitten in Sattlereiwerkzeug oder einzelne «Feuerherde» zwischen «Bückti» und «Milchbränte» stehen. Erst wenn alle Objekte dann ihren definitiven Platz bezogen haben und alle Standorte in der Datenbank vermerkt sind, werden wir die Arbeiten hier ganz abgeschlossen haben. Dann wird das Depot auch bei Führungen für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Für die Arbeitsgruppe Museen und für alle künftigen Donatorinnen und Donatoren bedeutet dies aber bereits jetzt, dass nur noch Objekte entgegengenommen werden, die nicht schon in gleicher Bauart in unserer Sammlung vorhanden sind oder die ein identisches Stück in schlechterem Zustand ersetzen können. Es ist nicht mehr möglich unbesehen alles entgegenzunehmen, sonst ist in kurzer Zeit alles wieder vollgestopft und unzugänglich, was die weitere Instandhaltung und Überwachung der Objekte ziemlich erschweren würde. Vorallem müssen wir uns an die vorgegebenen Themenkreise und die obere Altersgrenze von knapp um die Mitte des 20. Jahrhunderts halten, wie im Sammlungskonzept festgelegt. Für die strikte Einhaltung dieser Anforderungen haben in der Regel alle Schenkenden grosses Verständnis, wofür wir allen sehr dankbar sind.

Die beiden Museen sind wieder geöffnet am Sonntag, 26. September. Das Ortsmuseum von 14-17 Uhr und das Bauernhausmuseum mit «Bäsebeiz» und frisch gebackenem «Buurebrot» von 10-12 und 14-17 Uhr.

Am Samstagnachmittag, 16. Oktober findet (hoffentlich) vor dem Bauernhausmuseum der traditionelle Herbstarbeitstag statt. Sicher werden wir Ihnen die Verarbeitung von Kabis und weissen Rüben zu «Suurchrutt und Suurrüebe» zeigen. Auch das Mosten von Trauben und Apfeln sollte möglich sein.

Am Sonntag, 31. Oktober ist dann das Bauernhausmuseum zum letzten Mal in dieser Saison geöffnet. Bitte beachten Sie in jedem Fall die aktuell geltenden Coronaregeln. Beim Besuch der Innenräume gilt seit 13.09.2021 eine Covid-Zertifikatspflicht.

 

Depot, Archiv alter Kachelöfen und Waschmaschinen
Die neueingerichtete Themeninsel Kochen/Heizen/Waschen sieht doch schon ganz gut aus