Barbara Rebmann

Wenige Tage nach dem März-Museumssonntag herrschte bereits wieder emsiges Treiben im Ortsmuseum. Eine Sonderausstellung zum Erdrutsch am Südwesthang des Wartenberges vor 70 Jahren ist seit längerem in Arbeit. Fakten, Fotos und Presseberichte wurden zusammengetragen und Augenzeugen befragt. Um die Gespräche mit den wenigen noch lebenden Zeitzeugen auch für die Nachwelt festzuhalten, hatte sich mitten in der bestehenden Dauerausstellung im Geschichtssaal Thomas Brügger, von der Garage5 in Muttenz, mit seiner gesamten Ausrüstung an Fotolampen, Steuerungsgeräten, Kameras und Mikrofonen eingerichtet.  Erst musste das Tageslicht ausgesperrt werden und die bestehenden Bilderständer der Fotoausstellung Zeitsprünge sowie die ausgestellten Modelle in eine ansprechende Position als Hintergrund geschoben werden, dann ging die professionelle Aufzeichnung der Gespräche los. Schaggi Gysin amtete zuerst als Moderator und versuchte seinen Gesprächspartnern und der einzigen Gesprächspartnerin Erinnerungen zu entlocken. Für alle war es eine ungewohnte Situation, so im Scheinwerferlicht sitzend, die eigenen Erinnerungen abzurufen und sie erst noch gut verständlich zu formulieren. Als Gedankenstützen wurden den Befragten verschiedene Fotos vorgelegt. Als Abschluss wurde dann auch noch Schaggi Gysin interviewt. Er konnte gezielt Fragen beantworten, die seine Gesprächspartner vorher noch nicht berührt hatten.  Wie alle diese Zeitzeugen damals als Kinder das Jahrhundertereignis erlebt haben oder wie man darüber im Familien- oder Freundeskreis geredet hat, können Sie, liebe Museumsgäste in der Ausstellung im Ortsmuseum dann selber anschauen und anhören.

Wer den Bericht über das Jahrhundertereignis in der Rubrik «anno dazumal» im Muttenzer Anzeiger vom 1. April als Aprilscherz abgetan hat, kann sich in der Sonderausstellung nun noch einmal ausführlich informieren. Tatsächlich brach vor 70 Jahren, am Palmsonntag, 6. April, am Hallenweg im Südwestabhang des Wartenberges eine Wasserleitung. Sie war das erste sichtbare Zeichen beginnender Erdbewegungen im Rebberg. Am 7. April begann dann die eigentliche grossflächige Rutschung, welche zeitweise eine Geschwindigkeit von 3 m pro Stunde erreichte. Als die Rutschung knapp hinter einem Haus zum Stillstand kam, hatte sie mehrere Gebäude und sogar einen massiven Militärbunker aus dem 2. Weltkrieg mitgerissen. Die Gesamtfläche des Rutschgebietes umfasste eine Grösse von rund sieben Fussballfeldern und über 300'000 Kubikmeter Erdmassen. Tausende Neugierige aus der Region pilgerten zum Rutschhang und bescherten den Wirtsleuten in der nahegelegenen Wirtschaft Mühlematt zwischen Ostern und Pfingsten das Geschäft ihres Lebens. Im Sommer 1954, nachdem u.a. die finanziellen Kosten endlich alle geregelt waren, begann der Wiederaufbau des Rebberges, welcher im Herbst 1957 abgeschlossen werden konnte.

Seit dem letzten Museumssonntag ist die Arbeitsgruppe Erdrutsch also dabei, in den engen Platzverhältnissen im Geschichtssaal des Ortsmuseums genügend Raum zu schaffen, um neue Ausstellungstafeln und vor allem einen Bildschirm mit den obengenannten Interviews platzieren zu können. Dazu muss ein Teil der beliebten Fotoausstellung Zeitsprünge vorübergehend abgebaut und die Ständer für die neuen Tafeln bereitgemacht werden. Zusätzlich werden zwei Holztafeln mit Stoff überzogen um noch weitere Ausstellungsflächen zu generieren. Zur gleichen Zeit schneidet Thomas Brügger aus den Interviews, verschiedenen Fotos und kurzen Sequenzen aus dem Film des Wiederaufbaus eine unterhaltsame Präsentation zusammen. Wir sind gespannt auf das Resultat.

Die Ausstellung im Ortsmuseum öffnet am Sonntag 24. April um 14 Uhr und ist bis Ende Jahr zu sehen.

Am gleichen Sonntag, 24. April um 10 Uhr eröffnet das Bauernhausmuseum seine Saison mit der ersten «Bachede im Holzoofe». Ab 10 Uhr stehen die Brote bereit und auch die «Bäsebeiz zum Tschuppeldäni» wartet auf die ersten Gäste der Saison.

Wir freuen uns Sie alle entweder im Ortsmuseum oder im Bauernhausmuseum begrüssen zu dürfen.

 

Bildausstellung Erdrutsch