Barbara Rebmann

Schon seit vielen Jahren wurden mehrere grosse und schwere Schachteln in den Lagergestellen des Depot Donnerbaum immer wieder beiseitegeschoben. Genauer anschauen konnten wir den Inhalt bisher nicht, weil jeweils keine ausreichende Tischfläche zur Verfügung stand. Nun war es endlich soweit, der Arbeitstisch fast frei und die Schachteln wurden ausgepackt.

Schachtel 1 wies es als Objekt Mz834 aus. Sie enthielt ein hölzernes, zusammenklappbares Gehäuse, welches wir sofort aufbauten. Die Erläuterung im alten handschriftlichen Inventar hiess lediglich Puppentheater und der Herkunftshinweis gab den Namen der Donatorin an: Fräulein Marie Fischer, wohnhaft gewesen am Hinterzweienweg. Sie hatte das Puppentheater im März 1976 der Museumssammlung geschenkt und die Museumskommission hatte es mit dem kurzen Eintrag in der Inventarliste offiziell entgegengenommen. Leider wurden – wie damals üblich - keine weiteren Angaben zur Besitzerfamilie oder der Donatorin erfasst. So bleibt unklar, ob das Theater aus dem Besitz der Familie Fischer stammt oder ob eventuell Fräulein Fischer früher in einer gutsituierten Familie als Kindermädchen o.ä. gearbeitet hat, wo man das Theater genutzt hat. Falls Sie liebe Leserinnen und Leser hier etwas weiterhelfen können, wären wir um eine Benachrichtigung sehr froh.

Unser Museumsassistent Beat Zimmermann beschrieb das Objekt in unserer Inventardatenbank folgendermassen: Puppentheater in der Form eines zusammenklappbaren Holzkastens mit Schublade, darin Figuren für 6 verschiedene Theaterstücke sowie 2 Streben für die Fixierung der Vorhangwand mit der hinteren Stütze. Die Masse in ausgeklapptem Zustand betragen B = 80 cm, H = 81 cm und T = 55 cm. Dazu gehören mindestens 15 verschiedene Kulissensets sowie für Gestaltungen im Bühnenraum ungezählte freistehende Versatzstücke wie Möbel, Schiffe, Pflanzen, Standuhren usw. Vorhanden sind sechs Theaterbücher von Ernst Siewert: „Tischlein decke dich, Esel strecke dich, Knüppel aus dem Sack“ nach Gebrüder Grimm (Heft 3), „Der Freischütz“ nach Webers Oper (Heft 11), „Wilhelm Tell“ nach Schiller (Heft 18), „Martha oder der Markt zu Richmond“ nach Flotows Oper (Heft 21), „Max und Moritz“ nach Busch (Heft 27), „Die Kinder des Kapitän Grant“ nach Jules Verne (Heft 38). Dazu gibt es eine Bestellliste des Herstellers für weitere Themen und die originale Aufbaubeschreibung.

Recherchen zur Datierung ergaben, dass solche Theater von 1800 bis 1910 im Verkauf waren. Jules Vernes Werk „Die Kinder des Kapitän Grant“ erschien als Buch 1875 erstmals in deutscher Sprache und dürfte danach einige Jahre bis zur Umsetzung für ein Miniaturtheater gebraucht haben. Es kann also gut sein, dass das Theater mit einer Auswahl der vorhergehenden 37 Themen bereits in früheren Jahren des 19. Jahrhunderts in Gebrauch war und Heft 38 von Jules Verne erst um ca. 1880 als Ergänzung angeschafft worden war. Auf jeden Fall waren Schreibers Papier-Theater sehr beliebt und die Stücke waren nicht nur auf Kinder zugeschnitten. Viele der Aufführungen waren auch als Abendunterhaltung für Erwachsene geeignet, denn es handelt sich mehrheitlich um Stücke aus der klassischen Literatur.

Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser der Museumsberichte, was man so alles noch in unserer Museumssammlung findet. Auch wenn wir schon seit Jahren über die Inventarisierungsarbeiten berichten, haben wir immer noch nicht alle Schachteln aufgearbeitet. Um einen Überblick über dieses umfangreiche Objekt mit hunderten von Einzelteilen zu verschaffen, brauchen wir allerdings ziemlich viel Zeit, welche uns bei über 7'500 bisher inventarisierten Einzelobjekten nicht immer ausreichend zur Verfügung steht. Daher wird in der Regel erst einmal grob erfasst und zu späterer Zeit im «Home-Office» noch detaillierter nachgeforscht und weitere Daten ergänzt.

Nachdem bei den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Museen grosse Begeisterung über das tolle Objekt herrschte, wurde beschlossen, auch die Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen. Das Theater wird nun im Adventsfenster ausgestellt. Dies generierte vorgängig ziemlich viel Arbeit, denn um mehrere Szenen darstellen zu können, musste der Bühnenraum nachgebaut und die Vorderfront kopiert werden. Ob und wie uns das gelungen ist, sehen Sie im Adventsfenster im Bauernhausmuseum ab dem Eröffnungsabend am 6. Dezember.
 

Das Muttenzer Ortsmuseum ist am Sonntag, 27. November von 14-17 Uhr geöffnet. Es zeigt neben den Dauerausstellungen zur Dorfgeschichte und zum Muttenzer Historienmaler Karl Jauslin auch die Sonderausstellung zum Erdrutsch am Wartenberg 1952.

Die Bauernhaus-Saison ist bereits beendet.

 

Adventsfenster im Bauernhausmuseum
Die Bauernhausstube zeigt in diesem Jahr das bei den Inventarisierungsarbeiten aufgetauchte Kindertheater. Das Fenster wird am 6. Dezember um 18 Uhr geöffnet und bleibt bis zu Dreikönig zugänglich. Danach sind die Theater-Inszenierungen für ein Jahr im Ortsmuseum zu sehen.

 

Aufgebaute Theater mit einer Tell-Szene
Aufgebaute Theater mit einer Tell-Szene