Im Mai sind die Brunnen im Dorfkern mit einem Maibaum geschmückt

Nun fallen die mit einem Maibaum geschmückten Brunnen wieder ins Auge, sei es auf dem Dorfplatz, im Oberdorf, an der Baselstrasse oder der Hauptstrasse. Auch in andern europäischen Ländern hat das Aufstellen von Maibäumen Tradition. Das Baselbiet ist aber ein Sonderfall, weil hier auch die Brunnen mit bunten Maibäumen versehen werden. 

Im Monat Mai ist der Brunnen im Oberdorf mit einem Maibaum geschmückt
Foto Hanspeter Meier

Viel Symbolgehalt

Dass im Baselbiet die Brunnen mit Maibäumen geschmückt werden, zeigt den hohen Stellenwert, der dem Wasser früher zukam. Ohne Wasser gibt es kein Leben, kein Gedeihen. Der Maibaum steht für Freiheit, Standhaftigkeit, Fruchtbarkeit und Kraft. Auch der Abschluss der alten Brunnenstöcke zeigt das ganze Jahr hindurch ein uraltes Symbol der Fruchtbarkeit und Standhaftigkeit: eine Eichel.
Der Brunnentrog hat ebenfalls Symbolgehalt: alle alten Brunnentröge sind acht-eckig. In der vorchristlichen Zeit galt die Zahl acht als heilig, in der christlichen Zahlensymbolik des Mittelalters ist es die Zahl des Neubeginns, des glücklichen Anfangs, der geistigen Wiedergeburt. Das Oktogon wurde deshalb als Bauform für Baptisterien gewählt, ebenso sind sehr viele Taufbecken achteckig. Das Leben spendende Wasser führte dazu, dass überall – nicht nur in Muttenz – die alten Brunnentröge acht Ecken aufweisen.

"Holzdünchel" oder Teuchel, welche bei Eindolungsarbeiten des Dorfbaches zum Vorschein gekommen sind, 17.08.1909 (Ausschnitt)
Staatsarchiv Baselland, STABL_VR_3317_B07_023b

Den besten Kaffee

Früher musste man täglich Wasser am Brunnen holen, denn es gab in Muttenz bis 1895 kein fliessendes Wasser in den Häusern. Der Brunnen war somit ein wichtiger Treffpunkt, um Neuigkeiten auszutauschen oder ganz unverfänglich seine Liebste zu sehen. Tiere wurden hier getränkt, oder das kleine „Sudeltrögli“, welches an den grossen Trog angebaut ist, diente dazu, die schmutzigen Sachen zu reinigen.

Verschiedene Wasserquellen versorgten die Dorfbrunnen. Es gab zudem noch Sodbrunnen, die bis zum Grundwasser hinab reichten. Einige Liegenschaften verfügten über einen eigenen Sodbrunnen, einen öffentlichen Sodbrunnen entdeckte man kürzlich an der Baselstrasse. Um das Quellwasser zu den Brunnen zu führen, benutzte man Teuchel, ausgehölte Baumstämme, die man ineinander schob. Die St. Arbogast-Quelle und die Engental-Quelle zusammen mit der vom Sulzhof kommenden Quelle, versorgten die Brunnen entlang des Dorfbachs, die Fulenbach-Quelle speiste den Brunnen an der Baselgasse und die Geispel-Quelle versorgte die Brunnen an der Geispelgasse. Am Sonntag holte man das Wasser stets am Brunnen in der Geispelgasse, denn man war überzeugt, dass es mit diesem Wasser den besten Kaffee gab.

Helen Liebendörfer und Hanspeter Meier in Zusammenarbeit mit den Museen Muttenz

Weitere Einzelheiten zu den Muttenzer Brunnen findet man online unter Dorfbrunnen

siehe auch Trinkwasserversorgung


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