Vor genau 80 Jahren begann der 2. Weltkrieg. Auch in Muttenz herrschte viel Unruhe und Angst. Die Männer mussten einrücken, und im Dorf wurde das Militär einquartiert, welches entlang der Grenze postiert war. In allen Häusern hatte man zusammenzurücken. Die Offiziere erhielten die guten Betten. Die Ordonanz brachte für sie jeweils das Essen, manchmal so viel, dass auch die übrigen Bewohner, Mutter und Kinder, noch satt wurden. Darüber war man sehr froh, denn die Lebensmittel waren rationiert. Neben dem Milchhüsli wurde Suppe ausgeschenkt und in allen Gärten Kartoffeln angepflanzt.

Tag und Nacht wurden Löcher gebohrt und gespitzt, um Panzersperren zu errichten. Zusammen mit der Ortswehr füllte man zudem Chianti-Flaschen mit Benzin und versah sie mit einer Zündvorrichtung, um damit anrollende fremde Tanks unschädlich machen zu können. Man hörte nachts das Donnern der schweren Artillerie, mit welcher zwischen Frankreich und Deutschland über den Rhein geschossen wurde. Die Leute liefen oft die Gassen hinauf, um das Feuer und die Blitze besser sehen zu können.

Vereidigung der Ortswehr Muttenz 1940
© Museen Muttenz

 

Eine Flasche Rotwein zur Evakuierung

Die Kriegsbedrohung wuchs. 1940 galt die höchste Alarmbereitschaft für das Militär. Die Evakuierung war längst vorbereitet, denn man erwartete täglich, dass die Deutschen über die Grenze vorrücken würden. Alle hatten einen Rucksack bereitzuhalten, gefüllt mit Notvorrat und etwas Wäsche. Niggi Schaub wurde die Aufgabe zugeteilt, mit seinen Rossen und dem Brütschiwagen die alten Leute wegzuführen. Am 10. Mai wurde es ernst. „Es isch e trurigi Stimmig gsi dehäi“, berichtet Max Jourdan in seinen Erinnerungen, „wäge dr Tatsach, dass me alles was eim ghört het im Hus muess zrugg lo und verliere, au dr Hund und d’Chüngel, alles, usser das wo me uf sich treit und dr Rucksack! Am zwölfi z’Nacht het d’Grossmuetter welle, dass mer zämme no ihri Fläsche Rotwy drinke zum Abschied – und will sie die Fläsche nit de Schwobe well zrugg lo!“ Man wartete die ganze Nacht, nichts geschah. Man blickte angstvoll zwischen den Vorhängen auf die Strasse, aber es war niemand zu sehen, denn es brannten keine Strassenlaternen wegen der Verdunkelung. „Zum Glück hei mr chönne bliebe. Me cha sich nit vorstelle, was hät chönne passiere.“  

Weitere Einzelheiten unter Muttenz und der Zweite Weltkrieg

Helen Liebendörfer und Hanspeter Meier in Zusammenarbeit mit Museen Muttenz

Anhänge:
DateiBeschreibungNummerDateigröße
Diese Datei herunterladen (MAPA_KW36_2019-S9.pdf)MaZ, 6. September 2019Unser Dorf im Zweiten Weltkrieg1373 kB