Das Bahnhof-Restaurant, Bahnhofstrasse 60

„Es war damals im Schwung, jeweilen den Stationsvorstand zu einem Schoppen einzuladen, wenn man auf der Station geschäftlich etwas zu thun hatte. Kam z.B. ein Güterzug zu früh auf der Station an, so fand sich auch noch das Zugspersonal, welches den Vorstand behufs Ausfüllung der Wartezeit mit in die Restauration zog…“ berichtet Pfarrer Johannes Iselin in seinen Erinnerungen (1875-1945).

Bahnhof Restauration um 1900, auf dem Wagen: Robert Leupin; Wirt: Hans Wächter.
Museen Muttenz, Lizenzbedingungen CC BY-NC-SA 4.0

Erstmals wird die Wirtschaft zur Station 1876 erwähnt, als das Ehepaar Aebin-Bay sie für Fr. 10‘500.- an Jakob Hauser verkaufte. Er führte eine Pintenwirtschaft. In Pinten durften damals nur Wein und kalte Speisen serviert werden. Bald entwickelte sich das Gebiet rund um den Bahnhof zu einem Industriequartier. Anstoss dazu gab 1887 die "Dachpappi", es folgten eine Möbelfabrik, eine Sauerkrautfabrik, eine Farben- und Lackfabrik und eine Holzwollefabrik. Das Ganze wurde mit dem Bau der Stationsstrasse erschlossen, und die Wirtschaft zur Station florierte. Fotos zeigen auch eine gut besuchte Gartenwirtschaft. Dazu trug die Zunahme des Bahnverkehrs bei.

Aufgenommen am 28 März 1978
Museen Muttenz, Lizenzbedingungen CC BY-NC-SA 4.0

Allerdings begehrte seit längerer Zeit ein grosser Teil der Einwohnerschaft von Muttenz eine Tramverbindung zur Stadt Basel, da die Zahl und Lage der Lokalzüge der Bundesbahn den Bedürfnissen nicht mehr genügten und weil den Dorfbewohnern durch die entfernte Lage der Bahnstation die Benützung der Eisenbahn unbequem war. Der Betrieb des Bahnhofrestaurants musste um seine Gäste fürchten. Pfarrer Obrecht schreibt in seiner Chronik im Januar 1907: „So bewegt der noch in den Aktenmappen spukende Tram vielfach die Gemüter, und vielleicht ist ein Zusammenhang mit ihm auch zu prätendieren (vorzustellen) bei dem Verkauf der Bahnhofrestauration, die von Herrn Wälterlin-Plattner an Herrn J. Gradt, derzeit Wirt in Basel, verkauft worden ist. Schon hofft man ja, durch den Tram werde der Personenverkehr im Dorfe festgehalten und von der Eisenbahnstation abgezogen!“ Die Wirtschaft am Bahnhof überstand alle schlechten Prognosen – sie änderte mehrmals ihren Namen von der Wirtschaft zur Station zu Bahnhofrestauration, schliesslich zu Restaurant zum Bahnhof - bis hin zum Nelson Pub.

Weitere Einzelheiten zum Bahnhof und zu Gaststätten - Restaurants - Cafés - Pensionen - Hotels findet man online unter www.heimatkunde-muttenz.ch

Helen Liebendörfer und Hanspeter Meier in Zusammenarbeit mit den Museen Muttenz

 

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