Heute kennen nur noch die alteingesessenen Muttenzerinnen und Muttenzer die köstlichen Dorfnamen. Bis zum zweiten Weltkrieg wurden viele Leute in Muttenz mit diesen Namen angeredet. Sie gingen auch auf ganze Familien über. Stets treffend wurden von den Dorfbewohnern die speziellen Eigenschaften, Berufe oder Wohnorte in einen Übernamen verwandelt:

Namen wie dr Kaffi-Crème, dr Stumpenoski oder dr Güggeliheiri brauchen keine Erklärung, jedoch hiess s Heubirligrittli so, weil die Familie Sutter an der Geispelgasse einen grossen Heubirlibaum besass, dr Tschudi-Es war Klarinettenspieler, s Forschterlienis-Vallerie trug den Namen durch einen Vorfahren namens Leonhard, welcher Förster war, s Zürilienis-Marie nannte man so, weil der Vater Leonhard Schmid mehrmals nach Zürich gereist war. Linggehänsis-Fritz, Linggenedi und Linggejoggi hiessen eigentlich Leupin. Lingge war der Übername für einen Linkshänder.

Es gibt eine ganze Reihe von Dorfnamen, die auf Vornamen zurückgehen, wie zum Beispiel s Mussehänsis Madle. Der Dorf­name Musse der Familie Seiler geht auf das 16. Jahrhundert zurück, in welchem einer oder mehrere Seiler Hieronymus hiessen. Dr Gallimathis war der Nachkomme eines Gallus Pfirter, der 1571 das Amt eines Kirchmeiers bekleidete und der an der großen Glocke der Dorfkirche mit einer Inschrift erwähnt ist.

Berufsbezeichnungen als Dorfnamen sind ebenfalls häufig: Dr Agänte-Ruedi, das heisst Rudolf Mesmer, war patentierter Agent, der die Leute vor Gericht vertreten durfte. Dr Schärer Jokeb erinnerte an einen Stohler, der Mitte des 18. Jahrhunderts den Coiffeurberuf ausübte, und dr Beckeniggi (Niklaus Ramstein) verdankte seinen Dorfnamen einem Bäcker in seiner Familie. Dr Zimmerhänsis-Niggi gehörte zur Familie Leupin, deren Vorfahren den Zimmermannsberuf ausgeübt hatte. Bekannt aus dieser Familie ist besonders dr Zimmerniggi, von dem erzählt wird, dass er ein 7. Buch Moses gelesen habe, und auch die Kühe dazu bringen könne, rote Milch zu geben. Auch in Muttenz geschahen früher manchmal „Wunder“…

 

Tschudidänni im Oberdorf, 1969 (Daniel Tschudin 1884-1972, Oberdorf 4)
Foto J.K. Suter Basel, Museen Muttenz, CC BY-SA 4.0

Viele weitere Dorfnamen findet man unter: www.heimatkunde-muttenz.ch/index.php/geschichte/dorf-familiennamen

Helen Liebendörfer und Hanspeter Meier in Zusammenarbeit mit den Museen Muttenz

 

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