In dr Chriesiärnt got äs lieber uf Basel ine z’Märt
Mit ere Zaine voll Chirsi uff em Chopf us dr Ifflete oder Freiebärg,
mängmol no zwaimol am Tag.
s nimmt aim Wunder, as es amme no mag.

Zweimal am Tag zu Fuss nach Basel und zurück! Dabei fuhr damals längst ein Tram in die Stadt, doch war es für einfache Leute viel zu teuer. Dieses Gedicht von 1937 berichtet vom Scheferlis-Greti, der Tochter des Muttenzer Schafhirts. Es zeigt, dass vor noch nicht einmal hundert Jahren die Muttenzer Frauen ihr Gemüse und Obst täglich nach Basel auf den Markt trugen, um zusätzlich etwas Geld zu verdienen. Vor allem für die Familien der Taglöhner trug der Verkauf von Obst und Gemüse viel zur Existenzsicherung bei. Mit ihrem schweren Korb auf dem Kopf, etwas gemildert durch ein Ringkissen als Polster, liefen die Marktfrauen die Baselgasse entlang zum Schänzli und über die Birsbrücke (in früheren Jahrhunderten war es nur ein Steg aus Holz) zum Aeschentor, danach die Aeschenvorstadt entlang und die Freie Strasse hinunter bis zum Marktplatz vor dem Basler Rathaus.

Ringkissen mit Lasche, Patchwork aus diversen Stoffresten, gefüllt mit Spreu. Es wurde von den Marktfrauen als Polster auf dem Kopf getragen, um den Korb abzustützen und gerade zu halten
Museen Muttenz Lizenzbedingungen CC BY-SA 4.0

Auf dem langen Weg mussten die Frauen sich hin und wieder ausruhen, dazu dienten Ruhebänke mit einer speziellen Konstruktion, welche es möglich machten, den schweren Korb auf Kopfhöhe zu deponieren. Auf diesen Ruhebänken gab es Platz für zwei bis drei Frauen, was im Volksmund zum Namen „Rätschbänggli“ führte! Manchmal hatten die Marktfrauen auch das Glück, auf dem Rückweg bei einem Steinwagen – er transportierte die Steine vom Sulzkopf-Steinbruch nach Basel – aufsitzen zu können, nachdem sie sich manchmal in einem Wirtshaus am Barfüsserplatz, dem Säuplatz (= Seibi) gestärkt hatten:
Aber in dr Spanische uf em Sauplatz, do cherts drno ii
Und stercht sich mit eme Tröpfli süessem Spanierwii.
Und wenn nid öppe de Chnächt vo s Pfirters Schorschis
oder Bäre Ruedis per Zuefall wär cho fahre und s Greti mit
em Steiwage mit hai gnoo hätt,
i glaub, es hockti hütt no dört!
Gedicht von Albertine Meyer-Eglin von 1937 (in Martin Frey: Volksbräuche und Dorfnamen der Vorortsgemeinde Muttenz)

 

Rätschbänggli, Ruhebank für die Marktfrauen (heute zwischen Mittenza und Rebstock zu finden)
Museen Muttenz Lizenzbedingungen CC BY-SA 4.0

 

Helen Liebendörfer und Hanspeter Meier in Zusammenarbeit mit den Museen Muttenz

 

Als Ergänzung Bilder aus dem Staatsarchiv Basel-Stadt

 

 

Elsässer Marktfrauen an der Elsässerstrasse
Fotoarchiv Wolf, NEG 1241, Staatsarchiv Basel-Stadt
  Gemüsefrau mit Kundin
Fotoarchiv Wolf, NEG 2512, Staatsarchiv Basel-Stadt
  Marktfrauen auf dem Marktplatz, 1906
AL 45, 5-57-3, Staatsarchiv Basel-Stadt
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