In Muttenz weisen drei Ortsnamen auf Muttenzer Schiessplätze hin: Schibenmatt, Schützenplatz und Schützenhaus(-strasse).

Bei der Untersuchung der Liegenschaften Hauptstrasse 42- 48 stiess die Archäologie Baselland im Dachstock des Gebäudes auf drei mit Holznägeln gespickte Bretter, die in einer Trennwand verbaut worden waren. Es handelt sich um Teile von Schützenscheiben. Die Einschusslöcher wurden mit kleinen Holzdübeln verschlossen. Diese Bretter sind möglicherweise Teile von Scheiben des ersten Muttenzer Schiessplatzes auf der «Schibematt».

Drei Bretter der Schützenscheiben mit ergänztem Scheibenbild, Durchmesser 1,40 Meter.
Archäologie Baselland, Jahresbericht 2018

Schiessplatz «Schibematt»

Im Jahr 1605 fand in Basel ein grosses eidgenössisches Schützenfest statt. Zu diesem Anlass erstellte man eine Schreibstube. Die Muttenzer baten danach den Rat von Basel, diese Schreibstube künftig in Muttenz als Schützenhaus verwenden zu dürfen, da sie keines hätten. Dieses erste Schützenhaus stand im Baumgarten der Liegenschaft Hauptstr. 18/20 längs der heutigen Schulstrasse. Die Scheiben befanden sich rund 180m entfernt am Breiteweg, auf der «Schibenmatt», der Parzelle auf welcher sich heute die Kapelle der Chrischona-Gemeinde befindet. Den Standort behielt man etwa 250 Jahre lang bei.

Schiessplatz Schützenplatz

Um 1850 wurde der Schiessplatz auf den Schützenplatz verlegt. Der aussichtsreiche Platz unterhalb des heutigen Wasserreservoirs Geispel wurde ausgeebnet und mit Bäumen bepflanzt, sowie ein Schützenhaus gebaut mit Zielrichtung gegen Westen. Der Wall und der Scheibenstand befanden sich in 300m Entfernung direkt vor dem Fahrweg, der von der Geispelgasse auf die Rütihard hinauf führt.

Schiessplatz Fröschenegg
Die technische Entwicklung der Schiesswaffen führte zu einer Erhöhung der Durchlagskraft und der Reichweite. Deshalb suchte man einen neuen Platz. Im Fröscheneck errichtete man im Jahre 1905 ein Schützenhaus verbunden mit einer Scheibenanlage im Waldabhang der Rütihard. Auch die Gemeinde Birsfelden sah sich gezwungen, ihre auf dem Sternenfeld eingerichtete Schiessanlage aufzugeben. Sie erwarb direkt östlich vom Muttenzer Schiessstand Wiesland und baute ein eigenes Schützenhaus sowie an der Baselstrasse ein geräumiges Wohn- und Ökonomiegebäude mit Restaurationsbetrieb (1913).

Schützenhaus und Schiessstand um 1960

Das Schützenhaus um 1960. Im Hintergrund sind die Scheiben sichtbar.
Museen Muttenz Lizenzbedingungen CC BY-SA 4.0

Schiessplatz Lachmatt

Einige Jahre später folgten verschiedene Eingaben der Quartierbewohner an die Gemeinde wegen des Schiesslärms. Auch in Pratteln hatte man dasselbe Problem. So beschloss man nach langenVerhandlungen, eine gemeinsame Anlage für Birsfelden, Muttenz und Pratteln zu bauen. 1956 errichtete man die Gemeinschaftsschiessanlage Lachmatt.

Weitere Einzelheiten zum Feuer frei! Neuzeitliche Schützenscheiben aus Muttenz und Vom Breiteweg zur Lachmatt oder das Schiesswesen und die Gemeindeversammlung

Helen Liebendörfer und Hanspeter Meier in Zusammenarbeit mit den Museen Muttenz

 

 

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