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Jauslin und Muttenz

Der Spruch, dass der Prophet im eigenen Vaterlande nichts gelte, trifft für Karl Jauslin nicht zu. In Muttenz genoss er grosses Ansehen. Das hatte er sich sowohl durch seine Persönlichkeit als auch durch seine Arbeiten erworben. Zu Jauslins Lebzeiten war allerdings nur ein Bruchteil seines Werkes der Muttenzer Bevölkerung bekannt geworden. Hingegen wusste man, welch überaus entbehrungsreichen Weg der Künstler zurückgelegt hatte, bis er 1886 dank seines Fleisses und Talents mit den Seinen ein Häuschen an der Burggasse beziehen konnte(1).

Dort lebte Jauslin in äusserster Disziplin ganz seiner Arbeit. Doch an Samstagabenden kehrte er jeweils in seinem Muttenzer Stammlokal, der «Bierhalle», ein. Für diese im altdeutschen Stil möblierte Wirtschaft sowie für den grossen Saal des «Bären» hatte Jauslin passende Gemälde gemalt.

Mit einigen anderen Honoratioren aus Muttenz und Pratteln gehörte Jauslin der sogenannten Mittwochsgesellschaft an, deren Aktivitäten sich wahrscheinlich auf regelmässigen Gedankenaustausch beschränkten. Dem Turnverein und dem Männerchor war Jauslin besonders zugewandt und auf verschiedene Weise hilfreich, obwohl er weder Turner noch Sänger war. Auch gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Muttenzer Grütlivereins. Der um eine Generation jüngere Johannes Iselin (1875- 1945), ein ungemein scharfer Beobachter, charakterisierte Jauslin folgendermassen: Er «war ein zu gemütlicher Unterhaltung aufgelegter Gesellschafter, daneben immerhin leicht reizbar und etwas Sonderling. [...] Dass Jauslin in dem an bedeutenden Männern armen Muttenz der bedeutendste Bürger seiner Zeit war, braucht kaum gesagt zu werden.»(2)

Wie sehr der «Kunstmaler Jauslin» auch von den Muttenzern verehrt wurde, zeigte sich an seinem 60. Geburtstag und noch eindrücklicher an dessen Beerdigung. Noch nie hatte das Dorf einen solch langen Leichenzug erlebt. Dem Schöpfer der «Bilder aus der Schweizergeschichte» wurde später (1942) innerhalb der Ringmauer von St. Arbogast ein Gedenkstein gesetzt. Und zum 75. Todestag weihte die Gemeinde einen weiteren Gedenkstein an jenem Orte ein, an welchem einst das Haus des Künstlers gestanden hatte.

1 Das Haus wurde 1953 abgerissen. Heute erinnert dort ein Gedenkstein an den berühmten Muttenzer Maler.
2 Johannes Iselin: Um die Jahrundertwende, Muttenzer Schriften 2, Muttenz 1988.