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Frauen in Muttenz

"Protokoll der Vormundschaftsbehörde vom 13. Oktober 1941:
«Mit Schreiben vom 6.d.M. stellt Frau G.-F. in Muttenz das Gesuch, ihren Sohn M. aus der Zwangserziehungsanstalt Tessenberg zu entlassen. Sie ist mit den Feldarbeiten stark in Rückstand (und) auf Hilfe ihres Sohnes dringend angewiesen. Sie selber sei zufolge Krankheit nicht in der Lage, alle vorkommenden Arbeiten selber zu besorgen. (…) Die beiden älteren Söhne befänden sich zurzeit im Militärdienst, sodass die ganze Last der landwirtschaftlichen Arbeiten ihr zufalle…».

Dem Gesuch wurde entsprochen mit dem Vorbehalt, dass die Erziehungsanstalt ihr Einverständnis gäbe, und zeitlich begrenzt auf die Herbstarbeiten.

Das Sorgen für die Familie und der Durchhaltewillen während des Krieges stellten hohe Ansprüche an die Frauen. Es förderte aber auch ihr Selbstbewusstsein. Man hatte sich nicht nur mit den Rationierungskarten herumzuschlagen, auch sonst  wirkte die Kriegswirtschaft tief in den familiären Alltag hinein: Höchstpreise wurden festgelegt, Richtlinien für den Gemüseanbau vorgegeben oder fleischlose Tage bestimmt. Der 2. Weltkrieg bedeutete andererseits auch einen Rückschlag für die Frauenbewegung, denn die leider auch in der Schweiz vorhandene faschistische Richtung war überzeugt, dass die Frau ins Haus gehöre und dem Manne dienen solle."

Helen Liebendörfer, Kapitel Muttenzer Frauen im 19. und 20. Jahrhundert, , S. 289

Und die Frauen?

Autorin: Yaël Debelle, Beobachter Nr. 18, August 2019

Die Briefe meiner Grosseltern während des Zweiten Weltkriegs zeigen: Der Aktivdienst machte die Schweizer Männer zu Helden und bremste die Emanzipation der Frauen. "So kam ich mir ganz klein und hässlich vor", schrieb meine Grossmutter.

Die Autorin, Journalistin und Historikerin aus Muttenz, schreibt über ihre Grosseltern Karl und Erika Lienhard, welche 1942 nach Muttenz gezogen sind.

 

 

 

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