aus dem Jahresbericht 2017, Archäoligie Baelland, S. 42-45

Örtliche Leitung und Bericht: Jan von Wartburg

Fasanenstrasse. ie dunklen Flecken der Brandschüttungsgräber sind deutlich im hellen Lehm zu erkennen. Blick gegen Süden.

Im Jahr 1954 wurden bei Kanalisationsarbeiten an der Muttenzer Fasanenstrasse ein schlecht erhaltenes Skelett und ein Tongefäss gefunden, das sich als Urne eines römischen Brandgrabs entpuppte. Zur Römerzeit gab es sowohl die Körper- wie
auch die Brandbestattung. In letzterem Fall wurde der Verstorbene meist auf dem Brandplatz, der Ustrina, nahe des späteren Bestattungsplatzes auf einem Scheiterhaufen eingeäschert. Aus der Asche des Brandes wurden die Knochenreste des Toten, der sogenannte Leichenbrand, ausgelesen und bestattet. Geschah dies in einer einfachen Grube, spricht man von einem Brandschüttungsgrube. Manchmal wurde der Leichenbrand aber auch in eine Ton- oder Glasurne gefüllt und diese im Boden vergraben.

Nachbildung eines Scheiterhaufens für eine römische Brandbestattung (Amt für Archäologie Freiburg)

Aufgrund der Funde von 1954 wurden die Aushubarbeiten für den Bau mehrerer Gebäude direkt östlich der Fasanenstrasse eng durch die Archäologie Baselland begleitet – mit Erfolg: In der Südwestecke der Baugrube entdeckte Simone
Kiefer dunkle Flecken im hellen Lehm, die das Grabungsteam anschliessend archäologisch untersuchte. Dabei wurden insgesamt fünf römische Brandschüttungsgräber dokumentiert und ausgegraben.

Beim Bergen der Grabverfüllungen kamen – nebst den Leichenbränden und viel Brandschutt – Reste von Beigaben zum Vorschein: unter anderem drei Münzen des 1. Jahrhunderts n. Chr. (Asse des Caligula und des Domitian), zehn Schuhnägel, ein Spielstein sowie diverse Fragmente von Glas- und Tongefässen.

Schnitt durch zwei benachbarte Brandschüttungsgräber. Die linke Verfüllung ist durch eine moderne Leitung senkrecht gekappt. Blick gegen Westen

Das älteste Grab datiert in frühflavische Zeit, um  70/80 n. Chr., und enthält neben Auftragsgeschirr einen wohl glasierten Becher mit Blumenapplike. Zwei Gräber datieren ans Ende des 1. oder an den Beginn des 2. Jahrhunderts. Das jüngste Grab enthält zahlreiche Keramik- und Glasgefässe und datiert in die Mitte des 2. Jahrhunderts. Ein Grab enthält kein datierbares Fundmaterial.

Das dunkle, lehmige Sediment mit den Knochenresten wurde komplett geborgen und im Anschluss an die Ausgrabung geschlämmt. Bei diesem Verfahren wird das Sediment in Wasser aufgelöst und die Suspension durch verschieden grosse Siebe geführt. So lassen sich auch kleineste Fragmente – beispielsweise Fischreste, verkohlte  Getreidekörner oder kleine Metallobjekte – erfassen.

Da in der Römerzeit die Erinnerung an die Verstorbenen einen hohen Stellenwert besass, wurden  Gräberfelder meist entlang viel begangener Wege angelegt. Auch wenn in der Umgebung bislang noch kein römischer Strassenverlauf nachgewiesen ist, erscheint die Möglichkeit eines nahen Verkehrswegs keineswegs abwegig: Die Fundstelle liegt nämlich zwischen den beiden römischen Gutshöfen ‹Feldreben› und ‹Brühl›, die 800 Meter nordwestlich respektive 400 Meter südöstlich liegen. Es ist gut denkbar, dass die Bewohner der beiden Gutshöfe entlang der Verbindungsstrasse bestattet wurden.

 

Die Brandgräber zeichnen sich als runde Flecken im Kies ab