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Landsitze der Herren von Augst

Augusta Raurica wurde zum neuen wirtschaftlichen und politischen Zentrum der Region. Hier liessen sich nicht nur Beamte und Veteranen der Armee, aus allen Reichsteilen kommend, nieder, sondern auch einheimische Handwerker, Gewerbetreibende und vor allem auch die tonangebende örtliche Oberschicht, die sich luxuriöse Stadtvillen leistete und wohl auch politisch das Sagen hatte. Der Wohlstand der Stadt basierte im Wesentlichen auf der landwirtschaftlichen Produktion ebendieser reichen Gutsherren. Dabei scheint im nördlichen Jura eine gewisse Spezialisierung auf Viehzucht und Fleischproduktion stattgefunden zu haben, wie die ungewöhnlich grosse Zahl an Räucheröfen in Augst zeigt. Schinken, Würste und Speck waren gemäss Marcus Terentius Varro (116 – 27 v. Chr.), einem grossen römischen Universalgelehrten, schon in der Keltenzeit wichtige gallische Exportgüter.

Grabungen 1957 im römischen Gutshof Feldreben. Die frühe Fotografie zeigt im Vordergrund
die Reste des Badetraktes. © museen.bl

Auch in Muttenz sind zahlreiche Siedlungsspuren dieser Zeit vorhanden, die eine hohe Besiedlungsdichte vermuten lassen. Etliche Gutshöfe (Villen) sind vorhanden und obschon deren Bild noch nicht zusammenhängend rekonstruierbar ist, steht fest, dass einige sehr bedeutend gewesen sein müssen, vergleichbar den grossen, repräsentativ ausgebauten Villen von Liestal-Munzach und Pratteln-Kästeli. Dies trifft etwa für die Villa ‹Feldreben› in der Rheinebene gegen Basel zu, eine ausgedehnte Anlage mit Badetrakt, beheizten Räumen, bemalten Wänden und qualitätvollen Kleinfunden. Ein weiterer römischer Gutshof zeichnet sich im ‹Brühl› ab. Dieser könnte sich aus der etwas weiter westlich gelegenen keltischen Siedlung am Fusse der Rütihard heraus entwickelt haben. Rund 800 m südöstlich des Gutshofes im Brühl kamen weitere römerzeitliche Siedlungsreste bei Grabungen in und um die Kirche St. Arbogast zutage. Aufgrund der Distanz ist hier wohl mit einem dritten Gutshof zu rechnen. Weitere Fundstellen am Fusse des Wartenbergs (Hintere Bitzenen, Löhli) oder in der Lachmatt, an der Grenze zu Pratteln, zeigen an, dass sogar noch mit weiteren, noch weitgehend unbekannten Siedlungsplätzen zu rechnen ist.

Funde aus dem Frühmittelalter (7. Jahrhundert n. Chr.). Aufsicht und Querschnitt einer bronzenen Zierscheibe aus dem Areal des römischen Gutshofes Brühl. © museen.bl