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Bürgerkrieg und Alemannen

Ein weiteres einschneidendes Ereignis war der Bürgerkrieg von 350–353 n. Chr., in dessen Folge wiederum Alamannen über den Rhein in das Gebiet einfielen. Das mittlerweile stark befestigte castrum von Kaiseraugst wurde damals zerstört, der berühmte Kaiseraugster Silberschatz dabei versteckt. Auch für viele Gutshöfe im Hinterland bedeutete dieser Krieg das Ende. Sie wurden aufgegeben oder blieben nur noch so schwach besiedelt, dass dies archäologisch nicht mehr nachweisbar ist. Aus den Villen Feldreben und Brühl sind bisher keine Münzen bekannt, die nach dieser Zeit geprägt worden wären. Die Besiedlung wird dennoch nicht vollständig abgebrochen sein: Aus den Grabungen der Kirche stammt eine Münze des römischen Kaisers Valentinian I. (364 – 375) oder Gratian (375 – 383), die beweist, dass zumindest dieser dritte Gutshof den Bürgerkrieg überlebt hat. Dass die erste Muttenzer Kirche rund 350 Jahre später just über diesem Gutshof erbaut wurde, ist ein weiteres Indiz für eine Siedlungskontinuität. Aus dem Areal der Villa Brühl stammt zudem eine frühmittelalterliche Zierscheibe, die belegt, dass auch dieses Gelände später begangen blieb. Und nicht zuletzt gehört Muttenz aufgrund seines vorgermanischen Namens zu den Siedlungsräumen, die bis ins frühe Mittelalter von einer Spätlatein sprechenden gallorömischen Bevölkerung besiedelt blieben.

Die spätrömische Warte am Rhein (Auhard), ausgegraben und restauriert 1975.
Die römischen Strategen versuchten im späten 4. Jahrhundert nochmals, die Rheingrenze
gegen die Alamannen mit einer dichten Kette von Wachttürmen zu sichern. Die Warte
in der Auhard gehört in dieses Verteidigungsdispositiv. © museen.bl

Text: Elisabeth und Reto Marti, Muttenz zu Beginn des neuen Jahrtausends, 2009, S. 238-240