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Aus dem Jahresbericht 2010 der Archäologie Baselland, S. 30 ff:
"Zwei aktuelle Bauprojekte im Bereich der Villa Brühl lösten im Berichtsjahr weitere Notgrabungen aus. Im Juni wurde am Brühlweg 71 für den Bau eines Einfamilienhauses eine rund 200 m2 grosse Fläche geöffnet. Die Überraschung war gross, als unmittelbar unter dem Humus Teile der bereits früher untersuchten Fundamente zum Vorschein kamen: Sie waren aufgrund der alten Einmessung zehn Meter weiter östlich erwartet worden!

Überblick über die Grabung. Rechts die bereits seit langem bekannten, aber erst jetzt genau lokalisierbaren Fundamentreste des grösseren, mehrräumigen Baus, links die neu entdeckten Mauern eines Nebengebäudes.
Bild aus Jahresbericht 2010 der Archäologie Baselland

Schnitt durch ein Fundament des Nebengebäudes. Es besteht aus in die Grube geschütteten Kieseln.
Bild aus Jahresbericht 2010 der Archäologie Baselland

Die sofort eingeleitete Grabung förderte nebst den östlichsten Abschnitten des bereits bekannten Gebäudes Fundamentreste eines Nebengebäudes zu Tage. Zugehörige intakte Kulturschichten waren indes kaum mehr erhalten. Das Fundmaterial besteht vor allem aus römischen Ziegelfragmenten, gefolgt von Keramikscherben und Tierknochen. Aber auch einige bemerkenwerte Metallobjekte kamen zum Vorschein, etwa eine frühe Fibel vom Typ «Langton-Down» oder der mondförmige Griff einer Öllampe aus Buntmetall.

Die Gewandschliesse vom Typ «Langton-Down» ist typisch für die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. (links). Mondförmiger Griff einer bronzenen Öllampe, Durchmesser maximal 5 Zentimeter (rechts).
Bilder aus Jahresbericht 2010 der Archäologie Baselland

Wichtig für die künftige Auswertung könnte eine constantinische Münze (AE4, Imitation, geprägt für Rom, ca. 330–340 n. Chr.) werden: Sie lag im Bereich der Fundamentsteine des Nebengebäudes. Wenn sie tatsächlich bei dessen Errichtung in den Boden gelangte, wäre dies ein Beweis, dass dieses Gebäude erst in spätrömischer Zeit, um die Mitte des 4. Jahrhunderts, errichtet worden war. Allerdings fehlen weitere Funde, die eine Benutzung der Anlage im 4. Jahrhundert belegen würden.

Übersichtsplan der Grabung
aus Jahresbericht 2010 der Archäologie Baselland

Eine zweite, grössere Grabung folgte direkt im Anschluss in der Nachbarsparzelle am Brühlweg 73. Im Juli und August wurden dort, vorgängig zu einem Bauprojekt, rund 860 m2 untersucht. Die Befunde sind in diesem Bereich indes schwieriger zu interpretieren als in der vorangegangenen Ausgrabung.

Überreste der Pflästerung (links). Die Ziegelschuttschicht ist im Profil gut erkennbar (rechts).
Bilder aus Jahresbericht 2010 der Archäologie Baselland

Mit Ausnahme zweier in einem Leitungsgraben angeschnittener Fundamente des bereits bekannten Gebäudes kamen keine Mauern mehr zum Vorschein. Lediglich eine Anhäufung von Kalkbruchsteinen und Geröllen könnte als spärlicher Überrest einer Mauer gedeutet werden."

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