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Auf dem Wartenberg zeugen drei Burganlagen von der Bedeutung des Platzes im Mittelalter. Leider haben Ausräumungen und Renovationsarbeiten in früheren Zeiten die baugeschichtlichen Zusammenhänge dieser Anlagen aber weitgehend verwischt.

Vordere Burg


um 1860, © Museen Muttenz

um 1860, © Museen Muttenz

Rekonstruktionsversuch aus: Muttenz, Wartenberg: die drei Burgen in necuem Licht, Jahresbericht Archäologie Baselland 2015, S. 156 ff.

Teile der Vorderen Burg auf der Ost- und Nordseite sind durch eine neuzeitliche Steinbruchtätigkeit zerstört worden. Während des Zweiten Weltkrieges diente die Burg als Beobachtungsposten und wurde dafür auch baulich verändert:
Man richtete im Bergfried ein unterirdisches Unterkunftslokal ein und setzte die vorhandene Zisterne wieder instand. Immerhin gelangten die dabei entdeckten Funde ins Kantonsmuseum nach Liestal und ermöglichen – zusammen mit Funden aus den Grabungen von Ernst Kull in den 1960er- Jahren – eine grobe Beurteilung der Anlage. Die Burg war nach Südwesten durch einen Halsgraben und einen quadratischen Eckturm gesichert. Die Ringmauer ist auf der Ostseite am besten erhalten und dort mehrfach abgewinkelt. Unterschiede in der Mauerstruktur und -stärke lassen auf mehrere Bauphasen schliessen: So datiert der mittlere Abschnitt mit durchgehendem Bossenquaderverband vermutlich ins späte 12. Jahrhundert, der obere wohl ins 13. Jahrhundert. Der Zugang zur Anlage ist unklar. Im mittleren Abschnitt befindet sich eine erhöhte Türöffnung, die man als Hocheingang interpretieren könnte. Zwei im Osten und Nordosten an die Ringmauer anlehnende, annähernd quadratische Türme sind vermutlich älter als diese. Im Zentrum der Anlage befindet sich die kreisrunde Filterzisterne. Im Norden sind unklare Reste mehrerer Innenbauten vorhanden. Der Fund von Säulenteilen und zwei figürlich verzierten Kapitellen lässt die Qualität der ursprünglichen Ausstattung zumindest erahnen.

Eines der figürlich verzierten Säulenkapitelle vom Vorderen Wartenberg

© museen.bl

 

Die Gründung der Anlage erfolgte spätestens im ausgehenden 10. Jahrhundert. Wie oben erörtert, könnte die erste Burg einen älteren, frühmittelalterlichen Herrensitz abgelöst haben. Die Blütezeit lag im 12./13. Jahrhundert. Ob die durch den Wechsel im Mauerwerk erkennbare grosse Flickstelle in der östlichen Ringmauer eine Reparatur von Schäden durch das grosse Basler Erdbeben von 1356 darstellt, ist ungewiss. Funde ab dem 14. Jahrhundert sind spärlich und beinhalten keine Ofenkeramik mehr. Offenbar hat man die Anlage seit dieser Zeit nicht mehr modernisiert. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde sie vollends aufgegeben.


 

Mittlere Burg

um 1860, © Museen Muttenz

Rekonstruktionsversuch aus: Muttenz, Wartenberg: die drei Burgen in necuem Licht, Jahresbericht Archäologie Baselland 2015, S. 156 ff.

Von der mittleren Burg, einem mächtigen, mindestens viergeschossigen Donjon von 14,5 x 13 Meter, sind infolge der vollständigen Ausräumung und starken Restaurierung kaum mehr originale Partien der Anlage zu erkennen. Der originale Baubestand ist durch alte Fotografien und Pläne teilweise rekonstruierbar. Auf der Nordseite des obersten Geschosses befand sich ursprünglich ein Hocheingang, dessen Lage durch Balkenlöcher, die den Verlauf einer Aussentreppe anzeigen, und durch eine Steinkonsole zum Anbringen eines Vordaches gesichert ist. Im zweiten Geschoss befinden sich Reste eines Kamins und einer Ofennische. Auf der Westseite des vierten Geschosses zeigen Balkenlöcher eine Laube an. Ursprünglich war vielleicht ein zinnenbekränzter Wehrgang vorhanden. Die spätromanischen Gewände und kapitellverzierten Fenstereinfassungen sind anhand von Werkstückfragmenten aus dem Mauerschutt rekonstruiert. Unklar ist, ob die im Mauerwerk sichtbaren vertikalen Risse eine Folge des grossen Basler Erdbebens von 1356 sind.

Die im Rahmen der Grabungsarbeiten 1932/34 unsystematisch geborgenen Funde datieren vom 13. – 15. Jahrhundert. Aufgrund der Bauweise und der Bauplastik dürfte die Anlage im späten 12. Jahrhundert, also wohl unter den Grafen von Homberg errichtet worden sein. Die Burg findet seit dem frühen 14. Jahrhundert urkundliche Erwähnungen. Sie gehört dabei stets zum Güterkomplex Dinghof Muttenz/Vorderer Wartenberg. Werner Meyer vermutet aufgrund der repräsentativen Form und Ausstattung, dass die mittlere Burg Privatsitz der Grafen von Homberg war. Auch sie wurde nach den überlieferten Funden zu urteilen im 15. Jahrhundert aufgegeben. Im Dreissigjährigen Krieg diente sie zeitweilig als Unterkunft für baslerische Truppen.


Hintere Burg

um 1860, © Museen Muttenz

Rekonstruktionsversuch aus: Muttenz, Wartenberg: die drei Burgen in necuem Licht, Jahresbericht Archäologie Baselland 2015, S. 156 ff.

Die hintere Burg befindet sich am südlichen Spornende des Wartenbergs. Eine Ringmauer, ein leicht erhöhter Rundturm und ein Halsgraben im Norden schützen die Anlage. Am Südende des Innenhofs befindet sich ein ebenerdig zugängliches Gebäude, wohl der ursprüngliche Wohntrakt. Im Nordabschnitt der Ostmauer deuten drei Schmalscharten auf eine frühere, womöglich hölzerne Innenbebauung hin. Der heutige, rekonstruierte Zugang auf der Ostseite befindet sich an der Stelle einer alten Mauerbresche, die schon auf der Darstellung von Emanuel Büchel zu sehen ist. Die unsystematisch geborgenen Keramikfunde, die vom Hinteren Wartenberg stammen sollen, datieren ins 12. bis beginnende 14. Jahrhundert.

Zur Geschichte der Besitzer der Wartenbergburgen liegen erst ab etwa 1300 direkte schriftliche Quellen vor. Für die vordere Burg kann angenommen werden, dass sie im 11. Jahrhundert im Lehen der Grafen von Homberg war, da um 1300 die daraus hervorgegangene frohburgische Linie Neu-Homberg alle drei Burgen auf dem Wartenberg besass. Die Lehenshoheit lag jedoch beim Bistum Strassburg, wie eine Quelle von 1325 klarstellt. Ob dies bedeutet, dass eine wie auch immer gestaltete Burg Wartenberg – wie vermutlich der Dinghof im Dorf (s. oben) – in frühmittelalterliche Zeit zurückgeht, bleibt offen. 1301 verliehen die Neu-Homberger die vordere und die mittlere Burg zusammen mit dem Dinghof von Muttenz als Lehen an die Basler Bürger zer Sunnen, die sich schon zuvor als Gläubiger des Bischofs von Basel hervorgetan hatten. Hinter dem Handel steckten die Stadt und der Bischof von Basel, die sich auf diese Weise ihren Teil an der Kontrolle des Basler Hinterlandes zu sichern suchten. Nach dem Tode des letzten Grafen von Neu-Homberg (Werner III.) fielen die Wartenberg-Burgen an den Bischof von Strassburg zurück, der damit Herzog Leopold von Österreich und seine Brüder belehnte, die sich diese Rechte schon 1306 per Kauf gesichert hatten. Die Herzöge wiederum verliehen sie an Graf Johans von Habsburg-Laufenburg, der seinerseits die Rechte der zer Sunnen an der vorderen und mittleren Burg bestehen liess. Die beiden Anlagen blieben letztlich also unter der Kontrolle von Basel. 1373/76 gingen diese Rechte an die Münch von Münchenstein über. Diese verpfändeten (1470) und veräusserten (1515/17) den Güterkomplex schliesslich mitsamt dem alten Dinghof – mit Zustimmung Österreichs – an die Stadt Basel. Der Vordere Wartenberg scheint aber schon damals verlassen und dem Zerfall preisgegeben worden zu sein.

Die Gründung der hinteren Burg erfolgte ebenfalls noch unter den Alt-Hombergern. Sie war wohl Sitz hombergischer, dann frohburgischer beziehungsweise neu-hombergischer Dienstleute. So nannten sich Peter und Konrad von Eptingen 1296 nach dem Wartenberg.

Werner Meyer vermutet, dass sie die hintere Burg als Lehen hielten, zunächst auch noch nach dem Übergang an Habsburg-Laufenburg. 1379 gelangte der Besitz mit den zugehörigen (bescheidenen) Gütern und Einkünften an Petermann Sevogel, belehnt von Österreich als Rechtsnachfolger der Habsburg-Laufenburger. Die Burg dürfte noch im 15. Jahrhundert unter den Sevogel als nicht mehr zeitgemässer Wohnsitz aufgegeben worden sein. Bequemere Landsitze im Tal – wie etwa das Pratteler Schloss – rückten in den Vordergrund des Interesses.


Das Basler Erdbeben von 1356

Schwerpunkt: Das Basler Erdbeben von 1356 Am 18. Oktober, dem Lukastag des Jahres 1356, erschütterten mehrere gewaltige Erdstösse vom Nachmittag bis tief in die Nacht die Region um Basel. Dieses Erdbeben mit Epizentrum unter Reinach führte in einem Umkreis von rund 50 km zu Schäden an Bauwerken, darunter auch Burgen. Der erste, der diesbezüglich konkret wird, ist der Strassburger Chronist Fritsche Closener, der um 1360 von Zerstörungen an 60 Burgen spricht, ohne diese einzeln zu nennen. Darunter befinden sich aber mit Sicherheit auch die Burgen auf dem Wartenberg, wie etwas spätere Quellen mit detaillierten Listen belegen: So zählt Eberhard Müller 1380 unter den vom Erdbeben in Mitleidenschaft gezogenen Burgen auch die Wartenbergburgen auf – «dry vestin hiessent warttenberg» – und auch die Sächsische Weltchronik um 1400 nennt explizit «drü Wartenberg ». Ob die in den Abbildung gezeigten Flickstellen und Risse im Mauerwerk Folgen des Erdbebens sind, ist schwierig zu beurteilen. Zu beweisen wäre dies nur durch eine Datierung von Reparaturarbeiten am Mauerwerk, wie dies neuerdings für die Burg Birseck glückte. Dort konnten Baumassnahmen dank der Jahrring-Datierung von Bauhölzern mit Reparaturen nach dem Erdbeben in Zusammenhang gebracht werden.

Das Erdbeben von Basel könnte auch die tiefen
Risse verursacht haben, die im Mauerwerk des Mittleren
Wartenbergs zu sehen sind. © Museen Muttenz

 

In der östlichen Ringmauer des Vorderen Wartenbergs findet sich ein markanter
Wechsel in der Mauerstruktur. Schon Emanuel Büchel ist an dieser Stelle ein tiefer Mauerriss
aufgefallen. Das kleinteilige Mauerwerk auf der rechten Seite könnte auf eine Reparatur nach dem Erdbeben
von 1356 zurückgehen. Die Flickstelle im oberen Bereich ist modern.

© museen.bl

 


 

Vorderer Wartenberg: Restaurierung

Text: Elisabeth und Reto Marti, Muttenz zu Beginn des neuen Jahrtausends, S. 242-246

Die drei Burgen auf dem Wartenberg bei Muttenz, Flyer zu Fundstellen, Archäologie Baselland

Infotafeln als pdf: Hinterer Wartenberg, Mittlerer Wartenberg, Vorderer Wartenberg, Archäologie Baselland

Muttenz, Wartenberg: die drei Burgen in necuem Licht, Jahresbericht Archäologie Baselland 2015, S. 156 ff.