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Mittlere Burg

um 1860, © Museen Muttenz

Rekonstruktionsversuch aus: Muttenz, Wartenberg: die drei Burgen in necuem Licht, Jahresbericht Archäologie Baselland 2015, S. 156 ff.

Von der mittleren Burg, einem mächtigen, mindestens viergeschossigen Donjon von 14,5 x 13 Meter, sind infolge der vollständigen Ausräumung und starken Restaurierung kaum mehr originale Partien der Anlage zu erkennen. Der originale Baubestand ist durch alte Fotografien und Pläne teilweise rekonstruierbar. Auf der Nordseite des obersten Geschosses befand sich ursprünglich ein Hocheingang, dessen Lage durch Balkenlöcher, die den Verlauf einer Aussentreppe anzeigen, und durch eine Steinkonsole zum Anbringen eines Vordaches gesichert ist. Im zweiten Geschoss befinden sich Reste eines Kamins und einer Ofennische. Auf der Westseite des vierten Geschosses zeigen Balkenlöcher eine Laube an. Ursprünglich war vielleicht ein zinnenbekränzter Wehrgang vorhanden. Die spätromanischen Gewände und kapitellverzierten Fenstereinfassungen sind anhand von Werkstückfragmenten aus dem Mauerschutt rekonstruiert. Unklar ist, ob die im Mauerwerk sichtbaren vertikalen Risse eine Folge des grossen Basler Erdbebens von 1356 sind.

Die im Rahmen der Grabungsarbeiten 1932/34 unsystematisch geborgenen Funde datieren vom 13. – 15. Jahrhundert. Aufgrund der Bauweise und der Bauplastik dürfte die Anlage im späten 12. Jahrhundert, also wohl unter den Grafen von Homberg errichtet worden sein. Die Burg findet seit dem frühen 14. Jahrhundert urkundliche Erwähnungen. Sie gehört dabei stets zum Güterkomplex Dinghof Muttenz/Vorderer Wartenberg. Werner Meyer vermutet aufgrund der repräsentativen Form und Ausstattung, dass die mittlere Burg Privatsitz der Grafen von Homberg war. Auch sie wurde nach den überlieferten Funden zu urteilen im 15. Jahrhundert aufgegeben. Im Dreissigjährigen Krieg diente sie zeitweilig als Unterkunft für baslerische Truppen.