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Hintere Burg

um 1860, © Museen Muttenz

Rekonstruktionsversuch aus: Muttenz, Wartenberg: die drei Burgen in necuem Licht, Jahresbericht Archäologie Baselland 2015, S. 156 ff.

Die hintere Burg befindet sich am südlichen Spornende des Wartenbergs. Eine Ringmauer, ein leicht erhöhter Rundturm und ein Halsgraben im Norden schützen die Anlage. Am Südende des Innenhofs befindet sich ein ebenerdig zugängliches Gebäude, wohl der ursprüngliche Wohntrakt. Im Nordabschnitt der Ostmauer deuten drei Schmalscharten auf eine frühere, womöglich hölzerne Innenbebauung hin. Der heutige, rekonstruierte Zugang auf der Ostseite befindet sich an der Stelle einer alten Mauerbresche, die schon auf der Darstellung von Emanuel Büchel zu sehen ist. Die unsystematisch geborgenen Keramikfunde, die vom Hinteren Wartenberg stammen sollen, datieren ins 12. bis beginnende 14. Jahrhundert.

Zur Geschichte der Besitzer der Wartenbergburgen liegen erst ab etwa 1300 direkte schriftliche Quellen vor. Für die vordere Burg kann angenommen werden, dass sie im 11. Jahrhundert im Lehen der Grafen von Homberg war, da um 1300 die daraus hervorgegangene frohburgische Linie Neu-Homberg alle drei Burgen auf dem Wartenberg besass. Die Lehenshoheit lag jedoch beim Bistum Strassburg, wie eine Quelle von 1325 klarstellt. Ob dies bedeutet, dass eine wie auch immer gestaltete Burg Wartenberg – wie vermutlich der Dinghof im Dorf (s. oben) – in frühmittelalterliche Zeit zurückgeht, bleibt offen. 1301 verliehen die Neu-Homberger die vordere und die mittlere Burg zusammen mit dem Dinghof von Muttenz als Lehen an die Basler Bürger zer Sunnen, die sich schon zuvor als Gläubiger des Bischofs von Basel hervorgetan hatten. Hinter dem Handel steckten die Stadt und der Bischof von Basel, die sich auf diese Weise ihren Teil an der Kontrolle des Basler Hinterlandes zu sichern suchten. Nach dem Tode des letzten Grafen von Neu-Homberg (Werner III.) fielen die Wartenberg-Burgen an den Bischof von Strassburg zurück, der damit Herzog Leopold von Österreich und seine Brüder belehnte, die sich diese Rechte schon 1306 per Kauf gesichert hatten. Die Herzöge wiederum verliehen sie an Graf Johans von Habsburg-Laufenburg, der seinerseits die Rechte der zer Sunnen an der vorderen und mittleren Burg bestehen liess. Die beiden Anlagen blieben letztlich also unter der Kontrolle von Basel. 1373/76 gingen diese Rechte an die Münch von Münchenstein über. Diese verpfändeten (1470) und veräusserten (1515/17) den Güterkomplex schliesslich mitsamt dem alten Dinghof – mit Zustimmung Österreichs – an die Stadt Basel. Der Vordere Wartenberg scheint aber schon damals verlassen und dem Zerfall preisgegeben worden zu sein.

Die Gründung der hinteren Burg erfolgte ebenfalls noch unter den Alt-Hombergern. Sie war wohl Sitz hombergischer, dann frohburgischer beziehungsweise neu-hombergischer Dienstleute. So nannten sich Peter und Konrad von Eptingen 1296 nach dem Wartenberg.

Werner Meyer vermutet, dass sie die hintere Burg als Lehen hielten, zunächst auch noch nach dem Übergang an Habsburg-Laufenburg. 1379 gelangte der Besitz mit den zugehörigen (bescheidenen) Gütern und Einkünften an Petermann Sevogel, belehnt von Österreich als Rechtsnachfolger der Habsburg-Laufenburger. Die Burg dürfte noch im 15. Jahrhundert unter den Sevogel als nicht mehr zeitgemässer Wohnsitz aufgegeben worden sein. Bequemere Landsitze im Tal – wie etwa das Pratteler Schloss – rückten in den Vordergrund des Interesses.