Wenn wir in den Nachrichten und Tageszeitungen über Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Erdrutsche hören und lesen, bewegen uns diese schrecklichen Bilder zutiefst. Trotzdem können wir die Auswirkungen solcher Naturphänomene vielfach nicht richtig fassen, weil sie oft in weiter Ferne stattfinden und wir nur über die Medien darüber informiert werden. Dieser Sachverhalt wird einem erst dann richtig bewusst, wenn die eigene Region von einer Naturkatastrophe heimgesucht wird. Dies werden wohl viele Muttenzer Einwohner am 7. April 1952 gedacht haben, als plötzlich die Erde am Südwestabhang des Wartenbergs zu rutschen begann. Die BaZ schreibt in ihrem Rückblick zum vor 50 Jahren erfolgten Erdrutsch:
«Beeindruckend waren die Dimensionen allemal. Der ganze Wartenberg-Südwesthang auf einer Breite von 300 Metern geriet ins Rutschen, aber sozusagen in Raten. Es begann am Wochenende vor Ostern mit Vorwarnungen in Form von berstenden Wasserleitungen. Dann folgten am Montag erste Bewegungen, begleitet von unterirdischem Grollen; der Hallenweg, der zweitoberste am Wartenberg, sank um einen halben Meter ein…. So richtig los ging es aber erst am Tag nach den Wasserleitungsbrüchen, und zwar ungefähr zwischen dem Hallenweg und der etwa 300 Meter weiter unten gelegenen Weinberggasse und weiter
bis hinunter zum Talboden mit dem Weiher. Die Intensität und Ausdehnung der Bewegungen nahmen immer zu, zeitweise erreichte die Geschwindigkeit bis zu 3 Metern pro Stunde…. Strassen und Wege im Rutschgebiet versanken, wurden verschoben, ein Wohn- und ein Weekendhaus stark beschädigt. Selbst ein Betonbunker konnte der unheimlichen Wucht nicht standhalten….»

Basler Zeitung: Das Rutschgebiet gleicht einem Gletscher. Nr. 80. Basel 2002. S. 36.

Augenzeuge Albert Müller berichtet im Muttenzer Anzeiger 1992 über den Erdrutsch am Wartenberg:
«I ha am Präsident und dr Bauverwaltig brichtet, sogar d’Fürwehr het müese cho zum Abschpere. Me het gseh, dass es grosses Gländ in Bewegig isch, sogar
s’Doppelwohnhuus het sich afo bewege. Es hei sich immer meh und grösseri Riss im Hus und au im Gländ bildet. Dr Bunker het sich afo abdreie…. Am Nomitag het dr Gmeindrot dr Führwehr dr Uftrag ge, s’Doppelhus vollständig use zrume und am andere Nomittag isch s’Hus vollständig inenand ine gschtürzt.»

Muttenzer Anzeiger: Augenzeuge Albert Müller berichtet. Nr. 15.
Muttenz 1992

Zwei Tage, vom 7. bis am 9. April 1954, dauerte dieser Erdrutsch und brachte Angst und Verunsicherung in die Bevölkerung. Was wäre wohl passiert, wenn die Erde weiter westlich gerutscht wäre? Dieses Szenario hätte fatale Folgen gehabt: Ein Teil des Siedlungsgebiets wäre abgerutscht und hätte eine noch grössere Schneise der Verwüstung hinterlassen. Die Ausmasse waren schon so beachtlich: Die Fläche des gesamten Rutschgebietes betrug circa 480 Aren. Die Rutschmasse hatte ein Volumen von etwa 300 000 m3 und war durchschnittlich 7,2 m hoch. Der Schaden wurde damals auf 84 483 Franken beziffert,
was für die damalige Zeit viel Geld war.

Ursachen des Erdrutsches

Als einer der auslösenden Faktoren des Erdrutsches wurden starke Niederschläge, welche bereits im Juli 1951 begannen, angenommen. Durch diese grosse Menge an Feuchtigkeit wurden die lehmartigen Tonschichten aufgeweicht, auf denen nun die Oberschicht (Kalksteinablagerungen) ins Rutschen kam. Als weitere Ursachen dürfte die Umwandlung des ursprünglichen Waldgebietes in Kulturland (Rebberg) und der Abbau des Gehängeschutts (Alte Grube) angesehen werden. Dadurch wurden das Wasserregime und die Stabilität des Hanges negativ beeinflusst.
Die summierende Wirkung all dieser Faktoren führte schliesslich am 7. April 1952 zum Erdrutsch.

«Der Wartenberg als heikler Hang»

«Der Wartenberg ist kein ruhiges und kein unbedenkliches Gebiet», sagte der ehemalige Bauverwalter von Muttenz Urs Wiedmer. Dass einige Gebiete des Wartenbergs rutschgefährdet sind, weiss man schon lange. Auch ein weiterer grosser Erdrutsch kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Inzwischen sind einige Sicherungsmassnahmen getroffen worden:

  • Viele Bauten sind mit massiven Verankerungen gesichert worden.
  • Um das Regenwasser nach starken Regenfällen abzuleiten, wurden Drainagerohre verlegt.
  • Um das Abgleiten von Humus zu verhindern, werden gefährdete Gebiete bepflanzt. Die Wurzeln geben dem Boden Halt.

aus: Muttenz zu Beginn des neuen Jahrtausends, 2009, S. 17-18, Daniel Raaflaub