Am 11. November 2014 brach im Bereich des ehemaligen Primarschulhauses Hinterzweien bei Bauarbeiten eine Doline ein und hinterliess ein beträchtliches Loch.

Es handelt sich um eine sog. Einsturzdoline.

 

Doline Schulhaus Hinterzweien, Aufnahme vom 19.12.2014, Foto: Projektleiter Hochbauamt, Bau- und Umweltschutzdirektion Basel-Landschaft

 

Mitte März 2015 ist Doline abgedeckt. Die Sanierungsarbeiten am ehemaligen Primarschultrakt Hinterzweien sind vorerst eingestellt, bis entschieden ist, was mit diesem Einbruch passiert.
Foto: Projektleiter Hochbauamt, Bau- und Umweltschutzdirektion Basel-Landschaft   Foto: Hanspeter Meier, Muttenz

Dolinen in Muttenz

Bohrungen im Bereich des Schulhauses Hinterzweien zeigen, dass bis in eine Tiefe von 14 bis 19 m Niederterrassenschotter liegen. Darunter folgt die oberste Schicht des Muschelkalkes, der Trigonodumusdolomit. (Quelle: Geologische Karte auf geoview.bl.ch). Der Muschelkalk wurde gelöst und es entstand ein Hohlraum (=Karst). Durch das Grösserwerden des Hohlraumes und/oder Druckzunahme von oben brach der Hohlraum (teilweise?) ein und das darüberliegende Material stürzte nach. Wie man aus den Karten unten entnehmen kann, besteht in Muttenz durchaus ein Risko für weitere Einstürze bzw. Senkungen.

Karte mit Hinweisen auf unterirdische Karstprozesse, aus: Huggenberger et al.: Geologische Grundlagen für die quantitative Erdbebenmikrozonierung - Teilprojekt Schweiz, 2006, S. 30 (pdf)

Weitere Dolinen in Muttenz: RothallenweiherLachmatt

 

Gefahrenhinweiskarte Naturgefahren, im Kanton Basel-Landschaft, Kurzbericht, Dezember 2005  

 

Einsturz (Dolinen)
Dolinen (Einsturztrichter) sind Ausdruck einer spontanen oder kontinuierlichen Absenkung der Geländeoberfläche in folge des Nachbruches unterirdischer Lösungshohlräume (Karst) . Die Hohlräume ihrerseits sind das Produkt langfristiger Lösung vergleichsweise leicht löslicher, gesteinsbildender Minerale wie Calcit, Dolomit, Gips oder Steinsalz durch zirkulierendes Sicker- und Grundwasser (Subrosion). Entsprechend sind Einstürze bzw. Absenkungen auf die Verbreitungsgebiete verkarstungsfähiger Gesteine beschränkt. Die Schadenwirkung ergibt sich durch Einstürze und Absenkungen und betrifft insbesondere Gebäude und Infrastruktur.

Auszug dem Kurzbericht Naturgefahren

"Soweit überhaupt dokumentiert liegen Dolinen i.e.S als Ausdruck spontaner Einstürze in Gebieten, wo die verkarstungsfähigen Festgesteine lediglich in geringer Mächtigkeit mit quartären Sedimenten bedeckt sind. Dabei treten besonders die im Blauengebiet und im südlich anschliessenden Laufener Becken an der Oberfläche anstehenden Kalke des Malm (Rauracien, Sequanien), sowie die im östlichen Kanonsteil häufiger oberflächlich vorkommenden Kalke des Oberen Muschelkalks sowie des Hauptrogenstein und die gipsführenden Mergel des Gipskeupers in Erscheinung. Im Bereich des Rheintales hingegen, wo der tiefere Untergrund beinahe flächendeckend von verkarstungsfähigen Gesteinen eingenommen wird, sind kaum Dolinen kartiert oder spontane Einstürze registriert. Die angesichts der mächtigen Überdeckung mit Schottern hier eher zu erwartenden flächenhaften, kontinuierlichen Absenkungen können entweder direkt beobachtet bzw. gemessen oder anhand der Morphologie der Schotterbasis bzw. Felsoberfläche rekonstruiert werden. Solche Absenkungen traten und treten v. a. im Gebiet Muttenz - Schweizerhalle auf."

 

Literatur

Noher, Hans Peter: Die Doline als Rechengrösse, Schweizer Ingenieur und Architekt, Band (Jahr): 114 (1996), Heft 18, ETH-Bibliothek