Rebekka Schifferle in Ischlöag, Jahresbericht 2010, Stiftung für Orts- und Flurnamenforschung Baselland, Mai 2011

Viele Geschichten des Reichtums, der Macht, des Verlusts bündeln sich um das Salz, das „Weisse Gold“. Auf den alten Handelsstrassen wurde es über weite Distanzen transportiert wie Silber, Bernstein, Seide oder Gewürze. Nur für edle oder besonders begehrte Waren wurden die Beschwernisse hingenommen, die ein solcher Transport mit sich brachte. Als am 30. Mai 1836 beim Muttenzer Rothaus an der Grenze zu Pratteln grosse Vorkommen genau dieses Guts entdeckt wurden, bedeutete das für den Kanton Basel-Landschaft und die ganze Schweiz einen Einschnitt.

Baselland war in dieser Sache fortan nicht mehr von der Stadt abhängig, was eine lange Kette von Auseinandersetzungen beendete. Dem jungen Kanton wurden grosse finanzielle Einnahmen beschert, die er dringend brauchen konnte, und wesentliche Impulse zur Industrialisierung gegeben. Und der Kanton verfügte nun über einen gesamtschweizerisch benötigten Rohstoff, der bisher hauptsächlich aus dem Ausland importiert werden musste.

Der erste „Goldgräber“, Carl Christian Friedrich Glenck, ein deutscher Bergbaufachmann, hat nach Salz, auch „Weisses Gold“ genannt, gegraben. Die erste Saline, Schweizer Hall genannt – Hall ist ein altes Wort für Salzwerk –, später Schweizerhalle, wurde eingerichtet. Mit den Gewinnen aus dem Salzverkauf konnte der Kanton rund 60 Jahre lang die Staatsausgaben decken. 1909 schlossen sich Schweizerhalle und die später in Kaiseraugst, Riburg und Rheinfelden entstandenen Salinen zu den Vereinigten Schweizerischen Rheinsalinen AG zusammen. Seit den 1970er Jahren wird auch weiter südlich von Schweizerhalle nach Salz gebohrt. So zum Beispiel im Gebiet Laahallen, Wartenberg, Zinggibrunn oder Sulz in Muttenz. Dort liegt das Salz in bis zu 400 m Tiefe, während es im Rheintal aus rund 150 m gewonnen werden kann. Da das Steinsalz von anderen Gesteinen durchsetzt ist, wird es nicht bergmännisch abgebaut, sondern ausgesolt. Von seiner grauen Farbe, die das Steinsalz in der Erde annimmt, leitet sich denn auch der Name Salz ab: sal ist ein indoeuropäisches Wort für ‚trübe’ oder ‚schmutzig’.

Was verraten die Orts- und Flurnamen über diesen grossen Schatz, den das Urmeer in dieser Gegend hinterlassen hat? Seit Glencks Entdeckung und der im grossen Stil betriebenen Salzgewinnung sind es natürlich die klar verweisenden Namen wie Schweizerhalle oder Salinenstrasse. Bevor man von diesen Salzlagern wusste, zeugten einzig die salzhaltigen Quellen an der Oberfläche von den Salzvorkommen unter Tag. Und zuweilen gaben sie einer Flur ihren Namen. Da gibt es zum Beispiel die Salzmatt in Duggingen, die als Wiese bei einer salzhaltigen Quelle zu deuten ist. Oder der nicht mehr gebräuchliche Giebenacher Flurname Bös Salz für ein Gebiet beim Zankholz, das heute zu Kaiseraugst gehört. Auch dort soll ein salzhaltiges Bächlein geflossen sein. Allerdings wurde auch einmal nach Salz gebohrt, lange vor Glencks Grabungen in Muttenz. Da man kaum fündig wurde, könnte der Name ebenso auf diesen mangelhaften Fund anspielen. Gleich ein ganzer Strauss von Namen sammelt sich um eine ehemalige Salzquelle in Muttenz im Gebiet Sulz. Da gibt es den Sulzchopf, die Sulzgasse, den Sulzhof, die Sulzsteingrube, der Sulzsteingrubenweg und den Sulzwald, da gab es den Saltzbrunnen, auch Salzquellen, den Sulzgasswald, die Sulzmatt, den Sulzrain und den Sulzweg. Das Wort Sulz ist eine Ableitung von Salz; es kann auch sulzigen, sumpfigen oder verschmutzten Boden benennen. Da in den frühesten Quellen ein Salzbrunnen im Gelände belegt ist, sind die Namen jedoch sehr wahrscheinlich auf diesen zurückzuführen.

Vorbei sind die Zeiten, wo man Salz als hart erarbeiteten Lohn oder erkämpften Sold nach Hause trug – das Wort Salär erinnert noch an diese Zahlungsweise. Aber „Weisses Gold“ ist es damals wie heute. Noch heute ist es ein Politikum, wie etwa die jüngsten Diskussionen um das Salzregal zeigen. In der Suppe brauchen wir es auch heute noch und zum Leben sowieso.

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