Das Muttenzer Wappen wurde für die Landesausstellung im Jahre 1939 geschaffen.



Für die „Landi“, die Schweizerische Landesausstellung von 1939 in Zürich, plante man unter dem Motto «Heimat und Volk» unter freiem Himmel eine Strasse, welche überdeckt werden sollte mit den Fahnen der rund 3000 Gemeinden der Schweiz und der Kantone.


Landesausstellung 1939 in Zürich, die sogenannte „Landi“ mit der Höhenstrasse und den Fahnen der Gemeinden der Schweiz
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Unbekannt / Ans_00771 / Public Domain Mark 

Viele Gemeinden mussten dafür extra ein eigenes Wappen schaffen, so auch Muttenz. Bis dahin hatten nämlich nur gerade sechs Baselbieter Gemeinden eigene Wappen: Liestal, Sissach, Binningen, Birsfelden, Lampenberg und Waldenburg.
Der Muttenzer Gemeinde-Stempel zeigte damals einen Turm mit Zinnen. Auch die Fahne des Muttenzer Turnvereins aus dem Jahr 1879 zeigt diesen runden Turm. Er war als Wappen jedoch ungeeignet.

 

Den Turm mit dem Baselbieter Stab umrahmt mit einem Lorbeerkranz sieht man erstmals auf der Fahne des Turnvereins Muttenz aus dem Jahr 1879. Entwurf und Ausführung stammt vom Muttenzer Künstler Karl Jauslin
Um ein eigenes Wappen zu erhalten, wurde nun eine Kommission eingesetzt und verschiedene Entwürfe eingeholt. Dabei zeigte es sich, dass sehr fantasievolle Wappen entworfen wurden.

 
Diese Entwürfe zeigen verschiedene Motive, die für ein Wappen jedoch zu überladen wirken



Es war keineswegs einfach, ein Wappen zu kreieren, das einen historischen Bezug zu Muttenz zeigt. Dem Mitglied der kantonalen Kommission für Wappenberatung, Adolf Müller, verdanken wir schliesslich den Entwurf für das Muttenzer Wappen mit dem roten Löwen und den drei Zinnen. Der Entwurf befindet sich heute im Ortsmuseum.
Nach einigem Hin und Her und kleineren Veränderungen beschloss der Gemeinderat am 15. März 1939:
„Das Wappen wird in der vorliegenden Form als gut geraten erachtet und soll in Zukunft als Gemeindewappen verwendet werden. Auf die diesbezügliche Einladung der Landesausstellung wird beschlossen, sich an der Aktion betreffend Gemeindefahnen zu beteiligen, sofern der hiesige Frauenverein die Anfertigung von 2 Gemeindefahnen übernimmt.“
Der Vorstand des Frauenvereins tagte gleichzeitig im Breiteschulhaus und liess sofort mitteilen, dass er die Anfertigung in der gewünschten Grösse übernehme.
Am 26. Mai 1939 erschien im Muttenzer Anzeiger ein Artikel von Jakob Eglin über das Entstehen des Muttenzer Wappens, dabei schildert er, wie die Fahne für die „Landi“ angefertigt wurde:
„Seither ist das Wappen von geübter Frauenhand auf ein kleines Banner gestickt worden. An der Landesausstellung in Zürich flattert es nun im Verein mit zahllosen Bannern aus allen Gauen des Schweizerlandes hoch in der Luft und hat bereits dort in der schönen Limmatstadt die offizielle Weihe erhalten.“

 

Das neu eingeführte Muttenzer-Wappen mit der Beglaubigungsurkunde, 1939.
Museen Muttenz, Lizenzbedingungen CC BY-NC-SA 4.0


Das Muttenzer Wappen mit den drei Zinnen, welche die Wartenberg-Burgen symbolisieren, sowie dem gravitätisch aufgerichteten Löwen aus dem Wappen der Familie Löwenberg. Katharina Löwenberg war die Gattin des Ritters Konrad Münch von Münchenstein, welcher im Mittelalter die Feudalherrschaft über Muttenz innehatte. Das Wappen Münch-Löwenberg findet man in der Muttenzer Dorfkirche, da das Paar für den Wiederaufbau der Kirche nach dem grossen Erdbeben von 1356 zuständig war und sich entsprechend an verschiedenen Orten verewigt hat: Im Triumphbogen und dem Schlussstein im Chor.
 
Im Triumphbogen sieht man das Wappen des Ritters Konrad Münch verheiratet von Löwenberg

Fotos: Hanspeter Meier

Quelle: Muttenzer Schriften 7, Karl Bischoff: Muttenz – Name-Wappen-Arbogast

Ritter Konrad und der Löwe, spielerischen Rundgang für Kinder zum Thema