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Dokumentation zum Jubiläum

"100 Jahre SP Muttenz 1917 - 2017"

von Hanspeter Ruesch, Muttenz / Todtnauberg


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorwort

Die Recherchen zur vorliegenden Dokumentation sind für den Verfasser ein spannendes Abenteuer geworden. Was zuerst als Rückschau auf 100 Jahre SP Muttenz geplant gewesen ist, hat unterdessen zu einem Exposé der ersten vier Jahre der jungen Arbeiterpartei geführt. Aber was für vier Jahre!

"Materielles Elend" und "Kampf" sind die Worte, welche die Anfänge der SP Muttenz charakterisieren. Hunger, Wucher, Grippe, Lohnabbau, Arbeitslosigkeit: die damaligen Zeiten sind hart, und die politischen Auseinandersetzungen ebenso. Der Umgang mit dem politischen Gegner ist unzimperlich - auf beiden Seiten. Nach dem Landesstreik von 1918 verhärten sich die Fronten noch mehr, das Freund-Feind-Denken duldet keine Halbheiten - in Wort und Bild. 

Der Kampf um eine sozialistische Zukunft ist international. Das Mutterland der Revolution, Russland, wird von vielen bewundert. Aber sich von Moskau gängeln lassen, das will man nicht. Der Beitritt zur Kommunistischen Internationale wird abgelehnt. Mit einer gewissen Enttäuschung verfolgen die Genossen die Ereignisse in Deutschland. Einer ersten Begeisterung folgt die Ernüchterung wegen der Schwächung der politischen Linken durch Flügelkämpfe und die Erstarkung der bürgerlichen Opposition.   

Die politische Arbeit vor Ort ist weniger von Ideologie als von Pragmatismus geleitet. Dies trifft auch auf Rangiermeister Jakob Leuenberger zu, erster SPLandrat aus Muttenz, ein ausgezeichneter Organisator und überzeugender Redner an den Gemeindeversammlungen, später selber Gemeinderat. Er verkörpert das wachsende Selbstbewusstsein der Genossen, die ab 1920 dank Proporz grosses Gewicht in der Gemeindepolitik innehaben. 

Die Zeit hat nicht ausgereicht, um noch tiefer in die Geschichte der SP Muttenz einzutauchen. Ich muss es künftigen Geschichtsschreibern überlassen, die Fortsetzung dieses Exposés an die Hand zu nehmen. Was bleibt, ist ein grosser Respekt gegenüber den Verantwortlichen der Anfänge der SP Muttenz. 

Muttenz / Todtnauberg im Juli 2017

Hanspeter Ruesch

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 1: Keine Chronik ohne Quellen

Gut dokumentierte Anfänge – mit Lücken

Die Anfänge der Sozialdemokratischen Partei Muttenz sind protokollarisch festgehalten in drei meist handschriftlich geführten Heften resp. Büchern. Das erste Protokollheft (22.11.1917 – 7.10.1921) berichtet in den Anfängen sowohl von Parteiversammlungen wie auch von Vorstandssitzungen. Ab  Januar 1919 bis Herbst 1921 führt die Partei ein eigenes Protokollheft für Kommissions- und Vorstandssitzungen. An den Kommissionssitzungen nehmen je nach Einladung zusätzlich zum Vorstand auch die Vertrauensmänner (Einzüger von Mitgliederbeiträgen und SpendenSammlungen) und/oder Mandatsträger teil. Das erste Kassabuch enthält die Jahresrechnungen 1917 – 1935/6.

 

Das zweite Protokollbuch beginnt am 23. August 1927 und endet mit dem Eintrag vom 29. August 1931. Daran schliesst sich ein nächster Band an vom 31.3. 1932 bis zum 6.6.1935. Das zweite Heft mit Protokollen der Vorstands- und Vertrauensmännersitzungen bestreicht ungefähr den gleichen Zeitraum (17.1.1931 – 25.2.1935. )

Die ersten zwanzig Jahre der Partei sind also grundsätzlich gut dokumentiert. Störend ist allerdings der Unterbruch der Berichterstattung von sechs Jahren zwischen 1921 und 1927.

Karger Inhalt der Protokolle

Wer nun erwartet, dass in diesen Quellen die Dynamik der Zeit, die politischen Auseinandersetzungen, die soziale Lage der SP-Mitglieder oder gar Diskussionen weltanschaulicher Natur abgebildet sind, wird bei der Lektüre enttäuscht sein. Es handelt sich um Schriftstücke der kargen Art.

Erwähnt sind Personen, die ein Geschäft präsentieren. Über den Inhalt des Geschäftes, über die darüber gehaltene Diskussion, ja sogar oft über den daraus gefasste Beschluss fehlt meist jeder Hinweis. So erfahren wir zwar, was diskutiert worden ist, aber oft nicht wie und warum. Eine Ausnahme ist die Auseinandersetzung über den Beitritt zur 3. Internationale, wobei auch bei dieser Entscheidung wenig Argumentatives erhalten ist.

Lebendige Berichterstattung im Parteiorgan

Wer also mehr über die Darstellung der SP Muttenz in der Öffentlichkeit, über ihre politische Argumentation und ihre weltanschauliche Haltung erfahren möchte, muss in mühsamer Arbeit die entsprechende Parteipresse nach Verlautbarungen absuchen. Von der Gründung bis zur Parteitrennung war der „Basler Vorwärts“ das Organ der Linken in Basel-Stadt und Baselland. Nach der Parteispaltung 1921 übernahm „Der Sozialdemokrat", gedruckt in Zürich, bis Dezember 1921 diese Aufgabe. Nach der Fusion der SP Basel mit der Unabhängigen Kommunistischen Partei gibt die Volksdruckerei Basel das Parteiorgan beider Basel ab 15.12.1921 unter dem Namen „Arbeiterzeitung“ heraus. 

Grosse Lücken in den Protokollen zwischen 1935 bis 1970

Leider klafft zwischen den bereits genannten Quellen, die 1935 enden, bis 1972 eine grossen Lücke. Sie müsste mittels akribischem Auswerten der Parteipresse und anderer Publikationen (neben der bürgerlichen Presse gibt es seit den 30er Jahren den Muttenzer Anzeiger) gefüllt werden. Diese aufwändige Arbeit kann in der beschränkten Zeit des Jubiläums-Auftrages nicht erbracht werden.

Folgerung: Eine Chronik der Anfänge der SP Muttenz

Die Quellenlage bringt es mit sich, dass der Zeitraum der Studie stark eingeschränkt werden muss auf die Anfänge zwischen 1917 und 1921.In diese Zeit fallen, wie im Vorwort erwähnt, wichtige Entwicklungen und Ereignisse. Dafür ist es möglich geworden, etwas tiefer in die damalige Zeit einzusteigen, u.a. durch das einleitende Kapitel „Hintergründe“.

Benutzte Quellen

  1. Die im Textteil aufgeführten Protokollhefte und –Bücher sowie das Kassabuch der SP Muttenz
  2. „Basler Vorwärts“, Staatsarchiv Basel, Zeitungen 12, November 1917 – Februar 1921 
  3. „Der Sozialdemokrat“/“Arbeiterzeitung“, Staatsarchiv Basel, Zeitungen 12, Februar bis Ende Dezember 1921

Benutzte Literatur

  1. Fritz Giovanoli, Die Sozialdemokratische Partei der Schweiz, Bern 1948
  2. Solidarität, Widerspruch, Bewegung. 100 Jahre Sozialdemokratische Partei der Schweiz, Zürich 1988
  3. Schweizerische Arbeiterbewegung, Arbeitsgruppe für Geschichte der Arbeiterbewegung, Zürich 1975
  4. Benno Hardmeier, Geschichte der Sozialdemokratischen Ideen in derSchweiz, Winterthur 1958
  5. Johann Obrecht, Chronik von Muttenz 1904-1912, Muttenz 1991
  6. Gemeinde Muttenz, Muttenz zu Beginn des neuen Jahrtausend (Heimatkunde), Liestal 2009

Informationen aus dem Internet

  1. Landesstreik: Wikipedia (ausführlicher Text); Zeittafel unter www.generalstreik.ch
  2. Generalstreik in Basel: On-line-Archiv der BaZ; Geschichte des Kantons Baselland
  3. Grütlianer: Wikipedia; Historisches Lexikon der Schweiz; 125 Jahre SP Solothurn; Geschichte des Kantons Baselland
  4. Internationale: Historisches Lexikon der Schweiz
  5. Blockbildung nach 1918: Geschichte des Kantons Baselland
  6. Demokratische Fortschrittspartei: Geschichte des Kantons Baselland

Verwendete Kürzel

Beide Kürzel betreffen Zitate aus dem jeweiligen Parteiorgan
BV: Basler Vorwärts
SD: Der Sozialdemokrat

Illustrationen

Die Karikaturen stammen aus dem „Basler Vorwärts“ und „Der Sozialdemokrat“.

Das Dorfbild von 1920 wurde von den Museen Muttenz zur Verfügung gestellt.

Das Bild der Fahne der SP Hägendorf wurde vom Historischen Museum Olten zur Verfügung gestelllt


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 2: Hintergründe

Protokolle und Zeitungsartikel setzen voraus, dass die Lesenden das Geschriebene anhand der Kenntnis zeitgeschichtlicher Ereignisse und Entwicklungen einordnen können. Für heutige Interessierte dürften die folgenden Abschnitte einige Zusammenhänge klären, um die zitierten Zeitzeugnisse besser zu verstehen.

Muttenz mit Dorfbach, anfangs 20. Jahrhundert (Museen Muttenz)

Gemäss der Volkszählung von 1920 zählt Muttenz damals 3264 Einwohner. Das ländliche Dorf ist noch nicht in den Sog der Agglomeration Basel geraten. Dazu fehlt eine gute Verkehrsverbindung. Die Tramlinie von  St. Jakob nach Muttenz wird im Januar 1921 eröffnet, die Erweiterung nach Pratteln im Oktober 1922. 

In der Gemeinde gibt es einzelne Industrien, so die Saline Schweizerhalle (gegr. 1836), die Verpackungsfirma Haass (gegr. 1897), die CTW Strassenbaustoffe (gegr. 1887). Grössere Firmen mit bedeutenden Beschäftigtenzahlen kommen erst in den späten 20er oder in den 30er-Jahren nach Muttenz, u.a. die Firma Geigy in der Schweizerhalle. Der Grossteil der Lohnabhängigen arbeitet in der Stadt. Nicht wenige von ihnen haben eine Beschäftigung in der Bandfabrikation. 

Bemerkenswert ist, dass trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation Ende der 1910er-Jahre wichtige Projekte angestossen werden. So kaufen drei chemische Firmen aus Basel im Gemeindebann Muttenz <heute Schweizerhalle> eine Bodenfläche von 34 Hektaren für neue Anlagen ( BV 19.3.18) . Und im Oktober 1918 erwerben die SBB von der Basler Bürgergemeinde 400‘000 Quadratmeter „von der Hardwaldung links der Bahnlinie“ zwecks Bau eines Güterbahnhofs. (BV 2.10.18) Das dritte Projekt betrifft den Bau der Überlandbahn von Basel nach Pratteln. Die Diskussion über die Linienführung dauert mehrere Jahre. Realisiert wird sie bis Ende 1921. Für die bauliche Entwicklung von Muttenz wird sie sich in Zukunft als starker Motor erweisen.

Plan von 1917, der beim Verkauf des Rothusareales dem Ratschlag der Bürgergemeinde Basel 1917 beigelegt war.
Novartis AG, Basel, mit freundlicher Genehmigung des Firmenarchivs der Novartis AG Basel

Die Mitgliedschaft der SP ist vor 1920 also noch wenig von der Industriearbeiterschaft geprägt, sondern mehr von handwerklichen Berufen, Verwaltungsangestellten, Post- und SBB-Arbeitern. Es sind damals ausschliesslich Männer, die sich politisch engagieren. Erst im Jahr 1928 ist  von der Gründung einer Frauengruppe die Rede. Die Mitglieder wohnen hauptsächlich im Bereich des heutigen Dorfkerns. Einige wenige leben ausserhalb, z.B.im Schänzli. Das wird sich nach der Eröffnung des Freidorfs ändern; und diese Schwerpunkts-Verlagerung führt denn auch in den Dreissigerjahren innerhalb der Partei zu Reibereien.

Das wirtschaftlich-soziale Umfeld

Die Gründung der SP Muttenz fällt in eine Zeit sozialer Spannungen. In Europa tobt der Erste Weltkrieg. Die Schweizer Soldaten stehen an der Grenze. Sie sind einem preussischen Drill unterzogen, wie ihn General Wille in unverhohlener Sympathie zu Deutschland eingeführt hat. Der „Basler Vorwärts“ berichtet unter dem Titel „Ein Soldatenschinder“ von Schikanen, die einfache Soldaten wegen der Willkür eines Offiziers erleiden (7.11.1917). Wenig später ist die Rede davon, dass sich Soldaten wegen mangelnder Verpflegung beklagen. Die Unterschiede zwischen einfachen Soldaten und dem Offizierskader sind offensichtlich ein Spiegel der Herrschaftsverhältnisse in Wirtschaft und Gesellschaft. 

Die Militär-Notunterstützung kann den Verdienstausfall nicht decken. Eine Arbeitslosenversicherung existiert nicht. Zudem macht eine starke Teuerung Lebensmittel für Arbeiterfamilien fast unerschwinglich. Die Reallöhne für die Arbeiter/innen in der regionalen Industrie sind seit Kriegsbeginn um bis zu 20 Prozent gesunken. Gleichzeitig nehmen Wucher und die Zahl der sogenannten „Kriegsgewinnler“ zu. Die Grippeepidemie von 1918 bringt weiteres Elend mit sich.

 Kriegswirtschaft / Rationierung/Krise und Arbeitslosigkeit

 

Der Parteitag der SP Schweiz vom Dezember 1917 thematisiert die Folgen der Mangelwirtschaft für die Arbeiterschaft. Zwar setzen die Behörden bereits Höchstpreise für Kartoffeln und Milch fest, aber das genügt nicht. In einer Resolution fordern die Genossen die Einführung weiterer Einkaufs- und Verteilungs-Monopole des Staates, nämlich bei Brennmaterialien, Vieh, Fleisch, Fett, Schuhwerk u.a. (BV 3.12.17). Der Lebensmittelmangel ist ein vordringliches Problem, welches die Arbeiterfamilien am meisten drückt. Das Parteiblatt berichtet denn auch über Themen wie Speiseöl, Speisefett, Viehhandel und billiges Fleisch sowie über Wucherfälle vor dem Strafgericht. Die Mangelwirtschaft bleibt auch das Thema des Jahres 1918, ja, sie ist einer der Auslöser des Landesstreiks vom November desselben Jahres.

Mit den 1920er-Jahren, mit der Aufhebung der Rationierung, verlagern sich die Probleme. Die Wirtschaft stockt. Viele Industrielle ziehen ihr Kapital ab ins Ausland. Der Druck auf die Löhne nimmt zu. Lohnabbau auf breiter Front ist die Folge.

 

Ab Frühling 1921 berichten die Medien immer öfter von der Zunahme der Arbeitslosigkeit. "Der Sozialdemokrat" nennt für die Schweiz total 134'009 Arbeitslose, davon allein 47'286 in den Textilindustrie sowie 7660 Ganz- und Teilarbeitslose im Baselbiet (SD 21.3.21) Das bewirkt die Aufnahme dieser Problematik in der politischen Arbeit.

Das politische Umfeld

Die SP Muttenz ist nicht die erste Partei in Muttenz, die sich den Anliegen von Arbeitern annimmt. Der Grütliverein ist schon früher in der Gemeinde aktiv.

Die Grütlianer sind in ihren Anfängen ein Bildungsverein, ihr Motto lautet: „Durch Bildung zur Freiheit“. Ihr Ziel ist es, alle gesellschaftlichen Gruppierungen (Bauern, Handwerker, Intellektuelle) zu einem neuen gesellschaftlichen Miteinander („Rütli-Bund“) zu vereinigen.

Grütlifahne mit Hammer- und Sichelträger,Symbole für Handwerker- und Bauernstand (Hist. Museum Olten)  

Schwerpunktmässig sind bei den Grütlianern Handwerkermeister und ihre Mitarbeiter engagiert. Gemäss der Chronik von Pfr. Obrecht wird am 13. Dezember 1908 mit Th. Schenk ein Grütlianer in den Gemeinderat Muttenz gewählt. Viele Grütlianer sind zugleich auch Mitglied der SP, so z.B. Bernhard Jäggi, der Initiant des Freidorfs. Das Genossenschaftswesen ist ein primäres Anliegen der Grütlianer. Sie gründen Konsum- und WohnbauGenossenschaften sowie Krankenkassen und Kindergärten. 

In Muttenz scheint in den Anfängen der SP eine gewisse Kooperation zwischen SP und Grütlianern funktioniert zu haben. Allerdings verhärten sich nach 1918 die Fronten. Bernhard Jäggi z.B., SP-Grossrat und Nationalrat, zieht sich aufgrund der Radikalisierung der Linken (Landesstreik) ganz aus der Politik zurück. Die Grütlianer lehnen den Landesstreik ab und nähern sich - zumindest im Baselbiet - wieder der dominierenden Fortschrittspartei an. Mit dem Aufkommen der Industrie und damit der Industriearbeiterschaft und der immer offeneren Differenz zwischen Handwerksmeistern und ihren Angestellten verlieren die Grütlianer Mitglieder und lösen sich 1925 auf.

Die dominierende politische Kraft in Muttenz ist die Fortschrittspartei, die 1919 aus der Fusion von Demokraten und Freisinniger Volkspartei hervorgeht. Die SP beobachtet misstrauisch die propagandistischen Bemühungen der neu formierten Partei, die sie als dominierende Konkurrenz betrachtet.

Parteiinterne Strömungen und das gesellschaftliche Umfeld um 1920

Von der Zeit der Gründung der SP Schweiz (1888) bis zum ersten Weltkrieg erscheint die SPS als sozialistische Partei reformistischer Prägung. Benno Hardmeier nennt dafür drei Merkmale: 1. Positive Einstellung gegenüber dem Staat, dessen Umwandlung zur sozialistischen Demokratie auf dem Weg einer friedlich-demokratischen Entwicklung erreicht werden soll, 2. Bejahung der Landesverteidigung, 3. Sozialismus als Angebot an das ganze Volk, nicht nur an die Arbeiterschaft. 

Im ersten Weltkrieg vollzieht sich ein Wandel in den politischen Ideen und der politischen Praxis im Sinne einer Radikalisierung. Ausdruck davon ist die Ablehnung der Landesverteidigung durch den Parteitag im Jahre 1917 und der Ausbruch des Landesstreiks im November 1918. Der Landesstreik hat für die Politik auf allen Ebenen starke Nachwirkungen. Die SP ist für die bürgerlichen Parteien zum Feindbild geworden - und umgekehrt. 

Die Entwicklung nach dem 1. Weltkrieg zeigt, dass die SP Schweiz eine mittlere Haltung zwischen Reformismus und Revolution einnehmen will. Sie beschliesst einerseits 1919 den Austritt aus der zweiten (reformistischen) Internationale, lehnt andererseits den Beitritt zur 3. Internationale im Sinne einer Absage an den Bolschewismus und Totalitarismus ab. Aber das Parteiprogramm von 1920 spricht von der möglichen Notwendigkeit, die Verwirklichung des Sozialismus durch eine vorübergehende Diktatur des Proletariates zu erreichen. 

Im Rahmen der SP Muttenz ist nur in Ansätzen etwas von diesen ideellen Entwicklungen zu spüren. Sie übernimmt wohl die gesellschaftliche Analyse von Marx und redet vom Kampf der Arbeiterklasse zur Überwindung des Kapitalismus. Sie teilt auch den Anti-Militarismus der Partei aufgrund der Landesstreik-Erfahrungen. Aber sie wirkt vor allem pragmatisch auf kleine Verbesserungen im Alltag ihrer Mitglieder hin.

Der Landesstreik

Im Februar 1918 vereinigt sich aus Vertretern der Gewerkschaften und der Partei unter Führung von Robert Grimm das Oltener Aktionskomitee. Es gelangt mit einem 15-Punkte-Wirtschaftsprogramm mit Schwergewicht Lebensmittelversorgung an den Bundesrat. Im Juli folgen elf Forderungen, die sich mehrheitlich gegen die Einschränkung der politischen Rechte wenden. Die Verhandlungen mit dem Bundesrat verlaufen offensichtlich günstig. Dies vielleicht auch darum, weil immer die Drohung eines Landesstreiks im Raume steht. 

Die Szenerie verdüstert sich aber. Im Herbst 1918 nehmen die Streiks auch in der Region Basel zu. Ende September verweigert das Aktionskomitee den Einsitz in die mit dem Bundesrat vereinbarte eidgenössische Ernährungskommission, weil nur 3 von 13 Mitgliedern aus der Arbeiterschaft delegiert werden können (BV 24.9.18). In Zürich streiken zur gleichen Zeit die Zürcher Bankangestellten. Die Schweizerische Bankiervereinigung schreibt nach Ende des Streiks an den Bundesrat und an die Armeeleitung und fordert künftig ein härteres Auftreten. Am 4. November verlangt General Wille in einem Memorial die militärische Besetzung der grossen Städte

Am 5. November behauptet der a.o. Untersuchungsrichter Heusser (Leiter der Untersuchungen betr. Bombenfunde in Zürich), anlässlich der Feier zum Jahrestag der Russischen Revolution sei in Zürich ein bewaffneter Aufstand zu erwarten. Gleichentags verlangt die Zürcher Regierung vom Bundesrat ein Truppenaufgebot, zwei Tage darauf beschliesst das Oltener

Aktionskomitee einen Proteststreik dagegen. Am 10. November proklamiert die Arbeiterunion Zürich eine unbefristete Weiterführung des Proteststreiks, welchem sich das Aktionskomitee nach erfolglosen Verhandlungen mit dem Bundesrat anschliesst. Am 12.11.1918 um 0.00 Uhr beginnt der Landesstreik

In Basel verhindern zwei bürgerliche und die beiden sozialdemokratischen Regierungsräte einen Truppenaufmarsch, was dazu führt, dass die Demonstrationen friedlich ausgehen.

Der Internationalismus im kommunalen Umfeld

Schon an der Gründungsversammlung vom 22. November 1917 referiert ein Gast über die Arbeiter-Internationale (2. Internationale). Da die Arbeiterparteien der kriegsführenden Länder sich hinter ihre Regierungen stellen, zerbricht diese Organisation an den Auswirkungen des1. Weltkriegs.  Unter dem dominanten Einfluss der Bolschewiki erfolgt darauf 1919 die Gründung der 3. Internationalen.

Die internationale Arbeitersolidarität zeigt sich im kommunalen Umfeld an verschiedenen Punkten. So werden in einer schweizweiten Aktion Arbeiterkinder aus Deutschland in der Schweiz zur Erholung bei Arbeiterfamilien untergebracht, auch in Muttenz. 

Dass 1918 der erste Jahrestag der Russischen Revolution in der Schweiz gefeiert wird ist ein Indiz dafür, dass die Bewunderung für den ersten Arbeiterstaat sehr verbreitet ist. Auch die Aktion für das hungernde Russland anfangs der 1920er-Jahre ist ein Zeichen der Sympathie mit „der Mutter der Revolution“, an welchem sich auch die Muttenzer SP mit einer Sammlung beteiligt.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 3: Der Beginn

Zwei Gründungsversammlungen

Am 22. November 1917 führt die SP Muttenz nach Vorarbeiten einer Kommission, welche die Statuten ausgearbeitet hat, ihre Gründungsversammlung im Gasthof Bären durch. Weil das Referat von Parteifreund Vogel aus Pratteln über die Arbeiter-Internationale viel Zeit beansprucht, stimmen die Anwesenden bloss über die St atuten ab. Unter „Verschiedenes“ werden vor allem die Gemeindewahlen besprochen. Das Protokoll hält fest:“<M>an kam zu dem Entschluss, dass wir, wenn der Grütli-Verein geeignete Kandidaten aufstelle, wir Sie unterstützen wollen.“

Im „Basler Vorwärts“ erscheint ein Artikel zur Gründungsversammlung: „Muttenz. Die neugegründete Sozialdemokratische Partei in Muttenz konnte an ihrer ersten ordentlichen Sitzung, welche einen zahlreichen Besuch aufwies, wieder eine Anzahl Mitglieder aufnehmen, so dass das erste 50 erreicht ist. Genosse Vogel aus Pratteln zeigte uns in einem trefflichen Referate, welchen Zweck und was für Ziele die Sozialdemokratische Partei erreichen will.(…).

Nicht nur der Industriearbeiter, der Taglöhner oder der staats- oder eidgenössische Angestellte hat unter den drückenden Verhältnissen zu leiden, auch der Kleingewerbetreibende und der Schuldenbauer leiden bittere Not. Wenn deshalb der von Hand in den Mund lebende Bürger die Ursachen dieser Zustände zu erkennen beginnt und sich allüberall in Stadt und Land zum gemeinschaftlichen Kampfe gegen die Unterdrücker zusammenschliesst, so ist es sehr begreiflich, dass besonders eine ländliche sozialdemokratische Organisation den satten Dorfmagnaten ein Dorn im Auge ist und von diesen begeifert wird. (...)".

Am 28.11.17 geht die Vorstandswahl über die Bühne. Als Präsident wird Ernst Beyeler gewählt. Als Vize amtet Ernst Honegger. Es werden zwei Aktuare gewählt. Rudolf Gammenthaler übernimmt das Protokoll, Ernst Dürr ist für die Presse zuständig. Neben Kassier Gustav Honegger amten Hans Klaus und Hans Heggendorn als Beisitzer. 

Breiten Raum nimmt die Diskussion um das Parteiorgan ein. Als Hauptorgan fällt der „Basler Vorwärts“ in Betracht. In Sachen Gemeindewahlen ergibt sich eine Gesinnungsänderung. Anstelle der vorbehaltlosen Unterstützung des Grütli-Kandidaten für den Gemeinderat wird den Mitgliedern frei gestellt , wen sie wählen wollen. Für die Gemeindekommissionswahl werden 5 Kandidaten auserkoren und in die Steuerkommission drei Kandidaten aufgestellt. Um die Parteikasse aufzumöbeln, wird ein freiwilliger Beitrag von CHF 0.50 pro Mitglied „anempfohlen“. 

Die Muttenzer Genossen sind nach Beendigung aller Wahlgeschäfte (Drei Wahlgänge für den Gemeinderat) zufrieden, denn es sei „erfreulicherweise im Gemeinderat wie auch in der Steuerrekurs- und Gemeindekommission eine unserem Verhältnis entsprechende gerechte Arbeitervertretung erzielt worden.“ (BV 18.12.1917). Die positive Bilanz ist wohl so zu verstehen, dass dank den Grütlianern die Arbeiterkreise in den Behörden vertreten sind.

Geprägt von der Not der Arbeiterschaft ist der Parteitag der SP Schweiz vom Dezember 1917. Neben der Einführung weiterer Einkaufs- und Verteilungs-Monopole des Staates (s.o.) fordern die Anwesenden auch die Festsetzung von Mindestlöhnen, eine staatliche Lohnkontrolle, die Enteignung aller 10% übersteigenden Kriegsgewinne und eine rasche Erledigung der Proporz-Initiative. Sie lassen auch durchblicken, dass sie ihre Forderungen nötigenfalls mit Kampfmitteln durchsetzen werden, „vor allem dem Massenstreik“. (BV 3.12.17)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 4: Dem Landesstreik entgegen

Das Geschäftsjahr 1918

Mit der GV vom 10. März 1918 ist der Aufbau der neuen Sektion abgeschlossen. In kurzer Zeit hat sich die Partei personell ausgestattet und Vertreter in untergeordnete Gemeindegremien delegiert. Ohne Beschluss bleibt das Kurzreferat von Genosse Brupacher aus Basel betreffend Gründung einer Jugendorganisation in Muttenz.

Obwohl 1918 kein Wahljahr ist, gibt eine Gemeinderats-Ersatzwahl Anlass zu harten Auseinandersetzungen. Die Genossen entscheiden sich zu einer Kampfkandidatur. „Nach grosser Mühe“ (Protokoll vom 17.7.18) lässt sich Gottfried Schwob, Eisenbahnarbeiter, als Kandidat aufstellen. Dieser zieht sich aber wieder zurück. Schlussendlich unterstützt die Partei den Kandidaten der Grütlianer, Jakob Egli, der auch gewählt wird. Offensichtlich gehen die Emotionen in den drei Wahlgängen ziemlich hoch, wie ein Artikel der SP Muttenz im „Basler Vorwärts“ aufzeigt: 

„Trotzdem die Gemeinderatsersatzwahl erledigt ist, so speien gewisse Geister heute noch Gift und Galle. Ganz besonders produziert sich in dieser Beziehung Herr Georg Lavater, Wirt (früher Arbeiter). Wir können ja begreifen, dass das Eingreifen unserer jungen Partei in Gemeindesachen nicht jedem passt, der sich an Altes gewöhnt hat, aber dessen ungeachtet müssen sie sich nun mit unserer Tätigkeit in dieser Beziehung einfach vertraut machen, denn es ist absolut höchste Zeit, dass auch in Muttenz von der Arbeiterschaft etwas Opposition und Leben in das Gemeinwesen kommt. (...)" (BV 24.8.18).

Auf politischer Ebene ist die eidgenössische Abstimmung zum Parteienproporz von grosser Bedeutung. Die SP Muttenz lässt sich von zwei Referenten (Weber, Basel und Joneli, Allschwil) über den Inhalt der Initiative  informieren und beschliesst in einer Resolution die Annahme des Proporz auf eidgenössischer Ebene(BV 12.10.18). Die Volksabstimmung ergibt in Muttenz ein deutliches Resultat: 220 Ja gegen 40 Nein. Damit ist der Weg frei für die Forderung nach dem kantonalen und kommunalen Proporz. 

Titel und Themen aus dem „Basler Vorwärts“ zeigen, dass im vierten Kriegswinter die Not der arbeitenden Bevölkerung weiterhin gross ist. Dass Hunger herrscht und darum der Diebstahl von Nahrungsmitteln zunimmt, beweisen die Feldwachen, welche Gemeinden und Pflanzland-Organisationen in der Agglomeration einführen. (BV 17.8.18 und21.8.18).

Eine angespannte Stimmung zeigt sich auch in der zunehmenden Berichterstattung des „Basler Vorwärts“ über Streiks: Streik der Gärtner (diverse Artikel im März 1918), Streik in der Konditorei Singer (28.3.18), Streik der Metallarbeiter auf der Baustelle der Gesellschaft für Chemische Industrie in Basel (10.4.18), Streik in den Tonwerken und in der Verbundstein-Fabrik in Lausen (18.4.18), Dachdeckerstreik (14.5.18), Streik im Basler Holzgewerbe (16.5.18). Ein Ausfluss der angespannten Situation ist die Demonstration auf dem Marktplatz zugunsten der schlecht bezahlten Frauen und gegen die Aushungerung der Unterschicht. Es gibt am Rande der Protestversammlung Zwischenfälle (Steinwürfe), weshalb der Anlass als sogenannte „Teuerungs-Krawalle“ in die Geschichte eingegangen ist (BV 22. und 24.6.18).

In diesen Zeitläuften hat die Abstimmung im Baselbiet über die Erhöhung der Staatssteuer keine Chance. Die Muttenzer Parteiversammlung vom 3. Juli 1918 tritt für eine Verwerfung der Vorlage ein und bewilligt eine entsprechende Flugblatt-Aktion. Das entsprechende kantonale Gesetz wird am 7. Juli mit 3326 Ja zu 3954 Nein verworfen. 

Die Ernährungslage bleibt ein wichtiger Diskussionspunkt in den Parteiversammlungen. So geht es am 20.4.18 und 31.7.18 um die Rückvergütung des Milchpreises durch Bund und Kanton, am 21.8. um die Obstversorgungs-Frage, wobei Antrag an den Gemeinderat gestellt wird, den Obsthandel ausserhalb der Gemeinde mit einheimischer Ware einzuschränken. Im Oktober wird dann bekannt, dass aufgrund der Milchfrage in Muttenz eine Lebensmittelkommission gegründet werden soll.

Im Oktober stirbt Partei-Mitglied Wilhelm Hauser an der Grippe. Der Beschluss ergeht, dass bei jedem Mitglied eine Spende von CHF 0.50 zugunsten der Witwe eingezogen werden soll. (Protokoll vom 27.10.18) Der Regierungsrat teilt mit einem Schreiben der Partei mit, dass sämtliche Veranstaltungen wegen der Grippe bis auf Weiteres verboten sind. Die nächste Kommissionssitzung (erweiterter Vorstand) findet darum erst im Dezember statt, Parteiversammlungen fallen bis zur GV im Januar 1919 aus. 

An der Kommissionssitzung vom 14. Dezember ist der Grippe-Tod von Präsident Ernst Beyeler das Haupttraktandum. Ihm widmet die Partei einen Nachruf im „Basler Vorwärts": "(...) Kaum vor Jahresfrist, als die Nationalratswahlen unter Dach waren und aus gewissen Kreisen mit allem Mitteln gegen unsern Kandidaten, Dr. Brodbeck, operiert wurde, fasste Beieler den Entschluss, mit einigen andern gleichgesinnten auf dem Platze Muttenz auch eine sozialdem. Partei zu gründen (...). Unterstützt von einer Anzahl einsichtiger Arbeiter ist ihm die Gründung gelungen und zum Dank wurde er mit Recht als Präsident an die Spitze gestellt, welchem Amte er trotz vielen Anfechtungen und betroffenen Unglücksfällen und Krankheiten, denen er unterworfen war, mit voller Anerkennung unseres Dankes sich widmete und manchen Rippenstoss von entgegengesetzter Seite parieren musste. (...)" 

Die Grippe hat ihre Spitze im Oktober und flaut gegen Ende Jahr wieder ab. Allerdings bleiben die Todesfälle auf hohem Niveau.

Grippe-Statistik

Monat        an Grippe Erkrankte  Todesfälle
Juni 18      1000   2
Juli            3800   54
August       1600   30
September  2000  18
Oktober     13700  257
November  644  165
Dezember  5100  127
Januar 19  1400   37

(BV 5.2.19)

Der Landesstreik

In den Protokollen der SP Muttenz taucht der Landesstreik als Thema nur am Rande auf. Einzelne Genossen, die in der Stadt oder bei staatlichen Betrieben arbeiteten (SBB, Post), werden aktiv beteiligt gewesen sein. Aber die Grippe und das mit ihr verbundene Versammlungsverbot führen dazu, dass die Muttenzer Genossen sich zwischen dem 27. Oktober 1918 und dem 14. Dezember nicht sehen und darum der Landesstreik in ihren Treffen sozusagen keine Spuren hinterlassen hat.   

Die Folgen des Landesstreiks führen auf politischer Ebene, wie schon erwähnt, zu einer unguten Blockbildung von rechts und links. Dem Gegner wirft man beidseits üble Absichten vor. Ein Einsender an die Basellandschaftliche Zeitung bezeichnet die SP als „vaterlandslose Umsturzpartei“. (BV 1.2.19)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 5: Erste Erfolge trotz Bürgerblock 

Das Geschäftsjahr 1919

An der GV vom 9. Januar 1919 wird Rudolf Oberer zum neuen Präsidenten gewählt. Weil die Geschäfte während der Grippewelle stockten, finden insgesamt vier Kommissionssitzungen im Januar und Februar 1919 statt. Am 13. Februar beschliessen die Genossen, zugunsten der Opfer des Landesstreiks CHF 50 aus der Parteikasse zu zahlen, trotz Bedenken des Vizepräsidenten "wegen Strapazierung der Kasse". 

Am 9.3.19 findet der von Genosse Leuenberger organisierte gemütliche Nachmittag der SP Muttenz im Restaurant Bären statt. Neben einer Ansprache von Vorwärts-Redaktor „Genosse Grossrat Schneider“ erfreuen musikalische Darbietungen der Kapelle Schänzli, des Doppelquartetts des Eisenbahner-Chors, eine Velopyramide des Arbeiter-Radfahrervereins und ein Theaterstück „Im Arrest“ die Teilnehmenden.  

Im Frühling 1919 erfolgt der Zusammenschluss der Freisinnigen Volkspartei mit der Volkswirtschaftlich-Demokratischen Partei zur „Demokratischen Fortschrittspartei“. Auf Einladung des bürgerlich dominierten Gemeinderates hält National – und Landrat Dr. Seiler in Muttenz einen öffentlichen Vortrag zu dieser Fusion. Als Gegenreferent darf Genosse Vogel aus Pratteln auftreten. Während Seiler vor der Bolschewisierung der Schweiz in Form einer Schreckensherrschaft warnt, weist Vogel auf die sozialen Ungerechtigkeiten hin, deren Abschaffung die Bürgerlichen versprochen hätten und wo die Arbeiterschaft nun Taten sehen möchte.( BV, 20.5.19) 

Sozusagen als Gegenveranstaltung organisiert die SP am 31. Mai eine öffentliche Veranstaltung, an der Dr. Welti aus Basel über Ziel und Zweck der sozialdemokratischen Arbeiterschaft  referiert. Und sie unterstützt die Propaganda zu einem Vortrag eines „Herrn Herzog“ mit dem Titel „Was führte mich zur heutigen religiösen und politischen Überzeugung“ <nämlich zum Sozialismus>. (BV 13.6.19)

Erster politischer Erfolg in einer Landrats-Ersatzwahl

Genosse Leuenberger hat sich mit der Organisation des gemütlichen Nachmittags grosse Beachtung verdient und wird an der Versammlung vom 17.6.18 für die Ersatzwahl in den Landrat vorgeschlagen. Er lässt sich als Kandidat aufstellen, “mit einigen Bedenken, aber der Partei zuliebe“, wie das Protokoll erwähnt. Die SP führt diesen Wahlkampf mit grossem Einsatz und im Parteiblatt nicht ohne Polemik gegen Personen.

Der von der Fortschrittspartei portierte Gegenkandidat , Armenpfleger  E. Tschudin, kann am 28.6.19 im „Basler Vorwärts“ lesen: „Ein Genosse mit bescheidenem Einkommen, mit grosser Familie (8 Kindern), meldete sich bei der zuständigen Gemeindebehörde um Kartoffeln. Hierauf gab ihm Armenpfleger E. Tschudin, jetzt Landratskandidat der fortschrittlich-demokratischen Volkspartei zur Antwort, er habe ja die Kartoffeln vom letzten Winter noch nicht bezahlt. So speist Herr Tschudin als Mitglied der Armenbehörde arme Arbeiter, welche unter der Last einer grossen Familie und den von bürgerlicher Seite geschaffenen Kriegsverhältnissen seufzen, ab. Diese Machination sollte jeden rechtdenkenden Bürger veranlassen, am nächsten Sonntag punkt 1 Uhr im Wahllokal zu erscheinen und für den Kandidaten der Arbeiterschaft zu stimmen. (…)“

Am Wahlsonntag, den 29.Juni, wird dann tatsächlich Genosse Rangiermeister Jakob Leuenberger in geschlossener Gemeindeversammlung <die Stimmzettel werden erst im Saal verteilt> mit 192 Stimmen gewählt. Auf E. Tschudin entfallen 167 Stimmen sowie 17 auf weitere Personen.(BV 30.6.19) Zwei Artikel im „Basler Vorwärts“ zeigen, dass dieser Sieg der „Roten“ in Muttenz viel Staub aufwirbelt. Ein sich „Plato“ nennender Schreiber kommentiert: „Dass sich die „Fortschrittler“ über den Wahlausgang ärgern müssen, daran sind sie selber schuld, weil sie der Arbeiterschaft nichts gönnen.“ (BV 3.7.19) Und ein mit „-r-„ zeichnender Genosse doppelt nach: „Acht Tage sind verflossen, ohne dass sich die Gemüter des „Fortschritts“ abgeregt haben. Mit allerlei Ränken versuchen sie, den griechischen Korrespondenten <Plato> des „Basler Vorwärts“ zu ermitteln. (…) Wir vermeiden es, uns mit ihnen über nicht substantierte Angriffe einzulassen und ziehen es vor, in sieben Sprachen zu schweigen, solange es irgend angeht; werden aber die Herren zu frech, dann führen wir den Kampf mit allem Nachdruck und aller Rücksichtslosigkeit. (…)“ (BV 8.7.19)

Der Generalstreik in Basel

Am 30.7.19 meldet der „Basler Vorwärts“ einen Färberstreik, ausgelöst vor allem wegen der Haltung der Firma Clavel und Lindenmeyer. Nach einer Protestaktion einiger Färber wegen der tiefen Löhne sperrt sie die ganze Belegschaft aus. Auch ein vom Basler Regierungsrat eingesetztes Schiedsgericht kann die Parteien nicht einigen. In Solidarität mit den Angestellten der besagten Firma treten rund 1100 Färbereiarbeiter in ganz Basel in den Ausstand. Einen Tag später ruft das Aktionskomitee der Basler organisierten Arbeiter einen allgemeinen Streik aus. 

Das Komitee formuliert Zielsetzungen, die der ganzen notleidenden Arbeiterschaft dienen sollen: Senkung der Preise für Brot, Heizmaterial u.a., Massnahmen gegen Mietzinswucher, Erhöhung der Reallöhne. Der Streik wird durch ein Truppenaufgebot, dem auch Bürgerwehren zudienen, niedergeschlagen. Es kommen dabei 5 Menschen zu Tode. Am 8. August ruft der Arbeiterbund das Ende des Streiks aus. Das Ergebnis ist - ausser einer Lohnerhöhung für alle Textilarbeiter/innen von 10%  - ernüchternd. Keine Forderung des Arbeiterbundes wird erfüllt.

Jakob Leuenberger verteidigt im Landrat den Generalstreik in Basel.

„Leuenberger ist der Ansicht, die Streiks seien kein Staatsverbrechen. Der Staat solle dafür sorgen, dass die Arbeiter so bezahlt werden, dass sie damit auskommen können. Er hat die Überzeugung, dass es sich beim Generalstreik nicht um einen politischen Streik handelte. (…) Die Ursache am Streik waren zwei Grosskapitalisten. Es ist eine Irreführung, wenn behauptet wird, der Arbeiter arbeite nicht mehr gern. Sorge man für richtige Bezahlung und Behandlung des Arbeiters, dann werden die Zeiten wieder ruhiger. (…)“ (BV 28.8.19) 

Proporz-Initiative und 3. Internationale

An der Parteiversammlung vom 23.8.19 wird bekannt, dass der Gemeinderat eine Wohnungsbaukommission schaffen will, die sich der aktuellen Wohnungsnot annehmen soll. Zwei SP-Mitglieder werden vorgeschlagen. Genosse Leuenberger informiert darüber, dass nach Einführung des kantonalen Proporzes  „wir auch berechtigt sind, nach Art. 28 des neuen Wahlgesetzes den Gemeindeproporz zu verlangen. Dazu benötigen wir zirka 150 Unterschriften resp. 1/5 der stimmberechtigten Bürger.“ Die Versammlung beschliesst einstimmig eine Unterschriftenaktion. 

Am 16. Oktober wird bekannt, dass die Unterschriften beim Regierungsrat eingereicht sind. Dieser antwortet, dass das Begehren erst im nächsten Jahr in den Gemeindewahlen umgesetzt werden kann.

An der Parteiversammlung vom 13.9.19 steht die Urabstimmung der SP Schweiz über den Eintritt in die 3. Internationale im Mittelpunkt. Der Vorstand will den Ball tief halten und behandelt diese Frage im Rahmen einer längeren Traktandenliste. Nach einstündiger Diskussion mit Pro- und ContraVoten gibt es folgendes Ergebnis: Eingelegte Stimmen: 51, davon 20 für und 31 gegen den Eintritt. 

Am 16.9. teilt der „Basler Vorwärts“ mit, das provisorische Ergebnis der schweizweiten Urabstimmung bedeute ein Nein zum Beitritt zur kommunistischen Internationalen (Komintern), was Redaktor Schneider bedauert. Es wird noch mehr als ein Jahr vergehen, bis der Nicht-Beitritt nochmals diskutiert und in einer weiteren Urabstimmung beschlossen und besiegelt sein wird.

Nachruf auf einen Arbeiter

"Unsern Genossen zur gefl. Kenntnis, dass letzten Freitag, den 3. Okt. unser Mitglied Mäder Joh., Weichenwärter, wohnhaft im Schänzli, nach längerer Magenkrankheit aus unseren Reihen geschieden ist. Dieser ruhige Kämpfer war auch einer derjenigen, welche das Proletarierlos von Jugend an zu kosten bekamen. Im Jahre 1875 in Gurbrü (Laupen) geboren, musste er schon aus Mangel an Überfluss mit dem zehnten Lebensjahr zu einem Bauer von seinen Angehörigen weg, um sein Brot zu verdienen. Später arbeitete er in einer Erzgrube und dann in einer Giesserei, wo er dann krankheitshalber austrat. Nachdem er sich erholt hatte, trat er in Delsberg als Manövrist in den Staatsdienst, welchem er sich bis zum heutigen Abschied als Weichenwärter widmete. Selbstverständlich war er auch hier nicht auf Rosen gebettet, denn obige Kategorien haben bis heute auch immer um ein besseres Dasein zu kämpfen.

Im Jahre 1903 hatte er sich mit Anna Huber verheiratet; diese und vier minderjährige Kinder überlebten ihn; heute, wo sie ihn am nötigsten hätten, musste er von ihnen scheiden. Genossen, wenn unsere Einzüger bei euch vorsprechen betreffend Sterbebeitrag (50 Cts.), so tut euer möglichstes, denn hier ist es nötig, damit sich diese Frau mit ihren Kindern vorläufig über Wasser halten kann. (...)" (BV 7.10.19)

Nationalratswahlen und Lokales

An der Vorstands-Sitzung vom 16. Oktober 1919 nehmen die anstehenden Nationalratswahlen einen wichtigen Platz ein. Der Vorstand beschliesst, eine Kontrolle durchzuführen, um diejenigen, die bis 11 ½ Uhr nicht gestimmt haben, durch Radfahrer holen zu lassen. Der Vorstand des ArbeiterRadfahrervereins habe seine Zustimmung gegeben. Die Anstrengungen lohnen sich offensichtlich, mit Dr. Brodtbeck aus Pratteln wird Ende Oktober ein erster Baselbieter Sozialdemokrat  in den Nationalrat gewählt. 

An der Dezember-Gemeindeversammlung geht es um die Nachteuerungszulagen an Pfarrer, Lehrer und Gemeindeangestellte. Auf Antrag von Jakob Leuenberger wird anstelle einer dualen Lösung (CHF 600 für gehobene Berufe, 10 Prozent vom Lohn für tiefere Chargen) eine Gesamtlösung vorgeschlagen. Wie im Bericht von der Gemeindeversammlung ersichtlich ist, konnte Leuenberger die Anwesenden von seinen Ansichten überzeugen. „Mit einer gewissen Verlegenheit liess der Präsident endlich über die Angelegenheit abstimmen und die Anträge unserer Partei wurden mit allen gegen 7 Stimmen (…) angenommen.“ (BV 18.10.19)

Die Erfolge der Partei bei Wahlen und Abstimmungen nehmen im Laufe des Jahres 1919 zu. Die Partei sieht allerdings nicht nur ihre Erfolge als Magnet in der Mitgliederwerbung. Im „Basler Vorwärts“ schreibt unter dem Kürzel –i- ein Muttenzer Genosse: „In erfreulicher Weise können wir mitteilen, dass die Versammlung <vom 22.11.19>  fünf neue Genossen aufnehmen konnte; es darf dies als beste Antwort auf die Angriffe der bürgerlichen Reaktion gegen uns registriert werden. Ja, ja! Die Geister erwachen, und diejenigen, die sie heraufbeschworen haben, werden sie nicht mehr los. Es ist eine wahre Freude, wie die bürgerlichen Herrschaften unsere Propaganda besorgen, und darum möchten wir diesen Sykophanten zurufen: Nur weiter auf uns losgehauen, denn damit erhält unsere Partei auf die einfachsten Art und Weise den nötigen Zuwachs.“ (BV 25.11.19)

Die Generalversammlung vom 25. Januar 1920 findet „unter schwacher Beteiligung“ statt (laut Protokoll „38 Mann“). Anschliessend an den Jahresbericht der Partei referiert „Gewerbeinspektor Genosse Dr. Strub“ aus Basel über das Fabrik- und Arbeitszeitgesetz. Der Kassabericht spiegelt die zunehmenden Aktivitäten der SP Muttenz. Die Mitgliederbeiträge steigen auf CHF 538.10 bei Gesamteinnahmen von CHF 680.30 und Ausgaben von CHF 628.18. Da Präsident Oberer zurückgetreten ist, gibt es im Vorstand personelle Veränderungen. Präsident wird neu Ernst Honegger, unter Oberer Vizepräsident. Neuer Vizepräsident wird Genosse Landrat Leuenberger. 

Über die Lokalfrage gibt es eine ausgedehnte Diskussion. Eine Anfrage beim Gemeinderat hat ergeben, dass die Benützung des Gemeindesaals im Parterre an einem Samstag in Frage käme. Die Formulierung des Gemeinderates stösst aber auf Unwillen und es wird sogar die Befürchtung laut, dass dort eine Bespitzelung zu befürchten sei. So wird schliesslich beschlossen, den „Bären“ als Parteilokal zu behalten. 

Am 9.12. erscheint ein Artikel im „Basler Vorwärts“ über die geplante Überlandbahn von Basel nach Liestal, mit Verbindung zwischen Neuewelt und Muttenz. Es komme Leben in die Angelegenheit und mit der Ausführung werde nächstens begonnen, heisst es.

Zum ersten Mal führt die SP Muttenz zusammen mit dem Arbeiter Radfahrerverein eine gemeinsame Silvesterunterhaltung durch. Wie der „Basler Vorwärts“ meldet, geht der Abend unharmonisch aus: „Leider – es muss dies zur Orientierung der ganzen Einwohnerschaft gesagt werden – trat nach Mitternacht eine unliebsame Störung ein. Es machten sich nämlich gewisse Herrlein der andern Partei bemerkbar, die absolut kein Recht hatten, den Saal zu betreten. Der lodernde, aber begreifliche Zorn unserer Genossen stieg immer mehr bis zur Siedehitze. Durch die Unruhe veranlasst, ermahnte unser Genosse Herzog mit einigen anständigen Worten die Herren, den Saal verlassen zu wollen, da derselbe nur für die „Soz. Partei“ reserviert sei. Wohl hatte man die Worte gehört, aber nicht richtig eingeschätzt, wohl verzog man sich aus dem Saal, aber was geschah? Als Ruhe eingekehrt <war>, wurden unserem Genossen Lavater zum „Bären“ einige Scheiben eingeworfen. Es ist zu hoffen, dass diese tapferen Eidgenossen ausfindig gemacht werden können, damit wir sie ein andermal kennen. " (BV 7.1.20)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 6: Erstarktes Selbstbewusstsein

Das Geschäftsjahr 1920

An der Parteiversammlung vom 18. Februar werden die Traktanden der nächsten Gemeindeversammlung detailliert vorbesprochen. Die Partei wehrt sich gegen den Vertrag mit der Überlandbahn, weil die gewerkschaftliche Organisation der Mitarbeiter aus dem Entwurf gestrichen worden ist. Sie stimmt dem neuen Steuerreglement zu, welches die bisherige

Vorausleistung für alle Steuerklassen von CHF 8.00 wegfallen lässt. Und sie wird Sturm laufen gegen den Antrag der Gemeindekommission zur Wahl in die Rechnungsprüfungskommission, die anstelle von Genosse Herzog dem Genossen Schwob den Vorzug geben will. Der Protokollant hält fest: „So wird beschlossen, an der Kandidatur Herzog unter allen Umständen festzuhalten mit dem entschiedenen Hinweis, dass wir nun einmal nicht mehr gewillt sind, uns eine Diktatur von Seite der bürgerlichen Machthaber gefallen zu lassen“.

An der Kommissionssitzung vom 1. April werden die Traktanden der Gemeindeversammlung nochmals durchberaten. Genosse Leuenberger soll für die Änderung des Steuerreglements im Sinne der Einzelbesteuerung eintreten. Die Kommission zur Revision des Steuerreglements umfasst nach Information von Genosse Schwob 3 Sozialdemokraten, 3 Fortschrittspartei, 2 Grütlianer, 2 Fixbesoldete und 1 „Wild“. 

Die SP kann sich an der Gemeindeversammlung mit ihren Anträgen weitgehend durchsetzen: Der Antrag Leuenberger betr. Revision Steuerreglement wird entgegen genommen und Genosse Herzog in die Rechnungsprüfungskommission gewählt. (BV 25.2.20)

An der Parteiversammlung vom 5. Juni 1920 werden die Landratswahlen , erstmals im Proporzverfahren, diskutiert. Die Wahlen gehen am 14.6.20 mit folgender Mandatsverteilung im neuen Landrat aus: 27 SP, 55 Fortschrittliche, 7 Grütlianer, 7 Katholische Volkspartei. (BV 15.6.20)

Die erste Landratssitzung geht nicht ohne Eklat vonstatten. Bei der

Anlobung des Rates wirft Genosse Leuenberger die Frage auf, „ob nicht die Sozialdemokraten eine schriftliche Erklärung abgeben können.“< Statt zu schwören> „Dr. Seiler bezeichnet dies als einen blühenden Unsinn. Wenn die Sozialdemokraten nicht anloben wollen, so sollen sie gefälligst fernbleiben. – Dr. Brodtbeck (Soz.) tritt Seiler scharf entgegen. Die Sozialdemokraten sind die staatserhaltende Partei, nicht das Bürgertum. (Gelächter rechts, Bravo links). Die Zurückweisung unseres Wunsches entbehrt jedes Anstands, dafür aber hat man hohnlächelnd zugesehen, wie wir unsere Plätze aufsuchten. <Die Bürgerlichen besetzten als erste die Plätze, die ihnen passten und überliessen der SP den über den ganzen Saal verteilten Rest.> Dr. Seiler hat heute schon von „Kindereien“ und „blühendem Unsinn“ gesprochen. Nun, meine Herren, Sie müssen sich eben damit abfinden, dass das Volk den Proporz angenommen hat. Wir befinden uns in einem Proporzparlament und verlangen infolge dessen in allen vom Landrat zu wählenden Kommissionen und Gerichten das Proportionalverfahren.(…)“ (BV 29.6.20) 

Den Provokationen der bürgerlichen Seite (keine Berücksichtigung der SP im Vizepräsidium des Rates, keine Sitzordnung, kein Verständnis für spezielle Anlobung, keinen Kommissionsproporz, keine Wahl eines SP-Richters) folgen Nadelstiche der SP: So der rote Blumenstrauss, welcher zur Antrittssitzung den Genossen geschenkt wird und grosse Erregung bei den Bürgerlichen auslöst, oder der Ausspruch von Genosse Vogel, „dass die Bürgerlichen selbst daran schuld sind, wenn in Zukunft das Schlafen im Ratssaal aufhört. Es wird noch manches sich ändern, und Sie werden sich eben mit der neuen Situation abfinden müssen, ob sie wollen oder nicht.“

Vielleicht hat sich ja dann etwas hinter den Kulissen getan, denn der „Basler Vorwärts“ meldet am 30.6.20, dass Dr. K.A. Brodtbeck, Jakob Leuenberger und drei Bürgerliche ins Büro des Landrates gewählt worden sind.

Für eine abstinente Arbeiterschaft einstehen will die Loge Wartenberg N.G.O. mit einem Aufruf zur Mitgliedschaft. Diese sozialistische Loge will, wie die Partnerorganisationen in Basel, die Logen „Kurt Eisner“ und „Kampf“, dem verbreiteten Alkoholismus entgegentreten. Ihr Motto: „Denkende Arbeiter trinken nicht, und trinkende Arbeiter denken nicht. (…)" Der Appell endet mit den Worten: <T>retet in Massen der Loge Wartenberg bei, denn ein nüchternes Proletariat wird von unseren Gegnern am meisten gefürchtet. (…)“ (BV 15.6.20) 

 

An der Parteiversammlung vom 17. Juli 1920 orientiert Genosse Landrat Leuenberger ausführlich über die Hilfsaktion für Proletarierkinder mit Sitz in Zürich. Am 29. Juli sollte ein Zug mit 750 Kindern eintreffen. Noch fehlen Plätze, um sie alle aufzunehmen. Der Vorstand beantragt eine Sonderspende für diese Aktion von CHF 1.00 pro Mitglied. Drei Genossen melden sich für den Einzug der Spenden. Im Weiteren bittet der Vorstand jene, die Kinder aufzunehmen gedenken, sich zu melden. Es finden sich einige Mitglieder spontan, sie sind aber nicht in der Lage, Kleider für die Kinder anzuschaffen. Die Versammlung beschliesst deshalb, die Spendengelder für Kleideranschaffungen zu gebrauchen.

Im September werden Unterschriften für eine Initiative gesammelt, welche das Verbot der Steuerprogression in den Gemeinden abschaffen will. Und an der Parteiversammlung vom 1.9.20 stellt Genosse Arnold aus Basel die neu gegründete Jugendorganisation der SP in Muttenz vor.   

Die Abstimmung über den 8-Stunden-Tag bei den Transportunternehmen erregt die Emotionen speziell bei den betroffenen. Eisenbahnern. Da lesen wir im „Basler Vorwärts vom 27.7.20: „Nun sollte man annehmen, dass nebst den Christlich-Sozialen, welche ja gewöhnlich gegen den Strom schwimmen, kein aufrichtiger Gewerkschafter gegen den Achtstundentag Opposition machen würde; aber halt, es gibt eben auch bürgerlich gesinnte Gewerkschafter, die allerdings keine Schwerarbeit verrichten und die ganz gut mehr als acht Stunden arbeiten könnten und die auch in geistiger Hinsicht das Pulver nicht erfinden würden, wenn es nicht schon erfunden wäre. Ein solcher auf hoher Warte stehender Gewerkschafter ist der Herr Stationsvorstand Steffen in Muttenz.

Dieser „edle Charakter“ weiss nichts Gescheiteres zu tun, als gegen den Achtstundentag, also auch gegen das neue Arbeitsgesetz der Transportanstalten oder für das Referendum Stimmung zu machen, indem er Bekannten und Fremden gegenüber erklärt, der Achtstundentag sei für die Schweizer Bundesbahnen ein Verhängnis und sie müsse daran verlumpen. (…)“ (BV27.7.20)

Einen Tag später (BV 28.7.20) greift ein Artikel den Hausbesitzerverein Muttenz an: „Bekanntlich sind in den letzten Jahren Hunderte von Arbeitern von Unternehmerverbänden mittels schwarzen Listen wegen Beteiligung an Streiks auf das Pflaster geworfen worden. Was nun in den Städten schon längst praktiziert wird, macht nun auch auf dem Land in anderer Weise Schule. Vor uns liegt eine schwarze Liste des Hausbesitzervereins Muttenz mit folgendem Inhalt: Alle Mitglieder werden ersucht, bevor sie mit untenstehenden Mietern einen Vertrag abschliessen, sich jeweilen beim Vorstand zu erkundigen, ob der Mieter seinen Verpflichtungen dem letzten Vermieter gegenüber in vollem Umfang nachgekommen sei. 

Also weil ein Arbeiter die Wohnung nicht instand stellen konnte, weil ihm die nötigen finanziellen Mittel fehlten, wird er vor einer ganzen Bevölkerungsschicht, welcher er sowieso unterworfen ist, blossgestellt, damit er ja noch mehr ins Elend gerate. (…)“

Zu der hitzigen Atmosphäre dieses Sommers 1920 passt auch die Nachricht über den Bombenfund in der Hard. Nachträglich ist auch von weiteren Funden in der Gegend von Birsfelden-Muttenz die Rede. „Seit dieser Meldung ist wieder alles ins dunkle gehüllt und niemand erfährt, wo diese Bomben stecken und was damit geschehen ist.“ Es werde aber von bürgerlicher Seite folgende Erklärung an diese Meldung geknüpft: „Bekanntlich ist die elsässische Grenze schon seit langem von den freiwilligen Bewachungstruppen entblösst und weder Polizei noch Grenzwächter dürften ihrer Zahl nach genügen zur absoluten und rücksichtslosen Kontrolle eines derart wichtigen Grenzabschnittes, besonders nicht zu gegenwärtiger Zeit, da ganz Europa wieder vom Heranwälzen bolschewistischer Wellen spricht.“ (BV 20.8.20) 

Auch der Bericht von der Tramdebatte in Muttenz (BV 3.9.20) ist von spätsommerlicher Hitzigkeit geprägt. Die Diskussion dreht sich u.a.um die Weiterführung der Trambahn ins Oberdorf, ein spezielles Anliegen offensichtlich von „Papa Ramstein“ <Alt-Landrat der demokratischen Fortschrittspartei>, „nachdem er doch genau wissen muss, dass das, was er sagt, niemand mehr glaubt.(…)Noch weniger konnten wir glauben – und es war dies doch für jedermann handgreiflich – dass sich Herr Gemeinderat Jauslin von gewisser Seite einlullen liess, dass er sich als „quasi Vertreter  der Arbeiterschaft" aufspielen müsse, damit das ewige Geflunker des alten Ramstein besser Anklang finde. (…) Übrigens möchten wir Herrn Gemeinderat Jauslin doch bitten, die Vertretung der Arbeiterschaft von Muttenz wenigstens uns zu überlassen und die Dummheit zukünftig nicht mehr zu begehen, in einer Gemeindeversammlung im Namen fingierter Arbeiter zu sprechen (…)“

Und auch Herr Landrat Rüdin von den Grütlianern wird sich kaum gefreut haben über die Lektüre im „Basler Vorwärts“ vom 28.9.20, wo er als „Prachtsexemplar der Grütlianer“ vorgestellt wird. „Dieser Herr, Verwaltungsbeamter der S.B.B., Kreis 2, zwar ebenfalls organisiert, gab sich dazu her, in einer politischen Versammlung gegen das Arbeitsgesetz der schweizerischen Transportunternehmen (Achtstundentag) Stellung zu beziehen.(…)“ <Das Arbeitsgesetz wird am 31.10.20 mit rund 370’000 zu 270’000 Stimmen angenommen, in Muttenz mit 284 Ja zu 237 Nein.>

Apropos Atmosphäre: Dazu gehört auch der Hirtenbrief gegen den Sozialismus, der am Bettag 1920 in den katholische Kirchen verlesen wird.

Da heisst es im ersten Abschnitt in kompliziertem Kirchen-Deutsch: „Wer zum Sozialismus als System, zu seinen Grundanschauungen und Hauptzielen sich offen bekennt, oder wer offen für die sozialistische Sache kämpft und wirkt, entbehrt, solange er in dieser Gesinnung, unbelehrbar, verharren will, derjenigen Vorbedingungen, welche zum würdigen Empfang eines Sakramentes unerlässlich sind.“ (BV 2.10.20) 

Die Gemeindeversammlung vom 5.Oktober 1920 ist ausserordentlich stark besucht und bringt Landrat Leuenberger mit seinem Votum, die diesjährige Staatssteuertaxation einer Revision zu unterziehen, durchschlagenden Erfolg. Er beantragt eine entsprechende Resolution zuhanden des Gemeinderates mit der Aufforderung, beim Regierungsrat auf eine Neutaxierung verschiedener Steuerelemente hinzuwirken. Die Resolution wird mit allen gegen 18 Stimmen angenommen. 

An der Parteiversammlung vom 13. November 1920 stehen die Nominationen für die Gemeindewahlen im Vordergrund. Vielleicht darum sind für einmal 63 Mitglieder anwesend. Es stellen sich vier Kandidaten für den Gemeinderat zur Verfügung. In die Gemeindekommission werden 9 Kandidaten aufgestellt, wovon sechs kumuliert. Für die Schulpflege werden vier Kandidaten nominiert, in die Armenpflege nach negativen Voten zweier Anwesender niemand.

Die Diskussionen um den Eintritt in die 3. Internationale

An der Parteiversammlung vom 25. November 1920 steht der Beitritt zur 3. Internationalen als einziges Traktandum zur Diskussion. Wir geben das Protokoll, verfasst von Rudolf Riedtmann <vom linken Flügel> wörtlich wieder:

„Um 8 ½ Uhr eröffnet der Präsident die Versammlung. Vom Verlesen des Protokolls wird Umgang genommen und nach kurzer Begrüssung der Gäste Genosse Wieser und Baumgartner dem letzteren das Wort erteilt zu seinem Referat gegen den Beitritt. Die Diskussion wird eröffnet durch Genosse Leuenberger, der gegen den Eintritt spricht, ihm schliessen sich an die Genossen Herzog, Schwob, und Schmid. Dafür die Genossen Mesmer und Riedtmann. Um ½ 11 Uhr verlassen die beiden  Referenten den Saal, um den letzten Zug noch zu erreichen.

Von einigen Genossen wird vor der Abstimmung verlangt, es sollte auch noch darüber abgestimmt werden, ob überhaupt niemand, auch im Prinzip, abgesehen von den 21 Bedingungen, gegen einen Anschluss an Moskau sei. Dieses Verlangen bringt eine heillose Verwirrung der in der Erwartung des Abstimmungsresultates aufgeregten Gemüter hervor. Die Abstimmung ergibt 19 Stimmen für und 24 Stimmen gegen den Eintritt unter den 21 Bedingungen. 

Die Resolution des Genossen Baumgartner, die nichts anderes verlangt als Eintritt unter Abänderung der Bedingungen, macht dann bezeichnender Weise 34 Stimmen. Also 24 Stimmen für das Eine und 34 für dasselbe in Grün. Die Abstimmung bewies, dass das Resultat unter heilloser Verwirrung zustande kam, sodass von einer Klärung in dieser Frage innerhalb der Muttenzer Partei nicht gesprochen werden kann.

Schluss der Versammlung ½ 12 Uhr.“

An der Parteiversammlung vom 19. Januar 1921 geht es nochmals um den Beitritt zur 3. Internationalen.

Aufgrund der Verwirrung an der letzten Versammlung zum gleichen Thema kommen die Muttenzer Genossen nochmals zusammen, um endgültig zu entscheiden. Genosse Herzog <in der letzten Versammlung als Gegner der 3. Internationale aufgetreten> ist der Protokollant. Auch diesmal geben wir das Protokoll wörtlich wieder.

„Diese Parteiversammlung wurde einberufen zur Stellungnahme des Parteitagsbeschlusses vom 12. Februar 1920 in Bern. Es handelte sich dabei speziell für oder gegen die III. Internationale unter den von Moskau gestellten 21 Bedingungen. Da der Referent, der zugunsten des Parteitagsbeschlusses sprechen sollte, darauf hinwies, dass die Arbeiterschaft in dieser Angelegenheit nun genügend Aufklärung erhalten hätte, sprach Genosse Bodenmann zu Gunsten der III. Internationale auf Grund der 21 Bedingungen.

In seinem Referat unterliess er es nach kommunistischer Taktik nicht, unsere Berner und Zürcher Genossen als Verräter hinzustellen und die Proletarier vor denselben zu warnen. Unsere Genossen horchten wohl aufmerksam dem Referat zu, aber je mehr derselbe zu Gunsten der Moskowiter sprach, desto weniger Anklang fand er, und zwar schon deshalb, weil unsere Genossen nicht dulden konnten, dass sich Genosse Bodenmann so sehr übelwollend über unsere führenden Genossen aussprach. 

Nach dem Referat konnte die Abstimmung vorgenommen werden, dabei ergaben bei 85 eingelegten Stimmen 55 für den Parteitagsbeschluss <der gegen den Eintritt war> und 30 Stimmen dagegen. Mit dem Resultat durften die Genossen der alten Partei vorderhand zufrieden sein, besonders, weil von 152 Mitgliedern nur 85 an der Versammlung teilgenommen haben." Kommunaler Wahlkampf und Bodenständiges

Der „Basler Vorwärts“ ist im kommunalen Wahlkampf eine wichtige Waffe der SP, so auch in der Ausgabe vom 29.11.20. mit dem Titel „Demokratischfortschrittliche Grütlianer-Zukunftsmusik“. Dort steht u.a.: „Was wir schon lange erwarteten, ist eingetreten, nämlich dass die Grütlianerproporzpartei in unserem Dorfe Arm in Arm mit der Demokratischen Fortschrittspartei mit einer gemeinsamen Liste für die am 4./5. Dezember stattfindenden

Gemeindewahlen auf den Plan tritt. (…) Es muss eine Partei schon ziemlich tief gesunken sein, bis sie ein solches unehrliches politisches Manöver mitmacht.(…) Wir nehmen an, dass die Arbeiterschaft unseres Dorfes diese Machination der Grütlianer in richtiger Weise zu würdigen weiss und ihnen die nötige Antwort erteilt, indem sie bei den Wahlen am 4. Und 5. Dezember die Sozialdemokratische Liste 1 unverändert in die Urne legt. “

Das Ergebnis der Gemeindewahlen fällt nach all den Gehässigkeiten für die SP überraschend gut aus. Sie erringt im Gemeinderat auf Anhieb 3 Sitze (bisher:0). Gewählt sind Schmid-Spänhauer, Schwob-Meier, und HoneggerThommen, die restlichen Sitze belegen die Fortschrittler und Grütlianer. In der Gemeindekommission (15 Sitze) belegt die SP neu 5 Sitze.

Die Vorstandssitzung vom 7. Dezember 1920 ist der Behandlung kommunalpolitischer Themen der bodenständigen Art gewidmet. Wesentlich sind die Entscheide über die SP-Delegation in die Schätzungskommission, die Steuertaxationskommission, die Rekurskommission, das Wahlbüro, die Arbeitslosenkommission. 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 7: Die Trennung von den Kommunisten 

Nach dem Urabstimmungsbeschluss gegen den Beitritt zur 3. Internationale (in Baselland mit 683:458 Stimmen) beginnen die Absetzbewegungen des linken Flügels. 

 

Dabei schwenkt der „Basler Vorwärts“ ganz bewusst auf eine Kominternfreundliche Linie um. Er veröffentlicht am 13.12.20 einen Aufruf der „Zentrale der soz. Parteilinken“ an die „revolutionäre Arbeiterschaft“ der Schweiz. Und der Kommentar zu den Baselbieter Urabstimmungszahlen(BV 27.1.21) zeigt die Gesinnung des Parteiorgans recht deutlich: „Der einfache Arbeiter ersieht (…), dass der Parteitagsbeschluss und die Urabstimmung nichts anderes waren als eine Verschleierungskomödie, in Szene gesetzt, weil sich gewisse Führer gerne im Glanze eines revolutionären Scheines sonnen, dabei aber lieber einen gutbezahlten Posten im kapitalistischen Staate bekleiden, als auf den Sturz eben dieses Staates hinzuarbeiten. (...)"

An der Parteiversammlung der Muttenzer Genossen vom 19. Februar 1921 erteilt der Präsident als erstes das Wort  „an unsern hochgeschätzten Genossen Gustav Wenk“, der in einem einstündigen Referat die Situation der SP Schweiz nach dem Bruch mit den Kommunisten analysiert. Nur in Baselstadt und Schaffhausen sei der grössere Teil der Genossen zum Kommunismus übergetreten. Es bestehe eine gewisse Gefahr, dass ein Teil der bisherigen Mitglieder weder bei der einen noch der anderen Partei beitrete, sondern sich passiv verhalte. Hier sei die Agitation der Baselbieter Genossen stark gefordert. Wärmstens empfiehlt er den Muttenzer Genossen, das neue Parteiorgan „Der Sozialdemokrat“ obligatorisch zu erklären.

Gemäss einer Unterschriftensammlung ist festgestellt worden, dass „bis jetzt“ 96 Mitglieder bei der alten Partei bleiben. Die Versammlung nimmt zur Kenntnis, dass 10 Genossen den Austritt verlangen. 

Demokratische Fortschrittspartei und Grütlianer machen bei den Wahlen in die Steuertaxations- und Rekurskommission ein "Päckli und überlassen der SP bloss einen Sitz. Diese reagiert vehement, spricht von einem "Ehevertrag" der Fortschrittlichen mit den "Pseudonachkommen derjenigen, die einstens gegen die Landvögte ihr Leben eingesetzt hatten" <Grütlianer> , der in "gemeinsamer Sitzung unter dem Vorsitz seiner freiherrlichen Hoheit zu Ramstein und Gilgenberg, und zwar hinter dem Rücken ihrer Parteimitglieder" geschlossen worden sei, "denn sonst hätten solche Vorschläge wohl nicht gemacht werden können." (BV 25.2.21)

Jakob Leuenberger profiliert sich im Landrat als Freund der Kantonsangestellten, sei es für die Wegmacher (16.11.20 betr. WegmacherReglement; 10.3.21 betr. Arbeitsbedingungen der Wegmacher) oder für die Staatsbeamten generell (20.1.20 betr. Beamtenlöhne).  

Zum neu erschienenen Parteiorgan der SP „Sozialdemokrat“ schreibt der „Basler Vorwärts“ (BV 2.2.21): „Heute ist die erste Nummer des „Sozialdemokrat“, des neuen Organs der Parteirechten von Baselstadt und Baselland, in unsere Hände gelangt. Ein Blatt von vier Seiten, Kopfblatt des Zürcher „Volksrecht“, hauptsächlich von dessen Text angefüllt und in der Druckerei des „Volksrecht“  in Zürich hergestellt, was natürlich ein grosses Hindernis für die rasche Orientierung der Leser darstellt. Ein Leitartikel orientiert über die Aufgabe, die sich das neue Organ gestellt hat. Ein weiteres Dokument, das die nun vollzogene Trennung innerhalb der Partei illustriert!"

Der Antrag zur Revision des Muttenzer Steuerreglementes mit Erleichterungen für Verschuldete, erwerbstätige Kinder und Selbständige wird an der Gemeindeversammlung erfolgreich durchgebracht. Genosse Leuenberger kann die Versammlung mit den Argumenten der SP überzeugen. (BV 10.2.21)

Der linke Flügel trennt sich in Muttenz auch organisatorisch von der Mutterpartei. „Montag, den 7. Februar fand in Muttenz nun die Gründung der K.P. (als Sektion der K. Partei Baselland) statt. Eine kleine, dafür umso entschlossenere Zahl von Genossen fanden sich ein, um auch in Muttenz und Freidorf den Kampf für den Kommunismus zu führen; denn es ist bitter notwendig. Eingangs wurde beschlossen, an den Gemeinderat ein Gesuch um Überlassung eines Schulzimmers oder des Gemeindesaales zur Abhaltung von alkoholfreien Versammlungen zu richten. Hierauf führte uns Genosse Vogel aus Pratteln in die Aufgaben der Kommunistischen Partei ein und liess keine Zweifel darüber aufkommen, dass der Kommunismus weit mehr Verfolgungen ausgesetzt ist als die Sozialdemokraten. Aber eben deshalb brauchen wir eine disziplinierte Partei, um die Genossen zu entschlossenen Kämpfern zu erziehen, die nicht bei der ersten Niederlage den Mut sinken lassen. Das Wichtigste für uns Kommunisten ist heute die Aufklärungsarbeit. (…)“ (BV 14.2.21) 

An der Generalversammlung der SP Muttenz vom 5. März 1921 nehmen die Anwesenden aufgrund eines Schreibens der Kommunistischen Partei den Kollektivrücktritt von 9 Genossen, darunter zwei früheren Aktuaren sowie die Einzelaustritte von zwei weiteren Mitgliedern zur Kenntnis. 

Der Kassabericht spiegelt die Abspaltung der Kommunisten noch nicht wider. Die Parteibeiträge sind auf einem <relativ> hohen Stand von CHF 781.20, bei Gesamteinnahmen von CHF 1185.60 und Ausgaben von CHF 1134.98. Nach längerer Debatte entscheidet sich die Versammlung dafür, ab 1. April 1921 das Organ „Der Sozialdemokrat“ für obligatorisch zu erklären


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Teil 8: Engagement und Polemik

 "Lieblingsfeind" Landrat  Ruedin (Grütlianer, Muttenz)

Unter dem pathetischen Titel "Der Geduldsfaden droht zu brechen. Genossen, haltet Wache!" bringt der "Sozialdemokrat" am 15.3.21 folgende Einsendung: "Aus Muttenz wird uns geschrieben: Wie wenn er sich mit Hilfe der bourgeoisen Gesellschaft gleich dem römischen Catilina gegen uns Sozialdemokraten verschworen hätte, so benimmt sich der in der obersten Behörde unseres Kantons sitzende Landrat und Oberreaktionär Ruedin.

Seiltänzer nannte ihn unser Genosse Wetterwald aus Pratteln und der Obergrütlianer Ruedin findet noch den Mut, diesen Vorwurf zurückzuweisen, der doch nichts weniger angebracht war. 

Herr Ruedin! Sie haben im Landrat wieder deutlich gezeigt, welcher Richtung Sie angehören; nur wundert es uns, dass Sie sich noch Grütlianer nennen dürfen, denn bei Ihnen am wenigsten trifft das zu, und ihr Hauch des Lebens ist Ihnen entschieden nicht durch den Wind vom Rütli her eingegeben worden. Sie hätten allen Grund gehabt, dem Antrag Brodtbeck zuzustimmen. <gegen das Landratsreglement, welches von den Sozialdemokraten als "Maulkrattengesetz" bekämpft wurde>.Warum haben Sie das nicht getan? Sie sagten, weil sich die Linksparteien an Moskau und damit der Diktatur verschrieben hätten. (...) Sie schwaderten weiter: Leute, die nicht auf demokratischem Boden stehen, haben keinen Platz in den Behörden. Mit diesem Ausspruch geben Sie doch offen zu, dass Sie kein Arbeiterfreund und auch kein Sozialist sind, sondern dass Sie sich eigentlich der Demokratischen Fortschrittspartei und damit der Bourgeoisie bereits verschrieben haben. (...)" 

An der Parteiversammlung vom 1. April 1921 steht das Gemeindebudget zur Diskussion. Die SP will gegen die Ausgaben für den Zuchtstier interpellieren und lehnt auch den Beitrag an die Schützengesellschaft ab. Unter Diversem gibt Präsident Honegger bekannt, dass die Sektion zusammen mit der lokalen Kommunistischen Partei den Zuschlag für die Organisation der Bezirksmaifeier bekommen hat. 

Der Bericht von der Gemeindeversammlung hält fest: "Von unserem Votanten, Genosse Gemeinderat Schmid, wurde im Namen der Sozialdemokratischen Partei der Antrag gestellt, es sei der ausserordentliche Beitrag von 600 Fr. an die Schützengesellschaft zu streichen. (...) Wenn wir gegen den Militarismus kämpfen wollen, so müssen wir eben unten abzurüsten beginnen, wenn doch von höherer Warte aus nichts geschehe, und dabei sei es eben nur angebracht, dass jegliche Unterstützung für Militärzwecke ausgemerzt werde. (...) (SD 9.4.21) 

Die 1.Mai-Bezirksfeier 1921 in Muttenz schildert  "L" <wahrscheinlich OKPräsident Jakob Leuenberger> folgendermassen:

"In geordneter, würdiger Weise wickelte sich die Maifeier in Muttenz ab. Nachmittags 2 Uhr versammelten sich die Vereine und Parteien auf dem Schulplatze. Voran vier Sektionen Arbeiterradfahrer ("rote Kavallerie") mit zirka hundert Mann. Nachfolgend eine Kindergruppe (250 Kinder) von den Sektionen Birsfelden, Münchenstein und Muttenz. Dann folgten die Gewerkschaften, Arbeitermännerchöre, Arbeiterturnvereine und am Schlusse die kommunistischen und sozialistischen Parteien mit zirka 300 Mann. Ein schöner Zug bewegte sich durch die Hauptstrasse unseres Dorfes und machte auf die spalierbildende Bevölkerung einen erhebenden Eindruck, umso mehr, als der Zug ohne Tambouren und Blechmusik, also in ganz bescheidener Weise ausstaffiert war. (...)" (SD 3.5.21)

Das Organisationstalent von Leuenberger bleibt den Genossen positiv im Gedächtnis. Als an der Parteiversammlung vom 20. Mai 1921 Präsident Ernst Honegger „infolge Familienverhältnissen“ seine Demission gibt, wählen sie  Jakob Leuenberger zum neuen Präsidenten und Gemeinderat Gottfried Schwob als Vizepräsidenten.

Leuenberger beginnt auch im Landrat eine immer aktivere Rolle zu spielen. Beim Geschäft "Benutzung von Strassenterrain zum Bau und Betrieb der basellandschaftlichen Überlandbahn" rügt <er>, dass die Regierung, bei der Konzessionserteilung nicht Vorbehalte gemacht habe in Bezug auf die Birsbrücke. Ein Unglück sei hier nicht zu vermeiden bei dieser starken Nutzung, und er macht die Regierung für eventuelle Unglücksfälle verantwortlich." Der Baudirektor sichert vorsichtiges Fahren auf der Brücke zu, "da dies tatsächlich die gefährlichste Stelle sei." (SD 12.5.21) 

An der nächsten Landratssitzung moniert Leuenberger den Zustand öffentlicher Gebäude. Das Amtszimmer des Liestaler Statthalters gleiche einer "Räuberhöhle", auch die Amtsgefängnisse seien in einem miserablen Zustand. Dem stimmt der Baudirektor zu, verweist aber auf Planungen

(Amtshaus) und auf die finanziellen Engpässe. Und Leuenberger weiter: Die Eindohlung des Muttenzer Dorfbaches sollte an die Hand genommen werden, "in Anbetracht dessen, dass schon Fuhrwerke und Personen in diesen Bach gefallen sind, und damit zugleich das Strassenterrain erweitert werden kann." (SD 26.5.21) 

Während die SP-Genossen, so machen es die diversen Artikel im Parteiorgan glauben, recht aktiv sind, scheint bei den Kommunisten der Schwung seit der Gründung schnell verflogen zu sein. Der "Sozialdemokrat" vermeldet am 27. Mai 1921: "Wie uns bekannt wird, soll Rud. Rietmann, der bei der Trennungsfrage der Sozialdemokratischen und Kommunistischen Partei in unserem Dorf eine Hauptrolle spielte, wieder aus der Kommunistischen Partei, Sektion Muttenz-Freidorf, ausgetreten sein, und zwar mit der Begründung, dass er zur Verwirklichung der kommunistischen Postulate und Ziele kein Vertrauen mehr habe." <Diese Meldung wird später bestätigt.>

Von der Hamsterei einer Spezereihändlerin

"Die Hamsterei und Wucherei kommt in unserem Dorf auch zutage. Bei einer gewissen Spezereihändlerin, welche nach dem Tode ihres Bruders mit dessen Frau teilen sollte und bei der das Inventar aufgenommen wurde, fand der Inventurbeamte auf dem Estrich für ungefähr 10'000 Fr. Waren, welche sie von 1915 an aufgespeichert hatte. Diese Verkäuferin meinte wahrscheinlich, der Preis der Ware würde noch mehr steigen, damit sie einen hohen Profit in ihre Tasche stecken könne. Die Arbeiterfamilien wären froh gewesen, wenn sie während der Rationierung ein bisschen mehr bekommen hätten - und diese lässt ihre Ware auf dem Estrich zugrunde gehen!" (SD 27.5.21)

Keine Bedienung - wegen eines Maibändels

In der gleichen Ausgabe kommt folgende Begebenheit zur Sprache: "Am 1. Mai kam ein Mädchen in eine Spezereihandlung und Bäckerei Th., der sich gegenwärtig in Muttenz eingebürgert hat, mit einem sozialdemokratischen Maibändel eingesteckt und verlangte irgendetwas. Die Verkäuferin sagte zu ihr, sie gebe ihr nichts, sie solle kommen, wenn sie kein "Sozibändeli" anhabe. Die Arbeiter und Arbeiterfrauen sollten sich solche Dinge merken und Privathandlungen so gut wie möglich meiden. Besorgt eure Einkäufe im Konsum!

Am 24. Mai steht wiederum Genosse Landrat  Leuenberger im Rampenlicht, diesmal an der Gemeindeversammlung in Muttenz. "Zu Traktandum 5, Verschiedenes, äusserte sich Genosse Landrat Leuenberger, indem er gegen die Behandlung der Sozialdemokratischen Partei seitens des Bürgertums ganz energisch Protest einlegte. <Von den 5 von der SP für zwei Gremien nominierten Kandidaten wurde nur einer gewählt.> Da fand es natürlich unser bekannter Dr. Ramstein für angebracht, gegen den Protest seitens unseres Genossen Leuenberger zu protestieren(...), indem er sagte, eine Propagandarede (...) gehöre nicht an die Gemeindeversammlung, sondern an einen andern Ort (...) Hochgelahrter Herr Doktor! Was würden Sie dazu sagen, wenn die Fortschrittspartei (...) in Muttenz in Minderheit wäre? Wohl das Gegenteil von dem, was Sie uns gegenüber geäussert haben, nicht wahr?"

An der Parteiversammlung vom 11. Juni 1921 referiert Genosse Troller Albert über Zweck und Tätigkeit der Genossenschaftsunternehmungen VSK und ACV. Er empfiehlt den Mitgliedern, ihre Einkäufe im ACV zu tätigen. Dies umso mehr aufgrund der Geschichte mit dem Maibändel. Der Präsident empfiehlt den Anwesend auch, die Produkte der Firma Bally wegen der Behandlung der Arbeiterschaft zu boykottieren. Unter Diversem wird bekannt, das einige Genossen im Begriff sind, eine Arbeitermusik zu gründen.

Im Juni 1921 gerät die Firma Durtschi ins Visier der Genossen. Sie realisiert die Kabelleitung vom Zeughaus Basel ins Freidorf. Ob sich der Chef wohl bei seinen Vorausberechnungen geirrt habe und darum bei den Löhnen sparen wolle, munkelt der Einsender. "Vor uns liegt ein Zahltagscouvert eines seiner Arbeiter, welcher sage und schreibe vom 3. bis 12. Mai inklusive, also innert 10 Tagen und bei zehnstündiger Arbeitszeit 80 Franken bezogen hat. (...)" (SD 25.6.21)

Pünktlich auf den Nationalfeiertag erscheint im "Sozialdemokrat" ein Beitrag unter dem Titel "Musterpatrioten": "In der Dachpappe Muttenz, Weber & Co, wurde dieser Tage der Arbeiterschaft durch Anschlag bekannt gegeben, dass die Löhne ab 1. August, dem Tag der Bundesfeier, um 10 Prozent gekürzt werden. Die billige Lebenshaltung soll dazu Anlass geben. Diese trifft natürlich nur für die Arbeiter zu, für die Unternehmer ist sie im Gegenteil gestiegen, daher soll mehr Profit herausgewirtschaftet werden."

Das Thema Arbeitslosigkeit beschäftigt den Landrat. Auf Begehren von 14 sozialdemokratischen Landräten tritt der Rat zu einer ausserordentlichen Sitzung betreffend dieses Problems zusammen. 

Der "Sozialdemokrat" berichtet unter dem Titel "Unangenehme Stunden": "Die Genossen Surbeck, Moroff und Dr. Brodbeck haben einmal mit aller Gründlichkeit in die Liederlichkeit hineingeleuchtet, wie die Arbeitslosen in unserem Kanton behandelt werden. (...)" (SD 2.9.21)

Die Arbeitslosenzahlen Stand 27.8.21 nennt der "Sozialdemokrat" mit rund 5'500 Betroffenen im Baselbiet.

An der Parteiversammlung vom 17. September 1921 wird bekannt, dass die Sammlung für das hungernde Russland  in Muttenz den schönen Betrag von CHF 163 erbracht hat. Unter Verschiedenes informiert Genosse Jakob Leuenberger über das Thema Arbeitslosigkeit. Das Protokoll hält fest, dass beschlossen wird, „mit einem Gesuch an den Gemeinderat zu gelangen, um für Arbeitslose Steuererlass oder doch Steuerermässigung zu bewirken.

Im September bewegen sich auch die Betroffenen, indem in Muttenz zwei Versammlungen von Arbeitslosen durchgeführt werden.(SD 10.9.21 und 27.9.21)

In Basel wird aufgerufen für eine Demonstration gegen die Zoll- und Handelspolitik des Bundesrates sowie gegen die "Lex Häberlin" (Einschränkung der Meinungsfreiheit) und gegen das Elend der ca. 150'000 Arbeitslosen in der Schweiz. (SD 29.9.21)

 

An der Parteiversammlung vom 7. Oktober 1921 wird bekannt, dass der Gemeinderat eine Antwort auf das Gesuch der SP betr. Steuer-Erlass resp. Ermässigung für Arbeitslose gegeben hat, die unbefriedigend ausgefallen ist. Es wird beschlossen, eine Rückantwort an den Gemeinderat zu senden. Während anderthalb Stunden hält Genosse Landrat Surbeck aus Binningen ein Referat über die Wucherzölle. „Der Referent erklärte uns, dass die Wucherzölle, die der Bundesrat uns so eigenmächtig auferlegt hat, auf die Arbeiterschaft sehr peinlich <schmerzvoll> und auf längere Zeit unerträglich wirken und dadurch Preisaufbau statt Preisabbau bedingen.“

<Damit endet das erste Protokollbuch der SP Muttenz.>

Leuenberger bleibt seiner Idee eines Steuererlasses für Benachteiligte treu und reicht im Landrat eine entsprechende Interpellation ein. (SD 13.10.21)

Bewegung bei der Arbeitslosenfrage in Muttenz: Die

Gemeindeversammlung beschliesst Arbeitsbeschaffung für die Betroffenen, u.a. durch Weiterführung der Eindohlung des Dorfbaches. (SD 29.10.21) Der Polemik gegen Personen bleibt die SP weiterhin treu, diesmal trifft es Gemeinderat und Baumeister Eglin. Es geht um die militärische Behandlung von Arbeitslosen, die Notstandsarbeiten ausführen. "Nach Aussagen von solchen Arbeitern soll Eglin gleich am Anfang, d.h. zur Einleitung seines militärischen Drills erklärt haben, wenn sich irgendjemand seinen Anordnungen im geringsten widerstehe oder bei irgendeinem Befehl widerrede, der fliege hoch. - Nun, Herr Eglin, diese "Flüge" werden naturgemäss nicht so leicht vonstatten gehen, da wird sich der Arbeiter auch ein wenig zur Wehr setzt. Wir wollen dem aber schon jetzt vorbeugen, indem wir Ihnen sagen, Sie mögen sich am Schluss dieses oder vielleicht das nächste Jahr im Flugwesen nach Ihrem System und nach Ihrer Taktik ausbilden, damit Sie dann Ende 1923 als aus- und eingebildeter Pilot mitfliegen können." (SD 2.11.21) 

Ein Postulat der SP steht im Dezember 1921 zur Abstimmung <im Kanton>, die Aufhebung des Progressions-Verbots für Gemeinden. Die Muttenzer Genossen werben vehement dafür. "Unsere Gemeinde hat schon während der Beratung und Genehmigung unseres neuen Steuerreglements, welches 1921 geschaffen wurde, und welches auf 1. Januar 1922 in Kraft tritt, die Wichtigkeit der Progression für unsere Gemeinde anerkannt und in diesem Reglement aufgenommen. Diese Bestimmung ist uns aber von der Regierung gestützt auf den oben zitierten Artikel 46 <Progressionsverbot> wieder gestrichen worden. (...)" (SD 9.12.21)

Der Arbeitertag in Muttenz , der die Solidarität der Arbeiterschaft mit den Arbeitslosen hervorheben will, beschliesst ein aktionsreiches Jahr 1921 der SP Muttenz.

Die „Arbeiterzeitung" vom 19. Dezember 1921 meldet folgende Beschlüsse der 300 Anwesenden Genossen. "Die Forderungen der Arbeitslosen als diejenigen der Gesamtarbeiterschaft anzuerkennen und alles zu tun, um die Behörden zu zwingen, diesen zu entsprechen. Den Arbeitslosen wird die vollste Solidarität und grösstmögliche Unterstützung zugesichert. Um den parlamentarischen Kampf in Kanton und Gemeinde zu unterstützen, werden Demonstrationen der Gesamtarbeiterschaft, Arbeitseinstellungen in Aussicht genommen. Zur Durchführung der Forderungen bilden die beiden politischen Parteien <SP und KP> und das kantonale Gewerkschaftskartell eine gemeinsame Kampfleitung, die alle weiteren Schritte zu unternehmen hat. Ein Kampffonds soll geschaffen werden."   

Die in Muttenz beschlossene Resolution protestiert gegen Lohnabbau und Unterlaufung der 48-Stunden-Woche, kritisiert die Zoll- und Wirtschaftspolitik der Bundesbehörden und wendet sich gegen die Lex Häberlin ("Zuchthausgesetz"). "Ferner erhebt die Versammlung schärfsten Protest gegen die in unserem Kanton herrschenden miserablen Zustände in Bezug auf die Arbeitslosenfürsorge und verpflichtet sich, alles zu tun und alle Mittel anzuwenden, um das Los der Arbeitslosen so viel als möglich zu erleichtern."

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