Beitragsseiten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 3: Der Beginn

Zwei Gründungsversammlungen

Am 22. November 1917 führt die SP Muttenz nach Vorarbeiten einer Kommission, welche die Statuten ausgearbeitet hat, ihre Gründungsversammlung im Gasthof Bären durch. Weil das Referat von Parteifreund Vogel aus Pratteln über die Arbeiter-Internationale viel Zeit beansprucht, stimmen die Anwesenden bloss über die St atuten ab. Unter „Verschiedenes“ werden vor allem die Gemeindewahlen besprochen. Das Protokoll hält fest:“<M>an kam zu dem Entschluss, dass wir, wenn der Grütli-Verein geeignete Kandidaten aufstelle, wir Sie unterstützen wollen.“

Im „Basler Vorwärts“ erscheint ein Artikel zur Gründungsversammlung: „Muttenz. Die neugegründete Sozialdemokratische Partei in Muttenz konnte an ihrer ersten ordentlichen Sitzung, welche einen zahlreichen Besuch aufwies, wieder eine Anzahl Mitglieder aufnehmen, so dass das erste 50 erreicht ist. Genosse Vogel aus Pratteln zeigte uns in einem trefflichen Referate, welchen Zweck und was für Ziele die Sozialdemokratische Partei erreichen will.(…).

Nicht nur der Industriearbeiter, der Taglöhner oder der staats- oder eidgenössische Angestellte hat unter den drückenden Verhältnissen zu leiden, auch der Kleingewerbetreibende und der Schuldenbauer leiden bittere Not. Wenn deshalb der von Hand in den Mund lebende Bürger die Ursachen dieser Zustände zu erkennen beginnt und sich allüberall in Stadt und Land zum gemeinschaftlichen Kampfe gegen die Unterdrücker zusammenschliesst, so ist es sehr begreiflich, dass besonders eine ländliche sozialdemokratische Organisation den satten Dorfmagnaten ein Dorn im Auge ist und von diesen begeifert wird. (...)".

Am 28.11.17 geht die Vorstandswahl über die Bühne. Als Präsident wird Ernst Beyeler gewählt. Als Vize amtet Ernst Honegger. Es werden zwei Aktuare gewählt. Rudolf Gammenthaler übernimmt das Protokoll, Ernst Dürr ist für die Presse zuständig. Neben Kassier Gustav Honegger amten Hans Klaus und Hans Heggendorn als Beisitzer. 

Breiten Raum nimmt die Diskussion um das Parteiorgan ein. Als Hauptorgan fällt der „Basler Vorwärts“ in Betracht. In Sachen Gemeindewahlen ergibt sich eine Gesinnungsänderung. Anstelle der vorbehaltlosen Unterstützung des Grütli-Kandidaten für den Gemeinderat wird den Mitgliedern frei gestellt , wen sie wählen wollen. Für die Gemeindekommissionswahl werden 5 Kandidaten auserkoren und in die Steuerkommission drei Kandidaten aufgestellt. Um die Parteikasse aufzumöbeln, wird ein freiwilliger Beitrag von CHF 0.50 pro Mitglied „anempfohlen“. 

Die Muttenzer Genossen sind nach Beendigung aller Wahlgeschäfte (Drei Wahlgänge für den Gemeinderat) zufrieden, denn es sei „erfreulicherweise im Gemeinderat wie auch in der Steuerrekurs- und Gemeindekommission eine unserem Verhältnis entsprechende gerechte Arbeitervertretung erzielt worden.“ (BV 18.12.1917). Die positive Bilanz ist wohl so zu verstehen, dass dank den Grütlianern die Arbeiterkreise in den Behörden vertreten sind.

Geprägt von der Not der Arbeiterschaft ist der Parteitag der SP Schweiz vom Dezember 1917. Neben der Einführung weiterer Einkaufs- und Verteilungs-Monopole des Staates (s.o.) fordern die Anwesenden auch die Festsetzung von Mindestlöhnen, eine staatliche Lohnkontrolle, die Enteignung aller 10% übersteigenden Kriegsgewinne und eine rasche Erledigung der Proporz-Initiative. Sie lassen auch durchblicken, dass sie ihre Forderungen nötigenfalls mit Kampfmitteln durchsetzen werden, „vor allem dem Massenstreik“. (BV 3.12.17)

Anhänge:
URLBeschreibungNummerDateigröße
Zugriff auf URL (//attachments/article/72/Jubilaeum-SPM.pdf)Jubilaeum-SPM.pdf 12539 kB