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Teil 7: Die Trennung von den Kommunisten 

Nach dem Urabstimmungsbeschluss gegen den Beitritt zur 3. Internationale (in Baselland mit 683:458 Stimmen) beginnen die Absetzbewegungen des linken Flügels. 

 

Dabei schwenkt der „Basler Vorwärts“ ganz bewusst auf eine Kominternfreundliche Linie um. Er veröffentlicht am 13.12.20 einen Aufruf der „Zentrale der soz. Parteilinken“ an die „revolutionäre Arbeiterschaft“ der Schweiz. Und der Kommentar zu den Baselbieter Urabstimmungszahlen(BV 27.1.21) zeigt die Gesinnung des Parteiorgans recht deutlich: „Der einfache Arbeiter ersieht (…), dass der Parteitagsbeschluss und die Urabstimmung nichts anderes waren als eine Verschleierungskomödie, in Szene gesetzt, weil sich gewisse Führer gerne im Glanze eines revolutionären Scheines sonnen, dabei aber lieber einen gutbezahlten Posten im kapitalistischen Staate bekleiden, als auf den Sturz eben dieses Staates hinzuarbeiten. (...)"

An der Parteiversammlung der Muttenzer Genossen vom 19. Februar 1921 erteilt der Präsident als erstes das Wort  „an unsern hochgeschätzten Genossen Gustav Wenk“, der in einem einstündigen Referat die Situation der SP Schweiz nach dem Bruch mit den Kommunisten analysiert. Nur in Baselstadt und Schaffhausen sei der grössere Teil der Genossen zum Kommunismus übergetreten. Es bestehe eine gewisse Gefahr, dass ein Teil der bisherigen Mitglieder weder bei der einen noch der anderen Partei beitrete, sondern sich passiv verhalte. Hier sei die Agitation der Baselbieter Genossen stark gefordert. Wärmstens empfiehlt er den Muttenzer Genossen, das neue Parteiorgan „Der Sozialdemokrat“ obligatorisch zu erklären.

Gemäss einer Unterschriftensammlung ist festgestellt worden, dass „bis jetzt“ 96 Mitglieder bei der alten Partei bleiben. Die Versammlung nimmt zur Kenntnis, dass 10 Genossen den Austritt verlangen. 

Demokratische Fortschrittspartei und Grütlianer machen bei den Wahlen in die Steuertaxations- und Rekurskommission ein "Päckli und überlassen der SP bloss einen Sitz. Diese reagiert vehement, spricht von einem "Ehevertrag" der Fortschrittlichen mit den "Pseudonachkommen derjenigen, die einstens gegen die Landvögte ihr Leben eingesetzt hatten" <Grütlianer> , der in "gemeinsamer Sitzung unter dem Vorsitz seiner freiherrlichen Hoheit zu Ramstein und Gilgenberg, und zwar hinter dem Rücken ihrer Parteimitglieder" geschlossen worden sei, "denn sonst hätten solche Vorschläge wohl nicht gemacht werden können." (BV 25.2.21)

Jakob Leuenberger profiliert sich im Landrat als Freund der Kantonsangestellten, sei es für die Wegmacher (16.11.20 betr. WegmacherReglement; 10.3.21 betr. Arbeitsbedingungen der Wegmacher) oder für die Staatsbeamten generell (20.1.20 betr. Beamtenlöhne).  

Zum neu erschienenen Parteiorgan der SP „Sozialdemokrat“ schreibt der „Basler Vorwärts“ (BV 2.2.21): „Heute ist die erste Nummer des „Sozialdemokrat“, des neuen Organs der Parteirechten von Baselstadt und Baselland, in unsere Hände gelangt. Ein Blatt von vier Seiten, Kopfblatt des Zürcher „Volksrecht“, hauptsächlich von dessen Text angefüllt und in der Druckerei des „Volksrecht“  in Zürich hergestellt, was natürlich ein grosses Hindernis für die rasche Orientierung der Leser darstellt. Ein Leitartikel orientiert über die Aufgabe, die sich das neue Organ gestellt hat. Ein weiteres Dokument, das die nun vollzogene Trennung innerhalb der Partei illustriert!"

Der Antrag zur Revision des Muttenzer Steuerreglementes mit Erleichterungen für Verschuldete, erwerbstätige Kinder und Selbständige wird an der Gemeindeversammlung erfolgreich durchgebracht. Genosse Leuenberger kann die Versammlung mit den Argumenten der SP überzeugen. (BV 10.2.21)

Der linke Flügel trennt sich in Muttenz auch organisatorisch von der Mutterpartei. „Montag, den 7. Februar fand in Muttenz nun die Gründung der K.P. (als Sektion der K. Partei Baselland) statt. Eine kleine, dafür umso entschlossenere Zahl von Genossen fanden sich ein, um auch in Muttenz und Freidorf den Kampf für den Kommunismus zu führen; denn es ist bitter notwendig. Eingangs wurde beschlossen, an den Gemeinderat ein Gesuch um Überlassung eines Schulzimmers oder des Gemeindesaales zur Abhaltung von alkoholfreien Versammlungen zu richten. Hierauf führte uns Genosse Vogel aus Pratteln in die Aufgaben der Kommunistischen Partei ein und liess keine Zweifel darüber aufkommen, dass der Kommunismus weit mehr Verfolgungen ausgesetzt ist als die Sozialdemokraten. Aber eben deshalb brauchen wir eine disziplinierte Partei, um die Genossen zu entschlossenen Kämpfern zu erziehen, die nicht bei der ersten Niederlage den Mut sinken lassen. Das Wichtigste für uns Kommunisten ist heute die Aufklärungsarbeit. (…)“ (BV 14.2.21) 

An der Generalversammlung der SP Muttenz vom 5. März 1921 nehmen die Anwesenden aufgrund eines Schreibens der Kommunistischen Partei den Kollektivrücktritt von 9 Genossen, darunter zwei früheren Aktuaren sowie die Einzelaustritte von zwei weiteren Mitgliedern zur Kenntnis. 

Der Kassabericht spiegelt die Abspaltung der Kommunisten noch nicht wider. Die Parteibeiträge sind auf einem <relativ> hohen Stand von CHF 781.20, bei Gesamteinnahmen von CHF 1185.60 und Ausgaben von CHF 1134.98. Nach längerer Debatte entscheidet sich die Versammlung dafür, ab 1. April 1921 das Organ „Der Sozialdemokrat“ für obligatorisch zu erklären

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