Kernteile des Hauses stammen aus dem 15./16.Jh. Im Bereich des Wohnteils hat sich einst ein älteres Steingebäude, respektive ein gemauertes Balkenfundament befunden, welches nach Quellenrecherchen des Besitzers möglicherweise aus der Zeit vor 1533 stammt (nach Dorfinventar 2001).

Die Geispelgasse bot, im Gegensatz z.B. das Oberdorf, genügend Platz für einen Bauerngarten vor dem Haus an.

Haus Nr. 6 auf dem Plan von G.F. Meyer, 1678
Karte Staatsarchiv Baselland
ohne Jahr, mit Miststock und Bauerngarten
Museen Muttenz, CC BY-SA 4.0
ohne Jahr
Museen Muttenz, CC BY-SA 4.0
An der linken Hauskante sind die Almosensteine sichtbar
Foto Heimatkunde Muttenz, Barbara Sorg, 2009
Almosensteine
Foto Hanspeter Meier, 2009
 
Flugaufnahme 2009
Foto Heimatkunde Muttenz, Barbara Sorg, 2009
 

 

Adresse für Almosenbettler

Das Bauernhaus besitzt an der Südecke seltsam grosse Steinkugeln. Sie werden in der Bauernhausforschung «Mure Beeri» genannt. Manchmal wird ihre Funktion als Abwehr von bösen Geistern oder Fruchtbarkeitssymbole verstanden. Wir finden sie in der Region bei alten Steinbauten, welche vermutlich vom Zehnten befreit waren, so dass man hier um Almosen betteln konnte.
In diesem Bauernhaus wohnte einst Johannes Lützler, der 1731 Gemeindeschaffner und von 1736 bis 1757 Untervogt war. Als Untervogt war er für die niedere Gerichtsbarkeit (zum Beispiel Diebstahl) zuständig. Das Haus verfügte offenbar über einen Kerker. Beim Umbau 1996 fand man im Keller ein eichenes «Fenstergerämse » mit starkem Eisengitter. Das Haus hatte also eine besondere Funktion und die Steinkugeln können als Almosensteine interpretiert werden.

aus: Karl Bischoff, Muttenz, Geispelgasse 6: einst die Adresse für Almosenbettler, Baselbieter Heimatblätter 1, 2002, Liestal, S. 122.

Fenster aus dem Keller mit Eisengitter
Museen Muttenz, CC BY-SA 4.0
Fenstermasse: Breite: 96 cm, Höhe: 102 cm, Tiefe: 17 cm 
Museen Muttenz, CC BY-SA 4.0