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Die kriegerischen Ereignisse im 15. Jahrhundert, namentlich der St. Jakobs- und der Schwabenkrieg brachten tiefgehende politische Umwälzungen.

Sie gingen am Adelsstande nicht spurlos vorüber. Vor allem wurde den Herren ihr zwiespältiges, mit dem Feinde sympathisierendes Verhalten nicht vergessen. Die Kluft zwischen Herrentum und Volk wurde tiefer, und immer mehr schwand die Macht und das Ansehen dieser feudalen Oberschicht. Misswirtschaft auf ihren Besitzungen und Untätigkeit,. Nicht selten verbunden mit verschwenderischem Tun führten nach und nach zum Zerfall des Adelstandes. Die Herren kamen in Geldnot. Ihrer bedrängten wirtschaftlichen Lage suchten sie durch die Verpfändung ihrer herrschaftlichen Einkünfte, der Zinsen und Zehnten abzuhelfen. Da sie selten mehr in die Lage kamen die Pfänder wieder einzulösen, gerieten sie in die Abhängigkeit ihrer Geldgeber, der Städte und reichen Bürgersfamilien.

Auf diese abschüssige Bahn gerieten auch die Münche von Münchenstein.

Am 18. Juli 1470 erklärte Konrad Münch, Herr zu Münchenstein und Wartenberg, seit dem .Abgang seines Vaters sei ihm mannigfaltige Widerwärtigkeit durch Krieg, Raub, Fehde und Feindschaft zugestoßen, die ihn in Schaden und Schulden gebracht habe, darum habe er Basel gebeten, daß sie das Schloß Münchenstein samt der Vorburg, auch die Schlösser auf dem Wartenberg, das Dorf Muttenz mit den Leuten, Gütern und aller Zubehörde zu ihren Handen nehmen, besitzen und verwalten mögen. Ebenso sollen der Stadt zufallen alle Zinsen und Gefälle, die Zehnten und alle Gerechtsame und Abgaben, die von der Herrschaft Muttenz-Münchenstein zu entrichten waren.

Basel willigte ein. 1470 wurde der Pfandvertrag für 12 Jahre abgeschlossen und damit trat Basel in den Genuss sämtlicher Herrschafts- und Nutzungsrechte der beiden Dörfer. Nicht inbegriffen war die Kollatur der Kirche St. Arbogast, das ,,Jus patronatus", das Recht die Pfarrei zu besetzen. Es lag in den Händen des Basler Domherrn, Peter zum Luft.

Einen wesentlichen Bestandteil der herrschaftlichen Güter und Gebäulichkeiten in Muttenz bildete die Gemeinde- oder Zehntentrotte. Sie war die Vorgängerin des Schul- und Gemeindehauses von welchem nachstehend die Rede sein soll. Dort mußte sämtlicher Wein der Gemarkung Muttenz gekeltert werden. Der zehnte Teil des Ertrages gehörte der Herrschaft. Seit 1470 der Pfandinhaberin, der Stadt Basel.

Muttenz besaß in früheren Jahrhunderten ein ausgedehntes Rebgelände von über 120 Jucharten. Laut den alten Aufzeichnungen betrug der Ertrag in geringen Weinjahren pro Jucharte 9-10 Saum. In guten Jahren steigerte sich die Ernte bis zu 28 Saum. Je nach der Ernte betrug somit der Zehntenanteil 100 bis 300 Saum. Wir Nachgeborene können uns daher kaum eine Vorstellung machen von dem regen Leben und Treiben, das alljährlich zur Herbstzeit in und um die obrigkeitliche Trotte herrschte. Tagelang rollten die beladenen Traubenwagen mit dem köstlichen Inhalt in die Räume, wo die Trauben durch junge Knaben mit Füßen ,,gestampft" und durch die beorderten Trottknechte gekeltert wurden. Unter der Aufsicht des Trottmeisters und der Zehntenberechtigten wurde der Zehntenwein unmittelbar an der Trotte bezogen und in große gesinnte Zehntenbockten gesammelt. Nachher wurde er an die Zehnteninhaber verteilt und abgeführt. Drei Vierteile des Weinzehnten bezog die Stadt und ein Viertel (die Quart) gehörte dem Bischof. Diese uralte Rechtsordnung hatte Bestand bis zur Ablösung der Zehntenpflicht und der Grund- und Bodenzinse im Jahre 1804.

Allem Anscheine nach war das alte Trottengebäude bei der Uebernahme durch die Stadt 1470 baufällig. Ob damals an Stelle des alten Gebäudes ein Neubau errichtet wurde, oder ob es sich gemäß den nachfolgenden Angaben nur um einen Umbau handelt, kann mit Sicherheit nicht festgestellt werden. Das Basler Ratsbuch (Ausgabenbuch) meldet uns darüber folgendes:

1470
„10 Pfund für Holz zu houen zu der Trotten zu Muttenz, und dem Zimmermann gegeben auf dieselbe Trotten.“

1471
„35 Pfund dem Zimmermann für die Trotten zu Muttenz. 11 Pfund demselben für die Trotten zu Muttenz.
5 Pfund für Fuhren von Holz für die Trotten.
3 Pfund für Latten und 28 Pfund für Ziegel für die Trotten.
1 Pfund Schilling die Trotten zu vorschlagen. (d. h. einzuwanden)
5 Schilling für Unschlitt für die Trotten.
Item, 35 Gulden, 6 Schilling, 8 Pfenning dem Zimmermann, Hans Andres, für die Trotten zu Muttenz und daran verbouen.
Item 11 Gulden demselben Zimmermann von der Trotten zu dem er die verdingt hat.“

1472
„Item 8 Schillinge, 4 Pfennige von der Trotten zu Muttenz zu bessern.
Item 2 Pfund, 9 Schillinge, 3 Pfennige für den Trottbaum zu führen und verzehrt als man den gen Muttenz führte.
Item 12 und einhalb Schilling für ein Holz zu einer Stegen zur Trotten zu Muttenz.
Item 20 Pfund Lienhard Zendlin uff das Verding der Trotten und Trotthuses daselbst.“

1473
„Item Lienhard Zendlin von Lörrach für die Trotten fertig bezahlt mit Rest 5 Pfund.“

1474
„Item 5 Pfund dem Ziegler uff Ziegel von Trotten fertig bezahlt mit Rest 5 Pfund. “

1475

„Für ein Ofen in der Trotten zu Muttenz.“

Weitere Eintragungen im Ratshause fehlen. Das Ausgabenverzeichnis scheint nicht vollständig zu sein. Immerhin geht aus demselben hervor, daß zwischen dem Rat der Stadt Basel und dem Zimmermann Lienhard Zendlin aus Lörrach ein Verding für die Errichtung des Trotthauses getätigt worden war. Ein beim kürzlichen Abbruch zum Vorschein gekommenes Eingangstor auf der Ostseite, aus rötlichen Steinblöcken, versehen mit schönen Steinmetzzeichen, verweist in der kunstgerechten stilistischen Bearbeitung die Entstehung des Baues ins letzte Viertel des 15. Jahrhunderts.

Ueber die Größe des damaligen Gebäudes sind wir auf Vermutungen angewiesen. Dagegen konnte festgestellt werden, daß das alte Gebäude genau die gleiche Frontbreite von 20 Metern aufwies wie das nun abgetragene. Es war einstöckig, versehen mit einem hohen, vermutlich an den Giebelseiten abgewalmten Dache und gekrönt von einem Dachreiter mit Schlaguhr, ähnlich wie das Trottengebäude in unserer Nachbarsgemeinde Münchenstein. Durch steinerne rundbogige Einfahrtstore gelangte man in den großen Raum, wo zwei bis drei mächtige aus Eichenbalken konstruierte Trotten aufgerichtet waren. Daneben befanden sich noch ein bis zwei weitere Lokale. Diese dienten den Trottknechten und den Zehntenherren. Die angeführte Ausgabe im Ratsbuche für einen Ofen beweist, daß dort geheizt werden konnte.

Im Jahre 1480 wurden die Schloßgüter, deren Zinse der Stadt abzustatten waren, neu bereinigt, d.h. frischerdings umschrieben. Wie die Trotte, gehörte auch die angrenzende Liegenschaft, jetzt Gasthof zum Bären,.zum herschaftlichen Schloß, oder Stadt Baselgut.

Die Liegenschaft ist umschrieben wie folgt:

ltem Hans Hüglin der alt, (ein längst ausgestorbenes. Bürgergeschlecht) hatt ein Hofstatt stost an miner Herren (d.h. Stadt Basel) Gut, da die Trotten uffstat. 1528 gehörte die Liegenschaft (Bären) dem Untervogt, d. h. dem Gemeindevorsteher Arbogast Brodbeck und „lit neben miner Herren Trotten.“

1744 liegt „unserer gnäd. H. Herren Trotten neben Claus Schmidlin (Bären) ein ebenfalls ausgestorbenes Muttenzergeschlecht.