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© Fotos Barbara Sorg, Hanspeter Meier, Muttenz und Museen Muttenz

Adresse für Almosenbettler
Das wohl schon Ende des 14. Jahrhunderts erstellte Bauernhaus an der Geispelgasse 6 besitzt an der Südecke seltsam grosse Steinkugeln (s. Bildergallerie). Sie werden in der Bauernhausforschung «Mure Beeri» genannt. Manchmal wird ihre Funktion als Abwehr von bösen Geistern oder Fruchtbarkeitssymbole verstanden. Wir finden sie in der Region bei alten Steinbauten, welche vermutlich vom Zehnten befreit waren, so dass man hier um Almosen betteln konnte.
Im Bauernhaus an der Geispelgasse wohnte Johannes Lützler, der 1731 Gemeindeschaffner und von 1736 bis 1757 Untervogt war. Als Untervogt war er für die niedere Gerichtsbarkeit (zum Beispiel Diebstahl) zuständig. Das Haus verfügte offenbar über einen Kerker. Jedenfalls fand man beim Umbau 1996 im Keller ein eichenes «Fenstergerämse »4 mit starkem Eisengitter. Das Haus hatte also eine besondere Funktion und die Steinkugeln können als Almosensteine interpretiert werden.

aus: Karl Bischoff, Muttenz, Geispelgasse 6: einst die Adresse für Almosenbettler, Baselbieter Heimatblätter 1, 2002, Liestal, S. 122.